Wahrheit ist die beste Geschichte

Angriff / Quelle: Vikings Angriff / Quelle: Vikings
Historische Dramen feiern in TV-Serien und Video-Spielen Erfolge. Sie mischen historische Fakten und Mythen und begeistern die Zuschauer neu für Geschichte.

In den letzten Monaten und Jahren haben sich im Fernsehen immer mehr historische Serien etabliert. Neben Serien über die Ära der Borgia, TV-Formaten wie Reign, Outlander, Rome oder TUT hat sich die Serie Vikings in die Köpfe ihrer Zuschauer und in deren Herzen gespielt. Die klassische Wikingergeschichte um den letzten großen Wikinger König Ragnar Lodbrock wurde hier ohne Zweifel ausgeschmückt, denn zu wenig davon ist tatsächlich überliefert, um wirklich eine historisch korrektes Drehbuch schreiben zu können.

Gleichwohl hat es sas TV-Format auf beeindruckende Art und Weise geschafft, das Interesse der Menschen zu wecken. Wer das Helden-Epos schaut, erfährt zugleich eine Menge über die damalige Zeit. Dieser Trend, der sich in historischen Videospielen wie Kingdom Come Deliverance oder der Asassins-Creed-Serie bereits bewährt hat, kann also durchaus auch im Fernsehen große Erfolge feiern.

Quelle: Vikings

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Wahrheit oder Mystik?

Die Zuschauer werden in Vikings bereits von der ersten Staffel an in den Bann der späten Wikingerzeit gezogen. Erzählt wird eine Geschichte von Bruderschaft, heidnischen Ritualen und dem Glauben der „Nordmänner“  um Ragnar Lodbrock, den legendären Wikinger der im neunten Jahrhundert Angst und Schrecken verbreitet haben soll. Diese in der dänischen Fornaldarsaga vorkommende Wikinger-Persönlichkeit soll einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Geschichte seines Volkes gehabt haben. Experten sind sich derzeit allerdings noch uneins, ob es Ragnar Lodbrock wirklich gegeben hat, oder ob es sich um eine mystische Helden-Sage handelt.

Historisch belegt ist lediglich, dass die Wikinger in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts Paris überfallen haben. Damals musste König Karl der Kahle 7.000 Pfund Silber bezahlen, damit die bösen Nordmänner wieder aus seinem Territorium abzogen. Die Brutalität mit der die Wikinger vorgingen, ist ebenfalls so legendär wie alle Geschichten, die in Vikings erzählt werden. Die Serie nimmt bekannte Fakten und Personen auf, die belegt sind, und mischt diese mit den Mythen und Überlieferungen rund um Ragnar Lodbrock, wobei eigentlich nicht einmal klar ist, ob es sich bei Ragnar und Lodbrock historisch um ein und dieselbe Person handelte. Möglicherweise handelte es sich um zwei Helden, die in späteren Erzählungen vermischt wurden.

Visuell taucht die Serie tief ein in die Welt der Vikinger und zeigt heidnische Menschenopfer ebenso wie unmenschliche Foltermethoden. Sowohl Ragnar Lodbrock als auch seine Gegner feiern große Siege, müssen aber auch  teilweise schrecklichen Rückschläge hinnehmen.  So  gelingt der TV-Serie etwas, dass vielen Museen und Geschichtsbücher heutzutage nicht mehr gelingt:  Sie erreicht die Menschen und bleibt in den Köpfen. Geschichte zum Miterleben, Mitfühlen und Mitleiden sozusagen.

Der Zuschauer taucht ein in eine ferne Welt voller kultureller Differenzen und den daraus resultiuerenden Konflikten. All das wird unterhaltsam und durchaus lerhrreich aufgearbeitet.Insgesamt verittelt die Serie ein gutes Bild von der Zeit der Wikinger und ihrem Brauchtum. Kurzum: Vikings ist gute Unterhaltung, kurzweilig erzählt, trotz der teils schweren Themen. Hätten die Macher auf die expliziten Sexszenen und teilweise extreme Gewalt verzichtet, wäre der Stoff sicher auch etwas für Kinder. Aber so gilt: Vikings ist nicht jugendfrei!

Quelle: Vikings

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Eine “goldige” Anekdote

Unter Erwachsenen hat Vikings die Wikinger jedenfalls wieder zu einem absoluten Trendthema gemacht. Es gibt mittlerweile unzählige Wikinger-Videospiele und Filme zum Thema. Selbst hochkarätige und aufwendig gestaltete Handygames zum Thema Wikinger sind mittlerweile weit verbreitet.

Es ist durchaus positiv zu bewerten, wenn sich die TV-Industrie mit geschichtlichen Themen beschäftigt, aber auch die Videospielindustrie hat mit Spielen wie Call of Duty oder Battlefield 1 neben ihrere kurzweiligen Unterhaltung immer auch die Botschaft mitgeliefert, dass Krieg immer gleich uhd immer schrecklich ist. Gemeint sind Spiele wie Asassins Creed, dessen aktueller Titel „Origins“ nach Ägypten führt. Hier werden historische Schnipsel effizient ins Spielgeschehen eingebaut. Im aktuellen Titel trifft der Spieler zum Beispiel auf Cleopatra und Cäsar und wird mit geschichtlichenDetails konfontiert.

Dazu gibt es eine lustige Anekdote: Entwickler Ubisoft Montreal hat sich mit Historikern zusammengetan, von denen einer die Existenz von zusätzlichen Kammern in der großen Pyramide von Gizeh prognostizierte. Ubisoft entschied sich, diese Prognose ins Spiel zu integrieren und die Kammern mit Reichtümern zu füllen. Ein solches Spiel wird in der Regel 2-3 Jahre lang entwickelt, und so alt ist auch die Entscheidung für die Kammern. Kurz vor dem Release von Asassins Creed Origins bestätigte sich dann die Prognose mittels Radiografie, und die Kammern wurden tatsächlich über der großen Galerie gefunden – der neuen Technik sei es gedankt.

Fazit: Solche TV-Serien und Videospiele dien vor allem der Unterhaltung. Sie können aber dennoch das Interesse der Menschen für Geschichte wecken. Das haben Generationen von Lehrern  rund um den Globus versucht und konnten dabei nicht im Ansatz an den Erfolg solcher Produktionen heranreichen.

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Kirchfahrter Archangelus
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…und vor allem sind sie ein probates Medium, um junge Menschen mittels pseudohistorischer Stoffe zu manipulieren. Da diese in der Regel bereits über zu wenig historisches Wissen verfügen, um beurteilen zu können, was vermutlich richtig und was horrender Blödsinn ist, kann die Geschichte für sie Herrschenden „passend“ umgeschrieben werden. Orwell hätte seine Freude dran…