Will Nigel Farrage Deutscher werden?
Will Nigel Farrage Deutscher werden?

Will Farage Deutscher werden?

Der Union Jack vor der britischen Boschaft Berlin © GEOLITICO Der Union Jack vor der britischen Boschaft Berlin © GEOLITICO
Ein Besuch des Ukip-Politikers Nigel Farage in der deutschen Botschaft gibt Rätsel auf. Er mag nicht darüber reden, ist aber eindeutig erkannt worden. Der Wochenrückblick als Sonntagspanorama.

Liebe Leserinnen und Leser, „Armut und wachsende Ungleichheit. Enttäuschte Hoffnungen. Schamlose Bereicherung und Korruption der Machtelite. Das alles kommt so bekannt vor. Was in Ungarn seit Jahren zu beobachten ist, stellt in der Europäischen Union keine Ausnahme dar. Und auch die Magyaren reagieren überwiegend mit Resignation und einer ganzen Menge Ressentiments. Nicht nur die faschistische Hasspropaganda in sozialen Medien versucht die Stimmung in ihrem Sinn anzuheizen; die autoritäre Orbán-Regierung weiß die Ressentiments emotional aufzuladen, zu kanalisieren und für sich zu nutzen (…)“, schreibt ossietzky.net

So oder so ähnlich lautet in deutschen Medien der Standardbeginn einer Standardabrechnung mit Ungarn.

Eine Stimme aus Ungarn

Ich will jetzt eine einheimische Stimme hören! Ich frage Lorant Szekely (32). Der ehemalige Tänzer, Schauspieler und Sänger zog vor fünf Jahren von seiner Heimatstadt Budapest nach Berlin, wo er heute glücklich als Rettungsassistent arbeitet. Die Menschen in Ungarn scheinen sich unter seiner Beschreibung zu verwandeln. Man möchte in Budapest leben:

„Zum letzten Mal war ich im April in meiner Heimatstadt. Den ersten Anruf bekommt meistens meine beste Freundin Ivett. Ivett leitet die Rechtsabteilung eines Kulturfonds, außerdem organisiert sie Trainings und macht ihren täglichen Sport. Oft besuchen wir danach eine Therme. Da quatschen wir laut, lachen viel über andere im Bad und über unser eigenes Leben, dann fahre ich sie zu ihrem nächsten Abendtermin. So ergibt sich oft die Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen, erfrischende Situationen zu erleben, auch mit Fremden. Es passiert immer etwas Neues, etwas Überraschendes.
Als Nächstes rufe ich meinen Schulfreund Bence an. Er ist Jazztrompeter und hat immer viel zu tun und kennt sich gut in der gebildeten Underground-Szene aus. Trotzt seines bewegten Lebens schaffen wir es, zwischen zwei Auftritten ein Bier zu trinken und uns über Gott und die Welt (und ja auch über Frauen) auszutauschen. Beim letzten Mal hat er mich zum Beispiel auf ein Festival eingeladen, wo junge Jazzgruppen gespielt haben, die eine Art staatliches Stipendium bekommen haben. Ich platze fast vor Stolz, wie viele talentierte, junge und selbstbewusste Musiker unterstützt werden und welch ein Ansehen sie in der Heimat haben.
Die Konzerte waren frei besuchbar und fanden unter freiem Himmel in der Kolonnade statt, die vor ein paar Jahren restauriert wurde. Direkt unter der Burg von Buda. Man trinkt da sein Bierchen, spürt die lauwarme Luft an seiner Haut und schaut sich um. Dabei sieht man all diese schönen, frischen Menschen und fragt sich: Warum lebe ich nicht in dieser Stadt? Die Stimmung, die Menschen sind im besten Sinne des Wortes sexy. Einfach, lässig und elegant. Ohne Schnickschnack. Man spürt eine respektvolle Offenheit in der Luft, die gar nicht mehr so naiv wirkt wie früher. Genau das Gegenteil, ich erlebe die Menschen dort immer bewusster und zufriedener.
Komisch! Ist es nicht so, dass wir in Europa von einem verwirrenden politischen Klima in Ungarn reden? Ja, es mag sein, dass die Politik gerade auf einem falschen Pfad läuft. Das lässt sich aber im Alltag der Stadt nicht feststellen: Die Menschen in Ungarn genießen offen das Leben.“

Lorants Schwester Teresia (43) wohnt in Frankfurt am Main. Neulich wollte sie das schöne Wetter mit einem kurzen Rock genießen. Doch seit einiger Zeit erntet sie kritische Blicke. An der Kasse eines Penny-Marktes zischt es hinter ihr: „Die wird es auch noch lernen müssen.“ Eine Muslima äußert ihr Unverständnis über so viel nackte Haut. „Früher konnte ich noch unbeschwert kurze Röcke in Frankfurt tragen“, sagt Teresia fassungslos.

Schlimm ist auch die Macho-Unkultur in Südamerika:

„Der Erzbischof von Lima warf in einer Radioansprache den Frauen Perus vor, dass sie Männer durch knappe Kleidung zu Gewalt verleiten und sich im Fernsehen als Stücke von Fleisch präsentieren. Dass Kardinal Juan Luis Cipriani mit seiner Ansicht keineswegs allein dasteht, zeigt das von der Zeitung El Comercio veröffentlichte Ergebnis einer Ipsos-Meinungsumfrage. Danach sind 53 Prozent der im Großraum Lima Befragten der Ansicht, dass eine Frau im Minirock allein oder teilweise verantwortlich ist, wenn sie das Opfer von Gewalt wird“, berichtete die FAZ.

Israel baut einen unterirdischen antipalästinensischen Schutzwall

Um den Gazastreifen noch stärker abzuriegeln, baut Israel an seiner Grenze jetzt eine unterirdische Mauer, die tief hinunter bis zum Grundwasserspiegel reicht. Das Projekt kostet in etwa eine halbe Milliarde US-Dollar und soll in eineinhalb Jahren fertig sein. „Man könnte das Ganze als nationale Anstrengung bezeichnen, in die der Staat Israel sehr viel Geld und Technologie investiert“, sagt Oberstleutnant Kobi laut deutschlandfunk.de.

Das schwarze Schaf der Woche

Schwarzes-Schaf / Quelle: Claus Folger

Schwarzes-Schaf / Quelle: Claus Folger

 „None of your business.“ („Das geht Sie nichts an.“)
Der Ukip-Politiker Nigel Farage auf die Frage von Buzzfeed, „was er bei der Deutschen Botschaft gemacht habe“.

Eine 19-jährige schrieb zuvor auf Facebook, dass der Politiker zusammen mit ihr in einer Schlange vor der deutschen Botschaft in London gestanden habe:

„Ich nehme an, ihm ist klar geworden, dass er uns irgendwie ziemlich über den Tisch gezogen hat und versucht nun schnell, auch eine doppelte Staatsbürgerschaft zu bekommen.“

Unterdessen erklärt Premierministerin Theresa May, den formellen Austritt aus der EU doch erst Ende 2017 beantragen zu wollen. Es fehle noch an qualifiziertem Personal, den Brexit zu bewältigen. Englische Zeitungen sprechen von Chaos in der britischen Regierung. Ich bleibe bei meiner Ersteinschätzung, dass die britischen Politiker nie Artikel 50 des EU-Vertrags ziehen werden, der den Austritt regelt.

Die zusammengefasste Argumentation der Brexitianer war doch in etwa:

„Wir (England) werden überflutet von EU-Einwanderern, von Polen und Rumänen. Vor allem die Polen belasten das (kostenlose) Gesundheitssystem und nehmen den Engländern Arbeitsplätze weg. Schuld ist die EU, denn da herrscht Freizügigkeit. Bald kommen die Türken in die EU, dann wird es noch schlimmer. In manchen Städten spricht die Mehrzahl der Einwohner polnisch. Und für diese schlimme Entwicklung zahlen wir auch noch jedes Jahr Hunderte von Millionen Euro nach Brüssel. Dieses Geld können wir gut für unsere Schulen und unsere Krankenhäuser verwenden. Die Gesetze werden nicht mehr in London, sondern in Brüssel gemacht; wir haben gar keine Autonomie mehr über unsere Gesetzgebung. Und außerdem sind Leute wie Juncker gar nicht demokratisch gewählt. Wir wollen wieder über unser Land selbst entscheiden. We want our country back.“[1]

Die türkischen Dumm-Massen, die Erdogan hinter sich zwingt, dürften ähnlich einfach ticken.

Das weise Schaf der Woche

Weißes-Schaf Quelle: Claus Folger

Weißes-Schaf Quelle: Claus Folger

Hey kleiner Bruder, der Generationenwechsel ist eingeleitet. Ich freue mich extrem für dich. Du hast einen klaren Harting im letzten Versuch gezeigt. Sportlich brauche ich somit nichts mehr beweisen, denn das kannst jetzt du. Nimm es mit und pflege diese Fähigkeiten. Den Diskus schenke ich dir. Respekt! Zwei Olympiasieger im Einzelsport aus der selben Familie.“
Robert Harting gratuliert auf Facebook seinem Bruder Christoph Harting zur Goldmedaille im Diskuswerfen.

Mein Lektüretipp der Woche:

Obamas Drohnenmord-Maschinerie: Weißes Haus veröffentlicht Leitfaden für gezielte Tötungen.[2]

 

Anmerkungen

[1] http://hinter-den-schlagzeilen.de/2016/07/12/wie-mich-die-englaender-mehrfach-eines-besseren-belehrten/

[2] http://www.wsws.org/de/articles/2016/08/09/dron-a09.html