In welche Rohstoffe sich eine Investition lohnt

Abbau von Rohstoffen / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: shiba, https://pixabay.com/de/photos/maschinen-mine-baustelle-2653706/ Abbau von Rohstoffen / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: shiba, https://pixabay.com/de/photos/maschinen-mine-baustelle-2653706/

Auf der Suche nach klugen Anlagestrategien erscheinen Investitionen in Rohstoffe sinnvoll. Doch dabei kann einiges schiefgehen, wenn man nicht aufpasst.

Überall auf der Welt werden Kernkraftwerke gebaut. Zwar gehen auch einige außer Betrieb, doch der Uran-Verbrauch ist derzeit mindestens stabil. Uran ist keineswegs ein knapper Rohstoff, es ist lediglich eine Frage des Preises, wieviel gefördert werden kann. Und der Preis ist angesichts der Herstellungskosten der Kraftwerke wirklich unerheblich.

In Australien, Kanada, Kasachstan, Namibia, Niger, Russland, Südafrika, Brasilien, China und Indien gibt es ergiebige Vorkommen. In Europa ist nur Tschechien ein allerdings recht kleiner Player.

Daraus kann man ableiten, dass die Minenbetreiber nicht wirklich sehr reich werden können. In den vergangenen Jahrzehnten sind hunderte dieser Betriebe vom Markt verschwunden. Wer Geld anlegen will, sollte daher nicht mit Pennystocks liebäugeln, sondern, wenn überhaupt, die beiden Großen im Auge behalten: Cameco und Kazatomprom.

Interessante Rohstoffe

Letzteres Unternehmen hatte ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10,5 am 31.12.2020 und hatte 2019 über 7 Prozent geschüttet. 2020 war der Gewinn allerdings um 10,5 Prozent zurückgegangen. Was man bei Uran noch unbedingt wissen muss: Es gibt starke staatliche Konkurrenz. Frankreich beispielsweise lässt in Afrika von der staatlichen Firma Orano abbauen, die Bundeswehr ist in Mali im Einsatz, um die militärische Absicherung des Gebiets zu unterstützen.

Es hat in der Gegend der Gruben immer sehr fromme Staaten und Eiferer gegeben, wie das Sultanat Wadai, das Reich des Rabeh oder die Senussi-Bruderschaft. Auch derzeit gibt es fromme Umtriebe von Burkina Faso bis Somalia, die den Bergbau gefährden. Die Fremdenlegion ist im Gebiet der Sahara der ständige Gast, und seit acht Jahren auch die Bundeswehr.

Ein zweiter Rohstoff, der es wert ist diskutiert zu werden, ist Nickel. Aufmerksam wurde ich, weil Nornickel aus Norilsk in den letzten Jahren immer gute Zahlen präsentierte. Nornickel hat einen Anteil von über 40 Prozent der Weltproduktion von Nickel. Auch bei Palladium werden rund 40 Prozent erreicht, bei Platin 11 und bei Kupfer 2 Prozent. Darüber hinaus gibt es noch einen Beifang von Silber, Rhodium, Iridium, Kobalt und anderen seltenen Sachen. Was mir bei Nornickel nicht so gut gefällt, ist das geringe Eigenkapital von 20 Prozent. Das KGV betrug am Jahreswechsel 14,7.

Nickel selbst ist alles andere als ein seltener Rohstoff. Weltweit gibt es gut verteilt zahlreiche ergiebige Lagerstätten. Der Preis ist erheblichen Schwankungen unterworfen. Wenn man sich für Nornickel interessiert, dann vor allem wegen Palladium und Platin, die im beginnenden Elektro- und Abgasfimmel Mangelmetalle werden könnten. Hier teilen sich Russland und Südafrika quasi die Beute.

Ein Wermutstropfen, weniger wegen der Höhe des materiellen Schadens. Aus einer Pressemitteilung des Unternehmens kann man denselben Untertanengeist erschließen, der auch in Deutschlands Vorstandsetagen herrscht:

„Am 5. Februar 2021 entschied das Schiedsgericht der Region Krasnojarsk über eine Klage des russischen Föderalen Dienstes für Umweltaufsicht („Rosprirodnadzor“) gegen eine Tochtergesellschaft des Unternehmens, JSC Norilsk-Taymyr Energy Company (NTEC). Das Gericht gab der Klage der Aufsichtsbehörde statt und ordnete an, dass die Tochtergesellschaft von Nornickel die Umweltschäden infolge eines Unfalls mit auslaufendem Dieselkraftstoff vom 29. Mai 2020 im Wärmekraftwerk Nr. 3 im Stadtteil Kajerkan der Stadt Norilsk in Höhe von 146,2 Mrd. RUB (ca. 1,9 Mrd. USD) kompensieren muss.“

Wer sich für die Aktie trotzdem interessiert: US55315J1025. Der Kurs des Papiers hat nach einer Kerze gerade eine Kniebeuge gemacht, die wohl mit der Entwicklung des Nickelpreises zusammenhing.

Es sind immer wieder dieselben Akteure

Im Süden Afrikas arbeiten vier große Firmen bei der Förderung von Platin, Palladium und deren Beifang (sog. PGM, Metalle der Platingruppe): Anglo American Platinum, Impala, African Rainbow und Sibanye Stillwater. Die Aktienkurse der ersteren beiden Firmen sind bereits durch die Decke gegangen, die der letztgenannten noch nicht ganz.

Nach meinen Infos förderte Nornickel 41,4 Prozent des weltweiten Palladiums, Anglo American Platinum 16,6 Prozent, Impala 10,1 Prozent, Sibanye Stillwater mehr als 6 Prozent und African Rainbow 2,4 Prozent. Bei Platin sieht es so aus: Nornickel 11,2 Prozent Anglo American 31,4 Prozent, Impala 18,7 Prozent und African Rainbow 2,8 Prozent

African Rainbow teilt sich eine Platinmine mit Anglo American Platinum, eine mit Impala und eine mit Nornickels Afrikagesellschaft. Es sind immer wieder dieselben Akteure, denen man bei den Recherchen begegnet. Eisen- und Manganerz wird in eigenen Bergwerken gefördert, die Kohleförderung erfolgt mit Glencore (ehem. Xstrata) gemeinsam, wobei African Rainbow 51 Prozent der Anteile hält.

In Sambia betreibt Rainbow gemeinsam mit Vale Kupferminen. Kupfer gehört auch aktuell zu den Rohstoffen mit einer temporären Knappheit. Den Goldabbau sehe ich eher kritisch, man muss sich die Zahlen von Harmony Gold ansehen – die Firma betreibt das operative Goldgeschäft – die sind trotz guter Goldpreise immer noch leicht im Minus. Die Firma African Rainbow wird von Dr. Patrice Motsepe geführt, dessen Mutter aus königlichem Geblüt ist. Das Unternehmen hat 74 Prozent Eigenkapital und am Jahresende ein KGV von 8,3. Der Gewinn war 2020 um 10,5 Prozent gestiegen. Die Bilanzhistorie sieht gut aus.

Sibanye Stillwater ist gerade bei weiterer Diversifizierung. Mit Kelyber Oy wurde die Zusammenarbeit bei der Erschließung der finnischen Lithiumvorkommen vereinbart. Das Palladium- und Platinstandbein ist ja mehr für die Wasserstofftechnik und die Kats wichtig, Lithium ist eine Option, falls das E-Auto fördertechnisch den besseren Lauf haben sollte.

Wer in Rohstoffe investiert, sollte sich mit Geologie befassen

In Amerika wurden 1.700 oz Platinmetalle gefördert, in Südafrika 86.000 oz. Für Gold sind die entsprechenden Zahlen 6.500 oz bzw. 19.700 oz. Weiterhin wurde in Südafrika Uran gefördert. In den USA wurden über 8.000 t Kupfer erzeugt. Die Firma hat 2020 locker die Gewinnzone erreicht: KGV 5,6, Eigenkapital 51 Prozent. Geschüttet wurden 2020 6,18 Prozent.

Der Sinn meiner Ausführungen: Vor dem Erwerb von Minenaktien sollte man sich immer mit geologischen und technischen Themen befassen. An dieser Stelle möchte ich voller Dankbarkeit an einen ganz großen Geologen erinnern, der mich 1973 in der Prüfung ordentlich auseinandergenommen hat: Otfried Wagenbreth, der Autor der „Geologischen Streifzüge“. Ich erinnere mich gerne an sein „nä wahr“ in den Vorlesungen und das Bild, wenn er mit Lederhosen, Gamaschen, Windjacke, Rucksack und Geologenhammer auf dem Bahnhof stand, um zu einer seiner Erkundungen aufzubrechen.

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Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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