Rama X. ist wieder König in Bayern

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Buddhismus / Thailand / Rama X. / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Peggy_Marco; https://pixabay.com/de/photos/bangkok-buddha-gold-meditation-1179807/ Buddhismus / Thailand / Rama X. / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Peggy_Marco; https://pixabay.com/de/photos/bangkok-buddha-gold-meditation-1179807/

Der exzentrische Thai-König Rama X. ist nach Deutschland zurückgekehrt und macht Bayern zur heimlichen Monarchie. Froh ist der Freistaat darüber nicht.

Von Steven West

Münchens Himmel leuchtete bei der Ankunft Ramas X. im luxuriösen Privatjet, den der ausgebildete Kampf-Pilot wie immer selbst steuerte. Seine Entourage soll neben rund 250 Lakaien, Sicherheitspersonal und Konkubinen auch das royale Pudel-Rudel umfassen – 30 Fifis, die im eigenen Flieger mit allem Komfort anreisten!

Was treibt Rama X. wieder nach Bayern?

Seine einjährige Abwesenheit aus dem Freistaat muss für Maha Vajiralongkorn, wie der König „bürgerlich“ heißt, eine Qual gewesen sein. Seine Majestät ist bekannt für seine Liebe zum weiß-blauen Süden der Republik, den er seit langem regelmäßig und gerne lange besucht. Das thailändische Herrscherhaus hat ein gewisses Faible für Deutschlands Süden: So erbte Maha von seinem Vater Bhumibol, alias Rama IX., eine stattliche Villa am Starnberger See, in der er schon als Kronprinz häufig weilte.

Die Liebe zu Deutschland geht in der Familie noch weiter zurück. Einer seiner Vorfahren, Prinz Rangsit Prayurasakdi, war Anfang des 20. Jahrhunderts an der Universität Heidelberg, die damals bei ausländischen Eliten hoch im Kurs stand, in verschiedenen Fächern eingeschrieben.

Der entfernte Onkel Ramas X. legte durch seine Erfahrungen in Deutschland die Grundlagen für eine Professionalisierung des thailändischen Hochschulwesens, insbesondere der medizinischen Ausbildung. Auch sein ganz persönliches Glück fand er in Deutschland. Der spätere Prinzregent heiratete die Kurpfälzerin Elisabeth Scharnberger, ein Pensionstöchterlein aus dem beschaulichen Ladenburg.

Rama X. im Tank-Top durch Oberbayern

Amouren soll der aktuelle König mit deutschen Bürgerstöchtern nicht haben. Er genieß in Bayern vor allem die Ruhe vor den Querelen daheim. Zuweilen holen sie ihn aber doch wieder ein. So musste er im Herbst überstürzt in die Heimat aufbrechen. Dringlich war die ganze Sache durchaus, da sich auf den Straßen der thailändischen Hauptstadt Zehntausende Untertanen über die merkwürdigen Aktivitäten des seit 2016 in Amt und Würden befindlichen Monarchen demonstrativ beklagten.

Studenten zogen den König durch den Kakao, indem sie sich bauchfrei, im engen Tank-Top und mit Pudel-Imitationen zeigten. Eine Persiflage auf Mahas ganz unkönigliche Auftritte bei seinen Bayern-Reisen, zu deren zweifelhafter ästhetischer Höhepunkte ein Einkauf in Möbel-Outlets im Münchner Speckgürtel geriert: Maha Rama shoppte in skinny Jeans, und obenrum zierte ihn ein Hauch von Nichts, dekoriert mit allerlei Tattoos.

Was bewegt die Demonstranten?

Hinter den Protesten stecken tiefere, langjährige politische Spannungen, die sich in zwei Gruppen kristallisieren: den Rothemden und den Gelbhemden. Erstere sind die Unterstützer des vom verstorbenen König und Militär gestürzten schillernden Geschäftsmanns und Ex-Ministerpräsidenten Thaksin Sinawatra. Sie stammen aus den ländlichen Regionen und sind vor allem ärmere Bauern, Kleingewerbetreibende und einfache Polizisten. Sie wollen im Kern soziale Verbesserungen und stehen in der Mehrheit treu zum Königshaus.

Die Gelben sind in den urbanen Eliten Bangkoks verwurzelt. Zu ihnen zählen etwa höhere Militärs sowie Angehörige der Mittel- und Oberschicht, die sich als besonders königstreu aufführen. Gelb bzw. Gold ist die Farbe der Monarchie, die sich gerade bei Zeremonien eindrucksvoll opulent zeigt. Donald Trump hätte seine Freude daran.

Vor diesem Hintergrund sind die langen Bayern-Aufenthalte des Monarchen heikel. Durch das Internet und die nicht mehr ganz so royalistisch gesinnte Jugend in den Großstädten erfahren die Thais Dinge über Rama, die sie aus den eigenen Medien nicht wissen. Dort herrscht eine eiserne Zensur, wenn es um die Belange des Königshauses geht. Auch gibt es ein Lèse-Majesté-Gesetz (Majestätsbeleidigung!), das Kritik am Herrscher und seiner Familie mit bis zu 15 Jahren Gefängnis ahndet. Vergleichbares gibt es nur noch beim nicht weniger exzentrischen König von Eswatini (Swasiland).

Garmisch als heimliche Hauptstadt

Inzwischen jedoch scheinen sich die Verhältnisse in Thailand wieder beruhigt zu haben, zumindest oberflächlich. Grund genug für Rama, sich in seine Wahlheimat Bayern zu begeben, in der er bei seinem letzten Besuch wegen angeblicher Platzgründe für den üppigen Hofstaat und Corona-Auflagen im Vier-Sterne-Hotel „Sonnenbichl“ in Garmisch-Partenkirchen residierte.

Die Tutzing-Villa platzte aus allen Nähten! In dem wenig standesgemäßen Grand-Hotel im Charme der späten 80er Jahre soll er sich nicht nur um sein Gefolge, sondern auch um die politische Lage in Thailand gekümmert haben.

Selbst die Bundesregierung, vertreten durch Außenminister Maas, sah sich ob der Aktivitäten des Herrschers zu einer Stellungnahme genötigt. Es sei inakzeptabel, wenn ein ausländisches Staatsoberhaupt von deutschem Boden aus Regierungsgeschäften nachgehe, ließ Maas verlautbaren.

Auch die bayerische Staatsregierung scheint nicht wirklich amüsiert zu sein über den häufigen Gast. Denn Rama zahlt keine Zweitwohnungssteuer und hat bislang auch nicht die Erbschaftssteuer für die Villa in Tutzing beglichen. Dabei gilt er als der reichste Monarch der Welt, der über ein Vermögen von rund 60-100 Milliarden Euro verfügen soll.

Maha-Rama ist aber nicht nur reich, sondern mindestens ebenso machtbewusst. Im Pakt mit der Militärführung hat seine Majestät sich erfolgreich deutlich mehr Rechte ausbedungen, als sein beliebter Vater sie je hatte. Spekulationen, wonach nicht er, sondern die beim Volk angesehene Schwester Sirindhorn den Thron besteigen würde, haben sich schnell in Luft aufgelöst. Mit seinem Durchsetzungswillen und Machtbewusstsein hat Rama X. viele in Thailand überrascht.

Entscheidungsfreudig ist er auch in Liebesdingen. Derzeit gibt es zwar eine Königin Suthida, seine vierte Gattin, aber es gibt auch noch eine ehemalige Stewardess bei Thai-Airways, sowie die offizielle Nebenfrau, Sineenat Wongvajirapakdi. Letztere „rekrutierte“ der König aus dem Personal der Luftwaffe. Sie war zwar zwischenzeitlich in Ungnade gefallen und musste kahl geschoren einen klösterlichen Arrest fristen, doch inzwischen ist die royale Nebengemahlin wieder rehabilitiert und soll sogar mit von der Partie in Bayern sein. Des Königs Mutter, die bei den Thais viel geliebte Sirikit, soll einst über den Filius gesagt haben, dass er ein regelrechter Don Juan sei.

Übrigens: Im tahiländischen Buddhismus, der de facto Staatsreligion ist, ist der Herrscher fast gottgleich und darf durchaus mehrere Frauen ehelichen bzw. unbegrenzt Konkubinen haben.

Ende einer Dynastie?

Gut unterrichtete Kreise schildern Rama als sexuell und finanziell unersättlich und auch zuweilen brutal gegenüber Untergebenen sowie seinen Frauen. Nur den Pudeln gelte seine uneingeschränkte Zuneigung, die seinen Liebling Fou Fou sogar den Generalsrang einbrachte. Wer denkt jetzt nicht an den ebenso exzentrischen Kaiser Caligula, der sein Pferd zum Konsul erhob?!

Rama hat lediglich einen legitimen Sohn, den sechzehnjährigen Prinzen Dipangkorn, der autistisch sein soll und in eine Waldorfschule geht. Laut seiner Mitschüler sei er freundlich und einfühlsam uns spreche besser Deutsch als Thai. Ist er die Zukunft der Monarchie? Eine alte Weissagung prophezeit, dass der X. Rama, der letzte sein soll. Lang lebe der König – in Bayern.

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Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
1 Monat her

Wie? Ein König soll in Bayern Steuern zahlen? Das war ja noch nie da und ich kann mir nicht denken, dass die einen Großkopferten deswegen verurteilen.

Martin1
Martin1
1 Monat her

Na die wahren Gründe, warum Rama X lieber in Bayern als in Thailand ist, dürften Andere sein. Hier sollte der Autor mal tiefer recherchieren – z. B. auf der Seite Secretsiam .

Thais reden gerne und viel, vermutlich könnte der Thai-König dort nicht ein Geheimnis haben.
Es wird gemunkelt, dass er schwer krank sei: HIV, Leukämie oder Nierenleiden.
Außerdem soll er drogen- und spielsüchtig sein.
Das kann er in D alles besser ausleben als in TH.

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