Wir sollten uns von Japans Scheinblüte nicht verführen lassen

Premier Shinzō Abe schwemmt den Markt mit Geld und dereguliert insbesondere den Finanzsektor. Zwar meldet er einen Anstieg des BIP, doch weder Unternehmen noch Bürger verspüren einen Aufschwung.

Mit dem Begriff Abenomics wird der Versuch des japanischen Premiers Shinzō Abe zusammengefasst, mittels allumfassenden Konjunkturprogrammen, einer enormen Geldschwemme und Deregulierung insbesondere im Finanzsektor, die mehr als zwei Jahrzehnten andauernde Wirtschaftskrise sowie die Deflationsspirale, in der sich Japan befindet, zu durchbrechen.

Das Programm führte schnell zu mehr Zuversicht in Japan und zog mit steigender Produktivität im Industriebereich, ausländische Investoren an. Nach anfänglichen Höchstkursen des Nikkei 225 werden nun jedoch, mit den jüngsten dramatischen Kursverlusten, die Risiken des Wirtschaftsprogrammes kontrovers diskutiert. Für das Szenario eines weiteranhaltenden Kursabsturzes prägte der UBS-Banker Alexander Friedman den gegensätzlichen Begriff Abegeddon.

Verfrühter Beifall

Ale erste Auswirkung des Programmes stieg im 1. Quartal das BIP um satte 4,1 Prozent. Die japanische Notenbank spricht erstmals seit zwei Jahren von einer „moderaten Erholung“, obgleich sich die Staatsverschuldung auf die Marke 240 Prozent zum BIP zubewegt, wie die OECD erwartet.

Solcher Beifall kommt jedoch verfrüht, da

  • ein Großteil der Unternehmen bislang noch keinen Aufschwung verspürt
  • folgerichtig Unternehmensinvestitionen auf sich warten lassen
  • die Basisgehälter stagnieren
  • und daher ein erhoffter signifikanter Anstieg des privaten Konsums bislang ausbleibt

Verursacht durch den Kursverfall des Yen zum US-Dollar haben sich im Gegenzug die Import- und Energiepreise deutlich erhöht!

Steuern kontra Konsum

Wachstumszuwächse, deutlich höhere Staatseinnahmen und Ausgabenkürzungen erscheinen zwingend erforderlich, um all diese Lasten schultern zu können. Die Verbrauchs-Steuern liegen aktuell bei 5 Prozent und sollen dem Vernehmen nach im April 2014 auf 8 Prozent angehoben werden, eine weitere  Erhöhung auf zehn Prozent ist für Oktober 2015 im Gespräch. Erfahrungsgemäß können sich solche Maßnahmen kontraproduktiv auf den privaten Konsum auswirken, der bestenfalls noch vor der ersten Steuererhöhung leichte Zuwächse verzeichnen könnte, um danach möglicherweise abzustürzen.

Shinzō Abe im September 2012 / Quelle: Wikipedia/TTTNIS

Shinzō Abe im September 2012 / Quelle: Wikipedia/TTTNIS

Nach den verbalen Entgleisungen des japanischen Finanzministers Tarō Asō, scheinen Abe’s Liberaldemokraten erkannt zu haben, dass Budgetkürzungen, insbesondere bei Zuschüssen für medizinische Leistungen bei Rentnern, politisch nur schwer umsetzbar sind, da genau diese Gruppe zu den treuesten Stammwählern der Partei zählen.

Gerechtfertigte Kritik

Zwischenzeitlich hat sich Abe für die Modernisierung der Agrarwirtschaft und eine Deregulierung des Energiemarktes ausgesprochen. Außerdem will er die Erwerbsbeteiligung von Frauen steigern, mehr ausländische Fachkräfte anwerben und die Gewinnsteuer für Unternehmen senken.

Eine überzeugende Wirtschafts- und Finanzpolitik sieht anders aus, wie führende Ökonomen zu Recht kritisieren! Joseph E. Stiglitz hat sich mit den Versprechungen der Abenomics beschäftigt und die pro’s und con’s in seinem Essay zusammengefasst.

All You Need To Know About ‘Abenomics’ ist der Titel von Paul Sheard’s Research Report, welcher im angesehenen Forbes Magazin zitiert wird.

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