Krieg der Kleinanleger gegen Hedgefonds

Wall Street, Boerse, 1929 Crash / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt; https://pixabay.com/de/illustrations/wall-street-usa-person-freiberufler-4847634/ Wall Street, Boerse, 1929 Crash / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: geralt; https://pixabay.com/de/illustrations/wall-street-usa-person-freiberufler-4847634/

Millionen Kleinanleger führen Krieg gegen Hedgefonds, die auf einen Kursverfall spekulieren. Mit Gamestop-Aktien zwangen sie Melvin Capital in die Knie.

Spätestens seit der vergangenen Woche sollte jedem klar sein, dass die Aktienmärkte immer mehr einem Casino oder gar einem Schlachtfeld gleichen. So gibt es jetzt ein neues Spiel an den Aktienmärkten, und das heißt „Schlag den Shortseller“. Es funktioniert so: Eine Gruppe überwiegend junger und unerfahrener Kleinanleger trifft sich in den sozialen Medien und verabredet koordinierte Kaufkampagnen, um Hedgefonds in die Knie zu zwingen. So führen sozusagen Krieg gegen diese Fonds. Im Fall des US-Einzelhändlers Gamestop verabredeten sich zum Beispiel unter dem Namen „Wallstreet Bets“ rund 4 Millionen Menschen.

Wie genau sie die Hedgefonds in die Knie zwingen? Die Kleinanleger vereinbaren, gezielt Aktien zu kaufen, bei denen große Short-Positionen bestehen. Auf diese Weise treiben sie den Kurs dieser Aktien so hoch, dass die Shortseller gezwungen werden, ihre Positionen glattzustellen, also die short verkauften Aktien zurückzukaufen. Genau dieser sogenannte Short-Squeeze ist gerade bei der Aktie des US-Einzelhändlers Gamestop abgelaufen. Das ökonomisch Irrwitzige an dieser Vorgehensweise: Es werden Aktienkurse vollkommen maroder Unternehmen in die Höhe getrieben.

„Börsenspiel“ der Kleinanleger ist Beleg der Spekulationsblase

Der beim Videospiele-Händler Gamestop von Kleinanlegern ausgetrickste Hedgefonds Melvin Capital habe durch den gezielten Angriff der Kleinanleger im Januar mehr als die Hälfte seines Vermögens verloren, berichtete ntv und berief sich dabei auf einen “Insider”. Demnach schrumopfte das von Melvin Capital investierte Vermögen in Höhe von 12,5 Milliarden Dollar bis Monatsende um 53 Prozent. Melvin Capital konnte nur durch die finanzielle Hilfe der Hedgefonds Point72 und Citadelin in Höhe von 2,75 Milliarden Dollar retten

Was wie ein lustiges Spiel aussieht, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Endphase dieser unglaublichen Spekulationsblase läuft, in der sich die US-Börse befindet. Ganz ähnliche Episoden sind aus dem Jahr 1929 überliefert, das heißt aus der Endphase der damaligen Blase. Nur waren es damals Großanleger, die sich zusammenschlossen, um die Kurse ausgewählter Aktien nach oben zu manipulieren.

Dieses neue „Börsenspiel“ ist also ein weiterer starker Beleg für das Ausmaß der aktuellen Spekulationsblase. Sie stellt alles bisher Gesehene weit in den Schatten, auch die irrwitzigen Übertreibungsphasen der Jahre 1929 und 2000. 1929 endete die Party übrigens mit einem spektakulären Aktiencrash, gefolgt von einer Baisse, in welcher der Dow Jones Industrial Average um 89% fiel.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Anton Vogel
Anton Vogel
3 Monate her

Es herrschen Verhältnisse wie in den frühen 20ern des vorigen Jahrhunderts. Nur mit dem Unterschied, das die Blase heute 10 mal so groß ist und man alles versucht den Crash hinaus zu zögern und noch Kapital daraus zu schlagen.
Vom Handy über Küche und Auto bis hin zur Firma ist alles auf Pump finanziert und die Kreditausfälle haben ein nie gekonntes Ausmaß erreicht. Die HedgeFonds ziehen sogar daraus ihren Profit. Selbst aus einem Crash versuchen sie noch Kapital zu schlagen.
Gut wenn Kleinanleger sich erfolgreich wehren. Bisher haben die immer in die Röhre geschaut wenn die eine Blase geplatzt ist.

dragaoNordestino
3 Monate her

Ja nun… ein weiteres Claus Vogt und seine Endzeitstimmung. Dabei ignoriert man offenbar, dass nun eine Menge Kleinanleger auf total irreal bewerteten Aktien sitzen und nun ihrerseits viele Milliarden verlieren.

Man kann sich die Detailes ersparen, denn Jens Berger hat dies schon zu Papier gebracht.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=69425

Last edited 3 Monate her by dragaoNordestino
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