Noch im Untergang träumt Europa

Ergeht es uns wie Rom? Es muss nicht der Staat sein, der mit der Völkerwanderung untergeht, es reicht doch schon, wenn es Standards des Zusammenlebens sind, soziale Errungenschaften, eine von allen geschätzte Heimat. Kaum ein Begriff ist inhaltlich so aufgeladen, wie der Begriff „Völkerwanderung“. Die Völkerwanderung am Ausgang der Antike war ein epochales Ereignis und führte zum Zusammenbruch des römischen Weltreichs im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Der östliche Teil konnte sich als Byzantinisches Reich noch tausend Jahre behaupten. Immer mehr an Macht und Einfluss verlierend bestand es an seinem Ende 1453 nur noch aus der Hauptstadt Konstantinopel. Der westliche Teil fiel trotz mancher Rückeroberungsversuche unter dem oströmischen Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert dauerhaft in die Hände germanischer und arabischer Eroberer. Als bedeutendes Datum ging das Jahr 476 in die Geschichte ein, als der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus vom germanischen Heermeister Odoaker sang- und klanglos abgesetzt wurde. Sein eigentlicher Name war Romulus Augustus, die Benennung „Augustulus“, das Kaiserlein, war nur noch ein Spottname. Der letzte Kaiser Westroms war so machtlos, dass man ihn am Leben lassen konnte, so schickte man ihn lediglich in den vorzeitigen Ruhestand. Rein rechtlich gesehen, war der oströmische Kaiser durch die Vakanz im westlichen Kaisertum immer … Noch im Untergang träumt Europa weiterlesen