Das Drama um Charlène de Monaco

GEOLITICO ROYAL

Charlène / Monaco / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Hans; https://pixabay.com/de/photos/stadt-hochh%c3%a4user-hafe-schiffe-187488/ Charlène / Monaco / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: Hans; https://pixabay.com/de/photos/stadt-hochh%c3%a4user-hafe-schiffe-187488/

Charlène kehrt nach Monaten in Afrika ins Fürstentum zurück. Fragen zu ihrer Gesundheit und Scheidungsgerüchte lassen die Monarchie nicht zur Ruhe kommen.

Eine Gastbeitrag von Steve West

Als die Fürstin Anfang November mit einem Privatjet aus Südafrika kommend am Flughafen von Nizza nach mehrmonatigem Aufenthalt aus ihrer alten Heimat einschwebte, wurde sie weder von Fürst Albert II. noch von ihren Kindern begrüßt. Daraufhin schossen erneut die Gerüchte um ihre Ehe ins Kraut, die seit ihrer Hochzeit 2011 nie abebbten.

Damals wurde etwa spekuliert, Charlène habe wenige Tage vor der Trauung versucht, Monaco zu verlassen. Nur durch intensives Zureden sei sie gerade noch umgestimmt worden. Millionen TV-Zuschauer sahen die Frischvermählte damals weinend neben Albert, und Kommentatoren mutmaßten, ob es sich um Tränen der Rührung oder der Trauer handelten.

Rätsel um Charlènes Familienleben

Auch heute rätseln die Medien wieder leidenschaftlich über Charlènes Familienleben. Selbst republikanisch gesinnten Blättern wie der Süddeutschen Zeitung oder Frankfurter Rundschau war ihre Rückkehr aus Afrika ausgiebige Berichte wert, die nicht mit Hypothesen über den psychischen Zustand der Rückkehrerin geizten.

Aber wer ist eigentlich Charlène Grimaldi? Sie ist eine geborene Wittstock, deren Vorfahren aus Wittstock an der Dosse im 19. Jahrhundert ans Kap der Guten Hoffnung auswanderten. Und vermutlich ist sie die derzeit unglücklichste Monarchen-Gattin. Zumindest drängt sich dieser Eindruck auf, da sie über die Jahre neben Albert eher steif und unnahbar als gelöst, zugewandt und glücklich wirkt.

Auch die Monegassen werden mit ihrer Landesmutter offenbar nicht richtig glücklich. Sie klagen über ihre mangelnde Präsenz im Fürstentum, zudem spreche sie, anders als einst die ins Fürstentum eingeheiratete US-Schauspielerin Grace Kelly, immer noch nicht fließend Französisch. Kurz, Charlène fremdle insgesamt mit Monaco.

Heimkehr in die Fremde

Offizieller Anlass für die Reise im Mai nach Südafrika war übrigens Charlènes Einsatz für den Tier- und Naturschutz, vor allem gegen die Wilderei von Nashörnern. Klassischerweise jagen Adlige Wild, aber auch hier sieht man den Zeitenwandel. Spätestens seit Alt-König Juan Carlos von Spanien Jagdsause in Botswana mit mehreren erlegten Elefanten, darunter einem Prachtbullen, hohe Wellen der Empörung schlug, setzten die Royals auf Artenschutz.

Charlène handelte schon immer ganz anders. Sie mag ihre bürgerliche Sozialisation nicht ablegen, ist ihrer alten Heimat tief verbunden und liebt die Schönheit der Naturreservate. Regelmäßig besucht sie ihre Familie und ist mit dem neuen Zulu-König Misuzulu befreundet, der sie zum Abschied an den Flughafen Durban begleitete. Royals halten halt zusammen.

Allerdings war der Aufenthalt am Ende doch deutlich länger als geplant. Die Fürstin musste die Rückkehr ins Fürstentum wegen einer komplexen HNO-Erkrankung mit mehreren Operationen mehrfach vierschieben und blieb so mehrere Monate im Süden.

Die Sprache der Bilder

Boulevardblätter weltweit mutmaßten, der verlängerte Aufenthalt sei wohl eher auf eine neue Ehekrise zurückzuführen als auf medizinische Ursachen. Auch die wenigen und kurzen Besuche Alberts und der Kinder bei ihr heizten die Gerüchteküche weiter an.

Leider wirkten auch die Bilder der kurzzeitig im Naturreservat wiedervereinten Familie ein wenig gestellt: Zu steif schmiegt sich die Fürstin an den Gatten, die Umarmungen sind zu hölzern. Allein die Szenen mit den Zwillingen Jacques und Gabriella verdienen das Prädikat echt.

Der Hof indes setzte Alberts Rolle als praktisch allein erziehenden Vater gekonnt in Szene. Mit den Mini-Royals reiste er durch die Welt, und es verschlug das Trio sogar in den Europa-Park nach Rust. Wie putzig.

Währenddessen barmte Deutschlands führendes People Magazin Bunte den ganzen Sommer über die beiden mit Schlagzeilen wie „Heimlich längst getrennt“, „Die traurige Wahrheit über ihre Ehe“ und „Kommt jetzt die Scheidung?“.

Experten fällten knallharte Urteile über das fürstliche Paar. So beschreibt der Köpersprachen-Experte Sascha Morgenstern die Bilderserie auf Instagram als eine „vermeintlich glückliche Familie“, beide wirkten auf vielen Fotos distanziert. Das Ganze erinnere ihn an Bilder mit Prinz Charles und Diana. Will wohl heißen, dann kann nur noch die Scheidung kommen.

Glamour und Skandale sind unverzichtbar

Aber es könnte auch alles ganz anders kommen, wenn wir uns etwa die Ehe zwischen Alberts Eltern Grace Kelly und Fürst Reinier III. anschauen. Diese vom Hollywood-Riesen Metro Goldwyn Mayer arrangierte Ehe war für das in den 50er Jahren vor sich hin dümpelnde, fast bankrotte Fürstentum ein weltweiter PR-Coup.

Aus dem Arrangement soll sich über die Jahre tiefe Zuneigung entwickelt haben, und für die Monegassen ist Grace Kelly alias Grazia Patrizia die Fürstin schlechthin: Stilikone, mildtätige Landesmutter und fürsorgliche Gattin.

Charlène wird an ihr gemessen, und es mag sein, dass sie deshalb immer wieder Reißaus nimmt. Wer wird schon gerne verglichen mit einer Überfigur, deren Aura im Fürstentum immer noch präsent ist?! Charlène versuchte sich immer wieder aus dem Schatten ihrer Schwiegermutter zu lösen und bot ganz unfürstliche Looks wie einen Undercut oder die Inszenierung als afrikanische Kriegerin in düsterer schwarz-weiß Anmutung. Doch die Flucht in Äußerlichkeiten erlöste sie nicht.

Ex-ARD-Royal-Experte Rolf Seelmann-Eggebert brachte das Image der Grimaldis auf den Punkt: „Monaco ist reines Glamourhaus.“ Glanz und Turbulenzen im royalen Clan gehören de facto zur DNA des Zwergstaats, der ansonsten nicht wahrgenommen würde. Albert kann noch so viele Klima- und Naturschutzinitiativen gründen und bewerben oder High-Tech-Forschungslabore an seinem Felsen ansiedeln – für die PR ist das ewig währende Dramolett um seine Familie essenziell.

Nie endende royale Seifenoper

Wo hält sich Charlène auf? Ist sie überhaupt noch im Palast? Residiert sie in einem Appartement über der Lieblingskonditorei des Fürsten gegenüber dem Palast, in dem bereits andere unglückliche Grimaldi-Frauen Zuflucht suchten? Andere Stimmen behaupten, sie solle sich außerhalb des Fürstentums weiter erholen, und die Presse spekuliert unverdrossen über erhebliche psychische Probleme.

Gründe dafür gäbe es. Schließlich ist ihr Chéri Princier ist nicht ganz einfach und unbeleckt. So brachte Albert zwei uneheliche Kinder von zwei verschiedenen Damen quasi indirekt mit in die Ehe. Bei seinem Sohn rührte sich dessen Mutter und kritisierte Charlènes despektierlichen Umgang mit dem Filius in Alberts Abwesenheit. Sie soll ihn in eine Art Besenkammer umquartiert haben. Was für ein Skandal!

 Albert sah sich zu verschiedenen Stellungnahmen genötigt, die die nicht enden wollenden Gerüchte über ein Ehe-Aus und Zerwürfnisse in der weitverzweigten Familie zerstreuen sollten. Aber das gehört mit zur Inszenierung des Grimaldi-Clans in einer nie endenden royalen Seifenoper, die das Land letztlich am Leben erhält.

Gute Besserung, verehrte Fürstin!

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