Die Aktienmärkte sind reinstes Dynamit

Wall Street, Boerse / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt; https://pixabay.com/de/illustrations/wall-street-usa-person-freiberufler-4847634/ Wall Street, Boerse / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt; https://pixabay.com/de/illustrations/wall-street-usa-person-freiberufler-4847634/
 

Die Aktienkurse haben sich Lichtjahre von der realen Wirtschaftskraft entfernt. Warren Buffett setzt auf Cash. Und eine Horde Glücksspieler treibt die Kurse.

Vor einigen Wochen berichteten die US-Discountbroker von einem starken Anstieg der Depoteröffnungen. Die dahinterstehenden Kunden seien offenbar Börsenneulinge. Das erkenne man daran, dass sie viel Zeit mit Online-Einführungsmaterial verbringen, das die elementaren Grundkenntnisse über Aktien vermittelt. Die Financial Times hat dieses Phänomen, das Erinnerungen an die Endphase des Neuen Marktes hervorruft, etwas näher unter die Lupe genommen und ist zu folgendem Ergebnis gekommen:

„Spieler, die keine Sportwetten mehr abschließen können, weil der Spielbetrieb eingestellt wurde, haben in Scharen die US-Börse für sich entdeckt. Sie bilden eine neue Kundenklasse der Online-Broker und treiben die Kurse.“

Börsen von Realwirtschaft abgekoppelt

Während Börsenneulinge den Markt mit Kaufaufträgen fluten, ist Altmeister Warren Buffett für seine Verhältnisse extrem bearish und hält einen rekordhohen Cash-Anteil. Was wir hier gerade erleben, ist die moderne Variante der sprichwörtlichen Milchmädchenhausse. Wie ihre altmodischen Vorgänger wird sie kein gutes Ende nehmen.             

Getrieben von dieser neuen Spekulantenklasse haben sich die Aktienkurse trotz der realwirtschaftlichen Horrormeldungen, die den Beginn einer sehr schweren Rezession belegen, teilweise deutlich erholt. Im Moment ist es den Zentralbanken mit ihrer Geldflut und ihren Marktmanipulationen also gelungen, die Finanzmärkte von den realwirtschaftlichen Entwicklungen abzukoppeln und riesige Spekulationsblasen aufzupumpen. Sie haben die Börse jetzt im wahrsten Sinne des Wortes in ein Spielkasino verwandelt.

Die Kombination aus steigenden Kursen und einbrechenden Unternehmensgewinnen hat dazu geführt, dass die fundamentale Überbewertung der US-Börse neue Rekorde erreicht hat, also noch höher ist als im Februar dieses Jahres oder an den Höhepunkten der Jahre 2000 und 1929.     

Es geht in die Endphase…

Ein besonders spekulatives Segment stellen die Optionsmärkte dar. Die auf ihnen basierenden Indikatoren diverser Put-Call-Ratios haben in den vergangenen Tagen teilweise stärkere Warnsignale gegeben als am Februar-Hoch – und das, obwohl die Aktienkurse mehr oder weniger deutlich niedriger sind als damals. Diese Entwicklung deutet ebenso wie zahlreiche andere Kennzahlen der technischen Analyse darauf hin, dass die im März begonnene Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten nur eine Bearmarketrally ist, die sich jetzt in ihrer Endphase befindet.     

Ganz anders als an den allgemeinen Aktienmärkten stellt sich die Lage bei den Edelmetallen dar. Wie der folgende Chart zeigt, ist der Goldpreis im April dieses Jahres über die Widerstandszone bei rund 1.700 $ pro Unze ausgebrochen und auf ein Jahreshoch gestiegen. Seither konsolidiert er auf diesem Niveau.      

Auf den Anstieg über den Widerstand bei 1.700 $ pro Unze folgte eine Konsolidierung in Form eines bullishen Dreiecks. Die gesamte Formation hat ein Kursziel von 2.000 $ bis 2.050 $ pro Unze. Quelle: StockCharts.com / Claus Vogt

Auf den Anstieg über den Widerstand bei 1.700 $ pro Unze folgte eine Konsolidierung in Form eines bullishen Dreiecks. Die gesamte Formation hat ein Kursziel von 2.000 $ bis 2.050 $ pro Unze. Quelle: StockCharts.com / Claus Vogt

Neues Kursziel für Gold

Dabei hat sich ein bullishes Dreieck herauskristallisiert, das ich als Sprungbrett für den Ausbruch über die bei 1.800 $ verlaufende Widerstandszone interpretiere. Aus dieser Formation ergibt sich ein Kursziel von 2.000 $ bis 2.050 $ pro Unze.

Die Konsolidierung dauert inzwischen schon sechs Wochen und hat zu einem deutlichen Rückgang der Sentimentindikatoren geführt. Für den in den USA gehandelten und mit Abstand größten Gold-ETF befinden sich die Sentimentindikatoren jetzt auf einem Niveau, das eine Kaufgelegenheit signalisiert. Diese Feststellung gilt auch für den größten Goldminenaktien-ETF.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Incamas SRL
1 Monat her

Auch die regionalen Auswirkungen der Corona-Krise sind erstaunlich. So waren die deutschen Exporte nach China mit einem Rückgang von knapp 13% unterdurchschnittlich betroffen. Ganz anders sieht es bei den Exporten in die EU aus: Hier brachen die Ausfuhren nach Frankreich um 48% und nach Italien um rund 40% ein. Exporte in die USA sackten um fast 36% im Vergleich zum April 2019 ab.

dragaoNordestino
1 Monat her

ja nun Herr Claus Vogt…. dann wird eben das Finanzkasino implodieren…. Also mein Mitleid mit den Spekulanten hält sich in engen Grenzen. … Ähnlich verhält es sich mit Industrien die Ihre eigenen Aktien aufkaufen …. Auch denen werden am Ende ihre eigenen Aktien um die Ohren fliegen.. spätestens dann wenn deren Geldhorterei auf der Gegenseite, also bei den Verbrauchern nur noch riesige Schuldenberge geschaffen hat.  Ja Leute wir haben eine Guthabenkrise…. wenn man da das Analyseinstrument MMT zu rate zieht, bleibt nur noch eins und zwar dringend:   Der Staat muss über Steuern, massiv Geld bei den Geldbesitzern einsammeln und… Read more »

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