Ist das deutsche Waffenrecht noch zeitgemäß?

Waffen und Munition / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/kugeln-nahaufnahme-messer-4319745/ Waffen und Munition / Quelle: Pixabay, lizenezfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/photos/kugeln-nahaufnahme-messer-4319745/
 

Das deutsche Waffenrecht regelt den Besitz und den Einsatz von Waffen. Aktuell wurde vermehrt über Messermorde berichtet. Muss das Gesetz verschärft werden?

Nach dem wahrscheinlich fremdenfeindlich motivierten Attentat in Wächtersbach wurden Forderungen nach einer Verschärfung des deutschen Waffenrechts laut. Bei diesem Vorfall wurde ein Eritreer aus einem Auto heraus angeschossen. Neben diesem aktuellen Fall von Waffenmissbrauch ist auch der Amoklauf in Winnenden wieder in die Diskussion geraten. Denn seit diesem traurigen Ereignis sind inzwischen zehn Jahre vergangen. Diskussionen um das Waffenrecht sind daher auch nicht neu. Immer wieder werden Stimmen gegen oder für eine Verschärfung der Regelungen laut.

Waffenbesitzkarte und Waffenschein

Im deutschen Waffenrecht sind der Besitz und die Benutzung verschiedener Waffen geregelt. Wer eine Schusswaffe kaufen will, muss sich vorher eine Waffenbesitzkarte ausstellen lassen. Dabei wird einerseits geprüft, ob man Jäger, Sportschütze oder Sammler ist. Aber auch die eigene Zuverlässigkeit und das Vorliegen einer ausreichenden Sachkunde müssen nachgewiesen werden. Eine Waffenbesitzkarte berechtigt aber nicht dazu, eine Waffe auch außerhalb der Wohnung oder einer Sportschützenanlage aufbewahren oder führen zu dürfen. Jäger müssen dazu zusätzlich einen Jagdschein vorweisen. Der wiederum berechtigt jedoch nur zum Führen der Waffe außerhalb der Wohnung, wenn sie auch tatsächlich auf der Jagd sind.

Für den Besitz eines Waffenscheins müssen darüber hinaus noch weitere Auflagen erfüllt werden. Dazu gehört der Nachweis, dass das Tragen einer Waffe notwendig ist, zum Beispiel weil eine besondere Gefährdung von Leib und Leben besteht. Zu den Personen, die einen Waffenschein erwerben können, gehören zum Beispiel Personenschützer und Angestellte von Sicherheitsdiensten.

Andere Arten von Waffen

Es besteht Konsens darüber, dass der Erwerb, Besitz und Gebrauch von Schusswaffen gesetzlichen Regelungen unterliegen sollte. Bei anderen Arten von Waffen ist die Lage jedoch nicht so klar. Die Bandbreite an Messern ist zum Beispiel sehr groß. Sehr beliebt ist zum Beispiel das Mitführen von Taschen-oder Multifunktionsmessern.

Multifunktionsmesser zeichnen sich durch eine Vielzahl von unterschiedlichen ausklappbaren Werkzeugen aus. Die Bandbreite der einzelnen Funktionen reicht dabei von einem Schraubenzieher über einem Korkenzieher bis hin zu einer Säge. Manche Multifunktionsmesser lassen sich sogar als Zange einsetzen. Damit sind sie praktische Begleiter beim Heim- und Handwerken, aber auch für einen Einsatz bei einem Campingausflug.

Für die Bewertung nach dem Waffenrecht ist jedoch vor allem die Messerklinge von Bedeutung. Hier gibt es klare Regelungen. Das Gesetz schreibt in Paragraph 42A vor, dass es verboten ist, Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm zu führen. Hierunter fallen eben solche Multifunktionsmesser, die mit einer Hand geöffnet werden können. Wer ein solches Messer in seinem Beruf benötigt, oder ein anderes berechtigtes Interesse hat, kann von diesem Recht ausgenommen sein. Alle anderen dürfen solche Multifunktionsmesser nur mit einem Schloss in einer Tasche führen.

Neben verschiedenen Messern fallen auch Paintball- und Soft-Air-Waffen, Reizgas, Elektroschocker, Armbrüste und unter Umständen sogar Baseballschläger unter die Regelungen des Waffengesetzes. Manche dieser Waffen unterliegen vor allem einer Altersbeschränkung, andere dürfen nicht zu öffentlichen Veranstaltungen mitgenommen werden. Einige Waffen dürfen dagegen erworben und besessen, aber nicht mitgeführt werden. 

Auswirkungen des Waffenrechtes

Immer wieder wird diskutiert, inwieweit ein strenges Waffengesetz einen Einfluss auf die Ausübung von Waffengewalt hat. Verschiedene Studien kommen dabei zu dem Schluss, dass die Mordrate und die Zahl der Suizide tatsächlich geringer ist. Allerdings können Studien nur den allgemeinen Trend beobachten. Über tragische Einzelfälle können dagegen nur sehr eingeschränkt Aussagen gemacht werden.

 

 

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heinss
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Die Frau (ca. 30) soll ihr Kind in den Armen gehalten haben, als sie von maskierten Personen in Ribersborg in der südschwedischen Stadt Malmö erschossen wurde. Zwischen acht und zehn Schüsse feuerten die maskierten Angreifer gegen 10 Uhr morgens ab und verschwanden in die nahe gelegene Wohnanlage.

Die politischen Behörden wiesen darauf hin, daß dies ganz und gar nicht dem Gesetz entspräche und dieses unbedingt verschärft werden müsse um Wiederholungen zu vermeiden.

[https://deutsch.rt.com/europa/91606-schweden-verletzte-und-todesopfer-nach/]

Hans
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Hans

Das deutsche Waffenrecht bedarf keiner weiteren “Reformierung” in Form von Verschärfungen. Vielmehr bedarf der von unserer Regierung praktizierte, grundgesetzwidrige “Umgang” mit dem bestehenden Asylrecht einer dringenden Reform.

Drudenfuss
Gast
Drudenfuss

Die offiziellen Zahlen für Deutschland sehen so aus:
Straftaten, bei denen Schußwaffen zum Einsatz kommen, erfolgen in 1,6 Prozent (!) der Fälle mit legalen Waffen. Für die “restlichen” 98,4 Prozent spielt das Waffenrecht also keine Rolle.
Angesichts dieser Zahlen kann ich die Diskussion über eine weitere Entwaffnung der Deutschen (nichts Anderes ist eine Verschärfung des Waffenrechtes!) nicht mehr hören.

asisi1
Gast
asisi1

Es müsste nicht verschärft werden, sondern es müsste gestrichen werden! Da selbst unsere Polizei nicht schießen darf und uns nicht mehr schützen wollen, müssen wir es selbst in die Hand nehmen!

Evi Dent
Gast
Evi Dent

Wenn , wie in meinem Bekanntenkreis geschehen, ein billig und legal beim Discounter gekauftes Taschenmesser zur Anzeige führt, weil es einen praktischen Knubbel dran hat, damit es mit dem Daumen geöffnet werden kann, dann ist dieses ganze Waffengesetz nur da um diejenigen, die schon lange hier Steuern zahlen zu demütigen. Definitiv macht sich nicht der Käufer des Messers strafbar, sondern der Herr Gesetzgeber macht die Staatsgehörigen strafbar. Er unterstellt Mordabsichten bereits beim Erwerb einer Stricknadel. Dies alles ficht einen wirklich Mordlustigen, aus welcher Ethnie auch immer bestimmt nicht an, denn dieser wird jederzeit Mittel und Wege finden an die gewünschten… Read more »

heinss
Gast

Alai
Roter Mohn

Denn der Fürst zog es vor, möglichst viele freie Bürger zu unfreien Sklaven werden zu lassen Sklaven waren Haustiere, die man nach Belieben kaufen, verkaufen und zur Arbeit antreiben konnte. Und es ist leicht, freie Menschen in Leibeigene zu verwandeln – man braucht nur Gesetze zu erlassen, gegen die jedermann leicht verstößt, das ist alles. Das ist noch sicherer als die Fallen, die erfahrene Jäger aufstellen.

Andi
Gast
Andi

Richtig!!

hubi stendahl
Gast
hubi stendahl

“Das deutsche Waffenrecht regelt den Besitz und den Einsatz von Waffen. Aktuell wurde vermehrt über Messermorde berichtet. Muss das Gesetz verschärft werden?” Das Gesetz von Ursache und Wirkung. Nicht das Waffenrecht muss wegen der Messermorde verschärft werden, sondern die URSACHE der Messermorde muss beseitigt werden. Die Ursache sind eingeschleuste Menschen mit inkompatiblen kulturellen Vorstellungen (Soziologie-Psychologie) und genetisch programmierten Überlebensmechanismen (Natur) aus der Zeit des Homo Erectus. Das lässt sich weder heraus psychologisieren noch sozialisieren, wie die Anna-Lenas dieser Welt, die Kobalt mit Kobolden verwechseln, glauben. Selbstverständlich ist es ein Verbrechen, wissentlich die eigene Bevölkerung in Todesgefahr zu bringen um eine… Read more »

vier
Gast
vier

https://www.berlinstory.de/blog/hitlers-waffengesetze-entwaffnung-und-unterdrueckung-das-backcover/ ……vom 29.02.2016- Auszug (Hervorhebung durch mich): “Der US-Amerikaner Dr. Stephen P. Halbrook hat mit seinem nun endlich in deutscher Sprache veröffent­lichten Werk über die restriktive und diskriminierende Waffengesetzgebung im „Dritten Reich“ eine wesentliche Lücke in der historischen Aufarbeitung der NS-Schreckensherrschaft geschlossen. Halbrook zeigt anhand von neu entdeckten Dokumenten aus deutschen und internationalen Archive sowie mittels zeitgenössischer Tagebücher, Briefe, Augenzeugenberichte und Zeitungsartikel, WIE DIE NAZIS DAS AUS DER WEIMARER REPUBLIK STAMMENDE WAFFENGESETZ VERSCHÄRFTEN, UM DAMIT JUDEN, KOMMUNISTEN UND ALLE ANDEREN SOGENANNTEN STAATSFEINDE UND VOLKSSCHÄDLINGE ZU ENTWAFFNEN, ZU ENTRECHTEN UND ZU UNTERDRÜCKEN.” Zitat Ende Heute wird das ganze Volk durch perfideste… Read more »

heinss
Gast

Interessanterweise findet sich zu den Wurzeln Stephen P. Halbrook’s auf die Schnelle nichts. Ich wäre deshalb mit dessen Einschätzung vorsichtig.

heinss
Gast

Noch was zum Thema, Eigenzitat:

Waffenrecht (2)

Es gibt kein „Recht” auf Waffen. Gäbe es eines wäre es in das Erbgut gemeißelt: die Natur verlangt die Sicherung der eigenen Existenz: das „Waffenrecht” ist eines der EINSCHRÄNKUNG – alles andere die Auffassung von Leibeigenen. Speziell das Waffenrecht war und ist als Instrument der Unterdrückung mißbraucht.

Argonautiker
Gast
Argonautiker

Wir brauchen unbedingt neue Waffengesetze!

Denn wie ein jeder weiß, halten sich diejenigen, welche ihre emotionale Befindlichkeit nicht im Griff haben, und zu Übergriffen neigen, sofort an jede per Gesetz vorgeschriebene Verhaltensweise, so sie erst einmal in ein Gesetz formuliert wurden. Man könnte auch sagen, die bösen Jungs und Mädchen warten regelrecht darauf, daß endlich mal jemand Gesetze macht, damit fortan geregelt ist, was sie tun oder nichtun dürfen.

Nur keine Ursachen in Angriff nehmen, sondern immer fein Symptome regulieren, es könnte sonst in echte Arbeit am Verdorbenen ausarten, wie auch wirklich etwas verändern.

Digger
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Digger

Das Waffenrecht richtet sich ja nur an/ gegen die, die sich dran halten!

heinss
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In den vergangenen Wochen ist es in Schweden an verschiedenen Orten zu großen, vorsätzlich ausgelösten Explosionen gekommen. Diese Woche wurden relativ kurz nacheinander zwei Frauen erschossen. Eine davon am Montag in Malmö und eine weitere in der Nacht auf Mittwoch in Stockholm. Es wird davon ausgegangen, dass die meisten dieser Taten ihren Hintergrund im kriminellen Banden-Milieu haben. … Im Juli suchte die Regierung schließlich nach Wegen um der Waffengewalt Einhalt zu gebieten … Sonderermittler Kazimir Åberg schlug unter anderem vor, Schusswaffendelikte als schwere Straftaten einzustufen, um die Höchststrafe dafür von sechs auf sieben Jahre Gefängnis zu erhöhen. Die Sprecher bedauerten,… Read more »