Griechischer Hochadel vereinigt sich mit bürgerlicher Hochfinanz

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Royales Schaulaufen zu Athen: Prinz Philippos von Griechenland heiratet die Schweizer Milliarden-Erbin Nina Flohr und macht sie zur Prinzessin von Dänemark.

Ein Gastbeitrag von Steven West

Europas Adel hat endlich wieder Grund zum Feiern: Am gestrigen 23. Oktober 2021 gingen in der orthodoxen Kathedrale Mariä Verkündigung in Athen Prinz Philippos von Griechenland und die Schweizerin Nina Flohr den Bund fürs Leben ein. So wie 57 Jahre zuvor die royalen Schwiegereltern der Braut. Doch bei dieser Hochzeit war einiges anders als 1964. 

Damals wie heute berichten nicht allein People-Magazine wie Gala oder Bunte. Selbst der FAZ ist in ihrer Boulevard-Rubrik „Gesellschaft“ die royale Sause einen Artikel wert. Um die bislang dürftigen Informationen zu Gästen und Ablauf zeilenmäßig aufzuhübschen, dringt die FAZ tief in die Vergangenheit der griechischen Blaublüter ein: Krisengeschütteltes Königshaus, mehrfach abgesetzt und wieder eingesetzt, letztlich war die griechische Monarchie kurzlebig und im Vergleich zu England oder Dänemark ohnehin nur die „Hartz IV-Version“ unter den Königreichen Europas. 

Starke Anziehungskraft zwischen Geldadel und Altadel

Woher rührt dieses Interesse für Philippos und Nina? Hier kommt erneut zusammen, was seit Ende der feudalen Zeiten zusammengehört: Hochadel vereinigt sich mit bürgerlicher Hochfinanz. Nina Flohr ist die Tochter des Schweizer Milliardärs Thomas Flohr, der sich in jungen Jahren in Autorennen und als Playboy versuchte und schließlich höchst erfolgreich Firmen wie die private Fluggesellschaft VistaJet gründete. 

Die Braut arbeitet als Kreativdirektorin im väterlichen Unternehmen, wie ihre Mutter Katharina in gleicher Position beim Luxusjuwelier Fabergé wirkt. Die Berichterstattung vergisst nicht zu erwähnen, dass die künftige „Prinzessin ohne Land“ eigene Projekte verwirklicht, wie beispielsweise ein Luxus-Spa auf einer exklusiven Insel vor Mosambik, in der die Nacht mindestens 5000 Euro kostet. Für den Schwiegervater des Prinzen ein Trinkgeld und sicherlich auch in puncto Kosten für die royale Hochzeit. 

Bereits der älteste Bruder des Bräutigams, Pavlos, nomineller Kronprinz der Hellenen, hat eine Bürgerliche geheiratet: Marie-Chantal Miller, die Tochter des US-Milliardärs Robert Warren Miller, der mit Duty-Free-Shops ein Vermögen gemacht hat. Schaut man sich die Ehen der beiden Schwestern Chantals an, zeigt sich die starke Anziehungskraft zwischen Geldadel und Altadel: Die eine hat einen Getty geheiratet, die andere den Sprössling des Egon und der Diane von Fürstenberg, die ihrerseits unverzichtbarer Bestandteil des internationalen Jet-Sets der 60er und 70er Jahre waren. Man kennt sich eben. 

Hat noch der junge König Konstantin II. die blutjunge Schwester von Dänen-Herrscherin Margrethe II. 1964 zum Traualtar geführt und damit äußert standesgemäß geheiratet, so sind seine und Gattin Anne-Maries Epigonen in den Niederungen des Bürgertums angekommen. 

Griechen glühen nicht für die Monarchie

Jedoch nützt das den Griechen-Royals nichts: Bei gelegentlichen Umfragen zur Staatsform votieren ungefähr drei Viertel der Befragten stoisch für die Beibehaltung der Republik. Bürgerliche Auffrischungen im mediterranen Zweig der Familie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg scheinen die Herzen der Griechen nicht für eine Wiedereinführung der Monarchie zum Glühen zu bringen. Was in anderen Ländern wie England oder Dänemark mit der Einheirat von Bürgerlichen durchaus die Popularität der Monarchien steigert, geht in der Ägäis unter.

Doch kann sich Neu-Prinzessin Nina trösten: Mit der Tante ihres Gatten, Alt-Königin Sophia von Spanien, und der dänischen Verwandtschaft kamen hochkarätige Royals zum Konfettiwerfen. Und sie bekommt noch einen echten Prinzessinnen-Titel als Mitgift – jenen von Dänemark. Mögen die beiden glücklich werden.

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