Wachsender Glücksspielmarkt im Internet

Gluecksspiel Roulette / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/spielbank-einsatz-jeton-legen-1003137/ Gluecksspiel Roulette / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/spielbank-einsatz-jeton-legen-1003137/
 

Online Casinos setzen durch deutsche Spieler jährlich 1,8 Milliarden Euro um. Dennoch tut sich Deutschland rechtlich und politisch schwer mit dem Glücksspiel.

Der deutsche Online Glücksspielmarkt hat sich trotz unklarer, rechtlicher Lage über die vergangenen 20 Jahre zum Massenphänomen entwickelt und unterhält dabei mittlerweile Millionen von Spielern. Die Anzahl von aktiven Spielern steigt weiterhin beständig an und das vor allem auf mobilen Endgeräten, denn diese bieten noch mehr Flexibilität und Zugänglichkeit.

Online Casino-Webseiten setzen durch deutsche Spieler jährlich rund 1,8 Milliarden Euro um und bilden dabei außerdem den wachstumsstärksten Anteil des Glücksspielmarktes in Deutschland, der außerdem weiter steigt und eine jährliche Wachstumsrate im zweistelligen Bereich vorweisen kann.

Rechtliche Grauzone

Die meisten Unternehmen, die hinter den verfügbaren Online Casinos in Deutschland stehen, betreiben diese vom europäischen Ausland aus, wie zum Beispiel Malta, der Isle of Man oder Gibraltar. Spieler können dadurch hierzulande über ausländische Server auf hunderte von Anbietern mit EU-Glücksspiellizenzen und in deutscher Sprache zugreifen.

Dass die Unternehmen anderswo in der EU ansässig sind, liegt vor allem daran, dass sich Online Casinos in Deutschland generell illegal sind, was durch den Glücksspielstaatsvertrag 2011 festgelegt und erst dieses Jahr erneuert wurde. Anders als nach deutschem Recht, gilt laut EU-Recht aber, dass Online Casinos mit EU-Lizenzen legal arbeiten. Da EU-Recht Vorrang vor dem deutschen Recht hat, bewegen Online Casinos sich in Deutschland also in einer Art rechtlicher Grauzone.

Sportwettenabieter sind hingegen im diesjährigen Glücksspielstaatsvertrag für legal erklärt worden und können sich eine begrenzte Anzahl begehrter deutscher Glücksspiellizenzen sichern. Dies gilt allerdings nicht für eSports, worauf weiterhin nicht legal gewettet werden darf. Diese Entscheidung ist nun vorerst bis zum Sommer 2021 gültig, und nur Schleswig-Holstein ist dabei einen Schritt weiter gegangen und ermöglicht es den Spielern mit Wohnsitz im Bundesland, beispielsweise auch legal Walzen zu drehen und Einsätze an den Casino-Tischen zu tätigen. Unternehmen, die über eine Lizenz aus Schleswig-Holstein verfügen, sind etwa Megapixel Entertainment, OnlineCasino Deutschland AG, PlayCherry Limited und SkillonNet Limited, die Firma hinter dem populären PlayOJO Casino.

Missverständnisse und Unklarheiten

Durch diese unübersichtliche und uneinheitliche Handhabung des Glücksspiels in Deutschland entstehen natürlich auch Missverständnisse und Unklarheiten, wie mit Online Casinos und Glücksspielanbietern umgegangen und zusammengearbeitet werden kann. So hat die Werbepartnerschaft zwischen dem Fußballverein BVB und dem Sportwettenanbieter Bwin zu einem rechtlichen Skandal geführt, da Bwin nicht nur legale Sportwetten betreibt, sondern auch ein Online Casino anbietet, welches nach wie vor in 15 der 16 deutschen Bundesstaaten als illegal angesehen wird. Dem Fußballverein drohen daher maßgebliche Strafen und auch Probleme bezüglich künftigen Werbepartnerschaften, die von diesem Deal beeinflusst werden könnten.

Der BVB setzt Werbung für Bwin auf seiner Homepage ein sowie auch Banner im Stadion. Während die Bezirksregierung Düsseldorf im Werbeverhalten des BVB einen klaren Verstoß gegen das Werbeverbot für Glücksspiel sieht, fühlt Bwin sich hingegen im Recht, da es für die Casino-Spiele eine EU-Lizenz vorweisen kann und sich dadurch auch an das vorherrschende EU-Recht hält.

Fußballbranche beobachtet Rechtsstreit

Außerdem heben sowohl der BVB wie auch das Bwin hervor, dass die Partnerschaft mit dem Sportverein sich ausschließlich auf den Sportwetten-Bereich bezieht und somit in jedem Fall legal ist. Das Verfahren läuft noch, jedoch wartet die deutsche Fußballbranche gebannt auf die Entscheidung, da dies Auswirkungen auf künftige Kooperationen zwischen Fußballvereinen und Glückspielanbietern haben wird.

Es ist jedoch klar, dass die deutsche Regierung sehr bald eine bundesweit geltende Regelung und am besten Legalisierung für alle Bereiche des Glücksspiels festlegen sollte, um solche Missverständnisse zu umgehen und Klarheit zu schaffen.

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