Der Versuch, aus Merkel „Queen Mum“ zu machen

Kommentar

Angela Merkel / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/merkel-bundeskanzlerin-deutschland-2537927/
Angela Merkel / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/merkel-bundeskanzlerin-deutschland-2537927/

Angela Merkel war auf dem Zenit ihrer Karriere die mächtigste Politikerin weltweit. Jetzt setzt der „Spiegel“ noch eins drauf und feiert sie als „deutsche Queen Mum“. Eine gefährliche Verklärung.

Angela Merkel war mehr als nur Bundeskanzlerin. Barack Obama verlieh ihr die Freiheitsmedaille, die höchste Auszeichnung, die der Präsident der Vereinigten Staaten vergeben kann. 2015 hatte sie das TIME-Magazine zur „Person des Jahres“ gekürt. Anlass waren ihre Migrationspolitik und ihre Rolle in der Europäischen Union. Sie sei die eigentliche Führungsfigur der EU, urteilte das Magazin. Merkel war auf dem Zenit ihrer Karriere die mächtigste Politikerin weltweit. Und heute setzt der „Spiegel“ noch eins drauf und feiert die Altkanzlerin als „deutsche Queen Mum“.

Angeblich gibt es eine große Sehnsucht nach ihrem Politikstil, nach ihrer Art und Weise zu regieren. „Je länger Merkel nicht mehr im Amt ist, desto mehr verbinden die Menschen all das mit ihr, was sie an Friedrich Merz vermissen, das Empathische, das Verbindende, das Vertrauenswürdige“, sagt „Spiegel“-Autor Konstantin von Hammerstein, der sie auf ihrer Lesereise durch Deutschland begleitet hat.

Bis zu 50 Euro Eintritt für Merkel

Merkel vermarktet gerade ihr Buch, das sich ohne ihr Zutun anfangs wohl doch nicht so gut verkaufte wie erhofft. Also organisierte der Verlag eine „Tournee“, die Merkel auch immer dazu nutzt, ihrem Nachfolger Friedrich Merz ungebetene Ratschläge zu erteilen. Wer dabei sein will, wenn die „deutsche Queen Mum“ aus ihrem Buch vorliest und die große Politik von der Seitenlinie aus kommentiert, muss laut „Spiegel“ Preise bis zu 50 Euro zahlen.Dazu sind offenbar viele bereit. Die allermeisten stehen dafür angeblich sogar stundenlang Schlange.

Warum nur, dürften sich all jene fragen, die die heutigen Probleme des Landes folgerichtig auf Merkels Regierungszeit zurückführen. Als Kanzlerin war sie brilliant darin, Medien und Wähler zu blenden, sie über den tatsächlichen Zustand der Welt und die Folgen ihres Handels hinwegzutäuschen.

An Putin ausgeliefert

In Merkels Regierungszeit flossen Steuereinnahmen in Rekordhöhe in die Staatskasse, aber kaum ein Cent in die gesamte öffentliche Infrastruktur. Das Ergebnis ist verheerend: Schulen, Bäder und Theater sind verfallen, Straßen, Brücken und Bäder marode. Unter Merkels Ägide verkam die Bundeswehr zu einem besseren Schützenverein, das Gesundheitssystem liegt auf der Intensivstation, die Bahn wurde zum Spottobjekt, und die einst fortschrittliche Wirtschaft verlor den Anschluss an Weltspitze.

Merkel propagierte vordergründig eine Energiewende, lieferte das Land jedoch energiepolitisch an Putin aus. Zu allem Überfluss öffnete sie 2015 die Grenzen und ließ über eine Million Migranten, vor allem junge Männer, in das deutsche Sozialsystem einwandern.

Genau genommen, hat Merkel Deutschland in Grund und Boden regiert. Sie hat alles pulverisiert, was die deutsche Einheit sowie die Regierungen von Helmut Kohl und Gerhard Schröder noch von der Substanz der einstige Deutschland AG übriggelassen hatten.

Sie war weder emphatisch, wie die Selfies mit Migranten den Wählern vorgaukeln sollten, noch vertrauenswürdig. Vielmehr hat sie das Vertrauen derjenigen, die sie gewählt haben, schamlos missbraucht. Mit ihrem Satz „Wir schaffen das“, mit dem sie die Migrationskrise rechtfertigte, hat sie die Folgen ihres Handels einfach auf die Menschen abgewälzt nach dem Motto: Ihr schafft das schon.

Flucht in die Illusion

Dennoch ist sie von den Medien immer wieder verklärt worden. Und dieses Bild der mächtigen und verantwortungsvollen Politikerin will sie selbst um jeden Preis erhalten. Nur darum geht es in ihrem Buch. Und nicht nur die Menschen, denen der Wohlstand zwischen den Fingern zerrinnt, geben sich nur allzu gern der Illusion an eine Vergangenheit hin, in der vermeintlich alles besser war.

Dabei ist es höchste Zeit, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen und zu erkennen, wer das Land mit welcher Politik dorthin gebracht hat, wo es heute ist.

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Über Günther Lachmann 784 Artikel
Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M."
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dragaoNordestino
1 Monat her

Merkel propagierte vordergründig eine Energiewende, lieferte das Land jedoch energiepolitisch an Putin aus.

Hmmm….. noch ein wenig Probaganda gefällig

Nathan
Nathan
1 Monat her

Lachmann, der Putinhasser, sollte sich doch Mal die Frage stellen, ob ein gedeihliches Miteinander und Nebeneinander mit Russland für uns nicht besser wäre als eine tödliche Abhängigkeit mit Zerstörung Deutschlands durch die EU, die USA und die NATO. Russland hat gar kein Interesse daran uns zu schaden. Es sieht sehr wohl uns in der Zwangsjacke NATO. Das sah Merkel wohl auch mit ihrer auf Frieden ausgerichteten Politik, Reduzierung der Bundeswehr. Ihr Manko waren ihre Panikentscheidungen der sonst so phlegmatischen Merkel. Im Nachhinein will sie sich dem verordneten Zeitgeist anpassen. Verlogene Selbstverherrlichung.

fufu
fufu
Reply to  Nathan
1 Monat her

Natuerlich haben Sie recht. Realistisch betrachtet ist jedoch zu sagen, dass Putin mit seiner Politik gescheitert ist. Den zerstoerten Donbass wird man ihm wohl lassen. Die Ursachen seines Scheitern liegen an seiner faktischen Unterstuetzung Israels, seinem Unwillen oder seiner Unfaehigkeit Verbuendete zu schuetzen oder zu unterstuetzen, der Rueckgratlosigkeit der europaeischen Politik, insbesondere Deutschlands, mit der er wohl nicht gerechnet hat. Er hat sich als Papiertiger erwiesen, seine grandiosen neuen Waffen werden niemanden beeindrucken da es keinen Atomkrieg braucht um Russland in die Knie zu zwingen.

fufu
fufu
Reply to  Nathan
1 Monat her

„Putinhasser“, ach wo… Parteilinie.

Die Kommissarin der sogenannten Alternative hat ihren Parteigenossen auch schon Russlandreisen verboten. Sonst wird’s nichts mit der Regierungsbeteiligung.