Das Ende des Wohlstands: Das Rote Kreuz sammelt für Europa

Das spanische Wachstums-Wunder war nichts als Science Fiction. Statt Luxusimmobilien richten die Spanier jetzt Suppenküchen ein. Bürgerliche betteln vor dem Supermarkt. Und das Rote Kreuz sammelt wieder für ein Land mitten in Europa. Ein Gastbeitrag von Jean Paul.

Ein Lager des Roten Kreuzes in Spanien / Screenshot aus einem Video im Text Ein Lager des Roten Kreuzes in Spanien / Screenshot aus einem Video im Text

Für die großen deutschen Medien war Angela Merkels Besuch in Athen ein echtes Highlight. Offenbar wissen die nicht, was in Spanien los ist.

Das Land wurde von der Rating-Agentur Standard & Poor’s auf Ramschniveau herabgestuft. Das heißt, wer Spanien jetzt einen Dollar ausleiht, muss noch zwei Dollar draufzahlen, um den ersten Dollar wieder zurückzubekommen. Oder anders ausgedrückt: Die Geschäfte am SWAP-Markt laufen weiter bestens.

„Das spanische Wachstums-Wunder war nichts als Science Fiction”, sagt Javier Madero Garfias in einem Beitrag der “Welt”. Der Architekt hat seit 1973 Hunderte von Wohnungen in Ecija entworfen. „Ich glaube nicht, dass es jemals wieder so wird wie es war. Es ist das erste Mal, dass es den Kindern in Spanien schlechter geht als ihren Eltern.“

Am Beispiel Ecija wird der Niedergang Spaniens sichtbar. Der Ort lebte weitgehend von seinen Fabriken für Matratzen und Möbel. Als diese schließen mussten, waren plötzlich 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeitslos. „Noch vor vier Jahren wollten wir für 3 Mio. Euro ein öffentliches Schwimmbad, ein neues Rathaus und drei Brücken bauen”, sagt Juan Wic Moral. Er war von 2003 bis 2011 Bürgermeister der Stadt. „Jetzt geht es nur noch um eine neue Suppenküche“, sagt er.

So sieht es aus, das Leben, das Merkel und die EU den Spaniern verordnet haben. Und alles nur wegen des Euros. Aber der ist für Merkel ja bekanntlich indiskutabel.

Längst ist die neue spanische Wirklichkeit auch in den Internet-Foren angekommen. Im Costa-Blanca-Forum liest sich das so: „Mit wachsendem Unbehagen beobachte ich, dass vor den Supermärkten die üblichen Bettler (überwiegend Aussteiger und Gitanos) durch eine neue “Zielgruppe” abgelöst werden. Vor den Geschäften trifft man nun immer häufiger auf junge Menschen, denen es offensichtlich mehr als peinlich ist, dort zu stehen und um Almosen für sich und ihre Kinder zu bitten“, schreibt „Florecilla“.

Und weiter: „Mir als Kunde der Geschäfte ist es mittlerweile unangenehm, dass es mir gut geht und ich mir einen “unbeschwerten” Einkauf leisten kann während draußen bei den Einkaufswagen für eine kleine Familie mein Einkaufseuro schon die nächsten beiden Barras sichert. Die Menschen tun mir einfach leid und die Ausweglosigkeit der Situation bedrückt mich, so dass mein Euro meist den Besitzer wechselt.“
Hunger und Armut gab es noch vor wenigen Jahren nur in den entlegenen, unterentwickelten Teilen der Welt. Jetzt sind sie zurück in Europa. Mit dem Roten Kreuz sammelt die erste große Hilfsorganisation Spenden für 300.000 notleidende Menschen in Spanien.

Und es ist kaum zu glauben, aber in deutschen Foren diskutiert man bereits die Frage: „Müssen eigentlich Betteleinnahmen versteuert werden?

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