Denkmalsturz: Der Dalai Lama feierte seinen 90. Geburtstag. Er ist spiritueller Führer, Widerständler und Liebling des Westens. Wofür steht der 14. Dalai Lama?
Große Aufregung in den Medien weltweit löste eine Szene 2023 aus, in jener der Dalai Lama bei einem spirituellen Treffen einen Jungen auffordert, ihm die Zunge zu lecken. Zuvor neckte das geistliche Oberhaupt der Tibeter den Knaben und hatte sichtlich Freude an der Begegnung. Insbesondere westliche Medien deuteten die Szene als sexuellen Übergriff und verurteilten einhellig das Geschehen. Wie üblich in unseren hysterischen Zeiten, musste der Beschuldigte öffentlich Buße tun und sich entschuldigen. Aber was war der tatsächliche Hintergrund?
Mehr als ein Missverständnis
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Ein Sturm im Wasserglas war das Ganze, denn es handelte sich um eine kulturelle Irritation. Die ansonsten hingebungsvollen Fans des Dalai Lama sahen reflexartig aus ihrer übersexualisierten westlichen Sicht eine sexuelle Absicht. Dass es sich um eine typische tibetische Geste handeln könnte, die dafür steht, dass man einander freundlich gesinnt ist, darauf konnte oder wollte das mediale Tribunal nicht kommen.
Umso verwunderlicher, da seit den 1980er Jahren der Dalai Lama und seine Variante des Buddhismus als große spirituelle Erfahrung gefeiert wird. Kein Weg war im zu weit, kein weißer Seidenschal zum Gruß zu teuer, kein Hollywood-Star zu fern, um für Tibet und sein Ansehen zu werben. Die Kassen klingelten, die internationale Marke Dalai Lama war geboren, und mit dem Friedensnobelpreis belohnte der Westen den obersten Lama und vor allem sich selbst.
„Free Tibet“ war lange die Losung, der so ziemlich alle westlichen Politiker begeistert folgten. Und dann die berüchtigte Kuss-Szene! Sie ist entlarvend für die westliche Sensationslust und weniger für den obersten Lama. Entlarvend für ihn sind ganz andere Dinge. Und entscheidend für den neuen Umgang mit ihm und Tibet ist eine unleugbare Tatsache: Chinas Aufstieg zur Weltmacht.
Invasion als Befreiung
Tenzin Gyatso, so sein bürgerlicher Name, hat in seinem langen Leben eines realisiert: Eine Rückkehr nach Tibet, und noch dazu als Staatsoberhaupt, ist ausgeschlossen. Es ist nicht nur für die ihm verbleibende Lebenszeit ausgeschlossen, es bleibt auch einem möglichen Nachfolger verwehrt. Und das ist auch gut so! Der Lamaismus ist einer der buddhistischen Wege, sich zu Lebzeiten von allen Bedürfnissen zu lösen und dem ewigen Leidensweg des Menschen zu entrinnen.
Allerdings gab es im Tibet der vorchinesischen Ära vor allem eines: Leid. Tibet war bis Ende der 1950er Jahre ein klerikales Ausbeutersystem – vergleichbar mit dem Iran der Mullahs. Genauso religiös rigide und genauso feudalistisch. Im Himalaya beuteten die Klöster und eine kleine adelige Kaste die Landbevölkerung nach Gutdünken aus. Im Iran haben die Mullahs als Großgrundbesitzer und ihr Sicherheitsapparat mit eigenen Industriebetrieben das Land im Würgegriff. In Tibet ist der Würgegriff von außen durch China beseitigt worden.
Ja, es war eine Invasion, die Tibet endgültig unter chinesische Kontrolle brachte. Und ja, Peking hat lange die kulturellen Eigenheiten der Tibeter unterdrückt. Aber, es ist letztlich ein Segen, dass Mao mit dem menschenverachtenden Lama-System aufgeräumt hat. Die völlig morsche Theokratie musste gestürzt werden, um Tibet aus seiner ökonomischen und sozialen Finsternis in einen erträglichen Fortschritt zu katapultieren.
Seitdem gibt es Bildung und Aufstiegschancen für alle Tibeter, die Leibeigenschaft der meisten Bauern und Frondienste von Kindern in Klöstern gehören glücklicherweise der Vergangenheit an. Dass der Dalai Lama mit einigen Getreuen ins nordindische Dharamsala nach dem Ende seiner Schreckensherrschaft floh und dort bis heute seine Exilregierung sitzt, hat nur noch eine untergeordnete geostrategische Bedeutung. Das war am Anfang noch anders.
Nach Nr.14 ist Schluss
Indien ist der große Rivale Chinas und es setzt immer wieder Nadelstiche gegen den nördlichen Nachbarn. In den ersten Jahrzehnten nach der Flucht, war der Dalai Lama für die indische Regierung relevant, um Druck auf Peking auszuüben. Etliche Tibeter pilgern bis heute an den Hof des Lamas, was der KP Chinas ein Dorn im Auge ist. Jedoch hat sich durch den wirtschaftlichen Aufschwung und den Ausbau der Infrastruktur in Tibet die Situation beruhigt. Sich selbst verbrennende Mönche in der tibetischen Hauptstadt Lhasa als Protest gegen Peking gehören der Vergangenheit an. Und sie entzündeten sich nicht allein aus religiösem Eifer und Solidarität mit ihren vermeintlich von der KP geschundenen Landsleuten an.
Nein, zur Wahrheit gehört, dass ihre Klöster der üppigen Pfründe beraubt sind, die sie früher noch nutzen konnten. Auch ihre elitäre Stellung hat China beseitigt, und das zehrt sehr am Selbstverständnis. Eine ernstzunehmende Sezessionsbewegung gibt es nicht mehr, und nicht einmal mehr die tibetische Exilregierung glaubt noch an eine Änderung des Status Quo.
Wieso auch? Tibet geht es um Längen wirtschaftlich besser als so manchem Land in Chinas Nachbarschaft. Peking hat in den letzten Jahren gewisse Zugeständnisse hinsichtlich der kulturellen tibetischen Traditionen gemacht. Ein kluger Schachzug, denn schon die Römer herrschten erfolgreich in ihren eroberten Ländern, indem sie jenen kulturelle Autonomie zugestanden.
Für China gibt es außerdem eine Parallele zur Situation in der Ukraine: Ähnlich wie dort Russland über Jahrhunderte dominant war, war Tibet nur selten souverän und meist dem intensiven Einfluss des großen Nachbarn ausgesetzt. Tibet als ein „Klein-China“, wie die Ukraine als ein „Klein-Russland“? Ja, die Würfel sind längst gefallen. Die territoriale Frage ist entschieden: pro Peking. Niemand im Westen bezweifelt das mehr ernsthaft. Aber wie weit geht Peking in der Frage der Nachfolge von Nr.14?
Dalai Drama
Anlässlich seines runden Geburtstages verkündete der Dalai Lama, er wolle 130 werden. Es sei ihm und seinen Anhängern gegönnt. China gönnt es Zeit, einen Nachfolger auszusuchen. Die KP will damit den Tibetern entgegenkommen und den Lamaismus als tibetisches Kulturerbe erhalten – aber politisch kastriert und unter den wachsamen Augen Pekings. Der 15. Dalai Lama könnte von Chinas Gnaden ausgewählt und wieder in der tibetischen Hauptstadt Lhasa residieren als spiritueller Führer. Der amtierende 14. orakelte, dass es einen 15. vielleicht nicht mehr geben wird.
Was dazu der Westen wohl sagt? Angela Merkel, Bill Clinton oder der Papst sind als Unterstützter des Dalai Lama aufgetreten. Politisch waren diese Nadelstiche gegen Peking immer schon töricht und geschichtsvergessen. Diese westlichen Staatenlenker kannten das abgründige Lama-System nicht oder wollten es nicht kennen.
China ist inzwischen zu mächtig, dass Tibet noch stören könnte. Auch spirituell sollte niemand im Westen dieser Variante des Buddhismus etwas abgewinnen. Wer sich näher mit dem Lamaismus beschäftigt, erkennt, dass die Androhungen von Höllenqualen durch die mittelalterliche katholische Kirche ein Kindergeburtstag waren gegen die Grausamkeiten, die im Lamaismus für Sünder drohen. Die Kirche ist weitgehend davon abgerückt, der Dalai Lama nicht. Seine weichgespülten Worte und kitschigen Weisheiten für sinnsuchende Westler dürfen nicht über den Kern seiner Lehre hinwegtäuschen: der Abhängigkeit geknechteter Seelen statt wirklicher Befreiung.
Nie kam ein Wort des Bedauerns über seine Lippen wegen des Terrorregimes, das über Jahrhunderte die Tibeter geißelte. Das wäre ein echter Fortschritt im Umgang mit der politischen Seite des Lamaismus. Nicht die oberflächliche Aufregung um den so genannten Zungenkuss. Der Dalai Lama ist persönlich gescheitert, so wie der Lamaismus als politisches System scheitern musste. Der einstige Liebling des Westens ist nur noch eine Kitschfigur für die Vitrine.

Dalai Drama passt gut…..
Ich habe den Betrag damals mit dem Kind gesehen. Man kann sagen was man will, aber für mich ist dieser Herr nicht der, für den er gehalten wird. Schon allein aus dem Grund, weil er voller Freude sich damals auch die Corona-Gentherapie verpassen ließ und auch gesagt hat zu den Leuten dass es wichtig ist, sich impfen zu lassen. Jemand der so spirituell ist, hätte vorher gewusst dass die Corona-Gentherapie kein Segen ist.
Dalai Lama versus China-Sozialismus. Hier wird letzteres gelobt. Das auch das rückständig und religiöse Tibet Fortschritte gemacht hätte, scheint dabei ausgeblendet zu werden. „Vorwärts immer, Rückwärts nimmer.“