Im Fernsehen wird Wahlkampf zum Klamauk

Wahl / Wahlkampf / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt;https://pixabay.com/de/illustrations/bundestagswahl-buchstabe-6580141/ Wahl / Wahlkampf / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt;https://pixabay.com/de/illustrations/bundestagswahl-buchstabe-6580141/

TV-Formate wie das „Triell“ der Kanzlerkandidaten oder der „Vierkampf“ der Spitzenkandidaten der kleineren Parteien beleidigen den intelligenten Zuschauer.

Kommentar

Im Fernsehen verkommt Politik vollends zur Show. Kein Wahlberechtigter braucht ein TV-Triell oder einen „Vierkampf“ der Spitzenkandidaten der kleineren Parteien für seine Wahlentscheidung. Aber das Fernsehen braucht diese aus dem Unterhaltungsprogramm des Privatfernsehens entlehnten Wettstreit-Formate offfenbar für seine Einschaltquoten.

Inhaltlich gesehen, sind viele Sendungen aus dem Kinderprogramm jedenfalls weitaus informativer als so ein groteskes Schaulaufen der Politiker. Denn die wirklich wichtigen Sachfragen wie etwa die Rente, die Zukunft der Energieversorgung und der Industrie kommen bestenfalls am Rande und dann nur in wenigen Zuspitzungen zur Sprache. Es ist auch gar nicht das Ziel dieser Sendungen, den Bürger zu informieren. Vielmehr geht es darum, das Fernsehen als eigentliche Bühne der Politik zu inszenieren.

Das Fernsehen wollte schon 1972 in Wahlkampf einsteigen

Freilich spielen die Medien, und damit auch die TV-Sender, im allgemeinen und alltäglichen politischen Diskurs einer Demokratie eine gewichtige Rolle. Ihre Aufgabe ist es, die politischen Botschaften der Parteien und Regierungen als Nachrichten zu transportieren, diese einzuordnen und zu hinterfragen. Eine Bühne für den Wahlkampf sollen sie nicht sein.

In den ersten Nachkriegsjahrzehnten gehörte dies zum Selbstverständnis der meisten Zeitungen und der öffentlich-rechtlichen Sender. Sie hielten sich aus dem Wahlkampf heraus. Allerdings das Fernsehen erlag schon 1972 der Versuchung, es den US-Fernsehsendern gleichzutun. Damals sollten Willy Brandt (SPD) und sein Gegenkandidat Rainer Barzel (CDU) vor der Bundestagswahl im Fernsehen gegeneinander antreten. Brandt lehnte ab. Vier Jahre später erteilte Helmut Schmidt (SPD) dem Fernsehen eine Absage.

Zum ersten sogenannten TV-Duell kam es erst 1997 vor der Hamburger Bürgerschaftswahl zwischen Henning Voscherau (SPD) und Herausforderer Ole von Beust (CDU). Seither gehören diese Wahlkampfformate zum festen Bestandteil des Fernsehprogramms.

Kein inhaltlicher Anspruch

Darin dominiert die Redezeit über die Inhalte. Widersprüche bleiben ungeklärt im Raum stehen, weil das nächste Thema abgehakt werden muss. Im jüngsten „Vierkampf“ sollten die Politiker auf die ersten Fragen gar nur mit einem gehobenen oder gesenkten Daumen antworten. Stärker lässt sich der inhaltliche Anspruch nicht mehr absenken.

Es wäre löblich, wenn sich irgendwo ein Programmchef oder Intendant fände, der über solche Formate endlich mal den Daumen senkte.

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Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

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Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
3 Tage her

Absolut zutreffend: “Es ist auch gar nicht das Ziel dieser Sendungen, den Bürger zu informieren. Vielmehr geht es darum, das Fernsehen als eigentliche Bühne der Politik zu inszenieren.” Die Reduktion von Politik zum Showevent, zur Unterhaltung. Im Grunde eine demütigende Angelegenheit, und zwar sowohl für den Wähler als auch für Politiker, die sich dem vorgegebenen Korsett unterzuordnen haben. Die Verwandlung von Demokratie in eine Art Mediokratie. Aber die Politik kollaboriert ja auch noch mit der Medienherrschaft. Sie könnten doch alle verweigern – tun es heute aber nicht mehr. … Ergänzt sei noch, dass die Zuschauer lediglich die Außenwirkung der Spitzenkandidaten… Read more »

Kane
Kane
2 Tage her

solche Formate sehen sich allenfalls Schafe an, aber keine Bürger. Und dann wären wir wieder bei den 80% die als politische Eunuchen dem System immer wieder die Rückendeckung geben die es seit Dekaden nicht mehr verdient.

ThR
ThR
1 Tag her

sämtliche wahlen sind seit 1956 in diesem Land illegal und nichtig .
Wer heute noch wählen geht begeht VOLKSVERRAT !!!!!
Und ganz wichtig jeder macht sich durch sein wählen mit Verantwortlich an den VERBRECHEN die die Politschwerstverbrecher am Deutschen Volk mit verüben !!!!!!!!!!!

Voltaire
Voltaire
Reply to  ThR
1 Tag her

Werde in jedem Fall wählen gehen allein schon deshalb, weil ich das Wahllokal unter Beachtung der von mir festgelegten und nicht verhandelbaren 4-U-Regel betreten werde: unmaskiert – ungetestet – ungeimpft – unbeugsam.

Und Sie können mir glauben, dass ich mir mein Wahlrecht von ein paar Wahlhelfern keinesfalls werde nehmen lassen.

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