Ein X-Post des ARD-Journalisten Georg Restle zum Ansturm auf Ceuta schlägt hohe Wellen. Alles Verschwörung oder was?
Was sich Ende Juli in Ceuta abspielte, war mehr als eine weitere Migrations-Krise an Europas Außengrenze. Rund 60.000 Menschen versuchten innerhalb kurzer Zeit, aus Marokko in die spanische Exklave zu gelangen. Viele schwammen durch das Meer, andere drängten über die Grenze. Innerhalb weniger Stunden wurde aus einem lokalen Problem eine europäische Krise. Und sofort stand eine Frage im Raum: War das wirklich spontan?
Der Ex-Monitor-Moderator Georg Restle, aktuell Korrespondent in Nairobi, verbreitete öffentlich die These, hinter dem Migrations-Ansturm könne eine geopolitische Operation stehen, bei der marokkanische, amerikanische und israelische Interessen zusammenliefen. Beweise dafür gibt es bislang nicht. Restle wurde reflexhaft linker Antisemitismus und Verschwörungserzählungen vorgeworfen. Doch ganz aus der Luft gegriffen ist zumindest die Frage nach einem politischen Hintergrund nicht. Denn Marokko weiß seit Jahren, welchen Hebel es gegenüber Europa besitzt: Migration!
Marokkos mächtigster Hebel
Inhaltsverzeichnis
Schon 2021 erlebte Ceuta eine ähnliche Situation. Nachdem Spanien den Chef der von Algerien unterstützten Polisario-Front, Brahim Ghali, medizinisch behandeln ließ, lockerte Marokko zeitweise seine Grenzkontrollen. Tausende Menschen gelangten nach Ceuta. Spanien wertete dies als politischen Druck aus Rabat. Fünf Jahre später steht derselbe Verdacht wieder im Raum.
Auch diesmal gibt es keine belastbaren Beweise für eine zentral gesteuerte Operation. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet vielmehr, dass wirtschaftliche Perspektivlosigkeit unter jungen Marokkanern und irreführende Beiträge in sozialen Netzwerken erheblich zur Migrations-Bewegung beitrugen. Gleichzeitig wird erneut darüber diskutiert, ob marokkanische Behörden ihre Grenzkontrollen bewusst gelockert haben könnten. Und genau hier beginnt die Geopolitik. Denn hinter dem Konflikt zwischen Madrid und Rabat steht ein wesentlich größerer Machtkampf im Maghreb.
Marokko gegen Algerien
Marokko und Algerien sind die großen Rivalen Nordafrikas. Ihre Landgrenze ist seit Jahrzehnten geschlossen, seit 2021 bestehen nicht einmal mehr diplomatische Beziehungen. Im Zentrum des Konflikts steht die Westsahara. Marokko betrachtet das Gebiet als Teil seines Staatsgebietes und bietet ihm Autonomie unter marokkanischer Souveränität an. Algerien unterstützt dagegen die Polisario-Front und das Selbstbestimmungsrecht der Sahrauis, einem maurischen Volksstamm, der zum größten Teil in der Westsahara und zu einem kleineren Teil in Flüchtlingslager in Algerien lebt. Damit ist aus einem Territorialkonflikt längst ein regionaler Machtkampf geworden.
Auf der einen Seite steht Marokko, das seine Beziehungen zu den USA und Israel massiv ausgebaut hat. Die amerikanische Anerkennung der marokkanischen Souveränität über die Westsahara im Jahr 2020 unter Trump I war für Rabat ein außenpolitischer Triumph. Auf der anderen Seite steht Algerien: Energieexporteur, traditionell eng mit Russland verbunden und politischer sowie finanzieller Unterstützer der Polisario.
Frankreich wiederum hat sich deutlich auf die marokkanische Seite bewegt. Paris erkennt seit 2024 die marokkanische Souveränität über die Westsahara an. Die Beziehungen Frankreichs zu Marokko wurden daraufhin erheblich ausgebaut, während sich das Verhältnis zu Algerien weiter verschlechterte. Deutschland bewegt sich vorsichtiger. Die Bundesregierung bezeichnet den Status der Westsahara weiterhin als ungeklärt, betrachtet den marokkanischen Autonomieplan aber als „ernsthafte und glaubwürdige“ Grundlage für eine politische Lösung.
Spanien sitzt zwischen allen Stühlen
Und mittendrin: Spanien. Madrid braucht Marokko zur Sicherung seiner südlichen Grenze. Gleichzeitig braucht Spanien Algerien als wichtigen Energiepartner. Hinzu kommen Ceuta und Melilla, die Marokko langfristig für sich beansprucht, was Spanien zurückweist. Die Regierung in Madrid sitzt in einem moralischen Dilemma. Einerseits will sie ihre Außenposten in Nordafrika sichern, andererseits fordert sie Gibraltar von Großbritannien zurück. Die Ansprüche Marokkos auf die spanischen Exklaven sind handfester als jene Madrids gegenüber London. Bei Gibraltar gab es immerhin eine vertragliche Vereinbarung im Frieden von Utrecht 1713 über die Abtretung des Höhenzugs an England am Ende des Spanischen Erbfolgekriegs. Messen mit zweierlei Maß?
Madrid praktiziert auch unter seiner linken Regierung eine Politik des eigenen Vorteils. Jede spanische Bewegung in Richtung Algerien wird deshalb in Rabat aufmerksam registriert. Der jüngste Migrations-Ansturm hat auch deshalb politische Spekulationen ausgelöst, weil Spanien zuletzt wieder wärmere Beziehungen zu Algerien suchte und Nachkommen von Sahrauis den Erwerb der spanischen Staatsangehörigkeit erleichterte. Marokko hingegen bestreitet einen politischen Zusammenhang. Das macht die Ereignisse in Ceuta brisant. Denn selbst wenn niemand den Befehl gegeben haben sollte, Zehntausende Menschen nach Ceuta ziehen zu lassen, demonstriert die Krise etwas anderes: Marokko besitzt die Möglichkeit, Europas Migrations-Druck erheblich zu beeinflussen.
Migration als Waffe der Außenpolitik
Europa hat sich damit in eine strategische Abhängigkeit begeben. Es bezahlt Drittstaaten dafür, Migranten aufzuhalten, und macht sich dadurch von deren Kooperationsbereitschaft abhängig. Solange der Deal mit Ländern wie Marokko und es seine Grenzen nach Norden kontrolliert, funktioniert Europas südwestliche Grenze vergleichsweise gut. Sobald diese Kontrolle nachlässt, kann sich die Lage binnen Stunden verändern. Das ist der eigentliche politische Sprengstoff von Ceuta. Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, ob Georg Restles These einer amerikanisch-israelisch-marokkanischen Geheimoperation stimmt. Dafür fehlen bislang die Belege. Interessanter ist eine nüchternere Erkenntnis: Migration ist längst Teil geopolitischer Machtpolitik geworden.
Marokko ringt mit Algerien um die Vorherrschaft im Maghreb. Die Westsahara bleibt der neuralgische Punkt dieses Konflikts. Der alte Rivale Libyen ist seit Gaddafis Sturz aus dem Spiel und vor allem Algerien hat Interesse daran, dass es so bleibt. Spanien versucht, seine Beziehungen zu Rabat und Algier auszubalancieren. Es hat sich allerdings den Zorn Tel Avivs zugezogen, indem die Regierung Sanchez Palästina anerkannte. Donald Trump zürnt seit längerem gegen die spanische Regierung wegen deren Weigerung mehr für Rüstung auszugeben. Frankreich wiederum setzt zunehmend auf Marokko, das sich als Königs-Diktatur immer mehr Einfluss im Maghreb und der islamischen Welt sichert. Die USA und Israel sind wichtige Partner Marokkos. Und Europa benötigt ausgerechnet jene nordafrikanischen Staaten als Grenzwächter und Energielieferanten, deren eigene Interessen sich teilweise diametral widersprechen. Ceuta ist deshalb nicht irgendein Außenposten Europas.
Die kleine spanische Stadt ist eine geopolitische Wetterstation. Dort lässt sich beobachten, wie schnell sich die Rivalität zwischen Marokko und Algerien, der Westsahara-Konflikt, europäische Migrations-Politik und die Interessen der Großmächte miteinander verbinden können. Und möglicherweise ist das die wichtigere Erkenntnis als jede Geheimdienst-Theorie: Wer seine Außengrenzen von der politischen Kooperation anderer Staaten abhängig macht, gibt diesen Staaten einen Hebel in die Hand. Ceuta hat gerade gezeigt, wie mächtig dieser Hebel sein kann.

Danke für den aufklärenden Artikel…Für so manche die noch nicht wissen, das Migration seit Jahren, im Absurden seit Merkel als geopolitische Waffe eingesetzt wird, wird dies nun vielleicht erhellend wirken…
Ich wuerde es eher als psyop zur Steuerung der lokalen Bevoelkerung bezeichnen, am aktuellen Fall von Ceuta und Melilla ist das ganz klar… klar von aussen gesteuert, mit einem definierten Ziel naemlich Sanchez zu schaden und ohne reale Gefaehrdung.
Wenn man die Migration aber als psychologisch oder geopolitisch motiviert erkennt ist es nicht weit hergeholt die Motive und Strategie der AfD zu hinterfragen die seit Jahren auf dieser von aussen gesteuerten Welle reitet. Langjaehrige Leser von geolitico wissen was ich meine.
Man sollte sich auch ueber die Ziele und Quellen dieser Form der Beeinflussung im klaren sein.
Na na, Fufu, ohne AfD-Bashing (weil Ihnen die Kniee schlottern?), kommen Sie nicht aus. Völkerwanderungen gab es immer, begleitet von wilden Horden, um sich Land und Raum zu schaffen, immer gen Westen, schien die Sonne doch dort scheinbar länger, bis sie auch dort unterging. Für uns sind das auch heute wilde Horden, ohne „Facharbeiter“-Diplom. Fremde Mentalitäten und Identitäten stürmen auf uns ein. Angeblich sind die meisten wieder zurück. Was man aber auf selten gezeigten Fotos als Dagebliebene sah, waren schwarze Gestalten, keine Marokkaner. Und die bleiben, haben sie doch ihr Ziel erreicht. Wenn sich das wiederholt, dürfte diese politische Waffe… Read more »
Sagen wir’s mal so, ich hab mehr Angst vor den Nazis als vor dem Islam. Was die AfD betrifft so betrachte ich sie nichtmal als Nazi, ausser vielleicht ein paar Figuren … U-Boote ? … die echten Nazis sind woanders. Immerhin hatten die Nazis eine mitreissende Ideologie, wohin diese fuehrte ist ja bekannt
Warum ich die AfD nicht waehlen wuerde… weil sie eine neoliberale, kleinbuergerliche Systempartei ist und das System eben derzeit solche Parteien bevorzugt weil sie den Unmut der Bevoelkerung kanalisiert und vom Wesentlichen und den Ursachen ablenkt… und das System arbeitet halt nicht fuer die Waehler… der AfD…
Ihr Schreibstil ist ja immer so ein bißchen Wirrwar. Antworten kann man nur auf das, was präzise ist: (Kleinbürgerliche) Systempartei? Nein! Von der AfD wird erwartet, DASS sie gerade GEGEN das System ist. Und sie wird gerade deswegen gewählt. Und, das wissen Sie doch ganz genau, daß die AfD vom System kontrolliert, eingeengt und bekämpft wird. Sie wissen doch, daß sich die AfD Scheuklappen anlegen MUSS (wegen Verbotsverfahren). Sie blenden die Gefahrensmomente aus Abneigung gegen die Partei aus. Die Wähler wissen, daß sie sich durchlavieren muß. Sie kennen doch das Sprichwort: Wenn Sie wissen, wen Sie nicht kritisieren dürfen, dann… Read more »
„Und, das wissen Sie doch ganz genau…“
Nun, das gehoert zum Spiel oder wenn sie wollen zur psyop. Der Letzte der dem System den Garaus machen wollte war Trump. Ich erinnere mich wage an die Gruenen, 5Stelle, aktueller die Meloni… und natuerlich die AfD.
Unter den „Fratelli“ (Meloni) hatte ich mir was anderes vorgestellt. DIE sind voll auf Systemkurs, statt sich von diesem und EU-ro und Nato zu befreien. Bis es für die eine Alternative gibt. Und da tut sich was in Italien. Für unsere AfD gibt es keine Alternative. Das BSW hat es durch ihre Kommunismus-Lastigkeit versiebt: Alten Lagerkampf statt Querfront. Die merken halt nicht, daß Deutschland endlich Selbstbewußtsein und eine Identität braucht, die ihnen aberzogen wurde. Die Roten und die NS waren sich im Grunde sehr nahe, Konkurrenten, und aus Konkurrenten wurden sie zu Gegnern, Feinden. Das muß nicht sein, wenn beide… Read more »
Dass Israel/USA zusammen mit dem eng liierten Marokko versuchen die Araber gegen Europa auszuspielen (und umgekehrt) um in diesem Fall vom Genozid in Gaza abzulenken sehen sie wohl nicht. Propagandistisch ist die Nullnummer, die „Invasion zehntausender Muslime in wehrfaehigen Alter“ scheint’s Wasser auf die Muehlen des Monothemas fuer Meloni… die gleich mal Schengen aussetzte… die AfD und andere „rechte“ Parteien der EU. Sie koennten natuerlich sehen woher bei diesen der Wind weht… koennten… vorher muessten sie aber ihr eingefahrenes Weltbild aendern… alles 5D-Schach, wie QAnon ?
Wenn Sie meine obigen Kommentare nochmal lesen, sehen Sie sehr wohl, daß ich US/Israel-kritisch bin, in Bezug auf die Migrantenwaffe und sowieso wegen Gaza und Westjordanland. Ich trage am Hemd immer eine Palästinenser-Flagge.
Ok. Jetzt muessen sie nur noch Vegetarier werden wie ich, dann sind wir beide perfekt.
Keine Chance,. Sie wissen halt nicht, wie gut gebratene Scampi, Fische und Fleisch schmecken und bei der Zubereitung duften! Saftig und lecker. Nun ja, auch Sellerieschnitzel ist knackig.
Schon mal was von der Drongo Company gehoert ?
Man muss der AI nur etwas auf die Spruenge helfen :
„The U.S. Army activated „Drongo“ Company, a new psychological operations unit assigned to the 7th Psychological Operations Battalion and the 3rd Special Forces Group at Fort Liberty (formerly Fort Bragg), North Carolina, in July 2026. The unit focuses on Africa-related missions under U.S. Africa Command (AFRICOM).“
Den Vorlaeufer gibt es schon seit 2011. Und in Europa ?…