Die „demokratische Mitte“ traf sich beim 104. Katholikentag in Würzburg. Ein Hochamt der Funktionärsklasse.
Der Dom von Würzburg steht fest wie seit Jahrhunderten. Doch rund um ihn herum wirkt vieles beim diesjährigen Katholikentag, als hätte man die alten Mauern mit dem Innenleben einer politisch-pädagogischen NGO-Messe tapeziert. Zwischen Podien über „Demokratiestärkung“, queeren Bibelwerkstätten und identitätspolitischen Debatten stellt sich eine irritierende Frage: Worum geht es hier eigentlich noch? Um Christus, um Glauben, um Liturgie, um Transzendenz? Oder längst um gesellschaftliche Selbstvergewisserung einer kirchlichen Funktionärsschicht, die sich selbst zur moralischen Begleitmusik des politischen Betriebs gemacht hat?
Alles so schön divers
Inhaltsverzeichnis
Die Krise beginnt schon im Namen. Ein Katholikentag müsste eigentlich ein Ort sein, an dem katholischer Glaube sichtbar wird: Eucharistie, geistliche Orientierung, religiöse Debatte, vielleicht auch Streit über Wahrheit und Tradition. Stattdessen dominieren vielerorts jene Themen, die man ebenso gut auf einem universitären Aktivistenkongress oder bei einer parteinahen Stiftung diskutieren könnte. Die Kirche erscheint nicht mehr als Gegenwelt zur Gesellschaft, sondern als deren spätmoderne Echokammer.
Besonders sichtbar wird das an der programmatischen Ausrichtung des Treffens. Im offiziellen Umfeld finden sich Veranstaltungen zu queerer Theologie, Genderfragen und sexueller Vielfalt, dazu Formate, die ausdrücklich politische Haltungen markieren. Selbst ein Arbeitskreis zu BDSM und Christsein ist auf der Kirchenmeile vertreten. Die Veranstalter verweisen auf Vielfalt und Diskursbereitschaft. Kritiker wiederum fragen sich, wie weit der Begriff des Katholischen inzwischen gedehnt wird, bis er kaum noch eine erkennbare Kontur besitzt.
Gerade diese Szene wirkt für viele gläubige Katholiken wie ein Symbol einer tieferen Entfremdung. Denn während die Kirche in Deutschland Jahr für Jahr Hunderttausende Mitglieder verliert, scheint ein Teil ihrer Funktionäre überzeugt, die Antwort liege ausgerechnet in noch mehr Anpassung an gesellschaftliche Moden. Die paradoxe Folge: Je stärker man versucht, modern und anschlussfähig zu erscheinen, desto unklarer wird, warum es diese Kirche überhaupt noch braucht.
Wo ist Jesus?
Der Katholikentag vermittelt dadurch streckenweise den Eindruck einer „Demokratiekirche“, deren eigentliche Mission nicht mehr die Verkündigung des Glaubens, sondern die pädagogische Stabilisierung des politisch-kulturellen Mainstreams ist. Politiker aller Ebenen treten dort auf, Bundespräsident und Bundeskanzler erhalten große Bühnen, staatliche Institutionen präsentieren sich Seite an Seite mit kirchlichen Organisationen. Dass Bund, Bayern und die Stadt Würzburg die Veranstaltung mit Millionenbeträgen fördern, verstärkt den Eindruck einer engen Symbiose zwischen Staat, Parteienlandschaft und kirchlichem Apparat.
Dabei liegt die Ironie offen zutage: Gerade jene Milieus, die sonst vor einer „Instrumentalisierung der Religion“ warnen, nutzen den kirchlichen Raum zunehmend selbst als moralisch-politische Plattform. Die Grenze zwischen Seelsorge und politischer Kampagnenkultur verschwimmt. Wer die gewünschten Positionen vertritt, gilt als weltoffen und dialogfähig. Wer skeptisch ist, landet schnell außerhalb des akzeptierten Meinungskorridors.
Eine feste Burg gegen Alternativen
Besonders deutlich wird das im Umgang mit der Alternative für Deutschland. Der Katholikentag präsentiert sich ausdrücklich als Bollwerk gegen bestimmte politische Strömungen. Viele konservative Katholiken empfinden das nicht nur als parteipolitische Einseitigkeit, sondern auch als geistige Verarmung. Denn eine Kirche, die ihre Gläubigen faktisch nach politischer Anschlussfähigkeit sortiert, verwandelt sich langsam von einer universalen Glaubensgemeinschaft in ein ideologisches Milieu mit Sakralarchitektur.
Historisch wäre das keineswegs neu. Schon der italienische Schriftsteller Giovannino Guareschi beschrieb einst das enge Zusammenspiel von kirchlicher und politischer Macht als problematischen Klerikalismus. Damals ging es um die alte christdemokratische Vorherrschaft Italiens. Heute erscheint die Konstellation modernisiert: Nicht mehr der Priester dominiert die Politik, sondern politische und kirchliche Funktionärsschichten legitimieren sich gegenseitig in einer gemeinsamen Sprache aus Haltung, Aktivismus und gesellschaftlicher Pädagogik.
Das erklärt vielleicht auch die eigentümliche Atmosphäre solcher Großveranstaltungen. Viele traditionelle Gläubige bleiben fern. Nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Kirche, sondern gerade aus Enttäuschung über sie. Der Katholikentag wirkt dadurch oft wie ein Treffen jener, die ohnehin schon derselben kulturellen und politischen Blase angehören. Man bestätigt sich gegenseitig in der Überzeugung, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, während draußen vor den Hallen die Bindungskraft der Kirchen immer weiter zerfällt.
Zählt auf die Schäfchen!
Dabei wäre die Sehnsucht nach Religion durchaus vorhanden. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Nervosität, kultureller Fragmentierung und digitaler Überreizung suchen viele Menschen nach Orientierung, Stille und metaphysischer Tiefe. Doch genau diese Dimension scheint auf solchen Veranstaltungen immer stärker hinter Podiumspolitik und zeitgeistiger Selbstbespiegelung zu verschwinden. Die eigentliche Tragik des Katholikentags liegt deshalb nicht im Streit über einzelne Programmpunkte. Nicht in Regenbogenfahnen, nicht in queeren Gottesdiensten und auch nicht in schrillen Debatten über Sexualität. Die Tragik liegt tiefer: in der Verwechslung von religiöser Relevanz mit gesellschaftlicher Anpassung.
Denn eine Kirche gewinnt ihre Bedeutung nicht dadurch zurück, dass sie zur weichgezeichneten Kopie des jeweiligen Zeitgeistes wird. Im Gegenteil. Religion war historisch immer dann kraftvoll, wenn sie einen Gegenakzent setzte, wenn sie den Menschen nicht bloß bestätigte, sondern herausforderte. Eine Kirche, die nur noch nachspricht, was ohnehin schon an Universitäten, NGOs und Talkshowtischen gesagt wird, verliert am Ende genau das, was sie unverwechselbar machen könnte.
So bleibt vom Katholikentag 2026 vor allem ein seltsames Bild: eine Veranstaltung, die offiziell katholisch heißt, sich aber vielerorts weniger um Gott als um gesellschaftliche Selbstverortung dreht. Der Weihrauch steigt noch auf. Doch oft überdeckt er eher den Geruch institutioneller Erschöpfung als den Aufbruch zu neuer Glaubenskraft.

Im offiziellen Umfeld finden sich Veranstaltungen zu queerer Theologie, Genderfragen und sexueller Vielfalt, dazu Formate, die ausdrücklich politische Haltungen markieren. Selbst ein Arbeitskreis zu BDSM und Christsein ist auf der Kirchenmeile vertreten.
Das passt ja alles gut zum katholischen Glauben, vor allem wenn man dabei ans Mittelalter denkt ….Inquisition und CO.
Wie dem auch sei, das Ganze ist recht harmlos im Vergleich zum MAGA- und MIGA-Kult. Aber man kann ja immer wieder versuchen daraus einen Aufreger zu machen.
waren ja nur etwa 5 millionen Tote… harmlos.?
Den Vatikan mit Dronen und Atomwaffen sehe ich derzeit noch nicht.
die brauchts ja auch nicht zum Massenmorden, wie uns die Israelis zur Zeit zeigen