Informationsmangel schürt Vorurteile
Informationsmangel schürt Vorurteile

Onhe Information gibt’s Vorurteile

Aus Gründen der Political Correctness veröffentlichen weder die Polizei noch die Medien die ethnische Zugehörigkeit von Straftätern. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Nicht nur in München stoßen Koran und Fasching aufeinander und niemand weiß, was nun Vorfahrt hat: Religionsfreiheit oder großstädtische Folklore. Der schwule grüne Lokalpolitiker Marcel Rohrlack hatte am Münchner Ostbahnhof eine Schelle von einem jungen Mann abgekriegt. Er war nämlich in einem Frauenkleid und High Heels unterwegs. Er wollte sich das nicht gefallen lassen und hat an einer polizeilichen Täterbeschreibung mitgewirkt:

„Männlich, ca. 20 Jahre alt, 175 cm – 180 cm groß, südländisches Aussehen, sprach auffällig gutes, akzentfreies Hochdeutsch. Kurze, dunkle Haare, ggf. oben etwas länger. Schlanke, fast mager erscheinende Figur, entsprechend schlankes Gesicht, dunkle Augen.“

Die neuen Herrenmenschen

Ja, mit dieser Beschreibung finde man mal jemanden in München mit einer Million Einwohnern. Würde fast 1:1 auf meinen Sohn passen. Wegen dem Hinweis auf südländisches Aussehen gab es gleich eine Kritik auf der Facebook-Seite: Dort wird dem polizeilichen Täterhinweis auf ein „südländisches Aussehen“ vorgeworfen, „leider einen rassistischen Tenor“ zu haben. Einen Hinweis auf einen morgenländischen Hintergrund der Prügel gibt es allerdings nicht, obwohl der wahrscheinlich ist.

Da sind wir am Punkt, wo sich die Geister scheiden. Bei den Täterbeschreibungen in deutschen Medien. Sicher war es vor hundert Jahren falsch, ethnische und religiöse Zugehörigkeiten mit feststehenden Charakterisierungen zu versehen. Bestimmte Ethnien waren damals per se minderwertig, andere die neuen Herrenmenschen. Genauso wurden Religionen runtergemacht. Man lese zum Beispiel folgende Beschreibung:

„In dem neuen Deutschen Reiche, welches in den Kämpfen von 1866 und 1871 unter schweren Opfern seine unentbehrliche nationale Einheit errungen hatte, wurden die frechen Attentate des Papismus besonders schwer empfunden; denn einerseits ist Deutschland die Geburtsstätte der Reformation und der modernen Geistesbefreiung; andererseits besitzt es leider in seinen 18 Millionen Katholiken ein mächtiges Heer von streitbaren Gläubigen, welches an blindem Gehorsam gegen die Befehle seines Oberhirten von keinem anderen Kultur-Volke übertroffen wird.“

Das steht in einem  Bestseller der Spätkaiserzeit, den „Welträtseln“ von Ernst Haeckel. Absolut diffamierend war das, aber auch sehr typisch für diese Zeit.

Mordserie bei Ansbach

Heutzutage wird jedoch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Nicht nur wird richtigerweise auf abwertende Charakterisierungen von Gruppen verzichtet, sondern leider auch auf die Erwähnung der Gruppenzugehörigkeit überhaupt.

Das hat skurrile Auswirkungen. Immer wenn etwas mit einem Auto oder mit einem Messer passiert oder wenn der Täter als geistig verwirrt beschrieben wird, fällt der Verdacht sofort auf Moslems. Das mag in zwei Dritteln der Fälle zutreffend sein, ist aber im restlichen Drittel schlicht falsch. Ich erinnere nur an den Mord an sieben Kindern in Australien, wo eine Melanesierin zugestochen hat. Oder an eine kürzliche Mordserie bei Ansbach.

Etwa um 10 Uhr hatte ein Autofahrer zwei Leute auf der Straße erschossen. In den Medien folgte eine kurze Mitteilung ohne die Volkszugehörigkeit des Täters zu erwähnen. Diese Kurzmeldung erschien noch im Laufe des Vormittags auf PI-news. In der Kommentarspalte tauchte natürlich sofort der Verdacht auf, dass es ein Moslem war

Am Nachmittag fand eine Pressekonferenz statt, die immer wieder verschoben ward, weil der Übertragungswagen des Bayrischen Rundfunks im Stau auf der Autobahn hängengeblieben war.  An diesem Zuwarten sieht man, wie verfilzt Politik und zwangsfinanzierte Staatsmedien bereits sind.  Die Lokalzeitungen und die Öffentlichkeit lässt man auf den überbezahlten und abhängigen Staatsfunker warten.

Die Saupreißen

Wer der Täter war, erfuhr der interessierte Bürger in der Konferenz immer noch nicht. Ein Ansbacher sei es gewesen, so die Verlautbarung. Ja, was ist ein Ansbacher? Gestern sickerte durch, dass er rauschgiftsüchtig sei und im Kannabis-Wahn durchgedreht habe.

Da entsteht natürlich der Verdacht, dass es ein Franke gewesen sein könne. Die Franken bevölkern als unterdrückte Minderheit Regionen in Bayern, Thüringen und Hessen. Ein Landessohn, Markus Söder, hat sich aus der allgemeinen Unterdrückung hervorgearbeitet und ist am Münchner Hofe von Pharao Seehofer quasi als Joseph der bayrischen Politik für die Verwaltung der Staatsfinanzen in den derzeit sieben mageren Jahren verantwortlich.

Fällt nun wegen dem „Ansbacher“ ein dunkler Schatten auf die fränkische Nation? Wir wollen es nicht hoffen, können es aber nicht ausschließen. In Bayern hat diese Unklarheit überhaupt eine lange Tradition, weil alle Nicht-Bayern als Saupreißen in einen Topf geworfen wurden. War der Ansbacher also so ein Saupreiß?

Zwei rassistische Anekdoten aus den frühen 90er Jahren weisen auf schlimme Ressentiments gegen Franken hin:

„Was trinken die Monster?“ „Frankenbräu“

„Wo holen die Monster ihr Geld?“ „Bei der Frankenbank“

Die beschriebenen Tatsachen lassen den bescheidenen Wunsch aufkeimen, von den Lügenmedien doch wieder über die Volks- und Religionszugehörigkeit der Verdächtigen informiert zu werden. Denn was im Geheimen aus Informationsmangel vermutet wird, ist oft vorurteilsbeladener und schrecklicher, als die Realität.

 

Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel