Mit Barbados verliert die Queen eine Perle im Ozean

GEOLITICO ROYAL

Barbados / Rockley Beach / Bridgetown / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: gromine;https://pixabay.com/de/photos/rockley-strand-strand-von-barbados-1716808/ Barbados / Rockley Beach / Bridgetown / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: gromine;https://pixabay.com/de/photos/rockley-strand-strand-von-barbados-1716808/

Barbados sagte sich vom Vereinigten Königreich los und ist nun freie Inselrepublik in der Karibik. Für Queen Elizabeth II. reiste Prinz Charles nach Bridgetown.

Von Steven West

Im Tropenparadies Barbados vollzog sich heute Nacht Historisches. Queen Elizabeth II. nahm ihren Hut bzw. die Krone und verlor damit einen weiteren Thron in ihrer bald 70-jährigen Herrschaft. Um Mitternacht ist Richterin Sandra Mason in der Hauptstadt Bridgetown feierlich als erste Präsidentin des Inselstaats vereidigt worden.

Seit Elisabeth II. am 6. Februar 1952 den Thron von ihrem Vater übernahm, haben sich viele Länder aus dem Königreich verabschiedet. So war Elizabeth die Ewige bis 1956 Queen of Pakistan, bis 1974 Herrscherin von Malta und bis 1972 Königin der Fidschianer (iTaukei), um es bei einigen Beispielen zu belassen. Dennoch geht in ihrem Reich nach wie vor die Sonne nie unter.

Das mag auch Prinz Charles den Abschied etwas leichter gemacht haben, der für die Queen an der Zeremonie in Bridgetown teilnahm. Zwar wird er sich künftig nicht mehr mit dem Titel King of Barbados schmücken können, aber er hat zumindest immer noch in der Karibik die Chance, unter anderem King of Jamaica zu werden, auch wenn das Land immer wieder damit liebäugelt, auch auf Republik umzustellen, dies aber bisher unterlässt.

So verhält es sich auch in den anderen Karibik-Königreichen, die als parlamentarische Monarchien Elizabeth II. als Staatsoberhaupt haben und zu einer Art Royal Commonwealth gehören: St. Kitts and Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen reihen sich perlenschnurartig als Westindische Inseln ins Reich Elizabeths harmonisch ein. Ob es allerdings so harmonisch weitergeht mit der Entlassung Barbados aus der britischen Krone, das ist die Frage.

Friedlicher Wechsel- so British!

Auf Barbados war Richterin Mason bisher Generalgouverneurin, also Stellvertreterin Elizabeths. In einer Abstimmung in beiden Kammern des Parlaments hat im vergangenen Jahr eine überwältigende Mehrheit für die Republik gestimmt. Für Mason und die moderat-linke Regierung ist der Schritt überfällig: „Es ist an der Zeit, unsere koloniale Vergangenheit vollständig hinter uns zu lassen“, sagt sie.

Damit verlässt die Insel den Commonwealth-Realm (Reich)-Status, also mit Elizabeth als Königin, und wechselt in den Commonwealth of Nations-Verbund, der die meisten ehemaligen britischen Kolonien umfasst, wie zum Beispiel das frühere Kronjuwel Indien.

Karibische Reiche am Scheideweg – new identity?

Der Karibik-Experte und Historiker Christian Cwik bewertet das Geschehen auf Barbados kritisch. Es könne einen Trend auslösen, der auch die anderen karibischen Reiche Elizabeths erfasst. Barbados hat für ihn eine Ausnahmestellung, da das es von 1625 bis 1966 durchgehend englische Kolonie war und als am britischsten unter allen West Indies gilt.

Inseln wie Trinidad und Tobago oder Dominica haben sich bereits vor Jahren von der Queen in gegenseitigem Einvernehmen verabschiedet. So würde das der Buckingham Palast freilich nicht ausdrücken. Zu Barbados ließ er mitteilen, dass es sich um „eine Angelegenheit der Regierung und der Bevölkerung von Barbados“ handele.

Unbelastet war die Beziehung zu dem malerischen Inselstaat keineswegs, obwohl die Queen im Laufe ihrer langen Herrschaft Barbados mehrfach besuchte und auch andere Royals wie Prinz Harry anlässlich des 50. Jahrestags der Unabhängigkeit 2016 an den Feierlichkeiten in Bridgetown teilnahmen. Jedenfalls sagt der von der Queen geadelte barbadische Historiker Sir Hilary Beckles: „Das ist das Ende der Geschichte kolonialer Ausbeutung von Geist und Körper.“

Cancel culture royal?

Starke Worte, die darin gipfeln, dass die Menschen auf Barbados „sich von der Tyrannei imperialer und kolonialer Autorität“ befreien. Seine Darstellung kontrastiert stark mit jener des Presseamts der Queen, das von „einer einzigartigen Beziehung zu dieser östlichsten der karibischen Inseln“ spricht.

Der Abschied von London und dem Palast wird Barbados nicht allzu schwerfallen, zumindest politisch und ökonomisch. Die Insel hat einen gut entwickelten Tourismussektor sowie eine prosperierende Zuckerindustrie. Ob sich das Land eine eigene, neue Identität stiftet mit dem Wechsel zur Republik, bleibt abzuwarten. Die Zukunft der Insel liegt jetzt in den Händen der neuen Präsidentin Sandra Mason, der republikanischen Nachfolgerin der Queen. May she reign forever – but not anymore over Barbados.

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