An der Börse läuft alles wie im Crash-Jahr 1929

Wall Street, Boerse, 1929 Crash / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt; https://pixabay.com/de/illustrations/wall-street-usa-person-freiberufler-4847634/ Wall Street, Boerse, 1929 Crash / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt; https://pixabay.com/de/illustrations/wall-street-usa-person-freiberufler-4847634/

Die US-Börse ist noch stärker überbewertet als im Crash-Jahr 1929. Mit einer Marktkapitalisierung von 188 % des BIP ist der US-Markt so teuer wie nie zuvor.

Steigende Zinsen sind Gift für die Börse, besagt ein bekanntes Börsenbonmot. Tatsächlich wurden zahlreiche Aktienbaissen von steigenden Zinsen angekündigt. Nun ist es in den vergangenen Wochen an den Anleihenmärkten zu einem recht deutlichen Zinsanstieg gekommen. Beispielsweise stieg der Zins 10-jähriger US-Staatsanleihen von 0,5 Prozent auf 1,6 Prozent.

In vielerlei Hinsicht ähnelt die aktuelle Lage dem Geschehen während des Crash-Jahres 1929. Damals leitete der Börsenkrach die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre ein mit all ihren dramatischen politischen Folgen und einer dreijährige Aktienbaisse, in deren Verlauf der Dow Jones Industrial Average um 89 Prozent nach unten rauschte.

Fundamentale Überbewertung der Börsen

Die fundamentale Überbewertung der US-Börse ist heute sogar noch höher als im Crash-Jahr 1929. Denn mit einer Aktienmarktkapitalisierung von 188 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist der US-Markt so teuer wie nie zuvor und gehört zu den am höchsten bewerteten Märkten weltweit. Und die Flut von Neu-Börsianern, der Boom bei Neuemissionen, das Spekulieren auf Kredit sowie zahlreiche weitere spekulative Exzesse sind heute ähnlich stark ausgeprägt wie damals.

Grafik: Claus Vogt

In manchen Ländern ergibt sich ein ganz ähnliches Bild wie in den USA (rote Balken), andere sind hingegen moderat oder sogar unterbewertet (blaue Balken).

Wie lange das instabile Währungssystem weltweit ungedeckter Gelder noch zusammengehalten werden kann, weiß kein Mensch. Vielleicht beginnt das vermutlich inflationäre Endspiel schon bald, wenn die riesige Spekulationsblase platzt, die vor allem die US-amerikanischen Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkte erfasst hat.

Steigende Zinsen seien auch schlecht für den Goldpreis, konnte man in letzter Zeit häufig lesen. Diese Behauptung lässt sich mit Zahlen jedoch kaum belegen. Während der großen Edelmetallhausse der 1970er Jahre stiegen die Zinsen weltweit deutlich, in den USA sogar auf Rekordniveaus. Der Goldpreis vervierundzwanzigfachte sich in diesem Zeitraum. Einen ähnlich starken Zinsanstieg wie damals halte ich allerdings für nahezu ausgeschlossen.

Zwar sind die Zinsen in den vergangenen Monaten trotz der umfangreichen Anleihenkäufe der Fed gestiegen. Mit lediglich 1,6 Prozent für 10-jährige US-Staatsanleihen sind sie aber immer noch sehr niedrig. Darüber hinaus halte ich es derzeit noch für ausgeschlossen, dass sich die marktwirtschaftlichen Kräfte an den Anleihenmärkten gegen die Manipulationen der Zentralbanken durchsetzen können.        

Gefahr von Zinsobergrenzen

Die Zentralbanker habe schon vor einigen Monaten darüber gesprochen, ihre Null- und Niedrigzinspolitik gegebenenfalls durch die Festsetzung von Zinsobergrenzen für alle Laufzeiten zu ergänzen. Eine solche Zinskontrolle gab es in den USA schon einmal. Im April 1942 sollte auf diese Weise die Finanzierung der Kriegskosten erleichtert werden. Für Staatsanleihen mit Laufzeiten von mehr als 25 Jahren wurde ein Zinssatz von 2,5 Prozent administriert.

Erst neun Jahre später wurden diese Maßnahmen beendet, während die Inflationsrate bereits auf 17 Prozent gestiegen war. An dieser Episode wird deutlich, was die Zentralbanker auch jetzt wieder vorhaben.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
15 Tage her

Der letzte Satz des Artikels ist eigentlich der interessanteste. Vielleicht könnte Herr Vogt hier noch etwas nachlegen … ?!

Obwohl es gewisse Ähnlichkeiten zu 1929 gibt, verhindert die Politik des “Gelddruckens” vorerst ein derartiges Szenario.

Greenhoop
Greenhoop
15 Tage her

Die DWN titelte am 26.03.2021 : EZB hat noch drei bis vier Billionen – dann kollabiert das System …das Fazit eines längeren Artikels habe ich mir erlaubt hierhin zu kopieren. Die Corona-Politik „der vollen Hosen“ agiert trotz allem weiterhin mit übertriebener Vorsicht. Die Lockdowns wurden – trotz der katastrophalen Auswirkungen auf die Wirtschaft – in der Bunderepublik bis zum 18. April verlängert.Beobachtet man heute die Tendenzen, fühlt man sich in gewisser Weise an eine Analyse von Karl Marx erinnert, die einen Weg vorzeichnet beginnend mit dem Kapitalismus über den Sozialismus bis in den Kommunismus.Nachdem es sich um exponentielle Anstiege der… Read more »

Gerolf
Gerolf
15 Tage her

“Die Zentralbanker habe schon vor einigen Monaten darüber gesprochen, ihre Null- und Niedrigzinspolitik gegebenenfalls durch die Festsetzung von Zinsobergrenzen für alle Laufzeiten zu ergänzen.”

Aus der Sicht der Zentralbanken, denen es schon lange nicht mehr um Geldwertstabilität, sondern vor allem um die Finanzierbarkeit der Schulden für ihre Staaten geht, ein logischer Schritt. Der eingeschlagene Weg der Währungsmanipulation erfordert die Kontrolle des Preises für verliehenes Geld.

dragaoNordestino
14 Tage her

Die fundamentale Überbewertung der US-Börse ist heute sogar noch höher als im Crash-Jahr 1929. Ja dann ist es ja ok, wenn da ein Börsenkrach, die Dinge wieder ins Lot bringt.

dragaoNordestino
14 Tage her

……
Die fundamentale Überbewertung der US-Börse ist heute sogar noch höher als im Crash-Jahr 1929

Ja dann ist es ja ok, wenn da ein Börsenkrach, die Dinge wieder ins Lot bringt.

Last edited 14 Tage her by dragaoNordestino
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