Frei.Wild-Nominierung ein Lichtblick

2013 wurden sie ausgeschlossen. Dass die  Südtiroler Band Frei.Wild nun für den Echo nominiert wurde, ist eine Absage an die proto-totalitäre Aufgeregtheit selbsternannter Gutmenschen.

Was für ein Echo. Nachdem die Südtiroler Band Frei.Wild vor fast genau einem Jahr wegen der Boykottdrohung einiger politisch besorgter „Kollegen“ vom Echo, dem wichtigsten Preis der deutschen Musikindustrie, ausgeschlossen wurde, gab es nun für die Neuauflage gleich zwei bemerkenswerte Reaktionen: Erstens distanzierte sich die Musikindustrie von ihrem damaligen Verhalten, indem sie die Heimat-Rocker demonstrativ erneut nominierte, zweitens distanzierten sich Frei.Wild diesmal vom Echo. Beides sind beherzte Reaktionen.

Ob Frei.Wild nun rechts oder gar „Rechtslastig“ (Berliner Morgenpost in der Überschrift, inklusive großgeschriebenem Adjektiv) orientiert sind und das gut verbergen, oder ob man ihnen einfach ihre zur Schau getragene Liebe zur Heimat übelnimmt – eine sachliche Analyse stand weder  vor einem Jahr noch jetzt zur Debatte. Es ging um die Zurschaustellung rechter, also linker, Gesinnung.

Bekenntnis zur Heimat „geht gar nicht“

Es geht hier um die Freiheit der Meinung und um die Freiheit der Kunst. Definitiv ist Frei.Wild nämlich keine verbotene Vereinigung und hat deshalb auch das Recht, an den gesellschaftlichen Prozessen in diesem Land teilzuhaben (zwei Freiwilderer haben die deutsche Staatsbürgerschaft und damit wird eine Nominierungsvoraussetzung erfüllt). Umgekehrt kann man sie kritisieren, so viel man will.

Die Band verkauft aber auch ihre CDs wie geschnitten Brot, und das ist nicht nur die entscheidende Nominierungsvoraussetzung für den Echo, sondern ein Zeichen, dass viele Menschen die politisch-korrekte Tabuisierung von Ursprünglichkeit und Heimatliebe in Deutschland nicht hinnehmen wollen. Zur Fußballweltmeisterschaft können zwar ruhig Millionen Eventfans „Deutschland“ grölen, doch das explizite Bekenntnis zur Heimat ist in diesem Land, und nur hier, weiter ein „Geht gar nicht“.

Front der potentiellen Boykotteure

Den Echo-Verantwortlichen sind solche Details sowieso völlig egal, müssen es auch sein, denn hier geht es per Definition um die objektive Anzahl verkaufter Scheiben. Insofern war es vor einem Jahr ein Rechtsbruch und ist die diesjährige Nominierung ein deutliches Zeichen für eine sachlich-ökonomische und gegen eine ideologische Orientierung.

Auffällig war übrigens auch, dass die Musikszene, die sich vor einem Jahr noch so aufgeregt gab, diesmal weitgehend ruhig blieb. Im Vorfeld der Nominierung hatte nur die Band Jennifer Rostock zum freiwildigen Echo-Boykott aufgerufen. Im Vorjahr war die Front der potentiellen Boykotteure mit Die Ärzte, MIA und Kraftklub zahlreicher und prominenter besetzt. Hat ein Jahr des Aufregens gereicht oder hat sich die Stimmung gedreht? Vielleicht hat sich auch nur gezeigt, dass die künstliche Aufgeregtheit nicht zu dem erhofften Mehrverkauf eigener Scheiben geführt hat?

Absurde Logik

Für die Tiroler waren die Vorgänge jedenfalls jenseits all solcher Motivationen damals und heute sicher sowohl verkaufs- als auch imagefördernd. Nur konsequent, dass sie das Echoecho nutzen und nun mit ihrem eigenen Boykott zusätzliche Aufmerksamkeit suchen. Dass bei denen nicht alles ganz richtig in der Birne ist, zeigen sie zumindest mit ihrer Absageformulierung: Es gehe der Band „um die Verletzung auf der emotionalen und seelischen Ebene, die der gesamten Frei.Wild-Familie zugefügt wurde”. Schluchz.

Von den Echo-Granden forderte man eine offizielle Entschuldigung, die diese mit ebenso absurder Logik ablehnten: „Jetzt eine Entschuldigung mit Blick auf die hitzige Debatte des Vorjahres zu fordern, die maßgeblich über die Öffentlichkeit ausgetragen wurde, hieße, an dem damaligen Diskussionsstand wieder anknüpfen zu wollen. Das entspräche weder der Komplexität des Themas, noch einer nach vorne gerichteten Auseinandersetzung“, sagte Dieter Gorny, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie.

Dem Mob nachzugeben, weil er ein Mob ist?

Doch entweder gibt es etwas zu entschuldigen oder nicht! Da hilft auch kein verquastes Herumeiern. Erst recht nicht, wenn der damalige Fehltritt heute damit verteidigt wird, dass „die Dynamik der Auseinandersetzung“ dies erfordert hätte. Dem Mob nachzugeben, weil er ein Mob ist, soll als Argument durchgehen?

Dabei hatte die Aussage Gornys an sich schon entschuldigende Substanz: Es gebe also einen neuen „Diskussionsstand“ und „eine nach vorne gerichtete Auseinandersetzung“. Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass man sich vom damaligen Zurückweichen vor der „hitzigen Debatte“ irgendwie doch distanziert.

Ob da ein eigens eingerichteter siebenköpfiger Ethik-Beirat zusammengesetzt aus Vertretern des öffentlichen Lebens (?), der Kirche, des Deutschen Kultur- sowie Musikrates sowie der Lehrerschaft nicht eher eine Verschlimmerung ist? Die Freiheit von Kunst und Meinung soll also nun von einem willkürlich zusammengetrommelten Expertengremium beschnitten werden? Ein Schiedsgericht, das wahrscheinlich auch noch so kompetent in seiner Sache ist, wie Architekten in den Jurys von Architekturwettbewerben?

Immerhin urteilte der Rat über Frei.Wild, „dass hier insgesamt die Grenze vom künstlerisch Vertretbaren zum gesellschaftlich völlig Unvertretbaren nicht überschritten sei”. Alles wieder in Ordnung also im Establishment. Doch auch wenn die ökonomischen Gesichtspunkte im Vordergrund stehen mögen, ist die Wiedernominierung eine öffentliche Absage an die proto-totalitäre Aufgeregtheit der selbsternannten Gutmenschen. Ein Echo als Lichtblick sozusagen.

 

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Über Konrad Kustos

Kustos studierte Germanistik, Geografie und Publizistik an der Freien Universität und promovierte über das Spannungsfeld zwischen Unterhaltungsliteratur und Literaturliteratur. Viele Jahre arbeitete er als Journalist in leitenden Positionen bei großen Berliner Tageszeitungen. Der Schwerpunkt seiner publizistischen Arbeit lag bei der Architektur und dem Aufbau der neuen Hauptstadt nach der Wende von 1989. Als roter Faden durch seine Arbeit zieht sich die Verteidigung des Normalbürgers gegen elitäre Denkweisen sowie der Versuch, Ideologien zu enttarnen. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel