Was hinter der deutschen Allianz zur Rohstoffsicherung steckt

Großkonzerne bauen ein Unternehmen auf „das die Rohstoff-Sicherheit Deutschlands nachhaltig verbessern soll“. Notfalls mit kriegerischen Mitteln?

 

Die deutsche Industrie bildet eine Allianz zur Rohstoffsicherung. Dazu hat der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) eine Pressemitteilung herausgegeben. Darin heißt es, die Gründungsphase der Allianz zur Rohstoffsicherung der deutschen Industrie finanzieren zunächst zwölf deutsche Unternehmen: Aurubis, BASF, Bayer, BMW, Chemetall, Daimler, Evonik Industries, Georgsmarienhütte Holding, Bosch, Stahl-Holding-Saar, ThyssenKrupp und Wacker Chemie.

Wer die ausdrucksvolle und präzise deutsche Sprache schätzt, könnte bei dieser Pressemeldung über einige markante Formulierungen stolpern:

„Wir arbeiten gemeinsam an dem Aufbau eines schlagkräftigen Unternehmens, das die Rohstoff-Sicherheit Deutschlands nachhaltig verbessern soll.“

Erinnerungen an Horst Köhler

Handelt es sich bei der Eigenschaft schlagkräftig um einen Freud’schen Versprecher, oder geht es um eine potentielle Umsetzung des von Ex-Bundespräsident Horst Köhler postuliertem Aufruf, Deutschland müsse zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen?

Nicht auszuschließen, dass sich der BDI an ein Statement Köhler’s aus März 2006 erinnert, bei dem sich er unter dem Deckmäntelchen Wahlen absichern zu wollen, die den Übergang von Bürgerkrieg und Chaos zu staatlicher Ordnung und demokratischen Prozessen im rohstoffreichen Kongo ermöglichen, für einen Bundeswehreinsatz aussprach! Wenn die Regierung des Kongo jetzt auch um die Entsendung eines beschränkten Kontingentes bitte, „dann sollte sich Deutschland einer Beteiligung an einem europäischen Einsatz nicht entziehen“, sagte Köhler damals. Und:

„Die Allianz hat den Aufbau von Beteiligungen an Rohstoff-Projekten zum Ziel, um so die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen langfristig zu verbessern.“

Warum ist hier nichts darüber zu lesen, welche Vorteile man den Menschen in rohstoffreichen Gebieten gewähren möchte, etwa auskömmliche Löhne, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Verzicht auf die Gewährung finanzieller und sonstiger Wohltaten an die jeweiligen Potentaten solcher Länder, etc.?

Ausbledung von Lebensbedingungen

Geht es der Allianz bei der Rohstoff-Sicherung nur um die Maximierung eigener Profite unter Ausblendung von Lebensbedingungen und möglichen ökologischen Schäden?

Fragen über Fragen … deren Beantwortung man vielleicht den politischen Mätressen überlassen möchte … wer weiß das schon?

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