Der verdrängte Tod

Friedhof / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/herbst-friedhof-kreuz-tod-verfall-2182010/ Friedhof / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/herbst-friedhof-kreuz-tod-verfall-2182010/
 

Nur noch 35 Prozent der Deutschen glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. 37 Prozent glauben nicht daran. Wie leer oder erfüllt ist das Toten-Gedenken am Totensonntag?

„Die Kultur eines Volkes erkennt man daran,
wie es mit seinen Toten umgeht.“
                                   Perikles, 493-429 v. Chr.

Ob sich die Existenz des Menschen nach dem Tode fortsetzt, ist die zentrale Frage jedes denkenden Menschen. Doch wie viel denkende Menschen gibt es noch, die diese entscheidende Lebensfrage nicht verdrängen? – Wie leer oder erfüllt sind die Toten-Gedenktage im November, wenn nach einer Statistik von 2017 in Deutschland nur noch 35 % an ein Weiterleben nach dem Tode glauben? 37 % glauben nicht daran, und 26 % sind unentschieden.1 Sind unsere Verstorbenen geistig lebendig; stehen sie mit uns in Verbindung und bilden mit uns eine höhere Gemeinschaft, die aber wegen unsrer materialistischen Beschränktheit nicht fruchtbar werden kann?

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch schrieb noch 1945 unter dem Eindruck der 60 bis 70 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges ein Drama mit dem Titel „Nun singen sie wieder“, in dem er eine Gruppe erschossener Geiseln, die singend in den Tod gegangen waren, wieder als handelnde Personen auftreten lässt. Singend versuchen sie sich wieder bei den Lebenden bemerkbar zu machen und „sie dazu zu bringen, ein anderes Leben zu führen und sich miteinander zu versöhnen. Doch die Lebenden sehen den einzigen Trost darin, alles wieder aufzubauen wie zuvor und die Verstorbenen zu rächen.“ (Wikipedia)

Max Frisch geht davon aus, dass die Verstorbenen nach dem Tode eine höhere Lebensperspektive gewinnen, aus der sie nun das Leben auf der Erde betrachten und die Lebenden helfend beraten wollen. Doch diese können die Verstorbenen nicht wahrnehmen, sind völlig von ihnen und ihrer Welt abgeschnitten und verharren im Sumpf ihrer irdischen Leidenschaften und Beschränkungen, so dass es keinen Fortschritt gibt. Das ist die furchtbare Tragik.

Veränderung des Bewusstseins

Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, umso selbstverständlicher ist für die Menschen die Existenz der Verstorbenen in einer unmittelbar angrenzenden geistigen Welt höherer Wesen, deren Anwesenheit geahnt, empfunden, ja hellsichtig wahrgenommen wurde. Diese instinktive Verbundenheit ging ganz offensichtlich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung immer mehr zurück. Nur in den Mysterien wurde sie für wenige Auserwählte durch eine strenge Einweihungsschulung bewahrt und zu besonderer Höhe und Klarheit gesteigert. Noch bis ins Mittelalter hinein erlebten viele Menschen mehr oder weniger traumhaft die reale Nähe der mit ihnen verbundenen toten Menschen. Doch seit Beginn der Neuzeit ist das Bewusstsein der Menschen im Allgemeinen völlig auf die Wahrnehmung der sinnlich-materiellen Welt reduziert.

Die Tatsache, dass sie keine körperlosen geistigen Wesen und Menschen wahrnehmen können, verleitet viele Menschen zu dem naiven, ahistorischen Schluss, also gebe es nichts Übersinnlich-Geistiges. Und zu der eigenen intellektuellen Beschränktheit gesellt sich der Hochmut, die Menschen seien früher noch in einem primitiven Aberglauben befangen gewesen. Sie merken nicht, dass sie es selbst sind, die sich in einem Aberglauben befinden. Denn die Tatsache, dass die Menschen aller früheren Kulturen übereinstimmend höhere Wesen und Verstorbene erlebt und wahrgenommen haben, führt zu dem einzig logischen Schluss, dass sich folglich bis heute Wahrnehmung und Erkenntnis der Menschen verändert haben – ohne ihr Zutun, wie durch höhere pädagogische Lenkung.

Erst jetzt ist der Mensch in seinem Bewusstsein völlig von den übersinnlichen Welten getrennt, sozusagen vollends aus dem Paradies vertrieben. Denn nur dadurch kann er zur Freiheit kommen. Solange noch Einflüsse aus einer höheren Welt ungefragt in sein Bewusstsein fließen und ihn so beeinflussen und bestimmen, ist er nicht frei. Und die bisher vergangenen fünfhundert Jahre der Neuzeit zeigen in allen Lebensgebieten eine intensive Entwicklung des abendländischen Menschen zur individuellen Freiheit. Doch mit der eroberten Freiheit muss er wieder aus eigenem Willen die Verbindung zu den höheren Welten suchen, aus denen er stammt. Denn ohne deren Entwicklungsintentionen zu erkennen, driftet er immer mehr in Chaos und Zerstörung, wie die grauenvollen Kriege und sozialen Zustände der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart offenbar machen.

Die Fähigkeit, Verstorbene und höhere Wesen wahrzunehmen, ist aber nicht nur eine Sache weit zurückliegender Zeiten. Die Menschheit entwickelt sich nicht gleichmäßig in einer Linie. Was die abendländische weiße Menschheit hinter sich gelassen hat, wurde und wird in farbigen Völkern vielfach erst noch in der unmittelbaren Vergangenheit und Gegenwart durchgemacht. Oder sie befinden sich in einem langsamen schmerzhaften Übergangstadium.

Eine eindrucksvolle authentische Schilderung der Bewusstseinsverfassung seines eigenen Volksstammes gibt der Schwarzafrikaner Malidoma Patrice Somé in seinem Buch „Vom Geist Afrikas“, das auch zum Verständnis der Mentalität der Schwarzafrikaner sehr aufschlussreich ist.

Zwischen zwei Welten

 Er wurde 1956 im Volksstamm der Dagara in der westafrikanischen französischen Kolonie Obervolta, dem heutigen Burkina Faso, geboren. Im Alter von vier Jahren wurde er von einem mit seinem Vater befreundeten französischen Jesuiten-Missionar gekidnappt und fünfzehn Jahre in einem Internat, weit weg von seiner Familie, aufgezogen und in den Fächern „des weißen Mannes“, in Geschichte, Geographie, Anatomie, Mathematik und Literatur unterrichtet. „Zusammen mit diesen Fächern wurde mir eine gute Dosis Christentum verabreicht, mit seinem leidenschaftlich zornigen Gott, der jeden Gläubigen zwingt, in dauernder Furcht vor ihm zu leben.“

Im Alter von zwanzig riss er aus und kehrte zu seinem Volk zurück, musste aber feststellen, dass er mit seinem jetzigen intellektuellen Bewusstsein nicht mehr in die instinktiv geistige Naturverbundenheit der Stammesgemeinschaft passte. Um wieder in sein Volk aufgenommen zu werden, machte er zusammen mit den 13-14-jährigen Jungens die wochenlangen Initiationsriten durch, die dazu führten, dass sie auf verschiedene Weise übersinnliche Erfahrungen außerhalb ihres physischen Leibes machten. Doch als er zweiundzwanzig war, forderten ihn die Ältesten des Stammes auf, in die Welt des weißen Mannes zurückzukehren und als Vermittler und Brücke zwischen beiden Kulturformen zu wirken.

Er studierte vier Jahre an einer von französischen Kolonialbeamten errichteten Hochschule des Landes und erwarb einen Magister in Soziologie, Literatur und Sprachwissenschaft sowie eine Promotion in Weltliteratur. Er erhielt ein Stipendium an der Sorbonne in Paris, wo er ein Diplom in Politikwissenschaft erwarb, ging dann noch in die USA und schloss an der Brandeis-Universität in Waltham/Boston ein weiteres Literaturstudium mit dem Dr. phil. ab. Er lebt jetzt in Amerika und gibt dort Kurse in afrikanischer Spiritualität. Doch einmal im Jahr kehrt er für Wochen zu seinem Volk zurück, um seine Ältesten zu Hause sehen. „Nicht um sie zu besuchen, sondern um gereinigt zu werden. Nach mehreren Jahren dieser Praxis habe ich begriffen, dass ein Aufenthalt im Westen fast so ist, wie wenn man sich in hochradioaktiver Umgebung befände. Ohne diese periodische Reinigung könnte ich nicht leben.“

Die spirituelle Lebensauffassung der Dagara

Malidoma Somé hat noch eine einigermaßen intakte Stammeskultur erlebt, die sich aber auch inlangsamer Auflösung befindet. Die Welt des Übernatürlichen, Übersinnlichen, die alles Physische umgibt und durchdringt, ist für die Dagara so selbstverständlich, dass sie in ihrer Sprache gar kein Wort dafür besitzen. „Am nächsten kommt diesem Begriff noch unser Wort ´Yielbongura`, ´das Ding, das vom Wissen nicht gegessen werden kann`. Das Wort besagt, dass Leben und Kraft bestimmter Dinge auf ihrem Widerstand gegen das kategorische Wissen beruhen, das die Menschen heute allem überstülpen.“

Es entzieht sich also dem intellektuellen Verstandesdenken, das ja auch nur Begriffe der sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeit bildet und zur Verfügung hat.

„In der Realität des Westens existiert eine deutliche Kluft zwischen dem geistigen und dem materiellen, dem religiösen und dem profanen Leben. Eine solche Vorstellung ist den Dagara fremd. Für uns ist, wie für viele andere Stammeskulturen auch, das Übernatürliche Bestandteil des Alltags. Für einen Dagara ist das Materielle nur das Form gewordene Spirituelle. Das Profane ist Religion auf niederer Ebene – ein Ort der trägen Ruhe im Vergleich zur Hochspannung des religiösen und spirituellen Lebens. …
In der Dagara-Welt unterscheidet man auch nicht zwischen Realität und Imagination. Für uns besteht die engste Beziehung zwischen Gedanke und Wirklichkeit. Sich etwas vorzustellen, also die Gedanken stark darauf zu konzentrieren, kann dieses Etwas auch ins Dasein rufen. Menschen z.B., die das Dasein pessimistisch betrachten und immer das Schlimmste erwarten, erzeugen diese Realität im allgemeinen auch. Menschen dagegen, die erwarten, dass ihnen die Dinge zum Besten dienen, erleben die Welt meist auch so. Im Reich des Heiligen reicht dieser Zusammenhang sogar noch weiter. Denn was ist Magie anderes als die Fähigkeit, Gedanken und Energien so zu konzentrieren, dass sich Ergebnisse auf der sichtbaren Ebene einstellen? Die Weltanschauung der Dagara ist umfassend. Kann sich jemand etwas vorstellen, so besteht zumindest die Möglichkeit, dass es auch ins Dasein tritt.“
 

Die Realität der Verstorbenen

Ein entscheidendes Element einer harmonischen und gedeihlichen Kultur sieht er in einer lebendigen Beziehung der Lebenden zu den Verstorbenen. Diese stehen in der Welt der körperlosen geistigen Wesen den lebenden Menschen am nächsten und nehmen an ihrem Leben weiter den intensivsten Anteil. Es ist seine feste Überzeugung, dass die Unrast, die den modernen westlichen und verwestlichten Menschen umtreibt, ihre Wurzeln in einer gestörten Beziehung zu den Vorfahren hat. In vielen nichtwestlichen Kulturen stehen die Ahnen mit der Welt der Lebenden „in innigster und absolut lebensnotwendiger Beziehung. Sie halten sich immer bereit, um Rat, Belehrung und Kraft zu geben. Sie bilden einen Weg zwischen dieser Welt und der künftigen. Und am wichtigsten – ja am paradoxesten – ist, dass sie die Richtlinien für ein erfülltes Leben verkörpern – für alles, was wertvoll im Leben ist. Aus einer ungleichgewichtigen Beziehung zwischen den Lebenden und den Toten kann nur Chaos entstehen“ (S. 19-20).

 Den meisten erwachsenen Dagara machen sich die Ahnen im ahnenden Gefühl und in Träumen bemerkbar, während die führenden Ältesten des Stammes durch esoterische Schulungen die Fähigkeit erworben haben, sie bewusst übersinnlich wahrzunehmen und mit ihnen zu kommunizieren; so auch sein bei allen hoch angesehener Großvater.

„Großvater wusste auch, wie man zur Leere spricht, oder besser: zu einem unsichtbaren Geisterpublikum. Bei den Dagara ist es so, dass man, je älter man wird, desto häufiger auf Geister und Vorfahren stößt. Hört man eine Person laut vor sich hinsprechen, redet man sie nicht an, weil sie mit Sicherheit gerade einen wichtigen Fall mit einem Geist oder Ahnen durchspricht. Aber diese Regel bezieht sich mehr auf heilige Älteste als auf Erwachsene im Allgemeinen. Wenn ich mit Großvater zusammen war, hatte ich immer das Gefühl, wir seien von mehr Wesen umgeben, als man zählen könnte. Wenn er merkte, dass ich einmal nicht zuhörte, wandte er sich wieder diesen unsichtbaren Wesen zu. Niemals schien er sich darüber zu ärgern, dass ich ihm nicht zuhörte“ (S. 40)

 Aus der verehrungsvollen Verbindung mit den Ahnen, den Vorfahren, ergibt sich eine große Verehrung der Alten mit ihrer Weisheit, die bald zu den Verstorbenen gehören. Und es ergibt sich daraus eine große Liebe zu den Kindern, in denen vielfach wiedergeborene Ahnen gesehen werden.

„Es gibt eine enge Beziehung zwischen Großvätern und Enkeln. Die ersten Jahre verbringt ein Junge in der Regel nicht mit seinem Vater, sondern mit seinem Großvater. Was Großvater und Enkel verbindet – und daran hat der Vater keinen Anteil -, ist ihre besondere Nähe zum Kosmos. Denn der Großvater wird in kurzem dorthin zurückkehren, woher der Enkel gerade gekommen ist. Daher ist der Enkel der Überbringer von Nachrichten, die den Großvater brennend interessieren. Der Großvater veranlasst den Enkel auf alle Weise, ihm die Nachrichten von den Ahnen zu übermitteln, bevor das Kind sie wieder vergisst, was über kurz oder lang unweigerlich geschieht. Mein Großvater verschaffte sich diese Nachrichten mittels Hypnose. Er versetzte mich in Schlaf und fragte mich aus.
Aber diese Beziehung zum Enkel hat nicht nur für den Großvater Vorteile. Er muss nämlich die erhaltenen Nachrichten seinem Enkel weitergeben und sich dabei an die Regeln halten, die nur für Großväter und Enkel bestimmt sind. Er muss das neue Mitglied der Gemeinschaft mit den schweren Aufgaben vertraut machen, die auf der steinigen Straße des Lebens vor ihm liegen.
Für den Dagara ist jeder Mensch eine ´Inkarnation`, d.h. ein Geist, der einen Körper angenommen hat. Unsere eigentliche Natur ist geistig. Man kommt auf diese Welt, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Eine Geburt ist nichts anderes als die Ankunft von jemandem, normalerweise eines Vorfahren, den jemand anders schon kennt, in dieser Welt, in der er wichtige Aufgaben zu übernehmen hat. Die Ahnen sind die eigentliche Lebensschule. Sie sind Träger der Weisheit, nach der sich die Menschen in dieser Welt richten sollen“ (S. 35-36).

 Als sein Großvater im Sterben lag, sagte dieser zu seinem Vater, der in gewisser Weise sein Sorgenkind war:

„Es ist soweit. Ich lege das Los der Familie in deine Hände. Ich muss jetzt zwar gehen, doch werde ich immer hier sein. Vom Reich der Toten kann ich dir noch besser helfen als bisher. Ich werde sogar zugleich dort und hier sein, denn ich habe kein Fleisch mehr. … Lass mich dir nahe sein und mit dir zusammenwirken. Solltest du einmal nicht mehr weiter wissen, werde ich dir im Traum erscheinen und zu dir sprechen“ (S. 88, 89).

In seiner Initiation hatte Malidoma tiefgehende spirituelle Erfahrungen. So schildert er, dass er sich – wie im Tode – außerhalb seines Leibes befand:

In diesem Moment hatte ich eine Offenbarung. Ich erkannte, dass das Licht, dem wir auf der Straße des Todes begegnen, unser Selbst ist, das sich auf dem Weg zu sich befindet. Ich begriff, dass Licht unser ursprünglicher Zustand ist, aber dass wir Menschen einander helfen müssen, während wir uns auf die Küsten des Lichts zubewegen. Viele Male müssen wir geboren werden und sterben, bis wir zu diesem Licht gelangen. Und zehntausend Jahre sind dabei wie ein Augenblick. Im Licht zu sein, bedeutet zu wissen, dass wir auch andere ins Licht hereinholen müssen. Die erleuchtete Seele kehrt voller Mitleid ins Leben zurück, um anderen Seelen auf deren Lebensreise zu helfen. …
Jetzt war es mir, als sähe ich eine lange Reihe vergangener Leben, beginnend in einer weit zurückliegenden Zeit. Und plötzlich fühlte ich mich mehr ich selbst denn je zuvor. … I
m Dorf gibt es ein Sprichwort: Beim Tod erleidet eine Welt einen Verlust, und eine andere feiert eine Geburt.“ (S. 383, 384, 385)

 Das Sprichwort ist praktisch identisch mit dem Aphorismus des deutschen Romantikers Novalis (1772-1801), der aus der Morgenröte eines neuen spirituellen Denkens schrieb: „Sollte es nicht auch drüben einen Tod geben, dessen Resultat irdische Geburt wäre? Wenn ein Geist stirbt, wird er Mensch. Wenn der Mensch stirbt, wird er Geist.“
                              

Ausblicke

Natürlich kann es zur Überwindung des Materialismus kein Zurück zu der instinktiven Spiritualität alter Stammeskulturen geben, welche die abendländische weiße Menschheit bereits seit Jahrtausenden sukzessive hinter sich gelassen hat – auch für die Afrikaner selbst kann es keinen Weg zurück geben. Denn die Entwicklung zur individuellen Freiheit erfordert das Herauslösen aus der Fremdbestimmung durch die Stammes- und Sippengemeinschaften, sowie den Durchgang durch die völlige Reduktion des Bewusstseins auf die sinnliche Welt. Mit dem so errungenen Ich- und Freiheitsbewusstsein muss aber auf höherer Ebene ein neuer Zugang zu den übersinnlichen Welten und der Sphäre der uns nahe stehenden Verstorbenen gesucht werden, wenn die Entwicklung nicht weiter blind in Chaos und Zerstörung abgleiten soll.

Rudolf Steiner, der einen dem modernen Bewusstsein angepassten Erkenntnisweg in die höheren Welten geltend macht, wies in einem Vortrag auf eine vorbildliche Tat Platos hin, die wieder aufgegriffen werden müsse. Plato hat ja Wesentliches, das er philosophisch darstellen wollte, in Form von Gesprächen des – da schon gestorbenen – Sokrates mit seinen Schülern entwickelt. Nun war Plato, wie er im „Phädon“ selbst andeutet, noch ein Eingeweihter der griechischen Mysterien, in denen die Verbindung mit den Verstorbenen gepflegt wurde. Daher sagt Rudolf Steiner: „Plato knüpft an den toten Sokrates an in seinen Schriften. Das ist nicht nur eine belletristische Einkleidung, sondern das ist mehr. Das ist … die Fortsetzung, der Nachklang dessen, was in den Mysterien gelebt hat, wo die Mysterienschüler hingeführt wurden zum Verkehr mit den Verstorbenen, die von der geistigen Welt weiterregieren die äußere sinnliche Welt.“ 3    

Plato entwickelte also nach Auffassung Rudolf Steiners die Dialoge des Sokrates mit dessen Schülern aus dem unmittelbaren übersinnlichen Kontakt mit dem verstorbenen Sokrates selbst. Diese Idee, sich aus der Verbindung mit verehrten Verstorbenen inspirieren und befruchten zu lassen, müsse wieder aufgegriffen werden.

Malidoma Somé schrieb, dass für die Dagara „die engste Beziehung zwischen Gedanke und Wirklichkeit besteht.“ Das ist so. Wir denken subjektiv den Gedanken, sein Inhalt aber hat eine objektive Beziehung zu dem Gegenstand, den er gedanklich repräsentiert. Wenn wir an einen mit uns verbundenen Verstorbenen denken, ihn uns vorstellen, wird dieser Gedanke von ihm wahrgenommen und empfunden, vor allem wenn er mit warmem, hingebungsvollem Gefühl durchdrungen ist. Und wenn wir in dieser Weise Fragen an ihn richten, können wir nach einer gewissen Zeit in unserem Gedankenleben Antworten von ihm empfangen. Rudolf Steiner weist daraufhin, dass diese Antworten besonders morgens kurz nach dem Aufwachen erlebt werden können. Wir müssen nur lernen, innerhalb unserer Gedanken diejenigen, die von uns selbst gedacht sind, von denen zu unterscheiden, die von dem Verstorbenen stammen, die uns sozusagen  gekommen sind. Das bedarf natürlich einer längeren Übung und inneren Aufmerksamkeitsschulung.

Auch der Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) war ganz von der Notwendigkeit eines Verkehrs mit den Verstorbenen durchdrungen. In einem Gedicht lässt er die Toten die Lebenden daran erinnern, dass sie vielfach das ernten, was von ihnen, den Toten, zeit ihres irdischen Lebens gesät worden ist. Nach ihrem Tode bleiben sie aber Teil der Menschheit und nehmen weiter mit tiefstem Interesse Anteil an den menschlichen Zielen. Doch sie haben sich in der nachtodlichen geistigen Welt zu höheren Gesichtspunkten durchgerungen und gültige geistige Gesetze erkannt, von denen das irdische Leben bestimmt wird. Von dieser Perspektive aus können sie mit helfendem Rat dienen, wenn die Lebenden in der richtigen Weise die Verbindung zu ihnen suchen.

Chor der Toten

Wir Toten, wir Toten sind größere Heere
Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere!
Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten,
Ihr schwinget die Sicheln und schneidet die Saaten,
Und was wir vollendet und was wir begonnen,
Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen,
Und all unser Lieben und Hassen und Hadern,
Das klopft noch dort oben in sterblichen Adern,
Und was wir an gültigen Sätzen gefunden,
Dran bleibt aller irdische Wandel gebunden,
Und unsere Töne, Gebilde, Gedichte
Erkämpfen den Lorbeer im strahlenden Lichte,
Wir suchen noch immer die menschlichen Ziele –
Drum ehret und opfert! Denn unser sind viele!

 

Anmerkungen

  
1   statista.com

2   Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?

3   Rudolf Steiner im Vortrag vom 8.5.1917 in GA 175 S. 384

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Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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hubi stendahl
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hubi stendahl

“…in einer unmittelbar angrenzenden geistigen Welt höherer Wesen, deren Anwesenheit geahnt, empfunden, ja hellsichtig wahrgenommen wurde.” Ahnen und Empfinden sind eine Sache. Wahr-nehmen kann man nur etwas, wenn man es in unserem mehrdimensionalen Raum unter festgelegten Bedingungen beliebig wiederholt werden kann. Ich habe schon oft versucht mit meinen verstorbenen Eltern Kontakt aufzunehmen. Wie das fast jeder am Grab oder in einer schwierigen Situation so macht. Übrig bleibt das Wissen, dass es sich um eine Reflexion des eigenen Geistes handelt, die ab und an klappt, aber nicht beliebig wiederholt werden kann. Schon gar nicht mit dem Glauben, dass dort in einem… Read more »

dragaoNordestino
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@stendahl … Wenn Sie Ihr rassistisches Geschwätz absondern, und was von “die meisten afrikanischen rückwärtsgewandten Voodoo Kulturen” schwaffeln, meinen Sie vermutlich Menschen wie auf dem angängten Bild….
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vier
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vier

@ drachen: Ihr Kommentar- “politisch korrekt”, wie immer- diesmal spielen sie den übereifrigen “Deutschen”, der alles besser weiß und die Welt vor dem bösen Rassisten in Schutz nehmen muss, natürlich nur wenn er die Obrigkeit hinter sich weiß- ihr Name sollte Dietrich Heßling (manchmal auch mit “ä” anstatt des “e”) lauten, der Name des Untertan. Und alles auf hökschtem Niveau mit schönen bunten Bildern…

hubi stendahl
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hubi stendahl

“… Wenn Sie Ihr rassistisches Geschwätz absondern, und was von “die meisten afrikanischen rückwärtsgewandten Voodoo Kulturen” schwaffeln, meinen Sie vermutlich Menschen wie auf dem angängten Bild….” Der schlimmste Gegner von Harmonie und Liebe ist nicht etwa die Aggression und der Hass; es ist die Dummheit. Jene Dummheit, die sie heute in alle bewegenden Positionen finden. Sie sind ein besonders vollständiges Exemplar dieser Gattung. Das oben verlinkte Bild von Ihnen zeigt ein Fest und keinen religiösen Kult. Es wurde während einer Feier einer Dorfgemeinschaft in Westafrika geschossen. Es handelt sich um eine vorwiegend in der Landarbeit tätige Gruppe in Westafrika namens… Read more »

dragaoNordestino
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@stendahl …. Sie sind ein besonders vollständiges Exemplar dieser Gattung.

netter Versuch … Ha Ha Ha

H. Ludwig
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H. Ludwig

@hubi stendahl “Wahr-nehmen kann man nur etwas, wenn man es in unserem mehrdimensionalen Raum unter festgelegten Bedingungen beliebig wiederholt werden kann.” Wahrnehmen kann man das, wofür man Wahrnehmungsorgane hat. Für Wahrnehmungsorgane, um die uns umgebende physisch-materielle Welt wahrzunehmen, haben die natürlichen Kräfte (die Schöpferwesen) gesorgt. In den Zeiten oder jetzt noch erhaltenen Kulturen, in denen die Menschen ein instinktives, also geschenktes Wahrnehmen geistiger Wesen hatten bzw. noch haben, besaßen bzw. besitzen sie ebenfalls entsprechende Wahrnehmungsorgane, für die höhere Wesen gesorgt haben. Diese seelisch-geistigen Wahrnehmungsorgane, die natürlich nicht im physischen Leib, sondern in der Lebenskräfte- bzw. Seelenkräfteorganisation verankert sind, sind in… Read more »

hubi stendahl
Gast
hubi stendahl

Hallo Herr Ludwig, ich möchte mich an dieser Stelle einmal ausdrücklich für Ihr unermüdliches Engagement bedanken, mit dem Sie auf verschiedenen Web-Präsenzen und Ihrer Seite – fassadenkratzer.de – mit Artikeln zum Denken anregen und Ihr profundes Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Stets unter dem Aspekt, dass der Leser seine (Ur) -Kräfte nur selbst aktivieren kann. Damit gehören Sie zu den wenigen, die im derzeitigen dogmatischen Materialismus, einer Art Ersatzreligion, keine neue anbietet, sondern vorwiegend Ideen zur Selbstfindung diesseits und jenseits unserer materiellen Sinnesorgane anbietet. Trotzdem glaube ich zu erkennen, dass die Herangehensweise stark von der Welt der Anthroposophen gekennzeichnet… Read more »

heinss
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Denn (es) lebt nur derjenige, der die Dinge anpackt und nicht auf Geschenke wartet. Alle anderen “werden den Tod schmecken”.

Hierin liegt m.M.n. der Kern des Seins. In einem Vorwort habe ich versucht das so auszudrücken:

Der Mensch entsteht und vergeht auf immer gleiche Weise in immer anderer Art
Darin aber liegt seine Stärke. Wenn er nicht dazu neigt das ihm geschenkte Leben den Abfluß der Egozentrik hinunterzuspülen sondern seine Talente in Anerkennung seiner eigenen Schöpfung einzubringen zählt am Ende nicht der Bestand an Tand sondern die Erfüllung seines Daseins durch die Leistung seiner ihm in die Wiege gelegten Gaben.

Argonautiker
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Argonautiker

Poesie küsst Weisheit, mir gefällt’s.

hubi stendahl
Gast
hubi stendahl

@heinss

“Der Mensch entsteht und vergeht auf immer gleiche Weise in immer anderer Art. Darin aber liegt seine Stärke”

Was man mit wenigen Worten alles transportieren kann. Ein Nachweis dafür, dass Wissen sich nicht aus profanem Lesen belesener Schreiber nährt, sondern ein Produkt des Geistes ist, der sich des Gehirns als Apparat bedient. Leider ist die Degeneration so weit fortgeschritten, dass wir nicht mehr Denken, sondern nur noch flüchtig lesen können. Danke.

Stiller Leser
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Stiller Leser

Schlagartige Einsichten. Harvard-Hirnforscherin Dr. Jill Bolte Taylor:

heinss
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Der Dame würde ich nicht trauen, die geht zu sehr hausieren (weniger am Anfang, mehr am Ende).
Wenn es hart auf hart kommt geht zunächst mal schlicht das Licht aus. Und bleibt retrograd auch aus.
hubi’s Überlegungen sind hier einschlägiger.

hubi stendahl
Gast
hubi stendahl

@heinss hat es angedeutet, ich will es einmal konkreter machen. Das Video habe ich vor Jahren bereits gesehen und analysiert. Wie kam es zu diesem Video? Vorgeschichte aus meiner Erinnerung: Jill Taylor war Hirnforscherin und erlitt selbst einen Schlaganfall aufgrund eines Geburtsfehlers der die Schlagadern betraf. Wie stark der im Video aufgebauschte Schlaganfall war, kann man an folgenden Fakten feststellen: – der linke Arm war nur ein paar Minuten gelähmt. – sie sollte operiert werden, was sie sprachlich einwandfrei nach wenigen Minuten ablehnte und daraufhin ihre Husäztin anrief und sich mit ihr per Telefon besprach. Nichts mit “bubbeln und brabbeln”.… Read more »

hubi stendahl
Gast
hubi stendahl

Mir fällt gerade noch ein, dass ihr Bruder amtlich bestätigt geisteskrank sein soll. Er hält sich wohl für den Nachfolger eines Propheten und ist schon mal nackt auf einer Bühne aufgetreten. Illustre Leute 😆

Meine Aufforderung nochmal. Werft eure “Kleider” weg und macht euch aus dem eigenen Inneren Auge ein Bild.

MutigeAngstfrau
Gast
MutigeAngstfrau

Sollte jemand das Buch des renommierten amerikanischen Hirnchirurgen Eben Alexander nicht kennen, wäre das eine Empfehlung wert.
Mir persönlich sagt die Anthroposophie immer mehr zu, und ich entdecke täglich neue Verbindungslinien auch zu neuesten Interpretationen wie etwa der Quantenphysik oder auch bewusstseinsorientierter Heilmethoden.

https://lesen.de/books/detail/-/art/eben-alexander-blick-in-die-ewigkeit/hnum/8465877?iampartner=legoad&awc=110&awa=1042&utm_source=bing&utm_medium=cpc&utm_campaign=bingads&msclkid=c70fbb27f28e1a745e12e6f9bb782747&utm_term=4576785870546798&utm_content=E%20-%20Autoren

MutigeAngstfrau
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MutigeAngstfrau

Hier noch ein persönlicher Eindruck: https://www.youtube.com/watch?v=ZxjXC-dWo3A

Stiller Leser
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Stiller Leser

Vielen Dank für die Info Herr Stendahl.

H. Ludwig
Gast
H. Ludwig

Hallo Herr Stendahl, vielen Dank für die freundlichen Worte. Aber von geistigen Wesen zu reden, ist kein Spezifikum der Anthroposophie, sondern eine Sache der Vernunft. So wie dieser bekannte Naturwissenschaftler rein durch logisches Denken dazu kommt: „Meine Herren, als Physiker, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie widmete, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten… Read more »

heinss
Gast

Mit Verlaub: Physiker, bleib bei deinen Leisten. In deinem eingehegten Areal vermeintlicher Erkenntnis. Das Spielzeug, mit dem du dort hantierst taugt andernorts zu nichts.

Ein wenig deutlicher zum Anfassen:
Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, …
Sic. Hoffentlich ist das auch höheren Orts bekannt.

vier
Gast
vier

@hubi stendahl: “In diesem Sinne wird es zwar einen Adolf Hitler oder Josef Stalin nicht mehr geben; ihre Informationen aber werden genauso weiterleben, …” “Am Ende hängen wir doch ab von Kreaturen, die wir machten” J.W.v.G. Faust 2 Und damit meine ich nicht den “Homunkulus” (AKK) von Murksels Gnaden und ähnliche selbstgebaute Geschöpfe der Politik und Anmaßung und auch nicht die Toten- eher schon das eherne Gesetz des Karma, dem selbst Götter unterliegen- wenn der moderne Mensch sie denn wieder auferstehen ließe.😱 “So ist dein Karma, das Karma des Zyklus deiner Geburten- die Bestimmung aller, die in Schmerz und Kummer… Read more »

Friedolin
Gast
Friedolin

@vier Also alle ran an die Auffüllung … des guten Karma-Kontos. @vier Meine volle Zustimmung! Auffüllung des guten Karma-Kontos nicht wegen einem spekulativem (?) Jenseits oder eines neuen Lebens (?) unter „besseren“ Bedingungen, sondern weil man sich in diesem Leben gut fühlen möchte. Das hat man (nach Buddha) selber in der Hand. Nicht immer fällt es einem leicht, das Richtige zu tun, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten, Klarheit und Vernunft zu bewahren, unbeirrt den eigenen Weg zu gehen. Passend dazu die nachfolgende Übersetzung aus dem Englischen einer Ansprache von Prem Rawat, https://www.timelesstoday Den Krieg gewinnen Nichts auf dieser Welt… Read more »

MutigeAngstfrau
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MutigeAngstfrau

Zutiefst bin ich davon überzeugt, dass die gegenwärtige materialistische Verwurzelung des Menschen auch einer Agenda geschuldet ist. Seine gezielt betriebene Abkoppelung aus den sogenannten übersinnlichen Bereichen entfernt ihn von einem entscheidenden Teil des Seins – dem Selbstverständnis, ein geistiges Wesen mit großer schöpferischer Kraft zu sein. In der Erkentnis dieser Kraft, die sich durch keine Indoktrination mittels herrschaftlicher Religionen mehr regulieren ließe, entledigte sich der Mensch seines Sklavendaseins und entkäme dem Stiefeltritt der dunklen Weltenlenker. Nach dem Tod meines Vaters gab es eine Reihe von Tagen, in denen ich intensivst sehr viele unausgesprochene Dinge unseres gemeinsamen Lebens gedanklich bearbeitete und… Read more »

heinss
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Ob sich die Existenz des Menschen nach dem Tode fortsetzt, ist die zentrale Frage jedes denkenden Menschen.

Ein gewagter Satz, mit Verlaub. Ich würde eher meinen: die Frage nach dem Wesen seiner Existenz. Darin kann er wenigstens noch fündig werden – das Denken ins Dunkel ist am Ende ein Pfeifen im Keller.

vier
Gast
vier

heinss: “Ein gewagter Satz, mit Verlaub. Ich würde eher meinen: die Frage nach dem Wesen seiner Existenz. Darin kann er wenigstens noch fündig werden – das Denken ins Dunkel ist am Ende ein Pfeifen im Keller.” Mit Verlaub, wer nur das Materielle sieht, ausschließlich der materiellen Welt die Ehre gibt und dort nach der Wahrheit des Seins und des Daseins sucht- sieht nur dass, was er bereits glaubt- er ist in einer Illusion der Selbstheit, der Getrenntheit verhaftet und sinnbildlich wie der Ouruboros bewegt er sich im Kreise und frisst sich selber auf- da er nichts anderes sieht als sich… Read more »

heinss
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Sie unterstellen mir Ihre Interpretation der Dinge und debattieren über Ihre Auffassung.
Es ist für mich immer wieder amüsant wie Menschen, denen klar sein müßte, daß – wie immer sie auch suchen – ihre Suche vergeblich sein muß da sie die ihnen gesetzte Grenze niemals überschreiten können sich auf Biegen und Brechen etwas zusammen”logeln” um das menschliche Manko zu “überlisten”. Tatsächlich bauen sie sich nichts weiter als ein neues Gehege gedanklichen Auslaufs – der Mensch, nicht in der Lage seine Existenz zu begreifen aber doch zu erklären.

vier
Gast
vier

Nichts für UNGUT @heinss: Peace- Freude- Eierkuchen. Niemand hat die Absicht ” ein neues Gehege gedanklichen Auslaufs” zu bauen (um Gottes Willen) oder gar sie darin zu verhaften oder gar gedanklich ihnen etwas unterstellen zu wollen. Gott bewahre -nein und tausendmal: NEIN. Und ich mache sowas – igitt- schon gar nicht (tendiere zur offenen Freilandhaltung), da halte ich es eher mit Fr. Nietzsche: “Überzeugungen sind Gefängnisse” oder den Sprüchlein’s: “Des Menschen Wille ist sein Himmelreich” oder “Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.” Bedenken sie, das spielt sich alles in ihrem… Read more »

heinss
Gast

@vier
Das war nicht harsch gemeint sondern sollte verdeutlichen, daß wir uns gedanklich wohl auf unterschiedlichen Pfaden befinden. Was wiederum nicht heißt, daß nur einer richtig sein könnte.

Um hier Sachen eher eindeutig darzustellen brauchte es eine ellenlange Vorab-Klärung (bewundernswert hubi) die in den meisten Fällen dann sowieso verpufft, zumal, wenn sie wissenschaftlich nicht auch eindeutig festzumachen ist. Abgesehen davon, daß ich das zeitlich nicht leisten könnte.
Danke für die Eierkuchen – denen kann ich leider nichts abgewinnen – Plinsen aber, fein gezuckert und mit Apfelmus gerollt … 😉

Argonautiker
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Argonautiker

Die unterschiedlichen Gesichter des Todes.
Für das Wissen ist der Tod ein großes Fragezeichen.
Für die Bewustheit ist der Tod die Grenze der Wahrnembarkeit.
Für das Bewustsein ist der Tod die überwinbare Tür in eine andere Welt.
Für das Unbewußte ist der Tod eine Illusion.

vier
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vier

“Für das Unbewußte ist der Tod eine Illusion.”- D. h. das Unbewußte sei unsterblich, das Unbewußte sei die Seele oder in der indischen Lehre der unsterbliche Teil der Seele als eine aus dem Absoluten entsprungene unteilbare Dreieinigkeit von Atma-Buddhi-Manas (Geist, Verstand und Liebe)- auch neuzeitlich (in der Quantenphilosophie) als “Information” betrachtet. Und diese inkarniert (Wiedergeburt) nach einer langen Zeit (sollen 1000 bis 1500 Jahre sein) im “Devachan” (sowas wie Ruheraum-Himmel-Meer der Möglichkeiten-etc.) nach den Gesetzen des Karma neu und wird neu geboren…ein schönes Bild…welches ganz ähnlich dem der kath. Mystik ist. Wenn dann aber z.B. in einer angeblichen Buchsendung im… Read more »

Argonautiker
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Argonautiker

@vier Ich bin schon ein wenig erstaunt, daß Sie mich trotz der oft nicht ganz leichten Thematik meist verstehen. Das geht mir nicht oft so. Das Unbewußte würde ich als den Teil der Seele ansehen, der Zugang zu Gott hat. Die Welt zu der man durch den Traum den natürlichsten Zugang haben kann. Die Welt des Zeitlosen, aus der die Seele, als Teil Gottes, wenn sie gegen die Trinität verstößt, also “sündigt”, heraus ins Zeitliche fällt. Der Mensch muß sündigen, so wie es in der Adam und Eva Geschichte als Metapher beschrieben ist, um lebendig zu werden, und im Leben… Read more »

Rosi
Gast
Rosi

Der Tod und das Sterben ist ein Thema, das ganz bewusst gerade in den Industriestaaten der westlichen Welt verdrängt und insbesondere mit Angst unterlegt wurde. Man hat uns zugekleistert und uns immer weiter in Richtung Materialismus gedrängt. Richtig Fahrt hat diese Entwicklung Ende des 19. Jahrhunderts aufgenommen mit Gründung der Fabian Society bis hin zur Frankfurter Schule – Kulturmarxismus (https://marbec14.wordpress.com/2017/01/16/die-gender-ideologie-grundlage-gesellschaftlicher-zerstoerung/. Soll jetzt hier nicht Thema sein, hängt aber mit unserer heutigen Einstellung zum Tod sehr nahe zusammen. Nun hängen wir dermaßen zugekleistert an der Materie, dass wir uns nicht mehr trauen, auf unser Bauchgefühl zu hören. Ich interpretiere das Bauchgefühl… Read more »

Friedolin
Gast
Friedolin

Zwischen- oder Beendigungsruf: Man sollte mal einen Artikel über “Das verdrängte Leben” schreiben. Die Amis wollen mit Milliardenaufwand zum Mars und hoffen dort auf Leben zu stoßen. Dabei gibt es das Leben in Hülle und Fülle überall auf diesem Planeten. Die Menschen machen sich Gedanken über ein mögliches Leben nach dem Tod. Was ist mit dem Leben V O R dem Tod? Wenn der Mensch in seinem Erdendasein nicht gelernt hat, glücklich und zufrieden zu sein, dann war er – wenn er mit 90 Jahren stirbt – nur lange dagewesen, hat aber nie wirklich gelebt. Noch ein Zitat zum Thema… Read more »

MutigeAngstfrau
Gast
MutigeAngstfrau

“Die Amis wollen mit Milliardenaufwand zum Mars und hoffen dort auf Leben zu stoßen…”
Haben Sie sich schon einmal mit dem Thema ‘Geheime Raumfahrt’ befasst?
Spannend, kann ich Ihnen sagen!