Mit Billionen-Ausgaben in den Ruin

Dollarregen / Geld/ Qiuelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library; kalhh: https://pixabay.com/de/illustrations/geld-himmel-geldregen-gesch%C3%A4ft-1986779/ Dollarregen / Geld/ Qiuelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library; kalhh: https://pixabay.com/de/illustrations/geld-himmel-geldregen-gesch%C3%A4ft-1986779/
 

Die US-Geldmenge steigt um 25 Prozent. Und die EZB-Bilanzsumme wächst seit Ende Februar durch den Kauf von Anleihen um unglaubliche 1.717 Milliarden Euro.

Weltweit werfen Politiker mit Geld um sich, als gäbe es kein Morgen. Ausgaben von Hunderten Milliarden, ja Billionen Dollar oder Euro sind jetzt zum Normalfall geworden. Geld, das keine Regierung hat und das sie niemals durch Steuererhöhungen vereinnahmen könnte oder auch nur wollte. „Kredite“ heißt das Zauberwort. Kredite, die dank der Magie der Gelddruckmaschine in unbegrenzter Höhe zur Verfügung zu stehen scheinen. Zum nunmehr dritten Mal in 20 Jahren wird eine Krise, die im Kern eine weltweite Schuldenkrise ist, mit noch mehr Schulden bekämpft.

Mit keynesianischen Konjunkturprogrammen hat das, was hier geschieht, kaum noch etwas gemein. Denn die über zwei Jahrzehnte entstandenen ökonomischen Ungleichgewichte und Fehlentwicklungen sind inzwischen so groß geworden, dass es nicht mehr um die Ankurbelung der Wirtschaft und das Abfedern eines Abschwungs geht, sondern nur noch um das Hinauszögern des Zusammenbruchs der Schuldenpyramide und mit ihr des Finanzsystems.    

Das Geld der Anderen lässt sich leicht verpulvern

Das Geschehen der vergangenen Monate zeigt einmal mehr, wie fest entschlossen die Politiker dies- und jenseits des Atlantiks – und natürlich auch in China – sind, den eingeschlagenen Weg in den Ruin durch Geldentwertung nicht zu verlassen. In den USA wurde die Geldmenge innerhalb weniger Monate im Vergleich zum Vorjahr um 25% ausgeweitet. In der EU wird sie derzeit mit einer Jahresrate von 9,2% erhöht, Stand Juli 2020, und die EZB hat seit Ende Februar dieses Jahres ihre Bilanzsumme durch den Kauf von Anleihen um unglaubliche 1.717 Mrd. € ausgeweitet.

Die Lehren der Geschichte werden in den Wind geschlagen, der gesunde Menschenverstand wird mit Verachtung gestraft. Das Geld der Anderen lässt sich eben leicht verpulvern. Verantwortung für nachfolgende Generationen, vorausschauendes Handeln und ordnungspolitische Weitsicht finden nicht mehr statt. Weiterwursteln um jeden Preis heißt die politische Devise.

Aus Sicht eines kurzfristig orientierten Politikers ist eine Geldentwertung die mit Abstand bequemste und einfachste Antwort auf das Problem der Überschuldung. Das hohe Geldmengenwachstum, das sogar die Werte der hochinflationären 1970er Jahre deutlich übertrifft, zeigt auf, wohin die Reise gehen soll.

Die älteren Leserinnen und Leser erinnern sich wahrscheinlich noch an die irrsinnigen Bewertungen der japanischen Börse Ende der 1980er Jahre. Am Höhepunkt dieser Spekulationsblase – der ersten großen Aktien- und Immobilienblase der Nachkriegszeit – machten Vergleiche die Runde, mit denen der Irrsinn des Geschehens illustriert werden sollte.

Geld vernichten und nach oben umverteilen

Beispielsweise war der Immobilienwert des belgischen Botschaftsgeländes in Tokio damals höher als die gesamte Staatsverschuldung Belgiens, die 130 Prozent des belgischen Bruttoinlandsprodukts betrug. Und die Fläche um den Kaiserpalast in Tokio erreichte 1989 die gleiche Bewertung wie ganz Kalifornien.

Wie ich hier zuletzt berichtet habe, übertrifft laut US-Analyst David Rosenberg die Marktkapitalisierung der vier US-amerikanischen Börsenlieblinge Amazon, Apple, Google und Microsoft die Marktkapitalisierung der gesamten Japanischen Börse. Die Zeiten und Namen ändern sich, der Kern des Geschehens bleibt gleicht. Sowohl die japanischen Aktienkurse als auch die japanischen Immobilienpreise befinden sich immer noch rund 50% unter ihrem damals erreichten Hoch. Regierungen und ihre Zentralbanken haben eine gigantische Spirale in Gang gesetzt, mit der in großem Umfang Vermögen vernichtet, aber auch nach oben umverteilt wird.

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Chefredakteur des Börsenbriefs „Krisensicher Investieren“. Zusammen mit Roland Leuschel schrieb er die Bücher „Das Greenspan-Dossier“, „Die Inflationsfalle“, „Bitcoin & Co. - Finte“ oder „Neugestaltung des Geldsystems?“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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waltomax
waltomax
29 Tage her

Revolution oder Zusammenbruch? Ausgerechnet Mrs. M. Thatcher lag richtig mit Ihrer Sentenz “Sozialismus ist, wenn einem das Geld anderer Leute ausgeht.” Die Deutschen betrieben am Wochenende mit ihrer Großdemo so eine Art Nabelschau. Man war auf ganzer Linie mit sich selber beschäftigt. Derweil bricht mit der crashenden Wirtschaft und dem sinkenden Steueraufkommen genau die Gestaltungskraft zusammen, welche die Demonstranten erlangen wollten. Sowohl die teilweise brutal vorgehende Staatsmacht als auch die von Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit triefenden Demonstranten sind auf verlorenem Posten. Denn der anstehende Zusammenbruch wird erlitten und ist keine aktiv gestaltete Revolution. Dehalb ist die herrschenden Politschranzenschaft immer noch da… Read more »

Greenhoop
Greenhoop
29 Tage her

Die optisch überarbeitete “deagel-Liste” weist weiterhin 28 Millionen Menschen bis 2025 und den Absturz auf den 33. Weltrang für die BRD aus, während die sehr viel optimistischere Prognose im “Strategic Intelligence” des WEF den 7. Rang vorhersieht. Es wirklich faszinierend wie detailliert und wunderbar ausgearbeitet das obige Modell uns Auskunft über die Zukunft erteilt, man muß lediglich Englisch können und genügend Zeit mitbringen, ein lohnendes Investment in diesen Zeiten. Diejenigen die in Berlin nach nun 5 Monaten Corona endlich aufgewacht sind kommen ein paar Jahre zu spät, für alles gibt es den richtigen Zeitpunkt, aber der gestartete “Great Reset” ist… Read more »

Last edited 29 Tage her by Greenhoop
Greenhoop
Greenhoop
Reply to  Greenhoop
28 Tage her

Ich kann nur jedem Interessierten folgendes Video empfehlen, nicht weil man es noch nicht hätte wissen können, nur als Erinnerung daran, was uns demnächst “treffen” wird.

https://www.youtube.com/watch?feature=share&v=I-XxV3GmgSM&app=desktop

Last edited 28 Tage her by Greenhoop
dragaoNordestino
29 Tage her

……. Zum nunmehr dritten Mal in 20 Jahren wird eine Krise, die im Kern eine weltweite Schuldenkrise ist, mit noch mehr Schulden bekämpft. Wie wäre es, wenn man die derzeitigen Krisen richtig benennen würde.? …. Denn wir haben wie man beobachten kann keine Schuldenkrise sondern eine ausgewachsene Guthabenkrise …. Die Lehren der Geschichte werden in den Wind geschlagen, der gesunde Menschenverstand wird mit Verachtung gestraft. Ja nun, wenn man lediglich in der Vergangenheit rumkrebst, kann man dies vielleicht so sehen. In der empirischen Realität moderner Fiat- Kreditgeldsysteme treffen diese althergebrachten Erkenntnisse jedoch beweisbar nicht zu. Durch die analytische Linse der… Read more »

Last edited 29 Tage her by dragaoNordestino
fufu
fufu
Reply to  dragaoNordestino
28 Tage her

Analytische Methode, mag sein, am ehesten nutzlose Uebung, Ablenkung und Vernebelung von den realen Verhaeltnissen und Moeglichkeiten. Dass Bilanzen in der realen Welt bedeutungslos sind scheinen sogar die Anhaenger des Debitismus kapiert zu haben. Aber welcher Erkenntnisgewinn liegt in einer gehypten Theorie die die realen Machtverhaeltnisse nicht wiederspiegelt? Oder will man die Geldzuteilung den Konsumzombies ueberlassen?

Waltomax
Waltomax
29 Tage her

https://www.youtube.com/watch?time_continue=3455&v=9ZzewA7JYhA&feature=emb_logo

HERRSCHAFTSWISSEN

waltomax
waltomax
29 Tage her

Die primitive Ordnung der Hierarchie, die Pyramide, weicht bliebig komplexen Vernetzungen. So wie sie die Natur nutzt.

fufu
fufu
Reply to  waltomax
27 Tage her

Eher ist es wohl so, dass die hierarchische Ordnung sich fraktal nach unten fortsetzt. Am unteren Ende verprügelt dann der Alki seine Kinder und der aus der 4. einen aus der 3. Klasse. Man kann das natürlich auch komplexe Vernetzung nennen.

waltomax
waltomax
Reply to  fufu
26 Tage her

Es gibt auch die Heterarchie (Netzwerke), die eben nicht hierarchisch ist.

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17 Tage her

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