Die größte Spekulationsblase aller Zeiten

New York Stock Exchange Boerse /Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/b%C3%B6rse-handelssaal-new-york-738671/ New York Stock Exchange Boerse /Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/b%C3%B6rse-handelssaal-new-york-738671/

Wann platzt die Spekulationsblase? Kann der S&P 500 von seinem heutigen Höchstkurs mit 4.100 Punkten auf 450 Punkte abstürzen? Ausgeschlossen? Natürlich nicht!

Aktien befinden sich auf einem dauerhaft hohen Plateau“, sprach der US-amerikanische Ökonom Irving Fisher (1867 – 1947) unmittelbar vor dem großen Börsencrash des Jahres 1929.

Fisher gehört zweifelsohne zu den ganz Großen seiner Zunft. Bereits mit 31 Jahren erhielt er eine Professur in Yale. Er lieferte gleich mehrere bahnbrechende Beiträge zur Entwicklung der Volkswirtschaftslehre, darunter die berühmte Quantitätsgleichung des Geldes, die sich in jedem Lehrbuch der Volkswirtschaft befindet.

Selbst Fishers Intellekt erkannte die Spekulationsblase nicht

Darüber hinaus war Fisher ein sehr erfolgreicher Erfinder. Der Verkauf des von ihm entwickelten Archivierungssystems für Visitenkarten, das bis heute unter dem Markennamen Rodolex bekannt ist, machte ihn 1925 zum Multimillionär.

Doch damit nicht genug. In den 1920er Jahren wurde Fisher als Aktienmarkt-Experte berühmt. Nicht zuletzt durch öffentliche Auftritte im damals noch jungen Medium Radio wurde er zum ersten großen Publikumsstar unter den Ökonomen. Er avancierte zu einem wichtigen Taktgeber der maßlosen Euphorie, die damals an den Aktienmärkten ausgebrochen war. Fisher stieg zum Liebling der Massen auf, solange die Kurse scheinbar unaufhaltsam stiegen.

Trotz seines offensichtlich brillanten Intellekts gelang es Irving Fisher jedoch nicht, die riesige Spekulationsblase an den Aktienmärkten und die von ihr ausgehenden Gefahren für das Finanzsystem und die Weltwirtschaft zu erkennen.

Schlechtes Timing

So ließ er sich am 21. Oktober 1929 zu einem Kommentar hinreißen, der sein erfolgsverwöhntes Leben verändern sollte und ihn unter Börsianern unsterblich gemacht hat:

„Stock prices have reached what looks like a permanently high plateau. “ (Die Aktienkurse haben, so sieht es aus, ein dauerhaft hohes Niveau erreicht.)

Das Timing dieser Fehleinschätzung hätte im Nachhinein betrachtet kaum unglücklicher gewählt sein können. Obwohl der Dow Jones Industrial Average von seinem am 1. September 1929 erreichten Hoch von 386 Punkten bereits um 12 Prozent gefallen war, befand er sich am 21. Oktober erst am Beginn einer rasanten Abwärtsbewegung.

In den folgenden sieben Börsentagen stürzte der Index von 340 auf 212 Punkte ab, ein Kursrückgang von weiteren 38 Prozent. Von seinem Hoch aus gerechnet, hatte der Dow Jones Industrial Average statt eines dauerhaft hohen Niveaus also einen Kursrückgang von 45 Prozent erlebt.

Haben wir heute wieder eine Spekulationsblase?

Wie wir heute wissen, war dieser herbe Kurseinbruch sogar nur der Auftakt zu weiteren erheblichen Verlusten und gleichzeitig der Beginn der Weltwirtschaftskrise. Am Tiefpunkt dieser Baisse, der im Juli 1932 erreicht wurde, notierte der Index bei 41 Punkten. Der gesamte Kursrückgang belief sich somit auf 89 Prozent.

Bezogen auf den bisherigen Höchstkurs von rund 4.100 Punkten, den der S&P 500 gerade erreicht hat, entspräche das einem Kursrückgang auf rund 450 Punkte. Unwahrscheinlich? Ja. Ausgeschlossen? Natürlich nicht!

Das gilt umso mehr, da sich in den USA mit aktiver Unterstützung durch die Zentralbank eine riesige Spekulationsblase entwickelt hat, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Das heißt, sie ist größer als die Aktienblasen der Jahre 1929 und 2000, und an den Immobilienmärkten wurden die Rekorde des Jahres 2007 übertroffen.

Selbst wenn diese Blase niemals platzen sollte, was zahlreiche Bullen in Unkenntnis der Finanzgeschichte tatsächlich glauben, wird die hohe Überbewertung in den kommenden Jahren zu einer sehr enttäuschenden Entwicklung des Aktienmarktes führen. Daran führt finanzmathematisch kein Weg vorbei. Denn das eherne Gesetz des Investierens lautet immer noch: Die langfristige Performance eines Investments wird fast ausschließlich durch die fundamentale Bewertung zum Zeitpunkt des Kaufs bestimmt.

Allerdings gibt es sogar in den USA noch ein paar günstig bewertete Bereiche, z.B. den Energiesektor oder auch die Edelmetallaktien, die gerade zu Schnäppchenpreisen zu haben sind.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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