Hitze macht es Rapsbauern nicht leicht

Rapsfeld / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/raps-rapsfeld-sonnenuntergang-2135026/ Rapsfeld / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/raps-rapsfeld-sonnenuntergang-2135026/

 

Der heiße und trockene Sommer hat vor allem für die Landwirte Folgen. Aktuelle Zahlen belegen: Die Raps- und Getreideernte bleibt hinter den Erwartungen zurück.

In diesen Tagen schrieb die Zeitschrift Cicero von der „Sommerhitze, die einfach nicht enden will“. Viele Urlauber werden die heißen Tage genießen, aber für die Landwirtschaft zeichnet sich angesichts der lang anhaltenden Dürreperiode eine Katastrophe ab. Zum wiederholten Mal musste der Deutsche Bauernverband (DBV) dieser Tage seine Ernteprognose für Getreide und Raps deutlich nach unten korrigieren. Statt der zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide rechnet der DBV nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen Getreide. Die Rapsernte ist schon abgeschlossen und der DBV verzeichnet einen Ernterückgang von 24% im Vergleich zum Vorjahr.

Minus 30 Prozent beim Raps

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus sprach bereits im Juni von einer um 30 Prozent geringer ausfallenden Rapsernte als im Vorjahr. Dieses Bundesland ist von der geringeren Erntemenge besonders betroffen, da dort der Anteil der Rapskulturen an der Anbaufläche höher liegt als in den restlichen Bundesländern. Im vergangenen Jahr ernteten die deutschen Bauern 4,31 Millionen Tonnen Winterraps. Zuvor war die Anbaufläche im Spätsommer 2016 zur Ernte 2017 um 1,2 Prozent auf 1,31 Millionen Hektar verringert worden.

Die Rapssaison in den Bundesländern

Die Einschätzung des Ministers bestätigt die für Raps bereits im Frühjahr geäußerten pessimistischen Erwartungen. Schon Ende April rechneten Pflanzenbauexperten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit unterdurchschnittlichen Rapserträgen. In ganz Niedersachsen zeigte sich damals eine ungleichmäßige Entwicklung der Bestände, die auch auf die ungewöhnlichen Witterungsumstände zurückgeführt wurde. Anfang Mai berichtete die Landwirtschaftskammer dann von zum Teil „starken Beeinträchtigungen der Blüten- beziehungsweise Schotenbildung, die durch vertrocknende und abfallende Blütenknospen erkennbar“ seien. Zudem habe ein zum Teil starker Anflug von Rapsglanzkäfern die Situation zusätzlich verschärft. In Schleswig-Holstein sprach die dortige Landwirtschaftskammer vom dritten schwierigen Jahr für den Rapsanbau.

Landwirte, die überlegen, sich aufgrund dieser erschwerten Saison für andere Kulturen zu entscheiden, sollten allerdings bedenken, dass die sich verändernden Witterungsbedingungen alle Nutzpflanzen betreffen. Im Vergleich mit anderen Kulturen ist Raps aber immer noch eine gute Option, um höhere Erträge zu erwirtschaften. Denn die Ölfrucht wird sehr vielseitig verwendet und bedient andere Marktsegmente als Getreide, wodurch der gemeinsame Anbau von Raps und Getreide Landwirten hilft, Schwierigkeiten am Weltmarkt auszugleichen. Die Nachfrage nach Rapsöl am europäischen Binnenmarkt ist noch immer hoch, weshalb diese Kultur gegen Preisschwankungen am Weltmarkt resistenter ist. Momentan ist der Rapspreis im Aufwärtstrend und hat seinen höchsten Wert seit November 2017 erreicht.

Aussaat von Winterraps

Angebaut wird in Deutschland vor allem der sogenannte Winterraps. Deshalb eignet sich die Kultur hervorragend für die Fruchtfolge, auch weil sie den Boden für die Folgekulturen gesund hält, hilft, Nährstoffe im Boden zu speichern und Krankheitsbefall der Folgekultur vorbeugt.

Der übliche Raps-Aussaattermin ist die zweite Augusthälfte und geerntet werden die Bestände im Frühsommer. Allerdings kann sich die Aussaat witterungsbedingt bis in die erste Septemberwoche ziehen. Verschiebt sich die Aussaat nach hinten, so gilt beim Raps: Saatbett vor Saatzeit. Denn die Aussaatstärke von Raps ist für den kommenden Ertrag sehr wichtig und sollte nicht zu hoch sein. Eine ordnungsgemäße Bodenbearbeitung und eine qualitativ gute Aussaat legen die Basis für den Erfolg in der kommenden Ernte.

Den Anbau an das Rapssaatgut anpassen

Auch das Rapssaatgut spielt eine Rolle. Das Unternehmen DEKALB etwa empfiehlt aus seinem Sortiment für einen späten Saattermin u.a. die Sorte „DK Expansion“ . Diese bringt „eine sehr gute Bestandesetablierung mit und ist sehr frohwüchsig“, schreibt das Unternehmen.

Selbst Spätsaaten sollte vor dem Winter mindestens das 8-Blattstadium erreicht haben, um eine gute Winterhärte der Kultur zu gewährleisten. Sinnvoll ist auch die Aussaat von Sorten, die gegen die gängigsten Rapskrankheiten wie etwa Phoma lingam unempfindlich sind.

Verwendung von Raps

Raps ist auch in Deutschland längst ein zentraler Bestandteil der Landwirtschaft und damit der Gewinnung von Pflanzenöl. Seit den neunziger Jahren ist Raps nach Soja weltweit die Ölsaat mit dem höchsten Anteil am Weltmarkt. Der Ölgehalt der Rapspflanze liegt zwischen 40 und 50 Prozent.

In Deutschland wird ein Großteil des produzierten Rapsöls für die Herstellung von Biodiesel verwendet. Allerdings kann Rapsöl auch eine umweltfreundliche und regionale Alternative zu Palmölimporten darstellen. Die verbleibende protein- und energiereiche Rapssaatmasse (Rapskuchen, Rapsexpeller oder Rapsextraktionsschrot) ist ein wichtiges Koppelprodukt und wird oft als Futtermittel genutzt.

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Über Thomas Castorp

Thomas (Hans) Castorp blickt vom Zauberberg herab auf die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Fragenstellungen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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Hans Kolpak
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Dann wird halt weniger E10 verkauft und die Motorschäden gehen zurück. Das fällt doch kaum jemandem auf!