Der totalbefreite Mensch

  In einer „Welt ohne Grenzen“ soll sich das „souveräne Individuum“ als „Weltbürger“ zu Hause fühlen. Der Mensch als Produkt eines sektenartigen Eliten-Milieus. Während meiner Studentenzeit war die für die Paarbildung entscheidende Frage, wo man politisch stand: Für oder gegen den Vietnamkrieg? Das Palästinensertuch? Wie hältst du es mit Fidel Castro? Ho Chi Minh? Che Guevara? Muammar Gaddafi? Nixon? Heute scheint es auf andere Bekundungen anzukommen: Glaubst du, dass es sechs Geschlechter gibt? Oder sechzig? Oder vierundsechzig? Oder darf’s ein bisschen mehr sein? Genderpünktchen, Unterstrich, Unisex-Toiletten, Frau Feldwebelin – das Karussell der Absonderlichkeiten, mit dem sich nicht nur Studierende(!) beschäftigen, sondern auch Eliten in Medien, Politik und nicht zuletzt die Duden-Redaktion, dreht sich immer schneller. Gibt es in Zeiten der Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes als Folge der Corona-Pandemie, einer drohenden Weltwirtschaftskrise, obszöner Ungleichheit in der Verteilung des Reichtums und im Zeichen eines neuen Kalten Krieges, der beinahe täglich in einen heißen Nuklearkrieg umkippen könnte, keine anderen Probleme? Doch das alles ist der beinahe zwingende Endpunkt einer Sonderentwicklung, die in Europa vor rund 500 Jahren einsetzte. Das europäische Nachdenken über Welt und Mensch wird seit der Frühen Neuzeit durch zwei unterschiedliche, aufeinander bezogene, sich überlagernde und teilweise gegenseitig verstärkende, … Der totalbefreite Mensch weiterlesen