Was Politiker und Broker verbindet

Wahlkampf 1990 / Wikipedia; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/61/Bundesarchiv_Bild_183-1990-1120-308%2C_Cottbus%2C_Wahlplakate.jpg Wahlkampf 1990 / Wikipedia; https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/61/Bundesarchiv_Bild_183-1990-1120-308%2C_Cottbus%2C_Wahlplakate.jpg
Politiker und Broker sind kontaktfreudig, gute Netzwerker, extrovertiert und besitzen ein großes Selbstbewusstsein. Aber was unterscheidet sie?

Ganz ehrlich: In allen Bereichen des Lebens arbeiten Menschen, die ihr Geschäft von der Pike auf beherrschen, und andere, die sich gerade so über Wasser halten können. Bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten bringen eine Person in ihrem Spezialbereich nach vorn, während andere zurückfallen oder sich durch mehr oder weniger verdeckte Mogeleien im Spiel halten können. Natürlich gilt dies auch für die Politik, denn auch hier tummelt sich eine breite Auswahl von Charakteren verschiedener Kompetenzen.

Wir nehmen einfach mal den modernen Politiker unter die Lupe und schauen, was er so „drauf“ hat – oder eben auch nicht – und vergleichen diese Bevölkerungsgruppe mit jener der Broker, die aufgrund ihrer sensiblen Tätigkeit ebenfalls Spezialisten sind.

Der „Kunde“ zahlt in der Politik immer, auch ohne Gewinn für sich selbst

Ein Anleger, der ins Devisen- oder Aktiengeschäft einsteigen möchte, benötigt einen Broker, der für ihn die gewünschten Transaktionen am Markt tätigt. Der Profi erhält für seine Dienste natürlich eine Vergütung, die aus dem Gewinn seines Kunden stammt. Auch Politiker agieren im Auftrag anderer Personen, nämlich des Volkes. Sie treffen gesellschaftlich relevante Entscheidungen, die den Menschen im Land Gewinn bringen sollen und erhalten ihre Bezahlung aus Steuermitteln. Und hier tritt bereits ein wichtiger Unterschied hervor: Ein Volksvertreter erhält eine gesicherte Bezahlung, egal, ob seine Aktivitäten nun tatsächlich mit positiven Folgen gesegnet sind oder ob sie Verluste für die Bürger bringen. Der „Kunde“ zahlt in der Politik also immer, selbst wenn er nichts bestellt oder aber gar nicht das erhält, was er sich wünscht. Und der Politiker gehört auf jeden Fall zu den Gewinnern, es sei denn, er wird von den erbosten Wählern wieder abgewählt.

Irrtum nicht ausgeschlossen: Wie sichern sich Broker und Politiker ab?

Ein guter Broker sollte auf jeden Fall multitaskingfähig sein, er muss jeden Tag eine große Menge an Informationen verarbeiten und diese in Kombination analysieren. Im Ernstfall sind blitzschnelle Reaktionen gefragt, um drohende Verluste zu vermeiden oder kurzfristig in ein lohnenswertes Geschäft einzusteigen. Natürlich behält der Börsen-Experte stets die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage im Auge, die sich bei Veränderungen kräftig auf die Kurse niederschlagen kann. Gerade für hohe Politiker sollte es unumgänglich sein, ebenfalls die Gesamtlage im Land und in der Welt im Auge zu behalten, sich jeden Tag aufs Neue zu informieren, aber auch die Auswirkungen eigener politischer Weichenstellungen zu beobachten. Normalerweise hält sich ein wichtiger Entscheidungsträger zu diesem Zweck einen eigenen Beraterstab, der ihn über sämtliche wichtige Ereignisse auf dem Laufenden hält und bei Bedarf Vorschläge unterbreitet, wie zu reagieren ist. Das dürfte eigentlich genügen, um solide und ausgewogene Entscheidungen zu treffen, was allerdings erwiesenermaßen nicht immer gelingt.

Quelle: Pixabay

Quelle: Pixabay

Auch der Broker ist nicht unfehlbar, doch während ihn der Verdruss der Großkunden ganz direkt trifft, erreichen den Politiker haufenweise Petitionen und kritische bis wütende E-Mails. Im schlimmsten Fall steht die Existenz des Wertpapierhändlers auf dem Spiel, der moderne Volksvertreter sitzt das Problem hingegen zumeist aus, wechselt den Posten oder geht im schlimmsten Fall in Pension, wo eine lohnenswerte monatliche Auszahlung auf ihn wartet. Der freiwillige Rücktritt, wie er in früheren Zeiten gang und gäbe war, gilt offensichtlich heute kaum noch als realistische Option. Aber, ganz nüchtern betrachtet, fielen die damaligen Rücktrittskanditen ebenfalls nicht in ein bodenloses Loch ohne finanzielle Absicherung! Der Broker jedoch kann nur privat dafür vorsorgen, dass bei beruflichen Problemen ein gutes finanzielles Polster auf ihn wartet, seine Kunden werden ihn jedenfalls nicht lebenslang versorgen.

Quelle: Pxhere

Quelle: Pxhere

Das beste Aushängeschild: vollmundige Versprechen – oder Qualitätsarbeit?

Politiker und Broker teilen sich einige wichtige Soft Skills, die karriereorientierte Personen bedeutend leichter in berufliche Führungspositionen bringen. Dazu gehören vor allem eine hohe Kontaktfreudigkeit, extrovertiertes und sicheres Auftreten sowie ein großes Selbstbewusstsein. Gerade in der Anfangsphase gilt es in beiden Jobs, ein solides Networking zu betreiben und möglichst viele Menschen von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen. Im Grunde ist es die Fähigkeit zur Selbstvermarktung, die dafür sorgt, dass das eigene Gesicht – oder zumindest das persönliche Profil – bekannt wird und im Ansehen der Kunden beziehungsweise der Wähler steigt.

Den größten Profit können Broker jedoch aus erfolgreich abgeschlossenen Geschäften ziehen, die ein wichtiges Aushängeschild für Qualität darstellen. Die Arbeit und die Angebote der Broker werden dabei auch noch regelmäßig von externen Organen überprüft und publiziert. Dies steigert den Qualitätsanspruch der Spezialisten auch hinsichtlich des Kundenservice nochmals, denn Neulinge auf dem Gebiet des Devisenhandels wählen sich einen vertrauenswürdigen Broker gern anhand vergleichender Leitfäden im Internet aus, die wiederum wahre Kompetenz und Verlässlichkeit in den Vordergrund stellen. Wer hier als Anbieter nicht langfristig sauber arbeitet, wird es schwer haben bei der Neukunden-Akquise. Im besten Fall werden auch Politiker wegen ihrer guten Arbeit wiedergewählt und nicht wegen eines gewinnenden Lächelns und vollmundiger Wahlversprechen, denn auch sie müssen mit Feedback öffentlich umgehen. Leider gelingt dies nicht immer. Manchmal aber erhoffen sich die Wähler einfach für die Zukunft mehr als sie bisher empfangen durften – und setzen ihr Kreuzchen deshalb wieder an dieselbe Stelle.

Quelle: Pixabay

Quelle: Pixabay

Die Bewerbung beim Wähler funktioniert ohne Lebenslauf und Zeugnisse

Der Jungpolitiker beginnt seine Karriere zumeist innerhalb einer Parteistruktur auf ehrenamtlicher Basis. Erst wenn er gewisse Ämter bekleidet, erhält er ein staatliches Salär, bis dahin muss er sich unermüdlich nach vorn arbeiten. Einigen eher Spätberufenen gelingt es allerdings auch, in der Kommunalpolitik als parteiloser Kandidat durchzustarten und recht schnell zum Beispiel das Amt eines Bürgermeisters zu bekleiden. Dies gelingt vor allem dann, wenn sich eine Person mit bereits vorhandenem hohen Bekanntheitsgrad eines politischen Themas annimmt, das ganz aktuell auf den Nägeln brennt. Eine spezielle Ausbildung für Politiker gibt es jedenfalls nicht, auch lässt sich die Karriere nicht unbedingt mit einer besonderen Berufswahl beschleunigen. Am einfachsten haben es jedoch Angehörige gutverdienender Klassen.

Wer es sich als Ziel gesetzt hat, eines Tages ein erfolgreicher Broker zu sein, der darf im Gegensatz zu diesem eher unbestimmten Karriereweg beruhigt auf eine Ausbildung zum Bankkaufmann bzw. Bankkauffrau setzen und sich anschließend in der betreffenden Richtung weiterbilden. Oder noch besser: Er studiert Finanzwissenschaften bzw. Betriebswirtschaftslehre. Da es sich auch hier um keinen Beruf mit festgelegter Ausbildung handelt, kommt manchmal auch der eine oder andere Quereinsteiger aus dem weiten Feld der Soziologie oder Volkswirtschaftslehre hinzu. Damit erschöpfen sich fast schon die Zugangsmöglichkeiten, weil der angehende Broker im Zuge seiner Bewerbung bei einer Investmentgesellschaft oder Bank ganz reale Fachkenntnisse vorweisen muss – ohne die geht es einfach nicht. Die Bewerbung beim Wähler auf dem politischen Feld geschieht allerdings ohne Lebenslauf und Zeugnisse, sondern mit massentauglichen Wahlversprechen.

Quelle: Pixabay

Quelle: Pixabay

What about English, Mr. President?

Um die Fremdsprachenkenntnisse vieler Politiker steht es bekanntlich nicht zum Besten, ganz im Gegensatz zur Berufssparte der Broker, die zumindest das Englische perfekt beherrschen sollten. Unser Ex-Bundespräsident Roman Herzog äußerte sich einst auf einer USA-Reise folgendermaßen:

„Ich spreche zwar Ihre Sprache, aber zum Wohle der Völkerverständigung spreche ich sie jetzt lieber nicht.“

Wie gut, dass für jeden ranghohen Politiker eine Kohorte von Dolmetschern arbeitet, sonst stände es wirklich schlecht um die Diplomatie!

Print Friendly, PDF & Email