Immer mehr werden in die Scheinselbstständigkeit gedrängt

Lockdown / Arbeitnehmer / Arbeit / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: pashimu, https://pixabay.com/de/photos/m%C3%A4nner-vor-ort-mann-bau-827301/ Lockdown / Arbeitnehmer / Arbeit / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: pashimu, https://pixabay.com/de/photos/m%C3%A4nner-vor-ort-mann-bau-827301/

Die Internationalisierung der Wirtschaft und der massive Ausbau des Internets drängen Tausende Arbeitnehmer in die Scheinselbstständigkeit. Die Politik schläft.

Wenn man sich die Beschäftigungszahlen der letzten Jahre ansieht, könnte man glauben, dass in Deutschland alles nahezu perfekt läuft. Die Arbeitslosenzahlen sind extrem niedrig, und viele Bereiche der Wirtschaft klagen über Personalmangel. Und mit dem Mindestlohn scheint das Existenzminimum garantiert. Trotzdem gibt es seit geraumer Zeit eine Entwicklung, die Anlass zu Sorge geben kann. Es gibt immer mehr Selbstständige, die sich nicht freiwillig für diese Form der Erwerbstätigkeit entschieden haben.

Druck zur Selbstständigkeit gibt es schon seit Jahrzehnten

Schon zur Jahrtausendwende waren die ersten Anzeichen da. Tausende von Arbeitnehmern und Arbeitslosen wurde plötzlich durch Zuschüsse die Möglichkeit gegeben, selbstständig tätig zu werden. Dieses Projekt wurde zwar nach einigen Jahren wieder eingestampft, aber schon kurz darauf kam das Thema der Scheinselbstständigkeit auf. Gemeint sind Personen, die sich offiziell selbstständig gemacht haben, aber nur für ein Unternehmen arbeiten. Dabei spart sich das Unternehmen die Lohnnebenkosten. Diese Praxis zog sich durch alle Bereiche. Egal ob Lkw-Fahrer, Paketzusteller, Fleischer oder Maurer. Daraufhin wurden Gesetze erlassen mit dem Ziel, die Scheinselbstständigkeit zu unterbinden.

 Internationalisierung und Digitalisierung bedrohen den geregelten Markt

Auf diese Weise ist es gelungen, diese neuen Formen einer erzwungenen Selbstständigkeit erfolgreich zu bekämpfen. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass alle Gesetze in einem festgelegten Gebiet (wie der EU oder Deutschland) wirken und alle in diesem Bereich tätig sein müssen, wenn sie arbeiten wollen. Doch das könnte sich bald ändern.

Die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft und der massive Ausbau des Internets könnten die genannten Begrenzungen und Gesetze aushebeln. So kann ein Spielsüchtiger in Deutschland, der in allen Spielotheken und Spielbanken gesperrt ist, völlig problemlos eine ausländische Online-Spielothek nutzen. Die Buchhaltung kann zum Beispiel in Indien weitaus günstiger erledigt werden, und ukrainische Fahrer haben keinen Mindestlohn wie die deutschen Fahrer.

All das macht Deutsche weniger wettbewerbsfähig. Die Folge ist vermehrtes Outsourcing von Tätigkeitsbereichen, was natürlich zu Jobverlusten führt. Besonders betroffene Bereiche sind hier zum Beispiel das Web-Design, Konstruktionsbüros, Sekretariate, Übersetzungsbüros, etc. Um trotzdem noch in dem jeweiligen Bereich arbeiten zu können, wechseln tausende Arbeitnehmer gezwungenermaßen in die Selbstständigkeit. Hier werden sie allerdings sehr schnell mit der harten Wirklichkeit der Marktwirtschaft konfrontiert. Durch internationalen Wettbewerb sind die Preise im Keller, Aufträge zu erhalten ist entsprechend schwer. Die Folge des Preisdumpings ist dann oft eine sehr schlechte soziale Absicherung.

Eine unvermeidbare Entwicklung?

Wer sich die momentane Entwicklung anschaut, könnte schnell zu dem Schluss gelangen, dass man diese Situation nichts entgegenbringen kann. Doch das ist nicht richtig. Hier ist die Politik gefordert, um verbindliche Verträge abzuschließen, die internationales Preisdumping verhindern. Doch leider war vor kurzem die Lage noch so, dass die Politik der wirtschaftlichen Entwicklung meilenweit hinterherhinkt.

Erst in diesem Jahr ist es der Politik gelungen, zumindest in einigen Bereichen den Rückstand etwas aufzuholen. Belege dafür sind z.B. dass man die Steuererklärung jetzt ausschließlich digital machen kann, und Schüler jetzt digitalen Schulunterricht bekommen. Um aber die ganze Situation, auf die sich die Wirtschaft hinbewegt, vollständig zu erfassen, bedarf es noch einiges an Anstregung von Seiten der Regierungen.