Internetzugang nur noch über den Check biometrischer Daten

Ziel ist die Totalüberwachung. Künftig sollen Bürger nur noch mit dem persönlichen Fingerabdruck durchs Internet. Der Iran will das durchsetzen. Auch im Netz soll niemand mehr unerkannt bleiben.

Der Iran macht vor, was so mancher westliche Sicherheitsdienst wohl ebenfalls gern sähe. Die Ayatollahs verordnen ihren Bürgern eine elektronische Rundum-Überwachung. Zu diesem Zweck wollen sie einen biometrischen Ausweis einführen, der nicht nur die wichtigsten persönlichen Daten enthält, sondern sie vor allem auch dort auf Schritt und Tritt kontrolliert, wo sie bisweilen noch einen hauch von Freiheit spürten, nämlich im Internet. Ohne den neuen Ausweis soll künftig kein Iraner mehr ins Internet kommen.

Auf der Internetseite des iranischen Innenministeriums heißt es dazu fast höhnisch:

 „Zusätzlich zu den Anwendungen auf den bisherigen nationalen ID-Karten sind diese Chipkarten der Schlüssel zur elektronischen Verwaltung und ein Eintritt in die Informations-Community. Sie bietet Menschen Möglichkeit, sich sicher durch den digitalen Raum zu bewegen.“

Die „Smart Card“ bringe dem Einzelnen und dem Land eine Reihe „wirtschaftlicher Vorteile“. Die Menschen könnten schneller und leichter Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sie senke Kosten von Bürgern, Unternehmen und Staat.

Viele Länder hätten eine solche Karte bereits eingeführt. So verweist das iranische Innenministerium auf „fast alle Länder am Persischen Golf und die meisten fernöstlichen Länder“. In Ländern wie Malaysia, Singapur und Hong Kong sei es inzwischen Gang und Gäbe solche Karten zu nutzen.

Allerdings dienen sie dort nicht als Internetzugang.  Und den Iranern geht es ganz offensichtlich erst in zweiter Linie um Dienstlungen wie die Kartennutzung in Bezahlsystemen. Ihnen geht es um die Überwachung ihrer Bürger.

Denn wer mit seiner Karte ins Internet will, der muss künftig nicht nur die Karte ins Lesegerät stecken, sondern auch noch seinen Fingerabdruck elektronisch bestätigen. Erst dann, wenn der Fingerabdruck auf der Karte mit dem Abdruck auf dem Lesegerät übereinstimmt, wird der Internetzugang freigeschaltet. Damit ist zweifelsfrei nachvollziehbar, wer, wann, mit welchem Computer wo ins Internet gegangen ist, welche Seiten besucht  und welche Nachrichten er ausgetauscht hat.

Hier noch ein Zitat des iranischen Innenministeriums:

 „Zu den wichtigsten Vorteilen der Karte zählt ihre Fähigkeit, Personen im digitalen Bereich zu identifizieren, um über das Passwort hinaus Identitäten zu bestätigen und biometrische Daten zu kodifizieren.“

Als er die neue Karte vorstellte, sagte der President der iranischen „National Organisation Of Civil Registration“, Nazemi Ardakani, sicherlich könne diese neue „Klarheit“ oder Durchsichtigkeit auch Probleme bereiten. Aber sie führe auch zu mehr „Ehrlichkeit“, denn der neue Ausweis „reflektiere“ alles Handeln und Tun seines Inhaber wie ein Spiegel.

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Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel