Laschet übt im Bundestag schon mal Kanzler

Demokratie / Inschrift am Reichstag / Bundestag / Die deutsche Nation Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library; Kamyq: https://pixabay.com/de/photos/berlin-der-bundestag-denkmal-680198/ Demokratie / Inschrift am Reichstag / Bundestag / Die deutsche Nation Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library; Kamyq: https://pixabay.com/de/photos/berlin-der-bundestag-denkmal-680198/

CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet wird am morgigen Donnerstag zur Regierungserklärung von Angela Merkel im Bundestag reden. Eine kluge Wahlkampfstrategie.

Wahlkampf ist nicht nur das, was demnächst wieder auf Straßen und Plätzen in ganz Deutschland zu sehen ist. Das ist nur die demonstrativ plakative Variante. Sie ist zweifellos unverzichtbar, aber eben nur ein Teil einer guten Strategie, die insgesamt weitaus subtiler auf die Wähler einzuwirken versucht als die Werbetafeln.

Wahlkampf ist nämlich vor allem Inszenierung. Dazu braucht es Bühnen, die das eigene Spitzenpersonal bespielen und so die zur Dramaturgie gehörenden Botschaften aussenden kann. Dazu eigenen sich die sozialen Medien ebenso wie medienwirksame Auftritte etwa vor Wirtschaftsverbänden.

Laschets Auftritt ist wohlkalkuliert

Gerade erst sprachen die Spitzenkandidaten von CDU, Grünen und SPD, Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz, auf dem Branchentreffen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Solche Anlässe sind ideal, weil immer auch Medien da sind, die darüber berichten und Bilder transportieren, die im Unterbewusstsein wirken. Und darauf kommt es letztlich an.

Beim BDI können sich die Kandidaten etwa als Wirtschaftsversteher inszenieren. Sie betreiben Wahlkampf, ohne in der medialen Berichterstattung primär als Wahlkämpfer wahrgenommen zu werden. Selbstverständlich weiß der Medienrezipient um dieses Rollenspiel oder er erahnt es zumindest, und dennoch wird er das Ereignis anders aufnehmen als einen Wahlkampfauftritt auf irgendeinem Marktplatz.

Am morgigen Donnerstag wird Laschet erstmals seit zwanzig Jahren wieder im Bundesdestag reden. Sein Auftritt ist wohlkalkuliert. Er betritt ganz bewusst jene Bühne, die allen anderen Spitzenkandidaten regelmäßig zur Verfügung steht, weil sie Abgeordnete des Bundestages sind. Laschet hingegen ist Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Wenn er sich am Donnerstag hinters Rednerpult stellt, darf er sich der Aufmerksamkeit der Medien sicher sein.

Außerdem wird er zu einem außenpolitischen Thema sprechen, wozu es für ihn bisher kaum passende Gelegenheiten gab. Jetzt nutzt er die Chance und beteiligt er sich an der Aussprache zur Regierungserklärung Angela Merkel, den die Kanzlerin dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag widmet. So kann sich Laschet ohne jeden Wahlkampfschnickschnack in staatsmännischer Pose als Europapolitiker präsentieren. Fremd ist ihm das Thema nicht, schließlich saß er von 1999 bis 2005 im Europaparlament.

Auch zeitlich passt seine Bundestagsrede gut in das mediale Terminmanagement, das in dieser Woche mit der Vorstellung des Wahlprogramms startete und ihn dann über den BDI in den Bundestag führt.  So bleibt er in den Medien und damit im Gespräch. Und das ist das Wichtigste für jeden Spitzenkandidaten.

Erfolge gibt es auch auf kleinen Bühnen

Freilich genießen Laschet, Scholz und Baerbock dabei viele Vorteile gegenüber ihren Mitbewerbern der in den Umfragen hinter ihnen liegenden Parteien FDP, AfD und Linke. Während die FDP immer auf ihren mächtigen medialen Verbündeten, den Springer-Verlag mit den Marken „Bild“ und „Welt“ zählen kann, werden AfD und Linke so gut es eben geht von den Medien ausgeblendet. Bei den Polit-Talks auf bild.de sind regelmäßig FDP-Vertreter dabei, die AfD hingegen war es noch nie.

Folglich müssen sie sich andere Bühnen suchen, das sie mit ihrem Personal bespielen können. Meistens sind diese Bühnen kleiner als die von Union und SPD, die Auftritte aber sind deswegen nicht weniger effektiv, wie die Bundestagswahlkämpfe 2013 und 2017 gezeigt haben, bei denen die AfD jedes Mal die Vorhersagen der Demoskopen übertraf.

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Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

3 Comments
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Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
4 Monate her

Herr Laschet wird erst noch beweisen müssen, dass es sich überhaupt lohnt, sein Handeln zu beobachten.

Wird er mehr sein als ein lascher Epigone?

Barbara
Barbara
Reply to  Wolfgang Wirth
4 Monate her

Ich sehe ihn nicht als BK.
Und Merkel wäre nicht Merkel , wenn sie nicht noch was in der Hosentasche hätte?!!
Ich denke da an die EU-Wahl, von der Leyen stand nicht zur Wahl, und auf einmal saß sie auf einem gut gepolsterten Sessel.

Wolfgang Wirth
Wolfgang Wirth
Reply to  Barbara
4 Monate her

Dass man jener Frau im Kanzleramt nicht trauen kann und noch üble Tricksereien für möglich halten darf, dass sehe ich auch so.

Bevor sie nicht formal aus Amt und Würden raus ist, bleibt sie gefährlich.