Robinhoods dubiose Geschäfte mit ahnungslosen Kleinanlegern

New York Stock Exchange Boerse /Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/b%C3%B6rse-handelssaal-new-york-738671/ New York Stock Exchange Boerse /Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/b%C3%B6rse-handelssaal-new-york-738671/

Der Discountbroker Robinhood gibt vor, den Finanzmarkt „zu demokratisieren“. Tatsächlich verkauft er Kundenorders an Fonds. Die Börsenaufsicht ermittelt.

Seit Anfang 2020 hat die Anzahl neuer Aktionäre und Spekulanten in den USA und in Europa drastisch zugenommen. Wie zuletzt in den Jahren 1999/2000 kamen die Discountbroker auch in den vergangenen Monaten mit der Bearbeitung neuer Kontoeröffnungsanträge kaum hinterher, so groß war die Nachfrage.         

Zu einer derart starken Zunahme an Neuaktionären, wie wir sie jetzt beobachten konnten, kam es in der Vergangenheit nur in den letzten Monaten großer Spekulationsblasen.

Robinhoods fragwürdiges Geschäftsmodell

Diese Beobachtung gilt auch für das Spekulieren auf Kredit. So ist die Summe der US-Wertpapierkredite ebenfalls sehr stark gestiegen. Sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt eilt diese Spekulationskennzahl nun schon seit Monaten von Rekord zu Rekord.            

Wie diese beiden Beispielen zeigen, halten die extremen spekulativen Übertreibungen, auf die ich in den vergangenen Monaten wiederholt hingewiesen habe, nahezu unvermindert an. Fortsetzen können sie sich aber nur, solange neue Spekulanten an die Börse strömen.

Doch dieses Reservoir ist endlich und mittlerweile weitgehend ausgeschöpft. Darauf deutet zumindest das Geschehen bei Robinhood hin, dem kometenhaften Newcomer unter den amerikanischen Discountbrokern.

Dessen extrem starkes Wachstum hat sich im zweiten Quartal dieses Jahres deutlich abgeschwächt. Gleichzeitig wird die sehr berechtigte Kritik an der aggressiven Vorgehensweise des Unternehmens und den Details seines Geschäftsmodells lauter.                  

Robinhood hat den Markt der Discountbroker aufgemischt, indem es seinen Kunden den scheinbar kostenlosen Handel mit Wertpapieren anbietet. Ziel der beiden Firmengründer Vladimir Tenev und Bajiu Bhatt ist es, den Finanzmarkt für alle „zu demokratisieren“.

Die Frage ist, wie Robinhood sein Geld verdient, wenn es keine Gebühren erhebt? Das geht ganz einfach: Anstatt transparente Transaktionsgebühren in Rechnung zu stellen, verkauft Robinhood die Kundenorders an Fonds, die im Hochfrequenzhandel aktiv sind.

Diese Fonds erkaufen sich auf diese Weise einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den Robinhood-Kunden, indem sie deren Kauf- und Verkaufsorders kennen und schon vor deren Ausführung vermutlich gewinnbringend und risikolos darauf reagieren können.  

Ermittlungen der SEC gegen Robinhood        

Das Nachsehen haben natürlich die Robinhood-Kunden, die schlechtere Ausführungskurse erhalten. Im ersten Quartal 2021 stammten immerhin 81Prozent der Einnahmen von Robinhood aus dieser dubiosen Quelle.

Inzwischen beschäftigen sich die Aufsichtsbehörden mit diesem Geschäftsmodell. In den USA wurde von der SEC eine Untersuchung eingeleitet, mit der geklärt werden soll, wie hoch der völlig intransparente Preis tatsächlich ist, den Robinhood-Kunden über den Umweg systematisch schlechterer Orderausführungen zahlen.

Gleichzeitig hat die europäische Aufsichtsbehörde Zweifel geäußert, ob dieses Geschäftsmodell den MiFID II-Regularien entspricht, die den Brokern vorschreiben, für ihre Kunden stets den besten Ausführungskurs sicherzustellen.

Erfolgreicher Börsengang

Obwohl diese Entwicklungen das Geschäftsmodell von Robinhood ernsthaft bedrohen, ging das Unternehmen am 29.7.2021 an die Börse. Und obwohl der Börsengang zunächst floppte und der Aktienkurs um 10Prozent einbrach, schoss der Kurs dann in nur zwei Tagen von 38 Dollar auf 85 Dollar in die Höhe, bevor er einen Großteil dieser Gewinne wieder abgab und am Donnerstag bei 50 Dollar schloss.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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