Deutsche Probleme bei Versorgung mit strategischen Rohstoffen

Rohstoffe wie Kupfer und Silber gibt es reichich in den Anden. / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: jmarti20; https://pixabay.com/de/photos/peru-berg-anden-s%C3%BCdamerika-4416038/ Rohstoffe wie Kupfer und Silber gibt es reichich in den Anden. / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: jmarti20; https://pixabay.com/de/photos/peru-berg-anden-s%C3%BCdamerika-4416038/

Der Machtwechsel in Peru ist ein Schlag gegen die Energiewende. Er verdeutlicht die Probleme der Deutschen bei der strategischen Versorgung mit Rohstoffen.

Der mit dem Leuchtenden Pfad verbandelte Dorfschullehrer Pedro Castillo hat die Präsidentschaftswahl in Peru vermutlich gewonnen, wenn auch knapp. Sein Companero Guillermo Bermejo, hat aus dem Nähkästchen der Revolution geplaudert: „Wir sind Sozialisten und unser Weg zu einer neuen Verfassung ist ein erster Schritt. Und wenn wir die Macht übernehmen, dann werden wir sie nicht mehr abgeben. Bei allem Respekt vor Ihnen und Ihrem demokratischen Schwachsinn, wir bevorzugen es, einen revolutionären Prozess in Peru zu etablieren.“

Von der Einführung des Sozialismus sind in Peru viele international tätige Bergbauunternehmen wie Anglo American, Mitsubishi, Glencore, Southern Copper, Newmont Mining, Barrick Gold, BHP Billiton, Rio Tinto und FreeportMcMoran betroffen. Restriktionen für die Branche wurden seitens des Wahlsiegers bereits angekündigt.

Perus neue Regierung will das Verfassungsgericht abschaffen

Bisher wurde das Eigentum der ausländischen Konzerne durch § 66 der peruanischen Verfassung geschützt. Nach Artikel 66, Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 73 der Verfassung sind alle Bodenschätze, erneuerbare wie nicht erneuerbare, unveräußerliches Nationalgut, hinsichtlich deren Verwendung der peruanische Staat absolut souverän ist. Nach Artikel 66, Absatz 2, Satz 1 ist mittels Verwaltungsgesetz die Kontrolle der Nutzung der Bodenschätze zu gewährleisten. Das Gesetz schreibt die Nutzungs- und Vergabebedingungen an private Unternehmen fest. Artikel 66, Absatz 2, Satz 2 garantiert, dass die mittels des Verwaltungsgesetzes und dessen Regelungen unterworfene Konzession deren Inhaber ein reales Eigentumsrecht verleiht.

Aber Gesetze sind nicht mehr in Stein gemeißelt. Die neue Regierung will erst mal das Verfassungsgericht abschaffen und eine neue Verfassung in Kraft setzen. Damit dürften sich einige Explorationsvorhaben erst mal erledigt haben, und der laufende Betrieb gerät ins Stottern.

Chinesen profitieren von Sozialisten

Die im peruanischen Bergbau aktiven chinesischen Betriebe Jinzhao Mining und Chinalco werden vermutlich eher Nutzen aus dem Machtwechsel ziehen, denn auch in Nachbarländern wie Bolivien und Ecuador haben die Chinesen von sozialistisch denkenden Regimen profitiert. Es ist davon auszugehen, dass die peruanische Entwicklung nicht wie in Venezuela in den Totalbankrott führen wird, sondern dass die Rohstoffe nur umverteilt, das heißt, zunehmend in chinesische Häfen verschifft werden. Denn man muss es dem Chinesen lassen: Er hat im Unterschied zum Deutschen ein zielführendes Organisationstalent.

Für die Rohstoffe Kupfer und Silber entstehen durch den hohen Anteil Perus an der Förderung weltweite Auswirkungen auf Angebot und Preis. Sicher nicht sofort, sondern im Laufe einiger Jahre. Bei Kupfer hat Peru einen Anteil an der Weltförderung von etwa 8 Prozent, bei Zinn und Zink bei 10 Prozent, bei Molybdän und Gold von ca. 6 Prozent und bei Silber von 15 Prozent. Bei den vermuteten Erzreserven beherbergt Peru 12 Prozent der weltweiten Kupfer- und 26 Prozent der Silbervorräte. Insbesondere Kupfer ist wegen der laufenden Elektrifizierung ein strategisches Metall.

Machtwechsel in Lima ein Schlag für die Energiewende

Der Machtwechsel in Lima ist ein harter Schlag für die in einigen Ländern geplante Energiewende, soweit sie auf Elektroantriebe setzt. Insbesondere das deutsche Modell, das um Gottes Willen nichts mit Kernenergie und wenig mit Wasserstoff im Sinn hat, ist durch die jüngsten politischen Entwicklungen in Bolivien und Peru stark betroffen. Aus Peru stammt immerhin rund ein Viertel des nach Deutschland importierten Kupfers. Es wird vermutet, dass die Aurubis AG den größten Teil davon verarbeitet. Was Silber betrifft, ist der Anteil des Imports aus Peru noch deutlich höher.

Die deutsche Administration ist wie schon vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg mit dem gedanklichen Ausgleich zwischen ihrem weltweiten Anspruch und der materiellen Realität überfordert. Die Versorgung mit strategischen Rohstoffen passt mit dem hohen Sinnen idealistischer Politik wieder einmal nicht zusammen. Mit Peru ist ein Baustein von erheblicher Größe aus dem energetischen Phantasiegebäude von Angela Merkel herausgebrochen.

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Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Ketzerlehrling
Ketzerlehrling
3 Jahre her

Deutschland ist ohnehin auf dem Weg der Deindustrialisierung, da werden Rohstoffe immer weniger interessant.

Wolfgang Pietsch
Wolfgang Pietsch
Reply to  Ketzerlehrling
3 Jahre her

Vielleicht wird Deutschland in Zukunft der weltweit größte Schrotthändler. Auf dem besten Weg sind sie bereits. Aber sicher ist auch das, Teil der Plandemie.

dragaoNordestino
3 Jahre her

WoW Herr Wolfgang Prabel, was für ein weinerliche Artikel. Da fällt doch tatsächlich einer 2.Welt Regierung ein, neokoloniale Ausbeute der Bodenschätze durch räuberische 1. Welt Staaten zu unterbinden.
Meiner Meinung nach handeln PERU wie auch BOLIVIEN richtig, wenn sie nationalen Reichtum an Bodenschätzen schützen und nicht nur als Liferanten von Rohstoffen gelten möchten.

Skyjumper
Skyjumper
Reply to  dragaoNordestino
3 Jahre her

Wenn es denn so wäre. Aber wo liegt denn der fortschrittliche Ansatz, respektive der Schutz nationalen Reichtums, wenn statt der bisherigen Staaten lediglich andere Staaten diesen zur Versorgung der heimischen Industrie ausführen? Das ist vom Regen in die Traufe gesprungen. Und machen wir uns bitte nichts vor: Uneigennützige Entwicklungshilfe ist für die Chinesen genauso ein Fremdwort wie für die G7-Staaten. Zudem verstehe ich den Artikel auch weniger als weinerliche Kritik am (mutmaßlichen) zukünftigen Handeln der peruanischen Administration, als vielmehr als deutlichen Hinweis darauf wie tönern die Fundamente deutscher Energiepolitik auch in Hinsicht auf die Sicherstellung der Versorgung mit den den… Read more »