Riskanter Glaube an Lebensversicherungen

Lebensversicherungen / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library; Tumisu: https://pixabay.com/de/illustrations/versicherung-familie-schutz-1991216/ Lebensversicherungen / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library; Tumisu: https://pixabay.com/de/illustrations/versicherung-familie-schutz-1991216/

Wie steht es um die Lebensversicherungen angesichts der drohenden Finanzkrise? Kaum einer ahnt, dass der Sicherungsfonds nur eine Versicherung retten kann.

Im Angesicht der heraufziehenden Finanzkrise ist es an der Zeit, mal auf die überaus populären Lebensvericherungen (LV) zu werfen. Aus der historischen Perspektive sind Versicherungen für die Kunden eine Katastrophe. 1923 und 1948 waren sie fast Schrott, ihr Wert betrug jeweils noch etwa 10 %. Sie kamen etwas besser weg als Geld, aber deutlich schlechter, als Gold, Silber, Immobilien, Vieh, Wald, Schmuck, Antiquitäten und Aktien.

Bis 2015 wurden die Lebensversicherungen durch die Anlageverordnung gezwungen, vorwiegend in Staatsfinanzierung zu „investieren“. Das war wegen des Wegfalls der Verzinsung nicht mehr haltbar, daher wurde diese Verordnung für große LV-Gesellschaften ab 2016 nicht mehr angewendet. Die folgende Tabelle zeigt die Anlageklassen für die Summe aller deutschen Lebensversicherungen. Maßeinheit sind Milliarden Euro:

Bei Lebensversicherungen herrscht große Sorglosigkeit

  Jul 16 % Jul 20 %
Aktiva 1250 100 1370 100
Schuldverschreibungen Staaten 81 6,5 118 8,6
Schuldverschreibungen Kapitalges. 27 2,2 30 2,4
Schuldverschr. Sonst. 95 7,6 94 6,9
Aktien 47 3,8 66 5,2
Investmentfonds 447 35,8 593 43,3
Kredite an Staaten 112 9 102 7,4
Kredite an Kapitalges. 30 2,4 33 2,4
Kredite sonst. 99 7,9 91 6,6
Derivate 4 0,3 3 0,2
Einlagen, Cash 243 19,4 189 13,8
Sonstiges 65 5,2 51 3,7
         
davon Staatsfinanzierung:        
Deutschland 94 7,5 102 7,4
Frankreich 20 1,6 24 1,8
Italien 9 0,7 2 0,1
Griechenland 0 0 0 0
Spanien 11 0,9 13 0,9

Es ist erschreckend zu registrieren, dass die Bilanzsumme seit Lehman Brothers 2008 stark zugenommen hat. Offenbar herrschen große Sorglosigkeit und grenzensloses Vertrauen. Aus verzinslichen Festgeldern wurde vom Publikum offensichtlich in Lebensversicherungen umgeschichtet.

Früher war ich so naiv zu glauben, dass bei den Lebensversicherern irgendwelche schlauen Profis sitzen, die das Geld professionell investieren. Das ist nicht oder eingeschränkt der Fall. Die Klinken werden von Akquisiteuren der Fonds geputzt, über 43 % der Bilanzsumme wird außerhalb der Vericherungsbürotürme „gemanagt“. Gerade 2021 haben sich viele Fonds verzockt, und auch die Jahre zuvor wurde der DAX und der Dow Jones selten geschlagen. Hier ein paar Beispiele der vergangenen 12 Monate:

DWS Top Dividende LD Fonds minus 9,3 %
Flossbach von Storch – Multiple Opportunities R Fonds plus 2,3 %
UniGlobal Fonds plus 9 %
Dirk Müller Premium Aktien R Fonds minus 7,9 %

Selbst die legendäre Berkshire Hathaway Aktie ist seit dem März 2020 erstmals seit Menschengedenken ins Schleudern gekommen und verlor 4,3 %, weil Warren Buffet zuviel Vertrauen in die Banken hegte.

Amerikanische und britische Aktien zum Schnäppchenpreis

Nun lassen sich Fondsmanager unabhängig von ihrem Glück relativ fürstlich bezahlen, so dass ihre Kunden nicht selbst den Reibach machen. Und sie haben den Hang, PC zu investieren, das kann, aber muss nicht gutgehen. Die Investitionen in spanische und tschechische Solarfelder waren ein einziger Flop. Viel gläubiges grünes Investorengeld verschmorte auf den Glasplatten. Vor Gericht wird immer noch wegen Entschädigungen rumprozessiert. Zahlreiche Gaskraftwerke sind pleite, und umweltkonforme Investments in den Regenwald wurden regelmäßig zum finanziellen Armageddon.

Wenn man selbst in einen Korb unzerstörbarer Qualitätsaktien investiert, spart man die Gebühren der Fondsmanager und der Versicherer. Mit Nestle, Johnson & Johnson, Procter & Gamble und Unilever beispielsweise kann man nicht viel falsch machen. Telefoniert wird ständig, das ist eine regelrechte Sucht. Noch ein Hinweis. Derzeit kann man wegen dem guten Wechselkurs amerikanische und britische Aktien zum Schnäppchenpreis bekommen, aber aufgepaßt: Der Euro fällt schon wieder.

Hier ein Exempel, wie sich ein Korb von Qualitätsaktien in den letzten wirklich schlechten 12 Monaten entwickelt hat:

Nestle Kurs minus 4,2 % Dividende 2,79 %
Johnson & Johnson Kurs plus 0,7 % Dividende 2,56 %
Procter & Gamble Kurs minus 1 % Dividende 2,64 %
Unilever Kurs minus 3,6 % Dividende 3,15 %
Deutsche Telekom Kurs plus 2,7 % Dividende 4,11 %
BHP Group Kurs plus 13,9 % Dividende 5,83 %
Reckitt Benckiser Kurs minus 1,8 % Dividende 2,82 %
Deutsche Post Kurs plus 24,4 % Dividende 3,68 %

Mit diesem unaufgeregten Sicherheitspaket wäre man im Krisenjahr 2020 etwas besser über die Runden gekommen als mit der LV. Wenn man noch Amazon oder Apple im Depot gehabt hätte, wäre man vor Lachen nicht mehr eingeschlafen.

Anlagenstreuung zeigt sich Verantwortungsscheu

Zurück zu den Lebensversicherungen: An der Anlagenstreuung zeigt sich Verantwortungsscheu, die Arbeit wird aus den Versicherungsunternehmen hin zu den Fonds auslagert. Das kann sich bis zur Lustlosigkeit und zum Fatalismus auswachsen. Auch die schlecht verzinsten deutschen Staatsschulden sind zu hoch gewichtet. Riskante Teile aus Griechenland und Italien sind inzwischen weitgehend ausgemustert, aber französische Schulden haben sogar zugelegt.

Für mich ist es rätselhaft, warum LVs mit mickriger Verzinsung und hohem Risiko so begehrt sind. Da fehlt wohl das Finanzwissen. Bei Bankzusammenbrüchen gehören Aktiendepots und der Inhalt von Schrankfächern (so dezent heißen die Tresore in der Schweiz) nicht zur Konkursmasse, das sollte man auch bedenken. Das Vermögen des Sicherungsfonds Protector reicht jedoch nur aus, um die Pleite einer einzigen mittelgroßen LV aufzufangen.

Über Wolfgang Prabel

Wolfgang Prabel über sich: "Ich sehe die Welt der Nachrichten aus dem Blickwinkel des Ingenieurs und rechne gerne nach, was uns die Medien auftischen. Manchmal mit seltsamen Methoden, sind halt Überschläge... Bin Kommunalpolitiker, Ingenieur, Blogger. Ich bin weder schön noch eitel. Darum gibt es kein Bild." Kontakt: Webseite | Weitere Artikel