Mit Corona droht die DDR-Planwirtschaft

DDR VEB Kombinat / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: Tama66, https://pixabay.com/de/photos/fabrik-industrie-werk-fabrikhalle-3299455/ DDR VEB Kombinat / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: Tama66, https://pixabay.com/de/photos/fabrik-industrie-werk-fabrikhalle-3299455/
 

Seit Ausbruch der Coronakrise wird der Abschied von der Marktwirtschaft immer wahrscheinlicher. Wird der Zins bald von einem Zentralkomitee festgesetzt?

Die Staatsverschuldung schießt weltweit nach oben, und die Zentralbanken drucken in gigantischem Ausmaß Geld, mit dem sie die Anleihenmärkte leerkaufen, die Verteilung von Helikopter-Geld finanzieren und zusätzliche Kreditvergabe ermöglichen – als wäre die Überschuldung nicht schon groß genug.

Jetzt geht alles, und die Fed kauft sogar schon Junk Bonds, obwohl ihr das nach geltendem US-Recht ausdrücklich verboten ist. Aber dass Zentralbanken über dem Gesetz stehen, ist ja nichts Neues, das kennen wir in Europa längst von der EZB.

Es gibt kein schmerzloses Zurück

Walter Bagehots Regeln einer vernünftigen Rettungspolitik werden in den Wind geschlagen. Es gibt keine Grenzen mehr, weder für die Geldpolitik, noch für die Staatsverschuldung. „Nach uns die Sintflut!“, lautet der stumme Schlachtruf unserer (Geld)-Politiker.          

Die Interventionsspirale, in deren Zentrum die Zentralbank sitzt, dreht sich wie von mir für die nächste Krise, die jetzt begonnen hat, vorhergesagt unaufhaltsam und in immer größerem Umfang weiter. Ich habe stets betont, dass es kein halbwegs schmerzloses Zurück zu einer funktionierenden und Wohlstand schaffenden Marktwirtschaft mehr geben kann, nachdem die Blasen- und Krisenspirale erst einmal in Gang gesetzt wurde.

Die Vermutung, dass wir in eine Ära eingetreten sind, in der es an den Rentenmärkten keine marktwirtschaftliche Preisfindung mehr geben wird, sondern sämtliche Zinssätze von einem Zentralkomitee festgesetzt werden, wird immer wahrscheinlicher. Planwirtschaft statt Marktwirtschaft – mit den aus dem Ostblock und der DDR bekannten Folgen für Freiheit und Wohlstand.  

26 Millionen Anträge auf Arbeitslosengeld

Aus der politisch weitgehend stillgelegten Wirtschaft kommen Horrormeldungen, wie sie höchstens aus der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre überliefert sind. Beispielsweise stellten in den vergangenen fünf Wochen gut 26 Millionen Amerikaner Anträge auf Arbeitslosengeld. Interessanterweise hatten US-Ökonomen zunächst noch erheblich weniger erwartet. Offenbar werden die Dynamik und Dramatik dieses wirtschaftlichen Abschwungs deutlich unterschätzt.

Ich befürchte, das gilt auch für die weit verbreitete Erwartung, dass wir es nur mit einem kurzfristigen Einbruch zu tun haben und eine schnelle Rückkehr zum Zustand vor der Stilllegung der Weltwirtschaft möglich ist. Die riesigen Spekulationsblasen, die von den Zentralbanken in den vergangenen Jahren aufgepumpt wurden, sprechen jedenfalls gegen diese Hypothese, bei der wohl der Wunsch der Vater des Gedankens ist – oder der Glaube an die Allmacht der Gelddruckmaschine.           

Nach dem ersten Schock über die Stilllegung der Wirtschaft kam es an den Aktienmärkten trotz der grauenvollen Entwicklungen der Realwirtschaft wieder zu steigenden Kursen, so dass ein mehr oder weniger großer Teil der zunächst eingetretenen Verluste wieder aufgeholt wurde. Interessanterweise ist die Markttechnik aber negativ geblieben. Das zeigt mir, dass wir es hier wahrscheinlich nur mit einer Bearmarketrally zu tun haben.

Glaube an die Geldmarktspritze

Die Abkoppelung der Aktienmärkte vom Geschehen in der Wirtschaft und die fundamentale Überbewertung haben durch diesen Kursanstieg einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Moment dominiert am Aktienmarkt offenbar die Überzeugung, dass ausschließlich die Gelddruckmaschine von Bedeutung sei.

Gegen diese These spricht allerdings die Finanzmarktgeschichte. Sie zeigt, dass der Bereinigungsprozess, der mit dem Platzen großer Spekulationsblasen ausgelöst wird, durch geldpolitische Maßnahmen nicht völlig unterbunden werden kann. Darüber hinaus zeigt sie, dass an den Aktienmärkten nur langsam und schrittweise eine Rückkehr der Vernunft und eine Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen erfolgt. Deshalb kommt es in allen großen Baissen zwischendurch zu Kurserholungen, die jedoch nur Gegenbewegungen auf dem Weg nach unten sind.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Wayne Podolski
1 Monat her

Bruder und Nichte leben in Kalifornien und sind fanatische Trump Gegner. Ich denke, den von ihm unterschriebenen FED-Scheck in Höhe von 1200 $ haben sie trotzdem gerne genommen. Hat Trump eigentlich noch irgendwelche Macht ? Er hat neulich den nationalen Notstand erklärt und damit faktisch die Macht an die FEMA übertragen. In einer Rede sagte er, es war ihm eine Ehre Präsident der Amerikaner gewesen zu sein und hoffe das Richtige getan zu haben. Die Beschriftung seines Rednerpults hat sich auch geändert – seltsam. Mal sehen, vielleicht werden die Briefkästen der Amerikaner demnächst mit verschiedenen bunten Markierungen versehen, je nachdem… Read more »

Greenhoop
Greenhoop
1 Monat her

Natürlich wird es kein schmerzloses Zurück geben, die Transformation in den neuen Öko-Sozialismus und deren Akzeptanz wird in homöopathischen Dosen verabreicht, daher muss der Abriss auch graduell erfolgen und wird sich wohlmöglich noch einige Jahre hinziehen – immerhin ohne einen weiteren großen Krieg. Wenn sämtliche Länder der Welt das nahezu gleiche durchführen, dann kann dies nur durch eine Weltregierung geschehen. Gates hatte Trump bereits daraufhingewiesen, dass das Vorgehen gegen die Impfstrategie “Dead End” sei, eine Sackgasse und keine Option. Worauf sollte man sich als Normalbürger u.a. in absehbarer Zeit einrichten – das SAG (Sanierungs- und Abwicklungsgesetz), SAG betrifft Bankkunden, die… Read more »

Rosi
Rosi
Reply to  Greenhoop
1 Monat her

@Greenhoop “Worauf sollte man sich als Normalbürger..” In Zeiten, die sowieso schon so ungewiss sind wie heute, sollte man doch möglichst vermeiden, noch mehr Angst zu verbreiten durch aus dem Zusammenhang gerissene Auswürfe, die man vorher nicht ordentlich prüft. Das SAG (Sanierungs- u. Abwicklungsgesetz aus 12/2014) sollte man sich gut durchlesen, bevor man verallgemeinert. – Hierzu sei auch das Einlagensicherungsgesetz (2015) erwähnt, das uns doch hoffentlich allen bekannt ist -. Ob Einlagen tatsächlich im absoluten Crash gesichert sind, bezweifle ich auch, aber das ist doch nichts neues. Zum SAG: – Kundengelder können nur ab 100 TSD € eingezogen werden (wohl… Read more »

Evi Dent
Evi Dent
Reply to  Rosi
1 Monat her

@ Greenhop und Rosi Die meisten erkennen die Gefahr noch immer nicht. Leider ist diese Erkenntnis nutzlos. Die politisch unambitionierten, aber zum politisch korrekt sein gezwungenen Bürger finden sich als Kaninchen vor der Schlange. In Wahrheit hatten sie keine realistische Chance um sich zu retten. Natürlich ist Parteienwirtschaft der ideale Nährboden um schon in jungen Jahren Menschen gleichzuschalten. Mitläufertum wird solid(arisch) erzeugt auf Parteitagen und anderen Veranstaltungen. Das richtige Parteibuch garantiert Karriere, ganz besonders tiefenstaatliche. Damit sind wir mitten drin im feingewobenen Netz, welches sich selbst erhält. Sämtliche totalitäre Regime sind ohne ideologisierte Parteibasis undenkbar. Die prominenten Köpfe alleine können… Read more »

waltomax
waltomax
1 Monat her

Der asymmetrische Strukturbaum Man stelle sich einen Baumstamm vor. Aus diesem Baumstamm wachsen vier Wurzelstränge (erster Ordnung)in den Boden. Aus jedem Wurzelstrang kommen drei weitere Stränge (zweiter Ordnung). Die Stränge zweiter Ordnung verzweigen sich jeweils in zwei Stränge (dritter Ordnung). Und dann bleibt nur noch ein Anhang, der sich nicht mehr verzweigt. Aus dem anderen Ende des Stammes kommen zwei Hauptäste. Aus jedem Hauptast drei kleinere Äste. Aus jedem kleineren Ast vier Ästchen, usw. Die so gebildete Baumkrone geht gegen einen Grenzwert, da sich die aus dem Stamm wachsenden Triebe zwar verzweigen aber auch verkürzen. In diesem einfachen Modell sieht… Read more »

waltomax
waltomax
1 Monat her

Der asymmetrische Strukurbaum Teil II Planvoller Rückbau oder Chaos? Metaphern und anschauliche Beispiele erleichtern das Leben. Nicht umsonst sagt der Volksmund, Bäume wüchsen nicht in den Himmel. Das gilt auch für den Strukturbaum (s. Teil I). Eine Spezialisierung und arbeitsteilige Differenzierung läuft auch in der Wertschöpfung dann an ihre Grenzen, wenn die Basiserfindungen und -innovationen konzeptionell ausgeschöpft sind. Es gibt dann dann keine Optimierung mehr. Und damit keinen neuen Produkte und Dienste. Die Nachfrage bricht dadurch mehr und mehr ein. Bildet der Stamm zum Beispiel den Dieselmotor, kann dieser nach seiner Verzweigung in alle möglichen Arten (Schiffsdiesel, Diesellock, PKW und… Read more »

waltomax
waltomax
1 Monat her

Der asymmetrische Strukturbaum Man stelle sich einen Baumstamm vor. Aus diesem Baumstamm wachsen vier Wurzelstränge (erster Ordnung)in den Boden. Aus jedem Wurzelstrang kommen drei weitere Stränge (zweiter Ordnung). Die Stränge zweiter Ordnung verzweigen sich jeweils in zwei Stränge (dritter Ordnung). Und dann bleibt nur noch ein Anhang, der sich nicht mehr verzweigt. Aus dem anderen Ende des Stammes kommen zwei Hauptäste. Aus jedem Hauptast drei kleinere Äste. Aus jedem kleineren Ast vier Ästchen, usw. Die so gebildete Baumkrone geht gegen einen Grenzwert, da sich die aus dem Stamm wachsenden Triebe zwar verzweigen aber auch verkürzen. In diesem einfachen Modell sieht… Read more »

waltomax
waltomax
1 Monat her

Die logische Konsequenz: Hunger Die gegenwärtige Zerstörung der Wirtschaft durch weltfremde Politschranzen und käufliche Pseudowissenschaftler überantwortet viele der wachsenden Not im Heer der Transferempfänger. Die Not wird in dem Maße wachsen, in welchem sich die privaten und öffentlichen Kassen leeren. Die Gretchenfrage: Wer bezahlt denn am Ende die Versorgung der freigesetzten Bankrott – Massen mit Nahrungsmitteln (und anderen Existenzmitteln)? Der Staat wird auch dieses Problem mit ungedeckten Fiat-Geld zu “lösen” suchen. Klar ist, dass Bauern und Lebensmittelindustrie zum dicken Ende ebenfalls nicht mehr für Inflationsgeld arbeiten können und wollen. Und dann brennt der Hut lichterloh! Ohne hellseherische Fähigkeiten hat man… Read more »

Martina Grundig
Martina Grundig
Reply to  waltomax
1 Monat her

Dann ist wohl die sog. Deagle-Liste wahrhaftig. Hatte ich bis dato noch nicht auf meinem Schirm gehabt, obwohl ich sie kenne. Aber angesichts der weltweiten Prognosen sollte sie wohl stimmen. Corona ist nur der Stein des Anstoßes, vielleicht nennt man das den “Schwarzen Schwan”, der die Menschheit sicherlich nicht dezimieren wird. Man fährt die Weltwirtschaft in den Ruin; wer mochte sich das Szenario nur vorstellen, aber wir sind mittendrin. Alle Staaten machen mit, wieso? Ich möchte keine NWO; ich möchte eine multilaterale, kulturelle, traditionsgepflegte und friedliche Beziehungen zu allen Ländern. Ich brauche keine Weltmacht, die sich nur durch Kriege bereichert… Read more »

Wolfgang Pietsch
Wolfgang Pietsch
1 Monat her

Ich lese ohne Ende über vieles, was von uns Menschen war genommen wird, in Millionen von Varianten, dabei sollte man endlich einmal das Pferd anders aufzäumen. Es gibt nur zwei Spieler, den Souverän – Das Volk – und die vom Volk nur indirekt (wegen der Parteien und bunten Farben zum ablenken) gewählte Regierung. Wo ist denn hier die Ausstiegsklausel aus dem Vertrag, den es nie gab ? Ein Mitarbeiter in einem Unternehmen, den man nicht mehr braucht, wird gekündigt, fertig. Ein (Vorstands-) Direktor eines Untrenehmens wird abgesetzt, wenn er die erwartete Leistung der Eigentümer nicht erfüllt. Und welche Möglichkeiten haben… Read more »

Italexit
Italexit
Reply to  Wolfgang Pietsch
1 Monat her

@Wolfgang Pietsch “Haben sie uns vieleicht sogar vergewaltigt ? Dann wäre es umso dringender Notwendig, neue Verhältnisse zu schaffen. Jeder Vorschlag ist willkommen!” Das deutsche Establishment lügt, manipuliert und bricht das Gesetz und die Verträge seit Jahrzehnten am Laufband. Das deutsche Wirtschaftswachstum war zwischen 2000 und 2003 mit steigender Arbeitslosigkeit gleich Null gewesen. Im ersten Jahrzehnt des Euro (1999-2008) stieg die deutsche Staatsverschuldung von 61% auf 67% des BIP im Gegensatz zu anderen Ländern, einschließlich Italien, deren Verschuldung im gleichen Zeitraum von 113% auf 106% des BIP sank!. Dies liegt daran, dass die öffentlichen Ausgaben Deutschlands von 2000 bis 2005… Read more »

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