Warum Deutschland stolz auf seine Nationalmannschaft sein kann

DFB / Fußball-Bundesliga / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library, Moinzon, https://pixabay.com/de/photos/fu%C3%9Fball-bundesliga-ball-stadion-1439082/ DFB / Fußball-Bundesliga / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library, Moinzon, https://pixabay.com/de/photos/fu%C3%9Fball-bundesliga-ball-stadion-1439082/

Deutsche Fußballfans bejubelten die Tore, die Ungarn gegen Deutschland schoss, weil die ungarische Nationalmannschaft „weißer“ war. Der rechte Deutschlandhass.

Es gibt Länderspiele, und es gibt Fußball-Klassiker wie Deutschland gegen England im Londoner Wembley-Stadion. Für die deutsche Mannschaft wird heute Abend höchstwahrscheinlich auch der erst 18 Jahre alte Jamal Musiala spielen. Er ist eines der ganz großen Talente im europäischen Fußball. Und es ist alles andere als selbstverständlich, wenn Musiala heute Abend für die deutsche Auswahl antritt.

Denn Jamal Musiala könnte auch für die Engländer spielen. Der gebürtige Stuttgarter besitzt nämlich durch seine Eltern die deutsche und die britische Staatsbürgerschaft hat einen Teil seiner Kindheit und Jugend in Großbritannien gelebt. So spielte Musiala als Kind beim TSV Lehnerz und beim FC Southampton. Über den FC Chelsea kam er als Jungstar 2020 zum FC Bayern.

Der Nationalmannschaft den Vorzug gegeben

Auf sein Talent wurden die Engländer schnell aufmerksam und holten den erst 13 Jahren alten Musiala im Jahr 2016 in die englische U-15-Auswahl. Danach spielte er in Englands U16. Dort fiel er wohl auch den Deutschen auf, die ihn 2018 in ihre U-16-Mannschaft einluden. Doch schon 2019 lief Musiala wieder für Englands U-17-Team und im vergangenen Jahr für die englische U-21-Auswahl auf.

Mit seinem Wechsel zum FC Bayern entschied Jamal Musiala sich letztlich aber endgültig für die deutsche Nationalmannschaft. Aber leider gibt es immer noch viel zu viele Fußballfans, denen Spieler wie Jamal Musiala in der deutschen Nationalmannschaft ein Dorn im Auge sind. Wer eine dunklere Hautfarbe hat, wird von Teilen des deutschen Fußballpublikums bis heute nicht als deutscher Nationalspieler akzeptiert.

„Das ist nicht unsere Nationalmannschaft“, schreiben sie in den sozialen Medien und prahlen damit, in der ersten EM-Runde die Tore der Ungarn gegen die deutsche Nationalmannschaft bejubelt zu haben, weil das ungarische Team „weißer“ als das deutsche war.

Solche Reaktionen kommen aus weiten Teilen der Gesellschaft, die politisch vermutlich nicht viel mehr verbindet als ein pathologischer „Patriotimsus“, der den Linken und Grünen bei jeder Gelegenheit Deutschlandhass vorwirft. Dabei beklagen sich diese Leute gleichzeitig über eine „zunehmende Politisierung des Fußballs“. Und da muss die Frage erlaubt sein: Merken die eigentlich, was die da reden?

Es ist schlicht schizophren, die deutsche Nationalmannschaft zu verachten und gleichzeitig anderen „Deutschenhass“ vorzuwerfen. Nur mal so zur Klarstellung: Wer in der deutschen Mannschaft spielt, ist Deutscher! Er besitzt einen deutschen Pass. Darum heißt sie ja Nationalmannschaft.

Manche wollen ein anderes Deutschland

Und jeder deutsche Fußballfan darf zu Recht stolz darauf sein, dass sich so großartige junge Talente wie Jamal Musiala für die Nationalmannschaft entscheiden. Jérôme Boateng etwa hätte einst wie sein Bruder Kevin-Prince Boateng auch für Ghana spielen können, Ilkay Gündoğan heute für die Türkei und Leroy Sané für Frankreich, um nur einige Beispiele zu nennen.

Aber sie spielten und spielen für Deutschland! Und wer auch nur einen Funken Stolz für dieses Land empfindet, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer der liberalsten und zugleich sozialsten Demokratien der Welt entwickelt hat, den wird es glücklich stimmen, dass all diese Spieler für diese weltoffene Deutschland antreten wollen.

Wer aber eine Mannschaft ohne Musiala, Gündoğan oder Sané will, der will auch ein anderes Deutschland – eines, das die Dazugehörigkeit von der Hautfarbe abhängig macht. So ein Deutschland gab es schon mal. Hoffentlich wird es nie wieder dazu kommen.

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Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

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Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
1 Monat her

Lieber Herr Lachmann, Ihr Artikel ist politisch korrekt. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. — Kein Zweifel: Wer heute den deutschen Pass besitzt, der gilt rechtlich als “Deutscher”. Nun wissen Sie aber auch gut genug, dass der Begriff “Deutscher” nach wie vor zwei Bedeutungen besitzt. Die eine Bedeutung ist die formal-juristische, die oben erwähnt wurde und die sich ausschließlich an der Staatsangehörigkeit orientiert. Die andere Bedeutung – und das wissen Sie(!) natürlich – ist jene, die Abstammung und kulturtelle Orientierung berücksichtigt. — Und selbstverständlich existiert jenes ältere Begriffsverständnis heute weiter. Es ist ja unmöglich, den an der Abstammung und Voilkszugehörigkeit… Read more »

Friedolin
Friedolin
Reply to  Wolfgang Wirth
1 Monat her

Es heißt doch meine ich – “die Mannschaft” und nicht “Nationalmannschaft. Und zwar zu Recht, und da ist unsere Regierung ehrlicher und fortschrittlicher als dieser lastige Artikel. Ob rechts – oder linkslastig ist egal. Ich freue mich einfach, guten Fußball zu sehen, ehrlichen Fußball mit Engagement und “Liebe” zu dem Beruf und guter Einstellung durch den Trainer was Taktik und Strategie anbetrifft. Denke im übrigen, wer gewinnt ist egal, jeder Spieler und jeder Zuschauer ist der einmalige und große Gewinner des Abends. Warum: einfach wer er am Leben ist. Das ist – bei Gott (?) – nicht selbstverständlich, aber wir… Read more »

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
Reply to  Friedolin
1 Monat her

Sie wissen selbst, dass die Umbenennung in “die” Mannschaft ein von oben kommender Coup gewesen ist.

Weder Fußballfans noch Fußballspieler sind in Deutschland je dazu befragt worden, geschweige denn, dass sie darüber abgestimmt haben.

Mit anderen Worten: keine demokratische Legitimation.

Friedolin
Friedolin
Reply to  Wolfgang Wirth
1 Monat her

Tja, halt eine Marionettenmannschaft…fremdbestimmt und fremdgesteuert, halt zum Fremdschämen. Mir ist klar dass möglicherweise nicht alle Spieler das gut finden, habe mir daher auch eine halbe Stunde Zusehen gegönnt.

Borsalino
Borsalino
1 Monat her

“Deutsche Fußballfans bejubelten die Tore, die Ungarn gegen Deutschland schoss, weil …” Dieses Ihr “weil” ist Ihre Meinung, die ich keineswegs teile. Die Politik und nicht zuletzt auch der DFB haben das Spiel gegen Ungarn politisiert, weil bestimmten Kreisen das Wort “Toleranz” und deren Bedeutung völlig abhanden gekommen ist und man einfach gegen die ungarische Politik indirekt Stimmung machen wollte. Das ungarische Gesetz, das der deutschen und auch zu großen Teilen der europäischen Politik nicht passt und dass als der große rosa Elefant im Raum stand, hat so gut wie niemand gelesen. Dennoch wird gegen Ungarn und Orban polemisiert, mit… Read more »

Hans
Hans
Reply to  Borsalino
1 Monat her

Meine Ergänzung: … und die sich vor allem auch von finanziellen Aussichten leiten lassen…

Barbara
Barbara
Reply to  Hans
1 Monat her

….und sich vielleicht jetzt doch noch die Erkenntnis durchsetzt sich nicht unbedingt vom politischen Geschehen leiten lässt, sondern sich einfach auf die Spiele zu konzentrieren.

Josef Schwarz
Josef Schwarz
1 Monat her

Es gab in Deutschland schon einmal Zeiten, in denen der Sport für politische Propaganda, Denunziation und Herabwürdigung anderer Staaten benutzt wurde.
Jeder sollte wissen, wohin das geführt hat!

FWH
FWH
1 Monat her

Tut mir leid, dass ich diesmal vehement widersprechen muss. Nein, ich werde ganz bestimmt keine “Mannschaft” unterstützen, die nicht einmal mehr deutsch sein will, sondern auf Zuruf jeden ideologisch motivierten Unfug mitmacht. Das Regenbogentheater gegen Ungarn war schon an Peinlichkeit nicht zu überbieten samt der Beiträge von Neuer und Goretzka, aber der unrühmliche Höhepunkt war das Spiel gestern. Ich hätte schon – wenn auch mit Mühe – verstehen können, dass man den Gastgeber nicht brüskieren wollte und deshalb an diesem absurden Kniefall-Theater teilgenommen hat. Dass aber niemand im Team auf die Idee kam, nach dem Anschlag in Würzburg einen Trauerflor… Read more »

Borsalino
Borsalino
Reply to  FWH
1 Monat her

Ich stimme in allem mit Ihnen überein! Danke für Ihre klaren Worte.

Richard Feldmann
Richard Feldmann
1 Monat her

“Jérôme Boateng etwa hätte einst wie sein Bruder Kevin-Prince Boateng auch für Ghana spielen können.” Stimmt! aber warum haben sie das nicht getan? Vielleicht weil sie in Deutschland mehr verdienen? Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es die europäischen Werte sind, die sie hier nach Deutschland gelockt haben könnten.
Wer etwas anderes behauptet, hat wahrscheinlich den Sinn des Spieles nicht verstanden!

Christina Falke
Christina Falke
1 Monat her

Ich bin dagegen, dass man Fachkräfte aus anderen Ländern abzieht. Warum soll nicht das afrikanische Herkunftsland diesen Ruhm und die Freude über ein Talent aus ihren Reihen geniessen, nur weil sie zuwenig Geld haben, sich den Spieler zu kaufen – das ist Rassismus und Kolonialismus in Reinstform. Und was Gündogan und Konsorten betrifft – die identifizieren sich nur mit deutschem Geld, aber nicht mit Deutschland, sonst hätten sie nicht so grosse Probleme “Einigkeit und Recht und Freiheit” zu singen. Ein Sieg im Fussball unserer Tage bedeutet nichts mehr, weil nur noch die guten finanziellen Deals über Sieg und Niederlage entscheiden.… Read more »

Voltaire
Voltaire
30 Tage her

Gegen wen spielt Deuschland im Halbfinale bei dieser Fußballball-EM? Wie stehen unsere Chancen noch Fußball-Europameister zu werden?

Cornelius Angermann
Cornelius Angermann
Reply to  Voltaire
27 Tage her

Ihre Frage ist mittlerweile SEHR zufriedenstellen beantwortet worden…

Cornelius Angermann
Cornelius Angermann
27 Tage her

Ja, warum spielen die wohl nicht für ihre Heimatländer? Richtig, weil es in Deutschland für einen Sieg mehr Kohle gibt! Und man sich anschließend als Werbeträger viel besser alimentieren kann, als wenn man für Gambia oder Simbabwe gespielt hätte. Da fragt einen nämlich anschließend keiner, selbst wenn man gesiegt hätte. Es ist ganz simpel: wer Talent hat, der verkauft es meistbietend. Ein Nationenturnier war und sollte aber nicht ein Turnier von Söldnern sein, die sich die Veranstalter auf der ganzen Welt zusammenkaufen. Und da ist er wieder, der stinkende Kadaver des Kapitalisnmus, der alle Werte wie Patriotismus, Einsatz für das… Read more »

Last edited 27 Tage her by Cornelius Angermann
Voltaire
Voltaire
26 Tage her

Ich freu mich schon auf das Finale am kommenden Sonntag!

Wer spielt denn gegen uns im letzten Spiel?

Skyjumper
Skyjumper
22 Tage her

Lieber Herr Lachmann, an der einen oder anderen Stelle kann ich Ihnen durchaus in Ihrer Betrachtung folgen. Und ich persönlich würde mich auch gar nicht schwertun damit einen schwarzen, gelben, roten, wie auch immer – häutigen jungen Mann als Deutschen Nationalspieler zu akzeptieren. Wenn: Ja wenn der eben nicht wie Jamal Musiala mal hier mal da gespielt hätte. Sondern wenn ein Kind irgendwann in Deutschland anfängt Fussball zu spielen, besser wird, anfängt aufzufallen, gefördert wird, in die besseren Clubs wechselt und dann, quasi als Höhepunkt seiner Karriere, in die Nationalmannschaft berufen wird. In die Nationalmannschaft des Landes in dem er… Read more »

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