Politiker und Journalisten wollen die AfD verbieten, die Deutschen wollen das mehrheitlich nicht. Die ARD versemmelt ein Weidel-Interview, und der „Spiegel“ weiß schlicht nicht mehr weiter.
Wieder einmal ist die AfD in aller Munde. Zunächst kommt eine Allensbach-Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Deutschen die Partei nicht verbieten will. Dann lamentiert „Spiegel“-Chef Dirk Kurbjuweit im aktuellen Heft darüber, in welche Dilemmata die Partei seine Redaktion stürzt. Und zu guter Letzt sendet die ARD Ein Sommerinterview mit der Parteivorsitzenden Alice Weidel, das fast gänzlich im Lärm von Demonstranten unterging.
Es ist schon ein Kreuz mit dieser AfD. Kaum jemand im politischen Berlin mag sie, aber jeder spricht über sie. Und die meisten politischen Konkurrenten würden die Partei am liebsten sofort verbieten. Als der SPD auf ihrem jüngsten Parteitag in Berlin inhaltlich so recht nichts Wegweisendes für die Zukunft des Landes einfallen wollte, einigten sich die Delegierten flugs mit großer Mehrheit auf ein AfD-Verbot.
Identifikation mit der AfD nimmt zu
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Nun aber widerlegt sie das renommierte Meinungsforschungsinstitut Allensbach. Ihre Umfrage zum AfD-Verbot brachte ein für das politische Berlin überaus ernüchterndes Ergebnis. Nur 27 Prozent der Befragten votierten für ein Verbot, 52 Prozent sprachen sich dagegen aus, in Ostdeutschland, sogar zwei Drittel. Und schlimmer noch: Unter den Wählern ist die Identifikation mit der Partei in den vergangenen Jahren sogar deutlich angestiegen.
„In Westdeutschland sind 30 Prozent grundsätzlich offen für die Unterstützung der AfD bei einer Wahl auf kommunaler, Landes- oder Bundesebene, in Ostdeutschland 47 Prozent“, schreibt Renate Köcher in der FAZ. Der Anteil derjenigen, der sich mit den eigenen Sorgen nur bei der AfD gut aufgehoben fühlt, sei seit 2023 von 34 auf 41 Prozent angewachsen.
Unter diesen Entwicklungen leiden nicht nur die politischen Mitbewerber der AfD, sondern ganz besonders auch die politischen Journalisten. Unter der Überschrift „Journalismus und die Gefahr von rechts“ schreibt „Spiegel“Chef Dirk Kurbjuweit: „Einig sind wir uns, was wir von dieser Partei zu halten haben. Dafür brauchen wir nicht das Gutachten des Verfassungsschutzes oder ein Urteil vom Bundesverfassungsgericht. (…) Viele Spitzenpolitiker der AfD haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie rassistisch denken, dass sie die Zeit des Nationalsozialismus milde betrachten. (…) Wir sehen in der AfD eine Gefahr für die freiheitliche demokratische Grundordnung, wie sie im Grundgesetz postuliert wird, mit der unantastbare Menschen würde als Fixpunkt für jede Politik.“
Ratlos beim Thema Migration
Etwas anderes hätte auch wohl niemand vom „Spiegel“ erwartet. Umso mehr überrascht es, dass Kurbjuweit und seine „Kolleg*innen“ vor der AfD als journalistische Aufgabe geradezu verzweifeln. „Wenn wir die Regierungsparteien oft kritisieren, könnte das die liberale Demokratie schlecht aussehen lassen und auf die Dauer und terminieren“, schreibt Kurbjuweit. Was er damit eigentlich meint, mag er nicht wörtlich sagen: Die AfD könnte davon profitieren, wenn der „Spiegel“ mit einer kritischen Berichterstattung aufzeigt, warum so viele Wähler von Union, SPD, Grünen und FDP maßlos enttäuscht sind.
Besonders schwer tut sich die „Spiegel“-Redaktion beim Thema Migration, das, so Kurbjuweit, „von der AfD ständig auf gehässige Weise angesprochen wird“. Der „Spiegel“-Chef: „Einerseits wollen wir selbstverständlich nicht über jedes Stückchen springen, dass man uns hinhält. Andererseits wollen wir über das berichten, was Menschen beschäftigt, über Probleme, die eine Regierung lösen muss.“ Sollte ein Journalist das nicht hinbekommen, hat er seinen Beruf verfehlt.
Im Grunde liegt das Problem der „Spiegel“-Redaktion allerdings auch ganz woanders. Das Problem sind die hohen Zustimmungswerte der AfD. Kurbjuweit würde die Partei am liebsten verbieten, hadert aber mit den politischen und rechtlichen Umständen, sagt er. „Die AfD könnte zwar einflussreich genug für ein Verbot sein, politisch, aber schon zu stark dafür. Ein klassisches Dilemma. Was tun?“
Jedenfalls lässt sich die AfD auch durch noch so viele Skandalgeschichten im „Spiegel“ nicht einfach totschreiben. Manchmal will sich die Welt außerhalb der „Spiegel“-Redaktionsstuben einfach nicht den Vorstellungen der Chefredakteure und Blattmacher anpassen. Welch ein Dilemma!
„Scheiß AfD“
Und dann taucht da noch das „Zentrum für politische Schönheit“ auf und katapultiert das Sommerinterview der ARD mit AfD-Chefin Alice Weidel zum Quotenhit in den sozialen Medien. Statt eines Interviews hörten die Zuschauer Poltern, Pfeifen und den Choral „Scheiß AfD“. Unüberhörbar war Weidel gegenüber allen anderen Sommer-Interviewten klar im Nachteil.
Zunächst schien das alles Zufall zu sein. Doch dann behauptete der Protest-Stratege des Zentrums für politische Schönheit, Philipp Ruch, im „Bild“-Podcast auch noch, die Aktion habe nur mithilfe von ARD und Berliner Polizei habe stattfinden können. „Bild“ kaum zu dem Schluss, der Lautsprecher-Bus, aus dem heraus der Choral abgespielt wurde, streifte „nahezu 30 Minuten durch die Bannmeile und stand zum Schluss lange im absoluten Halteverbot an den Sperrpollern neben dem Reichstag“. Wie war das nur möglich?
Journalisten sollten wissen, dass in einer solchen Lage jeder Versuch, das Desaster zu erklären oder gar zu rechtfertigen, die Sache nur noch schlimmer macht. Die ARD versuchte es dennoch. Heute steht jedenfalls nicht die AfD, sondern die ARD blamiert da.

AFD Ideologien nehmen in der wertewestlichen Unwelt ziemlich rasant fahrt auf…. eigentlich nicht verwunderlich, sondern einfach eine Reaktion entsetzter Bürgerdarsteller, auf die völlig durchdrehende woke Globalisierung.
Eine Verbotsforderung einer Oppositionspartei, der mit allen Mitteln etwas angedichtet werden soll und bisher nichts auf dem Tisch liegt, ist per se schon absolut undemokratisch und – da bin ich mir sicher – auch verfassungsfeindlich. Und an dragaoNordestino: Von Ideologien spricht man, wenn die eigenen Werte und Ziele eher geistlichem und nicht realem oder weltlichem Ursprung sind. Das ist genau das, was die AfD von den anderen Parteien unterscheidet.