Reiche Geldgeber, Philanthropen und eine regierende Königinmutter: In einem Streifen Niemandsland soll ein Königreich nach dem Vorbild Dubais entstehen, das „Kingdom of Kush“.
In der heutigen Zeit, in der kulturelle Identität und historische Wurzeln zunehmend an Bedeutung gewinnen, soll ein ausgefallenes Projekt entstehen: Das „Kingdom of Kush“ im nord-östlichen Afrika. Inspiriert vom antiken Königreich von Kusch, zielt das neue Vorhaben darauf ab, Geschichte, Kultur und Wirtschaft und nicht zuletzt Identitätsfragen miteinander zu verbinden.
Einmal Antike und zurück
Inhaltsverzeichnis
Das antike Königreich von Kusch war eine mächtige Zivilisation im Gebiet des heutigen Sudan, die vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis etwa zum 4. Jahrhundert n. Chr. existierte. Es war bekannt für seine reiche Kultur, seine Pyramiden als kleinere Ableger der ägyptischen Vorbilder und seine bedeutende Rolle im Handel zwischen Afrika, dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten. Kusch war nicht nur ein Zentrum politischer Macht, sondern auch ein bedeutendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum. Kommt mit dem neuen Kush eine neue große Ära?
Das futuristische „Kingdom of Kush“
Das geplante „Kingdom of Kush“ will an Historisches anknüpfen und die Geschichte sowie das Erbe der antiken Kushiter neu beleben. Es handelt sich dabei um ein kulturelles, touristisches und wirtschaftliches Zentrum, das in einem Streifen Niemandsland südlich der ägyptisch-sudanischen Grenze entstehen soll. England als Kolonialmacht hat die Zuständigkeit für den knapp 2100 Quadratkilometer großen Wüstenlandstrich mehrfach zwischen Ägypten und Sudan hin und hergeschoben, bis keine von beiden Seiten sich mehr dafür zuständig fühlte. Das Vorhaben ist ambitioniert: Es sollen Museen, Bildungs- und Handelszentren und nicht zuletzt touristischen Attraktionen mit einer modernen Infrastruktur für Besucher aus aller Welt gebaut werden. Das Vorbild für das Königreich in Planung ist Dubai, das als Inbegriff einer wirtschaftlich erfolgreichen Glitzer-Metropole im Nahen Osten gilt. Das Projekt verfolgt laut offizieller Internetseite mehrere Ziele, so die kulturelle Bewahrung der Geschichte und Kultur von Kusch, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Der künftige Staat will hochwertige Arbeitsplätze in Dienstleistungen, Marketing und Künstlicher Intelligenz im östlichen Afrika schaffen. Darüber hinaus soll das Königreich auch als Forschungszentrum dienen, um die Geschichte Afrikas besser zu erforschen und zu verstehen.
Fiktion trifft Wirklichkeit
Soweit die hehren Ziele, die so allgemein sind, dass sie schon wieder wahr sein könnten. Im Unterschied zu Dubai, sollen alle Religionen und Ethnien willkommen sein. Es gibt sogar schon eine Regierung. An der Spitze die selbst ernannte Monarchin, Königinmutter Dr. Delois Blakely. Sie versteht sich als Kämpferin für die Rechte aller Nachkommen von afrikanischen Sklaven, insbesondere in den USA. Für diese Nachkommen tritt sie als Anwältin auf und möchte Reparationen in Höhe von drei Billionen Dollar. Diese astronomische Summe soll den Grundstock bilden für den Staatshaushalt ihres Königreichs.
Blakely hat in den letzten Jahrzehnten bei den Vereinten Nationen (VN) eine zentrale Rolle gespielt für das Thema Sklavenhandel aus Afrika nach Übersee. Sie hat dafür gesorgt, dass es mehrere Denkmale in den USA zu dem Thema gibt, wie beispielsweise den African Burial Ground oder das VN-Denkmal The Ark of Return im Jahr 2015. Ihre zahlreichen internationalen Kontakte spiegeln sich in der bereits eingesetzten Regierung. Als Premierminister dient Joseph Joute, früherer Kurzzeitregierungschef von Haiti, was nicht unbedingt ein Nachweis erfolgreicher Regierungskompetenz ist. Mit Senida Mesi wirkt die ehemalige Vize-Ministerpräsidentin von Albanien in gleicher Funktion für das Land Kush. Als Außenminister steht ein französisch-tunesischer Unternehmer zur Verfügung. Einige Ministerien sind noch unbesetzt und auch die genaue Zusammensetzung der königlichen Familie ist ein Geheimnis.
Das Königreich im Wartestand will über sieben Millionen Bewerber für die Staatsbürgerschaft zählen. Das Projekt steht vor zahlreichen Herausforderungen, wie der Sicherstellung der Finanzierung, der politischen Stabilität in der Region, um die es mit dem Zerfall und der Hungersnot im Sudan denkbar schlecht bestellt ist. Die neuen Kushiter wollen mit ihrem Zukunftsstaat diese chaotischen Verhältnisse überwinden. Laut Eigenwerbung soll Kush eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen, die das reiche kulturelle Erbe Afrikas feiert und in eine moderne Zeit überführt. Hehre Ziele, jedoch dürfte eine Realisierung auf sich warten lassen.
Außenpolitische Experten halten das Projekt nicht für illusorisch, da es potente Unterstützer gibt und ein politisches Interesse eine Art stabile Sonderwirtschaftszone im krisengeschüttelten Afrika zu erreichten. Ob das autoritäre Dubai das Vorbild sein sollte, ist fragwürdig. Singapur als wirtschaftlich und sozial erfolgreicher Stadtstaat ist besser geeignet und könnte Geburtshilfe leisten. Donald Trumps Traum von Gaza als einem blühenden Paradies an der Levante könnte mit dem Kingdom of Kush vorweggenommen werden. Wie in Gaza ist auch bei einem neuen Staat Kush die Frage nach der Identität letztlich entscheidend über Erfolg oder Niederlage. Die neuen Kushiter glauben die Antwort zu haben: eine inklusive Weltgesellschaft.

ja nun… dies hört sich an wie Privatstadt a la „Próspera“ in Honduras….bis jetzt kommt von dort eigentlich nichts besonders positives rüber…..