Auch ein US-Präsident muss durch den Checkpoint

US-Präsident Barack Obama hat für viel Aufregung gesorgt in Israel und Palästina. Die Israelische Regierung hat 15.000 Soldaten allein für die Sicherheit des amerikanischen Präsidenten zur verfügung gestellt. In Bethlehem hat ihn kaum ein Palästinenser gesehen...


 

Polizisten beten kurz vor dem Eintreffen des US-Präsidenten Barack Obama / Foto: Anne Lachmann

Polizisten beten kurz vor dem Eintreffen des US-Präsidenten Barack Obama / Foto: Anne Lachmann

Der Sandsturm war schuld.  Er verhinderte, dass US-Präsident Barack Obama mit dem Helikopter nach Bethlehem einfliegen konnte. Also musste er  mit ‚The Beast‘, seinem Dienstwagen, anreisen. Das zwang ihn dazu, durch den Checkpoint 300, direkt an der acht Meter hohen Mauer zu fahren. Die Palästinenser fanden das gar nicht schlecht. Ob die Israelis das auch erfreulich fanden, ist eine andere Frage.

Gemeinsam mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas und US-Außenminister John Kerry schaute er kurz bei Bürgermeisterin Vera Baboun rein. Aber nach 20 Minuten war Obama auch schon wieder verschwunden. Er verließ Bethlehem überstürzt, ohne auch nur ein einziges Mal  zu winken. In der ganzen Hektik ist auch nicht ganz klar, ob es ihm aufgefallen ist, dass fast kein einziger Palästinenser zur Geburtskirche kam, um sich Obama anzusehen.

Zuschauer des Obama-Besuches in Bethlehem / Foto: Anne Lachmann

Zuschauer des Obama-Besuches in Bethlehem / Foto: Anne Lachmann

Ungefähr 200 Menschen haben sich am Manger Square, dem Platz vor der Kirche, versammelt. Amerikaner, Briten, Deutsche, Spanier, Italiener, Kanadier, Holländer und die internationale Mainstream-Presse  haben sich mit palästinensischen Militär auseinandergesetzt, als dieses versuchte, die wenigen Zuschauer vom Platz zu drängen. Gerüchten zufolge, wurde den Bewohnern Bethlehems per Flyer nahegelegt, das Haus am Freitag nicht zu verlassen.

Besonders viele Gründe dafür, das Haus zu verlassen, hätte es  sowieso nicht gegeben: Alle Geschäfte wurden geschlossen, der Checkpoint war von früh morgens bis spät am Abend dicht, und fast alle Straßen waren gesperrt – alles für die Sicherheit Obamas. Zumindest hatten die Behörden, anders als beim Besuch von George W. Bush im Jahr 2008 in Ramallah,  offiziell keine Ausgangsperre ausgesprochen.

Dass Obamas Besuch in Bethlehem so kurz ausfiel, daran ist auch Israles Regierungschef Benjamin Netanjahu schuld. Er hat sein Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten um eine Stunde überzogen. So blieb zwischen Abflug und Geburtskirche  also nicht mehr viel Zeit. Und dann kam ja auch noch der Sandsturm…

Flaggen im Sandsturm / Foto: Anne Lachmann

Flaggen im Sandsturm / Foto: Anne Lachmann