Entwicklungshilfe als Motor der Migration

Armut in Afrika / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/armut-arme-schwarz-afrikaner-509601/ Armut in Afrika / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/armut-arme-schwarz-afrikaner-509601/
 

Es kümmert afrikanische Eliten nicht, wenn ihre Bürger unkontrolliert und chaotisch auswandern. Sie kassieren Entwicklungshilfe und leben in Saus und Braus.

Wohltätigkeit beseitigt nicht die Wurzeln der Armut.
Volker Seitz

Einsichtigen ist klar, dass man die Massenmigration perspektivloser afrikanischer Jugendlicher nur verhindern kann, wenn sie in ihrer Heimat Bildung, sinnvolle Arbeit und anständiges Einkommen finden. Daher rufen viele nach einer Steigerung der Entwicklungshilfe. Doch in der Regel haben die Entwicklungsgelder bisher das Los der Armenmassen nicht gebessert, sondern noch verschlechtert. Das Geld ist stets weitgehend in den privaten Taschen der korrupten Eliten versickert, die kein Interesse an einer Verbesserung der Lebenslage der armen Bevölkerung haben. Die Entwicklungshilfe stabilisiert die Machtverhältnisse und verstärkt die Migrationsursachen.

In einem eindrucksvollen Buch hat Volker Seitz, der insgesamt 17 Jahre als deutscher Botschafter in afrikanischen Ländern gearbeitet hat, auf diese Misere der offiziellen Entwicklungshilfe schonungslos hingewiesen.[1]  In der Einführung schreibt er:„Meine Erfahrungen und Erlebnisse haben zu meiner Einschätzung der Entwicklungsmöglichkeiten Afrikas und der oft unseligen Rolle von Entwicklungshilfe geführt. Entwicklungshilfe wird reichlich gegeben und als gute Tat für die Armen nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil, bei einer Umfrage sagten 71 %, sie befürworteten eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe. Wenn man vor Ort ist, sieht man die Dinge nach kurzer Zeit etwas anders.“ (S. 27)

Ohne Mitwirkung und Eigeninitiative geht nichts

Das Geld wird an zumeist korrupte Regierungen gezahlt, deren Willen es weitgehend überlassen bleibt, was sie damit machen. Das meiste Geld verschwindet in deren privaten Taschen. Und in Gang gesetzte Projekte versanden vielfach im Laufe der Zeit irgendwie. Bei den Armen kommt nichts an. Die zentralen Probleme im Bildungs- und Gesundheitswesen, sowie in der Förderung unternehmerischer Initiativen aus der eigenen Bevölkerung werden nicht angegangen. „Die Entwicklungshilfe, wie wir sie heute kennen, lädt zum Missbrauch ein. Korruption als private Vorteilsnahme auf Kosten des Gemeinwohls ist mir in allen Entwicklungsländern begegnet.“ Das Samariterverhalten des Nordens schwächt oder zerstört die Anreize der Empfänger zu eigenen Anstrengungen. Mit unserem Dauermitleid verstärken wir nur eine Sozialhilfementalität, die in manchen afrikanischen Staaten schon chronisch ist.“  (S. 100, 101)

Und Volker Seitz kommt zu der radikalen Forderung: „Oberstes Ziel darf nicht länger ein Mehr an Entwicklungshilfe sein, das die Kräfte der Selbsthilfe lähmt, sondern so wenig Geld wie irgend möglich, nur so viel wie dringend nötig. Entwicklung, daran habe ich keinen Zweifel, kann nur über die tatkräftige und überzeugte Mitwirkung und Eigeninitiative eines jeden Einzelnen stattfinden.“

Er sieht seine Einschätzung von vielen Afrikanern geteilt. So zitiert er den ugandischen Journalisten Andrew Mwenda, der wegen seiner Regierungskritik schon oft im Gefängnis saß: „Natürlich mögen Helfer hie und da humanitäre Erfolge erzielen, indem sie ein hungerndes Dorf retten und an anderer Stelle sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen, gleichzeitig zerstören sie jedoch den wichtigsten Mechanismus, der langfristig die Armut beseitigen könnte. Die Hilfe untergräbt die Entwicklung eines kompetenten, unbestechlichen und den Interessen der Bevölkerung dienenden Staatsapparates.“ (S.28)

Auch James Shikwati, Gründer einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Kenia, der u.a. auch in Spiegel und FAZ schreibt, übt massiv Kritik an der klassischen Politik der Entwicklungshilfe: „In den Industriestaaten wird immer der Eindruck erweckt, ohne Entwicklungshilfe würde Afrika untergehen. … Dem verheerenden europäischen Drang, Gutes zu tun, lässt sich bisweilen leider nicht mit Vernunft  begegnen. … Wenn die Entwicklungshilfe eingestellt würde, wären die politischen Eliten das erste Opfer, weil ihre Machtstrukturen dadurch gesprengt werden. Die Frage nach einer eigenständigen afrikanischen Lösung wäre dann auf dem Tisch. … Eine Einstellung der Hilfe wird an den Tag bringen, dass die meisten internationalen Agenturen die afrikanische Misere dazu genutzt haben, um Spenden zu sammeln, um sich einen humanitären Anstrich zu geben.“ –

Das illusionäre Gutmenschentum ist also noch in einem viel breiteren Maße zu sehen.Volker Seitz zieht gleich am Anfang ein erstes Fazit der bisherigen Entwicklungshilfe. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hätten Entwicklungsgelder weder dauerhaft für mehr Wachstum gesorgt und den Lebensstandard angehoben, noch das Los der Armen gebessert, eher verschlechtert. Der Abstand zwischen Superreichen und Bettelarmen werde immer größer. Den autoritären Staatsapparat kümmere es nicht, dass es an Trinkwasser mangelt, Stromausfälle an der Tagesordnung und die hygienischen Zustände für die hohe Kindersterblichkeit verantwortlich seien. Für sich selber haben sie gesorgt. Selbst wenn Entwicklungsgelder zweckgebunden ausgegeben werden müssten, fänden sie per Umweg doch den Weg in die falschen Kassen.

Auswanderung als Ventil

Wenn Ausländer Krankenhäuser, Schulen und Straßen bauen, muss es ja die Regierung nicht tun und kann das Geld stattdessen für Luxusgüter ausgeben. Die afrikanischen Eliten seien Weltmeister im Champagnertrinken, ihre Autokorsos zeichneten sich durch eine erstaunliche Mercedes-Benz-Dichte aus. Die Leute würden diesen Typus von Führern gerne „vom Stamme Wa Benzi“ nennen. „Die meisten Verantwortlichen haben Luxusvillen in zahlreichen Ländern. Es gibt Staatschefs, die in einer Woche New York für sich und ihre Entourage schon mal das Jahresgehalt eines europäischen Regierungschefs ausgeben. Erheben Medien tatsächlich einmal entsprechende Vorwürfe, meinen sie, sie mit dem Totschlagargument ´Das ist Rassismus` entkräften zu können.“ (S. 29)

Bei einer ehrlichen Bestandsaufnahme stelle man fest, schreibt Volker Seitz, dass das Gros der Hilfe unter der Sonne Afrikas verdunstet ist. Mangels guter Regierungsführung, d.h. mangels Transparenz, Verantwortlichkeit, Effizienz, demokratischer Teilhabe an den Entscheidungen und vor allem mangels Rechtsstaatlichkeit, „haben die meisten Länder Afrikas auch nach fast 60 Jahren Unabhängigkeit den Kampf gegen Armut und Korruption und die Überwindung ihres Stillstands nicht angepackt. Es gibt unverändert unglaubliche Armut und Not. Gleichzeitig nimmt das Vermögen der Oberschicht oft märchenhafte Dimensionen an. Wir stehen als Betrachter vor einem teuren Scherbenhaufen, doch niemand muss sich dafür rechtfertigen, wie wenig die hohen Ausgaben letztlich bringen.“ (S. 30)

Seitz diagnostiziert, es kümmere die afrikanischen Eliten nicht, wenn ihre Staatsbürger zu Zehntausenden unkontrolliert und chaotisch auswandern und sich anderen Ländern zuwenden, in denen sie ein besseres Leben als in der Heimat zu finden hoffen. Wenn es verantwortungsbewusste Regierungen wären, müssten sie ihre Landsleute auffordern, im Lande zu bleiben, und ihnen die Verbesserung der Verhältnisse in Aussicht stellen. Doch nichts dergleichen geschehe. Im Gegenteil forderten einige afrikanische Regierungen ein Recht auf Migration.

Wenn ich mich recht erinnere, hat kein afrikanischer Staat gegen den UN-Migrationspakt gestimmt, der ein Recht auf Migration und überall offene, ungehinderte Migrationswege postuliert. Für die afrikanischen autoritären Regime ist Auswanderung offensichtlich kein Alarmzeichen, sondern ein Ventil. „Sie werden die unzufriedenen jungen Bürger los, die bereits in großer Zahl die afrikanischen Zentren bevölkern und keine Chance haben, dort einen Arbeitsplatz zu finden. Mit dem Export der Arbeitslosigkeit sinkt die Dringlichkeit eigener Entwicklungsanstrengungen.“ (S. 30)

„Die Flüchtlingstragödien von Lampedusa erinnern daran, dass die afrikanischen Diktatoren die Not ihrer eigenen Bevölkerung gleichgültig lässt. Kein Wort auf der offiziellen Homepage der Afrikanischen Union. Das ist aber auch verständlich, denn ´sonst müsste sich Afrika schmerzhafte Fragen über seine Gesellschaften und Führer stellen`.“ (´Business Day`, Johannesburg)

Die Migranten wüssten, wie gefährlich die Überfahrt ist. In vielen Familien und Clans gebe es jemanden, der versucht hat, mit dem Boot sein Glück in Europa zu finden, was ihm ja auch zumeist nur dadurch möglich wird, dass Familienangehörige, der Clan, das Dorf, zusammenlegen, um die Überfahrt zu finanzieren. „Daher wissen die Menschen, worauf sie sich einlassen. Wem es nicht gelingt, der hat den Makel, dass er zu jenen gehört, die es nicht geschafft haben. Denn sie sollten dort arbeiten und Geld schicken. Der afrikanische Kontinent ist die einzige Weltregion, in der die absolute Zahl der Armen weiter steigt. Wenn man sich die Bevölkerungsentwicklung anschaut, wenn man dazu wirtschaftliche und politische Fakten berücksichtigt, dann sollte jedem klar werden, dass die Leute auch in Zukunft kommen werden.“ (S. 139)

Hinzu kommt, dass viele der bildungshungrigen und ausbildungsbereiten Jugendlichen, die ihre Lebenschancen suchen, keine Möglichkeiten dazu in ihren Heimatländern finden und sie daher verlassen und nach der Qualifizierungsphase im Ausland häufig nicht zurückkehren. „Afrikanische Regierungen haben kein Interesse an ihnen. Offenbar sind Lernfähigkeit, Dynamik und Innovation nicht immer erwünscht, schon gar nicht wenn korrupte Eliten ihre Besitzstände vor dem Neuen und vor der Konkurrenz im eigenen Lande schützen wollen. Afrikanische Studenten haben große Probleme, in ihren Heimatländern unterzukommen, und versuchen in Europa oder den USA eine Anstellung zu finden.“

Fein ausbalanciertes System der gegenseitigen Vorteilsgewährung

Auch verlöre Afrika Jahr für Jahr tausend von Hochschullehrern, Ärzten, Ingenieuren und Intellektuellen, weil sie in ihren Heimatländern an ihrer beruflichen Entfaltung gehindert werden und weil ihnen Europa und die USA bessere Arbeitsbedingungen und lukrative Stellen böten. „In weniger als zwei Jahrzehnten hat Afrika ein Drittel seiner Wissenschaftler verloren. Allein etwa 20.000 Ärzte und Pflegekräfte verlassen pro Jahr Subsahara-Afrika. … Der Mangel an qualifizierten Wissenschaftlern, etwa an afrikanischen Universitäten oder in Unternehmen, wird immer gravierender. … Es darf nicht sein, dass auf den britischen Inseln mehr Ärzte und Krankenschwestern aus Ghana tätig sind als in Ghana selbst.“ (S. 137, 138)

Der Verlust von Wissenschaftlern, Ingenieuren, Ärzten (jeder vierte afrikanische Arzt arbeite im Ausland) hat verheerende Folgen für die Wirtschaft sowie das Bildungs- und Gesundheitssystem, von denen gerade die Überwindung von Not und Elend ausgehen muss. „Die Auswanderer schicken zwar viel Geld nach Hause. Eine auf Überweisung dieser Art spezialisierte Firma wie Western Union boomt seit einigen Jahren. Dies ist aber das Gegenteil von Entwicklungshilfe. Für eine Entwicklung aus eigener Kraft ist es unbedingt erforderlich, dass die gut Ausgebildeten in der Heimat leben wollen. (…) Es wäre sinnvoll, die Zuwanderung von Fachkräften aus Entwicklungsländern zu begrenzen und stattdessen dafür zu sorgen, dass sie in ihren Heimatländern arbeiten können.“

Die deutsche Entwicklungshilfe für Afrika wird von Staat zu Staat organisiert und geht immer, so schreibt Volker Seitz, von den beiden Prämissen aus, dass wir in die Souveränität der armen Länder nicht eingreifen dürften und dass ihre Eliten selbst daran interessiert seien, das Leben ihrer Bürger zu verbessern. Doch das funktioniert nicht und hat mit der Realität nichts zu tun. Die Hilfe fließt in Regierungsstrukturen, die nicht auf Wachstum und Zukunft, sondern allein auf Machterhalt und Selbstbereicherung der Potentaten ausgerichtet sind. Mit der Entwicklungshilfe wird nichts entwickelt, sondern die politischen Herrschaftsverhältnisse über die arm bleibenden Völker werden mit ihrer Hilfe zementiert. Die Eliten haben letztlich auch gar kein Interesse daran, dass die Armut der Bevölkerung überwunden wird, da dann der Strom der Entwicklungsgelder in ihren Taschen versiegen würde.

„In Ländern, in denen ich gearbeitet habe, zahlten die Geber (-Staaten) nicht selten eine ´Motivationsprämie`, damit die zuständigen Beamten ihre Arbeit machten. In allen mir bekannten Staaten gibt es ein fein ausbalanciertes System der gegenseitigen Vorteilsgewährung.“ Das „Gift der guten Gaben“ bewirke das Gegenteil von Entwicklung, weil in den Regierungen keine Verpflichtung empfunden werde, die Vereinbarungen einzuhalten. „Wir hoffen auch bei Regimen, die bereits seit zwei oder drei Jahrzehnten an der Macht sind, immer noch auf das Gute im Menschen.

Politische Macht, der keine Kontrolle gegenübersteht, entartet immer: Weder wirtschaftliche noch soziale Entwicklung kann importiert werden. Wer dies trotzdem, nach über fünf Jahrzehnten Entwicklungshilfe weiter vertritt, ist bestenfalls naiv.“ (S. 41)

Ein ehemaliger französischer Botschafter in Togo berichtete Volker Seitz, dass zu der Zeit, als die Geberländer ihre Hilfe für Togo eingestellt hatten, die Korruption im Lande erheblich zurückgegangen sei. Denn es gab nichts Nennenswertes mehr zu verteilen, und das Regime habe plötzlich darauf achten müssen, dass die wenigen Mittel nicht in großem Stil veruntreut wurden.

„Wie kein anderes Land belegt Tansania das Scheitern der Entwicklungshilfe. Das Land hat an Ressourcen alles, was man braucht, um glücklich zu sein, und nichts von dem, was normalerweise als Ausrede herhält, warum es doch nicht geklappt hat. (Es gab) keinen Unabhängigkeitskrieg, keinen despotischen Alleinherrscher, keine Militärdiktatur, keinen Putsch, keinen Tribalismus (Stammes-Konflikte), keine religiösen Auseinandersetzungen, Zugang zum Meer, keine Dürre- oder Flutkatastrophen, keine überbordende Kriminalität, keinen schädlichen Öl- oder Kupferreichtum, aber genügend vielfältige Rohstoffe.
Trotz dieser guten Ausgangslage und der Tatsache, dass Tansania seit der Unabhängigkeit der Liebling der Geber ist, bleibt es eines der zehn ärmsten Länder der Welt.“
(S. 42, 43)

Die Staaten Afrikas werden seit der Unabhängigkeit von Oligarchien regiert, die den Reichtum des Landes ungestört unter sich aufteilen. „Die Chefs kümmern sich vorrangig um Details des Protokolls. Die Rituale um Präsidenten erinnern an Höfe der Feudalzeit. Die Höflinge (aus den eigenen Sippen und Clans rekrutiert) denken nicht an die Zukunft des Landes, sondern setzen alle Energien daran, dem Chef zu schmeicheln, Titel zu ergattern und Kabinettsposten zu übernehmen, die wenig Arbeit machen, aber viele Möglichkeiten bieten, an Staatsgelder zu kommen. (…) Der Autokrat regiert nicht, sondern herrscht im vordemokratischen Häuptlingsstil.“ (S. 89, 90)

Im Kongo und in Kamerun hat die Regierung je 65 Minister, in Uganda 70, in Ghana 75 und 94 Minister erfreuen sich in Kenia der Gunst des Präsidenten. „Der Präsident von Kenia erwartet Entwicklungshilfe und genehmigt sich gleichzeitig ein Jahresgehalt von 427.900 US-Dollar. In Nigeria bekommt ein Senator jährlich sogar 1 Million Dollar. (Zum Vergleich: der US- Präsident verdient 400.000 Dollar.) Libreville, die Hauptstadt von Gabun, leistet sich einen Bürgermeister, der monatlich etwa 30.500 Euro bekommt (zum Vergleich: sein Kollege in Berlin verdient 12.500 Euro), während viele der 700.000 Einwohner ohne fließendes Wasser, Abwasserbeseitigung und regelmäßige Stromversorgung auskommen müssen. (S. 98)

Gierige Herrscher

In der offiziellen Entwicklungshilfe steht das „Ownership-Prinzip“ (Eigenverantwortung) im Vordergrund und wird zu Lasten von projektorientierter Hilfe bevorzugt. „Aber wer die Leute in Afrika zum Lachen bringen will, muss nur von African Ownership sprechen. Ja, ja, Ownership gebe es schon, aber die sei vorrangig ´private` und weniger ´African`. Wir sollten das Gelächter der Armen in Afrika nicht länger überhören. Jeder wisse doch, dass das Chefpersonal über Dutzende von feinsten Immobilien in Europa, Kanada, USA, Honkong und sogar Brasilien verfüge. Im teuersten Viertel von Paris heißt die Avenue Foch im afrikanischen Volksmund auch ´Avenue des dictateurs` (Straße der Diktatoren).
Auch in London erfreuen sich Luxusimmobilien unter reichen Afrikanern aus Nigeria, Ghana, Gabun, Kamerun, dem Senegal und der Demokratischen Republik Kongo in den Traditionsbezirken Westminster, Kensington und Chelsea besonders großer Beliebtheit. So wurde laut Immobilienmakler Engel & Völkers im Herbst 2014 eine Penthouse-Wohnung am Hyde Park für etwa 162 Millionen Euro an einen ungenannten Afrikaner vermittelt.“ (S. 96)
Würdenträger in Nigeria sollen seit der Unabhängigkeit (1960) die unvorstellbare Summe von nahezu 500 Milliarden US-Dollar unterschlagen haben. Korruptionsfahnder fordern in zwei Fällen 139 bzw. 584 Milliarden US-Dollar von ehemaligen Präsidenten zurück, die nicht namentlich genannt werden.“

Trotzdem sind amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, westliche Politiker und die UNO der Ansicht, dass Afrika mehr Geld brauche. Volker Seitz bleibt da nur die Ironie: „Die Internationale Konferenz ´Solidarität und Globalisierung: innovative Finanzierungsquellen für die Entwicklung und gegen Pandemien` in Paris im Frühjahr 2006 war eine gute Gelegenheit für den damaligen französischen Präsidenten Jacques Chirac, den ehemaligen UNO-Generalskretär Kofi Anan und den damaligen Präsidenten der Afrikanischen Union Denis Sasso Nguesso, neue Mittel für die Armen in Afrika zu fordern. Nguesso hatte, wie bekannt geworden, gerade für eine Woche in einem Hotel in New York 280.000 Dollar ausgegeben. Ein Leichtes für einen Präsidenten (der Volksrepublik Kongo), der, wie französische Medien im Februar 2009 berichteten – in Frankreich 18 Anwesen und 112 Bankkonten benötigt. Die UNO verlangt 50 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Armut und fordert ´innovative Finanzierungsinstrumente`. Eine Geldquelle soll die Einführung einer gesonderten Flugsteuer sein. Da der Aufschlag zugunsten der Ärmsten erhoben werden soll, wird die Zustimmung in der Bevölkerung sicherlich groß sein.“ (S. 77)

 

 

[1] Volker Seitz: Afrika wird armregiert, aktualisierte und erweiterte Neuausgabe München 2018

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Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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hubi stendahl
hubi stendahl
11 Monate her

“Trotzdem sind amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, westliche Politiker und die UNO der Ansicht, dass Afrika mehr Geld brauche.” Wenn wir begriffen haben, dass es gar nicht um Entwicklungshilfe im Sinne von Land- und Baumaschinen, Bildung, Know-How und Infrastruktur geht, sondern um ein Vehikel als Werkzeug für die afrikanische Variante von Bakschisch für beide Partner, dann begreifen wir auch den Zweck des Aufrufs der UNO. Die Entwicklungshilfe war nie etwas anderes, als das Feigenblatt von Plünderern hüben wie drüben, die ein Geschäft mit fremdem Geld machen. Im vorliegenden Fall zahlt der Steuerzahler des Westens die Entwicklungshilfe und der riesige afrikanische Hofstaat des jeweiligen… Read more »

Argonautiker
Argonautiker
11 Monate her

Bin früher auch selbst öfter in Afrika gewesen, und mich hatte der Reflex, vieler Afrikaner extrem genervt, den sie gegenüber einem weißen Mann fast wie automatisch an den Tag legen. Die offene Hand, die gefüllt werden will, wird einem viel zu oft wie selbstverständlich hingehalten. Brother. Ich habe mich dann immer gefragt, wo deren eigenständige Haltung geblieben ist? Allerdings muss man sagen, daß Afrika eine recht zweischneidige Angelegenheit ist, denn einerseits ist es zwar so, daß Afrikas eigenes Rückgrad gebrochen wurde, andererseits waren sehr viele der Kolonialisten mit ihrer Land- und Sklavennahme daran eben nicht ganz unbeteiligt. Wiederum Andererseits, hat… Read more »

hubi stendahl
hubi stendahl
Reply to  Argonautiker
11 Monate her

Hallo Argonautiker, Frankreich setzt den Kolonialismus ja mit anderen Mitteln aber denselben Protagonisten fort. Was übrigens auch für die Briten gilt. Beide Staaten wären ohne diese Aktivitäten längst in der weltpolitischen Versenkung verschwunden. Nach meiner Einschätzung ist das größte Problem aber das kontinentale politische System Afrikas, aus dem es sich bis heute nicht lösen konnte, weil die dortigen Eliten als Wurmfortsatz westlicher Konzerne und damit Staaten agieren und eine vergleichbare Entwicklung bis zur Aufklärung nie stattgefunden hat. Das ist aber nicht auf die Versklavung zurückzuführen, wie unsere Gutmenschen glauben, sondern vor allem auf den für einen entwickelten Industriestaat notwendigen Intelligenzgrad,… Read more »

Argonautiker
Argonautiker
Reply to  hubi stendahl
11 Monate her

@hubi stendahl “DAZU MÜSSTEN STATT GELD DAS WIEDER ZURÜCKFLIEßT, zunächst Bildung für die Afrikaner kostenlos zur Verfügung gestellt werden,…” Im Prinzip passt das sogar nicht nur auf Afrika, sondern auf die ganze Welt. Geld hat seit einiger Zeit nicht mehr die Hauptfunktion den Handel zu vereinfachen, sondern es hat die Funktion die Handelnden zu kontrollieren und zu versklaven, denn jegliche Investition, dessen Geld zuvor nicht durch die Realwirtschaft erwirtschaftet wurde, sondern aus dem Nichts erzeugt wurde, tut nichts anderes, als über die Zinsnahme die Leistung der Realwirtschafter exponential zu den Irealwirtschaftlern der Finanzindustrie zu ziehen. Dies wird so lange geschehen… Read more »

Evi Dent
Evi Dent
Reply to  hubi stendahl
11 Monate her

Beim Durchlesen der Beiträge kam es mir stellenweise so vor, als ob Hubi Stendahl und Argonautiker selber den von ihnen geschmähten Gutmenschen angehören. Zugegeben, ich war nie in Afrika, wenigstens nicht auf dem afrikanischen Festland. Mein Wissen über diesen Kontinent ist also beschränkt auf “Daktari”, “Hatari” und die üblichen Nachrichten aus Haupt- und Nebenstrom. Im merkelschen Inklusions – “Wir” verhaftet steckt eine gehörige Portion Schizophrenie, wonach die Europäer helfende Hände ausstrecken und angefüllte Konten leeren sollen um Kolonialschuld zu sühnen. Da sind deutsche Vorreiter wieder mal auserkoren, obwohl deren Vorfahren bei der Kolonisierung hinter Briten und Franzosern hergeritten waren, vergleichsweise… Read more »

hubi stendahl
hubi stendahl
Reply to  Evi Dent
11 Monate her

“Entwicklungshilfe ist eine Ablasszahlung. Die Geber schlafen etwas ruhiger und die Nehmer bekommen immer wieder Nachschlag.” Das ist zu einfach. Entwicklungshilfe ist in erster Linie ein Konjunkturprogramm für den Initiator: Hier die Ereigniskette: Sie drucken hundert Milliarden Euro und verteilen sie über Afrika. Die Mittel sind IMMER an Leistungen gebunden: Kauf von Produkten für Industrie, Handel und Landwirtschaft oder Dienstleistung (beim Initiator). Ein kleiner Teil geht in interne Infrastruktur. Von den hundert Milliarden fließen so 90 % wieder an die Konzerne zurück, bzw. verlassen den europäischen Kontinent nicht einmal. Ein paar Prozent bleiben hüben wie drüben als Bakschisch hängen. Es… Read more »

Charly
Charly
Reply to  hubi stendahl
11 Monate her

In den letzten Zehn Jahren hat der Afrikanisch Kontinent $ 4.100 Milliarden Entwicklungshilfe
erhalten wer glaubt mit Geldzahlungen die Invasion Europas zu stoppen ist unheilbar krank wie
die Politdarsteller.

Rosi
Rosi
11 Monate her

Den ganzen Mist um die sogenannte “Entwicklungshilfe” kann ich wirklich nicht mehr hören, zumal die Gelder ja sowieso nicht dort ankommen, wo sie angeblich hin sollten (siehe Kommentar @hubi stendahl). Das ist genauso bescheuert wie die elendigen “Patenschaften” für Kinder, am besten farbige und möglichst weit weg. Warum keine Patenschaft für ein deutsches Kind? Warum soll unser Geld in andere Länder fließen, wenn bei uns in Deutschland 1,6 Millionen Kinder in Armut leben und 29.000 Kinder/Jugendliche obdachlos sind und auf der Straße “leben”? Sollten wir nicht zuerst einmal vor unseren eigenen Türen kehren? Mich machen diese Entwicklungshilfe-Heucheleien-Geldverschieberei-Betrügereien echt wütend! Und… Read more »

dragaoNordestino
Reply to  Rosi
11 Monate her

@Rosi …. Warum lässt man diese Länder wie Afrika nicht einfach in Ruhe?

Weil natürlich alle deren Ressourcenreichtum (Öl, Gas, Mineralien, Kaffee, Kakao unsw.) wollen und sich diese, zu möglichst tiefen Koste abholen / rauben möchten.

Ausserdem möchte man auch noch viel 3.klassiges (Geflügelüberreste, Altkleider unsw.) nach Afrika verkaufen….

Gründe genug, um dort dauernd für Unruhe zu sorgen. Übrigens sollten Sie nicht, @stendahls rassistisches Geschwätz unterstützen.

Rosi
Rosi
Reply to  dragaoNordestino
11 Monate her

@dragaoNordestino

“Übrigens sollten Sie nicht, @stendahls rassistisches Geschwätz unterstützen.”

Ziemliche Anmaßung, die Sie da äußern. Sie mögen sich selbst erst einmal an die eigene Nase packen, bevor Sie einen Mitmenschen bevormunden wollen. Da beißen Sie bei mir auf Granit, Herr Drache. Und dass Sie die äußerst informativen und auch häufig weitsichtigen Kommentare von €hubi stendahl als rassistisches Geschwätz abtun, zeigt wieder einmal nur, wie kleingeistig und beschränkt Sie in Ihren Überlegungen sind. Befreien Sie Ihr Inneres von Missgunst, Neid und Enttäuschungen, dann kann der Geist besser in alle Richtungen wirken und neue Erkenntnisse bringen.

dragaoNordestino
Reply to  Rosi
11 Monate her

@Rosi …. Befreien Sie Ihr Inneres von Missgunst, Neid und Enttäuschungen, dann kann der Geist besser in alle Richtungen wirken und neue Erkenntnisse bringen.

Dem kleingeistigen nationalkonservativen Echoraum der neuen Rechten (Hmmmm… hben wir ja schon mal gehebt), möchte ich eher nicht beitreten.

Leute die glauben, mit Diffamierung, Disskrimination und Rassismus lasse sich etwas anderes, als Mord und Raub verwirklichen, haben nach all den Erfahrungen die die Menschheit auf diesem Planeten machen mussten, eine Schraube locker……

In diesem Sinne

hubi stendahl
hubi stendahl
Reply to  dragaoNordestino
11 Monate her

dragao “Übrigens sollten Sie nicht, @stendahls rassistisches Geschwätz unterstützen.” Bisher hielt ich es für möglich, dass die geistige Degeneration der Menschen mit dem Trinkwasser in Korrelation stehen könnte. Mittlerweile können wir aber wohl annehmen, dass ein ganzes Paket von künstlich inszenierten Umwelteinflüssen, die das negative Verhalten und das Entstehen ganzer Herden Teppich fliegender Schafe begünstigt, dieses Phänomen auslöst. Tipp 1) Prüfen Sie Ihre Getränke! TIPP 2) Machen Sie Ihr Handy aus, wenn Sie es nicht brauchen und prüfen Sie in Ihrer Umgebung, ob sich ein Veteilermast mit hochfrequenter Strahlung in der Nähe befindet. Hierzu den folgenden Artikel aufmerksam lesen: https://www.epochtimes.de/gesundheit/bundesamt-fuer-strahlenschutz-bestaetigt-schwerwiegenden-verdacht-der-schaedigung-durch-mobilfunkstrahlung-a3094361.html?utm_source=Meistgelesen&utm_medium=InternalLink&utm_campaign=ETD… Read more »

Hans
Hans
11 Monate her

Man muss sich nur einmal die Geschichte der barbarischen Ausbeutung afrikanischer Kolonien durch den Raubstaat England und Frankreich verinnerlichen. Vergleicht man dann noch die Loyalität der Einheimischen gegenüber den deutschen “Kolonolialherren”, gegen die Angst vor den sog. “Befreiern” insbesondere aus England, bleiben eigentlich keine Fragen mehr offen. Besonders England hat sich in seinen Kolonien aufgeführt wie der letzte Dreck, kriminell, unmenschlich – eigentlich gibt es dafür keine adäquate Ausdrucksform. Man denke nur daran, dass von den Engländern rein aus Mordlust Einheimische wie Vieh gejagt und getötet wurden. Diese allierten Großmächte waren es auch, die willkürlich Grenzen in Afrika gezogen haben,… Read more »

vier
vier
11 Monate her

https://www.nzz.ch/wirtschaft/wirtschaftspolitik/angus-deaton-im-interview-das-ist-nichts-anderes-als-kolonialismus-ld.89298 Auszug aus Interview mit Wirtschaftsnobelpreisträger Angus Deaton in nzz.ch 16.06.2016: …. Professor Deaton, Sie haben im Lauf der Jahre eine zusehends kritischere Haltung zur Entwicklungshilfe eingenommen. Gab es dafür einen Auslöser? Ich arbeitete während der Reagan-Ära kurzzeitig für die Weltbank. Die US-Regierung machte damals der Weltbank das Leben schwer und wollte von ihr wissen, was sie Gutes für die Welt tue. Also kamen alle Ökonomen der Organisation zusammen und verfassten eine gemeinsame Studie. Der Erfolgsausweis war schrecklich! Danach setzte ich mich vertieft mit dem Thema auseinander. … “Entwicklungshilfe schadet Menschen? Ja, sehr oft. Zu sagen, die Moral verlange nach… Read more »