Pleitewelle plus Immobilienblase

Quelle: Pixabay, linzenzfreie Bilder, open library, geralt; https://pixabay.com/de/photos/insolvenz-konkurs-verlust-pleite-593750/ Quelle: Pixabay, linzenzfreie Bilder, open library, geralt; https://pixabay.com/de/photos/insolvenz-konkurs-verlust-pleite-593750/
 

Die jetzt begonnene Rezession wird eine regelrechte Pleitewelle auslösen. Davon weden auch Unternehmen betroffen sein, von denen es bisher keiner erwartet.

Wie Fed-Präsident Jerome Powell auf einer Pressekonferenz am 10. Juni deutlich machte, will die amerikanische Notenbank noch lange an ihrer Nullzinspolitik festhalten. Ihre neusten Prognosen sehen frühestens Ende 2022 eine erste Zinserhöhung voraus.

Auch die von der Zentralbank durchgeführten Wertpapierkäufe sollen mindestens auf dem aktuellen Niveau von 120 Mrd. Dollar pro Monat weitergeführt werden. Die Schuldenspirale soll sich also unbedingt weiterdrehen – obwohl die große Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2007 bis 2009 ausdrücklich eine Schuldenkrise war. Doch darüber wird heute nur noch selten gesprochen.

Verschlechterung der Bilanzrelationen

Auch die jetzt begonnene Rezession hat das Potenzial, eine weitere Schuldenkrise auszulösen. Die Nullzinspolitik der Zentralbanken hat jahrelang das Sparen bestraft und das Schuldenmachen gefördert. Die Ergebnisse sind in allen drei Sektoren der Volkswirtschaft unübersehbar. Im Unternehmenssektor hat sie zu einer systematischen Verschlechterung der Bilanzrelationen geführt. In guten Zeiten ist das kein Problem. Aber in schlechten Zeiten kommen hochverschuldete Unternehmen schnell in Zahlungsschwierigkeiten. Das werden die kommenden Monate zeigen.         

Am Immobilienmarkt sieht es nicht anders aus. Hier ist die Überbewertung ähnlich hoch wie im Jahr 2007. Und jetzt bahnt sich erneut eine landesweite Baisse an.

Fallende Immobilienpreise führen in Kombination mit zunehmender Arbeitslosigkeit schnell zu Zahlungsschwierigkeiten der Betroffenen. Darüber hinaus sind viele private Haushalte anderweitig hoch verschuldet, also nicht nur mit Hypothekenkrediten. Nur wenige verfügen über Rücklagen, um eine längere Durststrecke durchstehen zu können. Damit bahnen sich auch bei den privaten Haushalten Zahlungsschwierigkeiten an.

Schließlich gehen zahlreiche Staaten hochverschuldet in diese Rezession, allen voran Italien. Eine neue Staatsschuldenkrise und sogar Staatsbankrotte wären also keine Überraschung, im Gegenteil.

In den USA haben zahlreiche Unternehmen die Nullzinspolitik der Fed dazu genutzt, in großem Umfang eigene Aktien zu kaufen. So haben sie Eigenkapital durch Fremdkapital ersetzt. Die wichtige betriebswirtschaftliche Pufferfunktion von Eigenkapital, auch bei schlechter Ertragslage zahlungsfähig zu bleiben, wurde in den Wind geschlagen. Anstatt mit den in guten Zeiten sprudelnden Gewinnen Reserven aufzubauen oder unternehmerisch sinnvolle Investitionen zu tätigen, wurde das Geld auf diese Weise unklug investiert.

Unternehmen ohne ausreichenden Risikopuffer

Die meisten Analysten und Aktionäre haben den Boom, den Aktienrückkäufe in den vergangenen Haussejahren erlebt haben, regelrecht bejubelt, weil er kurzfristig die Aktienkurse nach oben getrieben hat. Die damit einhergehende Erhöhung des unternehmerischen Risikos wurde billigend in Kauf genommen. Jetzt hat sich die Ertragslage schlagartig verschlechtert, und zahlreiche Unternehmen stehen ohne ausreichenden Risikopuffer da.

Deshalb wird die jetzt begonnene Rezession 2020 eine regelrechte Pleitewelle auslösen. Davon werden auch Unternehmen betroffen sein, die bei besserem Management niemals in Nöte geraten wären.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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dragaoNordestino
22 Tage her

test

dragaoNordestino
22 Tage her

Ja @Claus Vogt, möglich ist natürlich viel. Auch dass wir schon seit geraumer Zeit in der Endzeit leben, wie Sie hier beständig propagieren…..
 
…. Nur ist dies auch so.? In einer Welt wie der unseren finden tagtäglich unzählige Ereignisse statt… viele davon, sind für die einen Negativ und für andere Positiv…..
 
Es kommt also darauf an, von welchem Punkt man auf die Geschehnisse schaut…..
 
Vielleicht ist es zum Beispiel ganz ok, wenn den ewig gierigen Finanzzockern / Geld-Junkies die Luft abgelassen wird……
 
 

Last edited 22 Tage her by dragaoNordestino
heinss
Reply to  dragaoNordestino
22 Tage her

Könnte so kommen:
https://www.bitchute.com/video/nnIeLCupjo0/

Incamas SRL
19 Tage her

12/2019 hatten deutsche Banken ca. 3 Billionen Kredite ausgereicht. Nun sollten Immobilienpreise fallen, werden die meisten Banken endgültig defacto Pleite sein.

Petersen
Petersen
11 Tage her

Wenn es keine Zinsen auf das gesparte Geld gibt, dann ist die einzige Möglichkeit für einen bescheidenen Profit ein ansteigender Aktienkurs.

Wer vor 10, 15 Jahren gute Nerven hatte und kreditwürdig war, hat Immobilien gekauft. Trotz des immer stärkeren Ungleichgewichtes der Chancen für Mieter und Vermieter hat man eine gute Schnitt gemacht. Natürlich sind die jetzigen Preise in den Großstädten Blasen-Preise, aber selbst bei 30 Prozent wenige sind die Wertsteigerungen gut. Und aus Bevölkerungszuwachs und begrenztem Wohnraum sowie geringer Neubautätigkeit resultieren eben Knappheitspreise. Die Knappheit wird anhalten, weil die zugewanderten Menschen nicht wieder verschwinden.

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