Konjunktur kippt, Preise steigen

Industrie / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/hafen-kran-hafenkran-umschlag-3109757/ Industrie / Quelle: Pixabay, lizenzfreie Bilder, open library: https://pixabay.com/de/hafen-kran-hafenkran-umschlag-3109757/
 
Ein bedrohliches Szenario der 1970er-Jahre kehrt zurück: Obwohl die Konjunktur nachlässt, steigt die Teuerungsrate. Der riskante Weg in die Stagflation.

Ölpreisschock, Inflationsschub, schwache Konjunktur: Diese Begriffe kennen Sie vielleicht noch aus den 1970er Jahren. Grund für den hohen Ölpreis war damals die Drosselung der Ölproduktion mehrerer OPEC-Staaten um 25 Prozent während des Jom-Kippur-Krieges, um den Verbündeten Israels zu schaden. Erinnern Sie sich auch noch an die Sonntags-Fahrverbote im November 1973, als man Sparziergänge auf Autobahnen machen konnte?

Der Wirtschaftsmotor Deutschlands stotterte heftig, während die Preise stiegen. Für diese Kombination aus schwacher Wirtschaft und hoher Geldentwertung, die es – nebenbei bemerkt – laut keynesianischem Lehrbuch gar nicht hätte geben können, wurde aus einer Zusammensetzung der Wörter „Stagnation“ und „Inflation“ der Begriff „Stagflation“ geprägt.

Die 1970er Jahre waren das Jahrzehnt der Stagflation. An den Finanzmärkten waren sie geprägt von stark steigenden Rohstoff- und Edelmetallpreisen sowie fallenden Aktien- und Anleihekursen. Interessanterweise bezeichnete man damals in den USA Staatsanleihen als Enteignungspapiere, weil die Geldentwertung deutlich höher war als die Zinsen und die Anleihekurse einbrachen. 

Steigende Preise

Jetzt sieht es so aus, als könnte von den USA ausgehend und angeheizt von einer jahrelangen ultra-expansiven Geldpolitik eine Neuauflage dieser ökonomisch schwierigen Zeiten bevorstehen. Denn der Rohölpreis befindet sich schon seit Anfang 2016 in einem Aufwärtstrend. Von den Medien weitgehend unbemerkt hat er sich seither von weniger als 30 $ pro Barrel der Sorte WTI auf rund 70 $ schon mehr als verdoppelt.

Rohöl ist der Schmierstoff der Weltwirtschaft. Sein Preis hat einen großen Einfluss auf die Konjunktur. Der CRB-Rohstoffindex gewichtet die in ihm enthaltenden Rohstoffe nach ihrer Bedeutung für die Weltwirtschaft. Energie hat eine Gewichtung von 39%, landwirtschaftliche Produkte inklusive Vieh werden mit 41% gewichtet und Metalle mit 20%.

Der folgende Chart zeigt Ihnen den Verlauf des CRB-Rohstoffindex seit 2014. Wie Sie sehen, hat dieser wichtige Index eine große Bodenformation nach oben abgeschlossen. Damit wird der starke Abwärtstrend, der 2011 begonnen hatte, von einem neuen Aufwärtstrend abgelöst. Deshalb rate ich Ihnen, sich – auch in Deutschland – auf weiter steigende Energie- und Lebensmittelpreise einzustellen.

Der Rohstoffindex hat eine große Bodenformation beendet. Damit signalisiert er steigende Rohstoffpreise und zunehmende Geldentwertung. Quelle: Claus Vogt/StockCharts.com

Der Rohstoffindex hat eine große Bodenformation beendet. Damit signalisiert er steigende Rohstoffpreise und zunehmende Geldentwertung. Quelle: Claus Vogt/StockCharts.com

Klagen über einen zunehmenden Margendruck aufgrund steigender Preise ziehen sich wie ein roter Faden durch die jüngsten Quartalsberichte der US-Unternehmen. So unterschiedliche Firmen wie Pepsi, Hershey, UPS oder Caterpillar berichten von steigenden Preisen. Und das nicht nur bei Rohstoffen, sondern auch bei Transportkosten, Lebensmittelpreisen sowie Löhnen und Gehältern. Dieser Preisdruck ist auf den höchsten Wert seit sieben Jahren geklettert.         

Konjunktur auf Talfahrt

Gleichzeitig sind beispielsweise der wichtige US-Industrieproduktionsindex und der Frühindikator der Philadelphia Fed überraschend stark zurückgegangen. So kündigt sich gewöhnlich ein konjunktureller Abschwung an. Der Weg in die Stagflation scheint vorgezeichnet – auch in Deutschland, wo die jüngsten Konjunkturdaten ebenfalls schwach ausgefallen sind.

Der kanadische Analyst David Rosenberg, den ich in meinen acht Jahren bei Merrill Lynch als sehr kompetenten, klugen und kritischen Chefvolkswirt schätzen gelernt habe, fasst diese bedrohliche Entwicklung – steigende Preise gepaart mit einem Wirtschaftsabschwung – folgendermaßen zusammen: „In einem Wort: Stagflation.“

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Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Gründer der Vermögensverwaltung Aequitas Capital Partners GmbH, einer auf vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwaltung. 2004 schrieb er zusammen mit Roland Leuschel das Buch "Das Greenspan Dossier". Gemeinsam schreiben sie nun den Börsenbrief „Krisensicher Investieren“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

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hubi stendahl
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hubi stendahl

2 jährige Staatsanleihen 2.74% +12.7%—–5 jährige 3.07% +8.6%
10 jährige 3.18% +2.4%.

Das wusste Mattarella ganz sicher vorher. Ist das Planung? Hat er einen Auftrag bekommen? Der Abbruch muss es noch nicht sein. Aber ein weiterer Sargnagel für den Euro ganz sicher.

Es fehlt als weiteres Signal, das Merkel mit der Tagung der Bilderberger übernächste Woche ZUFÄLLIG in Italien in den Ruhestand geschickt wird.

Reichsdeutscher sagt
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Reichsdeutscher sagt

ich sehe das so wir bekommen in kürze eine Hyperinflation die sich sehen kann derzeitig wird uns das Märchen von einer Inflation von ca. derzeitig von 2% vorgespielt. Die tatsächliche Lage wird sich wohl faktisch bei 6 bis 7% bewegen nicht zu vergessen die Nullzinskurs der NGO – EUDSSR Verlust von ca. 450 Mrd. Euros innerhalb der EUDDSR Zwangsgründung. Somit eine zusätzliche Enteignung unseres Volksvermögen. Diese Planung wurde doch schon lange geplant Moorgentau , Hooton , Kaufmannplans führender Zionist von 1926 Graf von Kahlerki usw. für eine NWO Großeuropa unter Aufsicht der US von A und Großisrael !!!!!!!!!!

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Trump läßt die EU jetzt über die Klinge springen. Da die EU Sanktionen gegen Russland verhängt hat wird man jetzt sehen wie einig sich die Herrschaften sind oder ob das der Sargnagel für die EU ist.

Stiller Leser
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http://www.sueddeutsche.de/politik/juncker-zu-us-strafzoellen-was-die-koennen-koennen-wir-genauso-1.3997914#redirectedFromLandingpage

31. Mai 2018, 17:41 Uhr
Reaktionen auf Strafzölle
Bundesregierung: US-Strafzölle sind rechtswidrig

eckehard
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eckehard

solange der größte bankräuber der ezb den tresorschlüssel in der hand behält, werden weiter milliarden – m. e. – zum fenster hinaus geworfen, um die maroden banken + unternehmen zu sanieren, zu subventionieren usw. ! wir haben schon 2 zwangsmaßnahmen bzgl. von hypotheken erlebt, und so wird es vermutlich wieder kommen, da wir – bis heute – besetzt sind, und der iwf – die brd auffordert, eine höhere inflationsrate – zu akzeptieren, denn das würde – uns – unser kapital, bzw. guthaben belangen, das wir so die 5 pleiteländer stützen ! und rechtlose, sklaven – haben – keine rechte, und… Read more »