Trump und Putin gemeinsam gegen Annalena Baerbock  

Typewriter / nano-banana-2026-03-04T08-21-24
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Annalena Baerbocks einjähriges UN-Gastspiel ist vorbei. Ist sie gescheitert, oder geht’s noch höher hinaus?

Annalena Baerbock und ihr Ex-Mann Daniel Holefleisch haben sich während des Studiums an der FU Berlin kennengelernt. Und einen Pakt geschlossen: Beide setzten auf die Grünen samt NGO-Vorfeld und betrieben generalstabsmäßig ihren unaufhaltsamen Aufstieg.

Flug des Phoenix

Es gibt politische Karrieren, deren Erfolg sich an gewonnenen Wahlen, durchgesetzten Reformen und bleibenden politischen Veränderungen messen lässt. Und es gibt die Karriere von Annalena Baerbock. Bei ihr scheint eine andere politische Gleichung zu gelten: Je größer die Niederlage, desto höher die nächste Bühne.

Im Frühjahr 2021 will sie Bundeskanzlerin werden. Fünf Jahre später steht sie in New York an der Spitze der UN-Generalversammlung. Dazwischen liegen eine verlorene Bundestagswahl, vier Jahre als Außenministerin, der Abschied aus der ersten Reihe der deutschen Politik und schließlich ein Amt bei den Vereinten Nationen, das zwar weltweite Sichtbarkeit, aber nur begrenzte politische Macht bietet. Nun endet auch dieses Kapitel mit Streit. Vertreter der USA und Russlands werfen Baerbock vor, beim Verfahren zur Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres Kompetenzen des Sicherheitsrats zu missachten.

Man kann über die juristischen und institutionellen Einzelheiten streiten. Politisch interessanter ist, wie vertraut die Konstellation wirkt: Baerbock betritt eine Bühne, versieht ihr Amt mit einem größeren moralischen und politischen Auftrag und stößt schließlich an die Grenzen der Macht, die dieses Amt tatsächlich besitzt. Es ist beinahe die Kurzfassung ihrer Karriere.

Grüner Messias

Als Annalena Baerbock im April 2021 zur Kanzlerkandidatin der Grünen ausgerufen wurde, schien für einige Wochen alles möglich. Eine Partei, die jahrzehntelang von der zweiten Reihe aus Politik kommentiert hatte, griff nach dem Kanzleramt. Jung, weiblich, grün: Baerbock verkörperte perfekt den damaligen politischen Zeitgeist.

Dann begann ein bemerkenswerter Selbstzerlegungsprozess. Angaben im Lebenslauf mussten korrigiert werden, Sonderzahlungen waren verspätet gemeldet worden, später folgte die Debatte über Textübernahmen in ihrem Buch. Nicht jeder Vorwurf war gleichermaßen gravierend. Manches wurde im Wahlkampf lustvoll aufgeblasen. Doch genau darin lag das Problem. Eine Kandidatin, die Deutschland führen wollte, geriet nicht wegen einer großen politischen Entscheidung ins Straucheln, sondern wegen einer Serie kleinerer Ungenauigkeiten und Nachlässigkeiten.

Das beschädigte das Bild der hochprofessionellen Hoffnungsträgerin. Die Grünen verloren ihren zeitweiligen Vorsprung in den Umfragen, Baerbocks Kanzlerprojekt scheiterte. Normalerweise wäre eine solche Niederlage eine Zäsur gewesen. Bei ihr wurde sie zur Zwischenstation.

Deutschland als Großmacht der Menschenrechte

Als Außenministerin fand Baerbock eine Rolle, die hervorragend zu ihrem politischen Stil passte. Außenpolitik besteht in der medialen Wahrnehmung aus Reisen, Reden, Bildern, Gipfeln und Symbolen. Hier konnte sie ihre größte Stärke ausspielen: Politik als Erzählung. Baerbock wollte nicht einfach deutsche Außenpolitik betreiben. Sie wollte eine „wertegeleitete“ und „feministische Außenpolitik“ etablieren, der in Schweden erfunden und schließlich aufgegeben wurde. Doch nicht für die Grüne. Schon die Begriffe verrieten den Anspruch. Außenpolitik sollte nicht nur Interessen ausgleichen, Bündnisse pflegen und Machtverhältnisse nüchtern analysieren. Sie sollte moralisch lesbar werden.

Dabei wäre es falsch, ihre Amtszeit pauschal als bedeutungslos abzutun. Gegenüber Russland vertrat Baerbock früh eine deutlich skeptischere Haltung als Teile der SPD. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gehörte sie zu den entschiedensten Befürwortern einer starken Unterstützung Kiews. Sie führte das Außenministerium mit Energie, Disziplin und großer öffentlicher Präsenz. Aber war das zum Vorteil Deutschlands?

Genau hier zeigt sich das Baerbock-Paradox. Je größer die programmatische Überschrift, desto schwieriger wird die Frage nach dem bleibenden Ergebnis. Die feministische Außenpolitik wurde mit erheblichem begrifflichem Aufwand eingeführt. Mit Gesa Bräutigam wurde sogar eine Beauftragte für feministische Außenpolitik ernannt. Nach ihrem Ausscheiden verschwand nicht allein die feministische Außenpolitik, sondern auch Baerbock nahezu geräuschlos aus dem Zentrum deutscher Außenpolitik. Ihre China-Strategie blieb an entscheidenden Stellen allgemeiner, als es im Außenministerium ursprünglich geplant war. Die Nationale Sicherheitsstrategie wurde im Konflikt zwischen Kanzleramt und Außenamt abgeschliffen. Baerbocks Außenpolitik erzeugte vor allem eines zuverlässig: Sichtbarkeit für die Ministerin selbst.

Sand im Getriebe

Kaum ein deutscher Außenminister seit Hans-Dietrich Genscher war international medial derart präsent. Sie verstand es, außenpolitische Konflikte in moralisch verständliche Erzählungen zu verwandeln. Doch Sichtbarkeit ist noch keine Macht. Haltung ist noch kein Ergebnis. Selbst geschliffene Reden verändern nicht automatisch die Wirklichkeit. Hinzu kam eine eigentümliche Doppelaußenpolitik der Ampelregierung. Bundeskanzler Olaf Scholz und seine Außenministerin setzten gegenüber China, Russland und zeitweise auch in Fragen der Ukraine unterschiedliche Akzente. Eine Bundesregierung, die international Geschlossenheit demonstrieren wollte, produzierte immer wieder den Eindruck zweier außenpolitischer Zentren.

Vielleicht hätte Baerbocks politische Biografie nach dem Ende der Ampel deshalb einen Moment der Selbstbegrenzung vertragen. Sie kündigte zunächst an, sich aus der ersten politischen Reihe zurückzuziehen. Kurz darauf wurde bekannt, dass sie Präsidentin der UN-Generalversammlung werden sollte. Besonders pikant war die Vorgeschichte. Deutschland hatte ursprünglich die erfahrene Spitzendiplomatin Helga Schmid für dieses Amt vorgesehen. Schmid musste weichen, Baerbock kam. Selbst frühere Spitzenvertreter der deutschen Außenpolitik kritisierten den Vorgang scharf. Hier verdichtete sich ein Widerspruch, der Baerbock seit Jahren begleitet: Moralische Sprache und machtpolitischer Instinkt wohnen bei ihr erstaunlich konfliktfrei unter einem Dach.

Wer Baerbock nur als naive grüne Idealistin beschreibt, unterschätzt sie. Sie ist eine ausgesprochen machtbewusste Politikerin. Gerade deshalb war die Verdrängung Schmids symbolisch so aufschlussreich. Wenn es um die eigene Karriere ging, zeigte Baerbock plötzlich jene robuste Realpolitik, die sie in anderen Zusammenhängen gern moralisch überhöhte.

Endlich Weltpolitik

Am 2. Juni 2025 wurde sie mit großer Mehrheit zur Präsidentin der 80. UN-Generalversammlung gewählt. Das Amt ist prestigeträchtig, aber seine Macht sollte nicht überschätzt werden. Die Präsidentin moderiert, organisiert und repräsentiert. Sie ist weder dem UN-Generalsekretär gleichgestellt noch Mitglied des Sicherheitsrats. Für Baerbock war es dennoch die perfekte Bühne: groß genug für Weltpolitik, begrenzt genug an exekutiver Verantwortung.

Dann kam der 3. Juni 2026. Deutschland bewarb sich um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat und scheiterte. Österreich und Portugal erhielten deutlich mehr Stimmen. Deutschland landete mit nur 104 Stimmen abgeschlagen dahinter. Es wäre unfair, diese Niederlage Baerbock persönlich zuzuschreiben. Für die Kandidatur war die Bundesregierung verantwortlich, und das Abstimmungsverhalten der UN-Mitgliedstaaten hatte zahlreiche Ursachen. Doch die Szene besaß eine enorme symbolische Kraft: Ausgerechnet die ehemalige deutsche Außenministerin verkündete als Präsidentin der Generalversammlung eine der empfindlichsten diplomatischen Niederlagen Deutschlands seit Jahren.

Deutschland hatte über Jahre erklärt, international mehr Verantwortung übernehmen zu wollen. Es gehört zu den großen Geldgebern der Vereinten Nationen. Dennoch bevorzugte eine deutliche Zahl von Staaten Österreich und Portugal. Das war kein Urteil über Baerbock allein. Aber es war ein Urteil über die Reichweite deutscher Außenpolitik. Und Baerbock war mehrere Jahre ihr sichtbarstes Gesicht. Vielleicht liegt hier das eigentliche Scheitern Annalena Baerbocks.

Krachend gescheitert?

Nicht darin, dass sie 2021 nicht Bundeskanzlerin wurde. Politiker verlieren Wahlen. Nicht darin, dass ihre Außenpolitik nicht sämtliche Ziele erreichte. Außenminister bewegen sich immer innerhalb enger Machtgrenzen gegenüber dem Bundeskanzler. Und auch der Streit zum Ende ihrer New Yorker Amtszeit macht aus ihr noch keine gescheiterte Diplomatin. Gescheitert ist vielmehr eine bestimmte Vorstellung von Politik.

Es ist die Vorstellung, internationale Politik lasse sich durch Haltung ersetzen. Dass moralische Eindeutigkeit politische Stärke erzeugt. Dass Sichtbarkeit automatisch Bedeutung schafft. Dass eine gelungene Rede bereits ein Stück Wirklichkeit verändert. Außenpolitik funktioniert anders. Sie verlangt die Fähigkeit, mit Regierungen auszukommen, die man nicht mag. Sie erfordert Interessenpolitik, Geduld, Verschwiegenheit und bisweilen Kompromisse mit Akteuren, deren Werte man nicht teilt. Diplomatie lebt davon, dass nicht jeder Konflikt zur moralischen Grundsatzfrage erklärt wird.

Baerbock hat diese klassische Schule der Außenpolitik nie besonders geliebt. Sie war ihr zu „toxisch-männlich“. Die Grüne wollte Politik emotionalisieren, personifizieren und moralisch aufladen. Darin war sie ausgesprochen erfolgreich. Doch Aufmerksamkeit ist eine flüchtige Währung. Wenn die Kameras verschwinden, bleibt die unangenehme Frage: Was wurde erreicht?

Elefantös im Porzellanladen

Bei der feministischen Außenpolitik fällt die Antwort überschaubar aus. Bei der China-Strategie gemischt. Beim internationalen Gewicht Deutschlands steht sogar die verlorene Sicherheitsratswahl im Raum. Und ihre Zeit in New York endet nicht mit einer großen diplomatischen Initiative, sondern mit dem Vorwurf zweier entscheidender Vetomächte, sie überschreite die Grenzen ihrer Rolle.

Und trotzdem sollte niemand Annalena Baerbock politisch abschreiben. Denn vielleicht besteht gerade darin das Faszinierende ihrer Karriere. Andere Politiker verschwinden nach Niederlagen. Baerbock verwandelt Niederlagen in Anschlussverwendungen. Die gescheiterte Kanzlerkandidatin wurde Außenministerin. Die Außenministerin einer abgewählten Regierung bekam einen Spitzenposten in New York. Und selbst bevor dieses Amt endet, wird bereits darüber spekuliert, welche Aufgabe als Nächstes kommen könnte.

Vielleicht ist Baerbock deshalb weniger die Geschichte einer Politikerin, die schlicht gescheitert ist, als die Geschichte einer neuen politischen Kategorie: des erfolgreichen Scheiterns, das eine ganze Generation linker Politiker ausmacht und Baerbock perfekt personifiziert. Sie verliert und steigt auf. Sie verfehlt Ziele und gewinnt Bühnen. Sie verlässt Ämter und bleibt im Gespräch. Wo klassische Politiker Macht akkumulierten, akkumuliert Baerbock Sichtbarkeit. Das ist persönlich bemerkenswert. Politisch aber stellt sich eine grundsätzliche Frage: Verwechseln wir inzwischen zu oft Prominenz mit Bedeutung?

Am East River geht ihr Jahr nun zu Ende. Die Kameras werden sich noch einige Male auf Annalena Baerbock richten. Dann wird ein anderer auf dem Präsidentenstuhl der UN-Generalversammlung sitzen. Zurück bleibt ein Lebenslauf mit beeindruckend großen Überschriften: Kanzlerkandidatin. Außenministerin. Präsidentin der UN-Generalversammlung. Nur die entscheidende Zeile fehlt bislang: ein großer politischer Erfolg, der ohne Annalena Baerbock nicht denkbar gewesen wäre. Aber es gibt für sie Hoffnung: Am 30. Januar 2027 ist Bundespräsidentenwahl.

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5 Kommentare
dragaoNordestino
dragaoNordestino
17 Tage her

Ja Annalena Baerbock und Ihre 360-Grad-Wendungen… interessant wie das heut zu tage läuft…. mal sehen wo sie jetzt ankommt

Last edited 17 Tage her by dragaoNordestino
fufu
fufu
17 Tage her

Es gibt grob gesagt zwei Sorten von Politikern. Diejenigen die sich schon als treue Diener des Systems erwiesen haben… Macron als Ex-Rothschild-Baenker, Merz als Blackrock-Aufsichtsrat, Weidel als Goldman-Sachs… und die zur genetischen Auffrischung direkt aus dem „Volk“… in Italien Meloni die Gemueseverkaeuferin, Ex-Aussenminister und Ex-Getraenkeverkaeufer Di Maio, die Trampolinspringerin Baerbock… Erstere wissen schon wo der Hammer haengt, letztere lernen es relativ schnell oder versinken nach einer Parlamentsperiode wieder in der Masse. Diejenigen aber die sich um das System verdient gemacht haben werden selbst nach ihrem Ausscheiden fuer ihre Dienste belohnt, Di Maio als EU-Vertreter im Mittleren Osten, Baerbock als UN-Vorsitzende…… Read more »

fufu
fufu
Reply to  fufu
13 Tage her

Na wer sagt’s denn… Baerbock an die Columbia Universitaet.

fufu
fufu
11 Tage her

Zu erwarten,dass waehlen etwas aendert… da muss man schon Tomaten vor den Augen haben.

fufu
fufu
Reply to  fufu
11 Tage her

Bleibt nur die Protestwahl, und dann… kommen Figuren wie die genannten an die Regierung… wollte schon schreiben „an die Macht“, die sitzt aber augenscheinlich anderswo.