Unis als Sklaven der Wirtschaft

Audimax Uni Klagenfurt /By selbst erstellt (Psy student123 at de.wikipedia) (Own work (Original caption: “selbst erstellt”)) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAAU_Klagenfurt_Audimax.JPG Audimax Uni Klagenfurt /By selbst erstellt (Psy student123 at de.wikipedia) (Own work (Original caption: “selbst erstellt”)) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAAU_Klagenfurt_Audimax.JPG
Als mit der europäischen Integration die Hochschulausbildung vereinheitlicht wurde, geschah dies mit dem Ziel, sie den Interessen der Wirtschaft unterzuordnen.

Die gesamte Entwicklung der „europäischen Integration“ ist geprägt von dem Spannungsverhältnis zwischen den bewahrenden Interessen der Nationalstaaten und der von den Eurokraten stetig angefachten Dynamik, immer mehr Kompetenzen in Brüssel zu zentrieren, bis der geplante Bundesstaat erreicht ist. Davon macht auch die Bildungspolitik keine Ausnahme. Obwohl die Kompetenzen für das Bildungswesen rechtlich in den Mitgliedstaaten verankert sind, richteten sich schon zu Zeiten der rein ökonomischen EG die Brüsseler Bestrebungen darauf, Einfluss auf die Bildungssysteme der Mitgliedstaaten zu nehmen und ihre „europakonforme“ Angleichung zu fördern.

Dem diente ab 1976 eine Folge von EG-Aktionsprogrammen, die den Ausbau von engen Kontakten zwischen den wissenschaftlichen Fachverbänden, die Schaffung gemeinsamer Forschungs- und Studienprogramme, die gemeinschaftsweite Förderung der studentischen Mobilität und die wechselseitige Anerkennung von Diplomen und Studienzeiten zum Ziel hatten.[1]

„Hinter all diesen Programmen stand als treibende Kraft die Europäische Kommission. Vieler Bedenken zum Trotz – innerhalb der Mitgliedstaaten, aber vor allem hinsichtlich der Kompetenzfrage –, übernahm die Kommission die Prozessführerschaft“. Der Europäische Gerichtshof (EuGH), der mit seinen Entscheidungen stets die „supranationale Dynamik der Integration“ verstärkt, kam der Kommission in ihrem Anspruch zu Hilfe und erklärte in einem Urteil von 1985, „Bildungspolitik falle zwar nicht in den Aufgabenbereich der Gemeinschaft. Aus der Perspektive der Freizügigkeit innerhalb der EG, stelle das Hochschulstudium aber zugleich eine Berufsausbildung dar und sei insofern für die Gemeinschaft von einer besonderen Relevanz.“ [2]

Damit stellte er „rechtsschöpferisch“ den gewünschten Zusammenhang der Bildung mit dem Wirtschaftsleben her, der in der Folge eine immer größere Bedeutung erhielt.

„Ergebnisorientierte Strukturen“

Folgerichtig wurde in den Maastricht-Vertrag von 1993 erstmals die Bildungspolitik in den Bereich des Gemeinschaftsrechts aufgenommen und die Prozessführerschaft der Kommission sozusagen rechtlich sanktioniert, wenn auch unter dem Vorbehalt der primären Verantwortung der Mitgliedstaaten. Das führte dazu, dass die Kommission die indirekte Steuerung der Bildungspolitik zur „Offenen Methode der Koordinierung“[3] weiterentwickelte, die 2003 offiziell beschlossen, aber schon vorher praktiziert wurde.  Mitgliedstaaten werden danach propagandistisch über politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Kanäle veranlasst, sich mit den von der EU gewünschten Zielen zu identifizieren und sie untereinander „freiwillig“ zu vereinbaren. Die Methode bietet die Möglichkeit der politischen Steuerung ohne eine EU-Rechtssetzung, zu der man hier die Kompetenz (noch) nicht hat.

So malten seit Mitte der neunziger Jahre EG, Lobbygruppen, Regierung und wirtschaftsnahe Stiftungen in dramatischen Farben die Rückständigkeit der Universitäten im globalen ökonomischen Wettbewerb an die Wand. Die richtigen Lösungswege zeigte schon 1996 der damalige „Zukunftsminister“ Jürgen Rüttgers auf: Evaluationen (rückblickende Wirkungskontrolle und  vorausschauende Steuerung) von Lehre und Forschung, effiziente ergebnisorientierte Leitungs- und Managementstrukturen der Hochschulen, die Dienstleistungsbetriebe zu sein hätten. Die Bertelsmann-Stiftung, eine neoliberaler Wirtschaftstheorie nahestehende „Denkfabrik“, gründete 1994 mit den Hochschulrektoren, die eine mögliche Opposition hätten darstellen können, das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), das mit entsprechenden Studien das Bewusstsein in die richtige Richtung wies.[4]

Am Kapitalismus ausgerichtet

Parallel zu der Umgestaltung der europäischen Schulsysteme begann ein radikaler Umbau des europäischen Hochschulwesens, der am 25. Mai 1998 mit der „Sorbonne-Erklärung“ von vier europäischen Bildungsministern (unter ihnen der deutsche Jürgen Rüttgers) angestoßen wurde. Auf ihr baut die am 19. Juni 1999 verkündete „Bologna-Erklärung“ von 29, nicht nur der EU angehörenden  Bildungsministern auf, die den Prozess in Fahrt brachte. Folgsame, beflissene oder antreibende „Europa-bewusste“ Bildungsminister unterschrieben eine politisch-programmatische Erklärung, wonach durch eine europaweite Hochschulreform ein einheitlicher europäischer Hochschulraum geschaffen werden solle, in dem die Studiengänge und -abschlüsse „harmonisiert“, d. h. durch ein zweistufiges System berufsqualifizierender Abschlüsse (Bachelor/Master) vereinheitlicht werden sollten.

Dazu sollten die Studiengänge in einzelne Lern-Module aufgegliedert werden, – wie in den Schulen – „Kompetenzen“ vermittelt und eine fortlaufende „Qualitätssicherung“ eingeführt werden. So die offizielle Lesart. Auf der Webseite des Bundesbildungsministeriums heißt es verharmlosend, Ziel des „Hochschulreformprozesses ist es, international akzeptierte Abschlüsse zu schaffen, die Qualität von Studienangeboten zu verbessern und mehr Beschäftigungsfähigkeit zu vermitteln.“

Was aber konkret dahintersteht, deutet etwa die Formulierung in der Bologna-Erklärung an, dass es darum gehe, „die arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen der europäischen Bürger ebenso wie die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulsystems zu fördern.“ Daraus spricht der ökonomistische Geist der neoliberalen, eng mit der OECD zusammenwirkenden EG (heute EU), denen es grundsätzlich um die Ausrichtung von Wissenschaft und Forschung auf die Interessen und Ziele der profitorientierten kapitalistischen Wirtschaft geht, nicht um unabhängige Wissenschaft und nicht um Bildung. Dazu bezeichnend ist die Hintergrundnotiz informierter Kreise, die Jochen Krautz übermittelt, „dass diese Erklärung das Ergebnis eines mehrtägigen Gelages war, an dessen Ende in allgemeiner Ratlosigkeit ein Vertreter der US-amerikanisch dominierten Wirtschaftsorganisation OECD das vorbereitete Papier hervorzog und zur Unterzeichnung vorschlug.“

Dieser grundlegende Umwandlungsprozess der europäischen Hochschullandschaft wird seit 1999 durch ein kompliziertes internationales Netzwerk vorangetrieben. Alle zwei Jahre findet eine Folgekonferenz der Bildungsminister statt, an der auch beratende Organisationen wie u. a. der Europarat, der Arbeitgeberverband BusinessEurope und der paneuropäische Gewerkschaftsverbund Education International (EI) teilnehmen. Dazwischen trifft sich regelmäßig – mindestens zweimal jährlich – eine „Bologna Follow-up Group“ (BFUG), in der die Regierungen der Mitgliedstaaten und die genannten Organisationen sowie natürlich auch die EU-Kommission vertreten sind. Den Vorsitz dieser Gruppe teilen sich im Halbjahresturnus die jeweilige EU-Präsidentschaft und ein Nicht-EU-Land. Organisatorische Unterstützung erhält die BFUG durch das Bologna-Sekretariat, das jeweils von dem Land (oder den Ländern) gestellt wird, welches die nächste Ministerkonferenz ausrichtet. Inzwischen haben sich 47 Staaten dem Bologna-Prozess angeschlossen, darunter auch der Vatikan und mit Aserbaidschan und Kasachstan bereits zwei außereuropäische Staaten.

In Deutschland werden die Reformen vom Bundesbildungsministerium, den Kultusministerien der Ländern und den Hochschulen selbst umgesetzt. Begleitet wird der Prozess durch eine Bund-Länder Arbeitsgruppe „Fortführung des Bologna-Prozesses“, die aus Vertretern des Bundesbildungsministeriums, der Kultusministerkonferenz, der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und u. a. auch aus Vertretern der Arbeitgeber (BDA) und der Gewerkschaften (GEW) besteht. Inzwischen (zum Wintersemester 2012/2013) sind nach Mitteilung des BMBF rund 87 Prozent aller Studiengänge (13.900 von 16.100 Studiengängen insgesamt) an deutschen Hochschulen auf die gestufte Studienstruktur umgestellt. Insbesondere an den Fachhochschulen ist die Umstellung schon so gut wie abgeschlossen.

Propagandistische Steuerung

Wie aber konnte die Bologna-Reform, die dem traditionellen, auf Humboldt zurückgehenden humanistischen Bildungsideal in Deutschland diametral zuwiderläuft, gegen alle Vernunft am Willen der meisten Beteiligten und der Bürger vorbei durchgesetzt werden? Durch die Strategie der breit angelegten politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Propaganda wurde die Atmosphäre eines öffentlichen Gedanken-Sogs erzeugt, in dem die Bologna-Reform den Nimbus der „Alternativlosigkeit“, ja, den Anschein bindender Verpflichtung erhielt.

Dabei wurden nach bewährtem Gut-Böse-Schema fortschrittliche Reformen und schlechte, rückständige Universität gegenübergestellt und Bologna als Übernahme des erfolgreichen anglo-amerikanischen BA/MA-Systems ausgegeben, obwohl die erfolgreichen US-Elite-Universitäten gerade nach dem alten Humboldt-Modell arbeiten.

„Die Hochschulen zu Dienstleistungsunternehmen zu machen, die sich im Wettbewerb profilieren müssen, dabei Studenten als Kunden und Forschung als „Output-Indikator“ zu betrachten, wurde seitens des Centrums für Hochschulentwicklung, mit dem die Bertelsmann-Stiftung die Hochschulrektoren in den Reformprozess eingebunden hatte, mit markigen Worten als mit Blut, Schweiß und Tränen verbundene, gleichwohl unumgängliche Notwendigkeit angekündigt. …“ (Jochen Krautz: Gut gemeint und nur schlecht gemacht?)

Es ist erstaunlich, wie leicht nationale Bildungsideen umgekrempelt und Kritiker, die das eigene Denken nicht der EU-Steuerung unterwerfen wollten, ausgeschaltet werden konnten. Das Konzept dafür liefert wieder die Bertelsmann-Stiftung. In einem Papier über die „Kunst des Reformierens“ gibt sie

„eine Anleitung, wie man Reformen gegen den Willen der Bürger und Betroffenen durchsetzt. Regierungen dürften sich von ,Vetospielern’ nicht die Handlungsspielräume verengen lassen. Daher sei die Beteiligung von Interessengruppen zu reduzieren, sodann diese zwar anzuhören, nicht jedoch, um die Sache zu diskutieren, sondern um die ,Legitimität der Reform”’ zu steigern und ,Widerstände’ zu mindern.“ Besonderes Augenmerk gelte der Schwächung von “Widerstandspotential”. Man spalte die Opposition, indem man die einen beteilige, die anderen benachteilige, ,um so eine potentiell geschlossene Abwehrfront zu verhindern’. Diese Zersetzungsmaßnahmen gegenüber nicht zustimmungswilligen Bürgern und Beteiligten gelte als demokratietheoretisch ,nur auf den ersten Blick’ bedenklich. Schließlich müsse sich “eine Regierung im Zweifelsfall auch gegen den Volkswillen durchsetzen”. (Jochen Krautz: Die sanfte Steuerung der Bildung)

Nach diesem Muster, so Krautz, knüpfte man geschickt an bestehende Probleme der Hochschulen an, um kritische Geister ins Boot zu holen und Widerstand zu mindern. Jedem wurde etwas angeboten: der Wirtschaft jüngere und dennoch besser qualifizierte Absolventen, auf Leistung bedachten Konservativen die Senkung der Abbrecherquoten, den Studenten studierbare Studiengänge und den Universitäten mehr Autonomie.

„Das Anerkennungsstreben der Fachhochschulen spielte man gegen die Universitäten aus. Sozialdemokraten ließen sich suggerieren, der verschulte Bachelor sei die Verwirklichung einer Bildung für alle. Zugleich hielt das neoliberale Neusprech und Neudenk allerorten Einzug.“ (J: Krautz )

Diffamierung von Kritikern

Verbände wurden zwar angehört, aber ohne Wirkung, wie, so Krautz, die schon früh einsetzende Kritik etwa des Deutschen Hochschulverbandes zeigt. Manche Interessenvertretung sah von zu scharfen Stellungnahmen ab, um auch weiterhin an den Anhörungsrunden teilnehmen zu dürfen. Kritiker, die sich dennoch äußerten, wurden als Ewiggestrige, Fortschrittsfeinde und ängstliche Blockierer dargestellt und ausgegrenzt.

„Dies führte bei vielen Kritikern gerade aus den Hochschulen früh zu Resignation, da man sich isoliert sah, keine organisierte Interessenvertretung hatte, diese allerdings auch nicht aufbaute.“

Die Schwächung und Zersplitterung gerade der potentiell kritischen Professorenschaft gelang einerseits dadurch, dass die Reform zu einem Zeitpunkt lanciert wurde, als eine große Zahl von Professoren in den Ruhestand ging, die sich mit Schaudern von dem neuen System abwandten.

„Die nachwachsende Generation trat kaum mit Kritik hervor, wollte man sich doch Aussichten auf Karriere nicht verderben. Zum anderen bot die Reform manche Karriereoptionen in den neuen Strukturen oder mit Reformmaßnahmen verbundene Geldmittel, so dass Widerstand auch korrumpiert wurde.“[5]

Die führende Rolle der Bertelsmann-Stiftung in diesem Prozess wurde an dem marktradikal inspirierten Hochschulfreiheitsgesetz für Nordrhein-Westfalen von 2007 deutlich:

„Die Inhalte des neuen Gesetzes formulierte das Centrum für Hohschulentwicklung selbst vor (vgl. CHE 2005), und die Landesregierung zögerte nicht, dies weitgehend deckungsgleich in Kraft zu setzen. Die »Freiheit« des neuen Gesetzes meinte selbstverständlich Marktfreiheit, also Deregulierung der Kontrolle, die Einführung betriebswirtschaftlicher Steuerungsmuster und die Verordnung von Wettbewerb zwischen den Hochschulen. Hierdurch wurden Universitäten zu halbstaatlichen Unternehmen, in deren Aufsichtsräten hochschulexterne Unternehmens- und Bankenchefs nun Entscheidungsbefugnisse erhielten: ´Manager erobern die Kontrolle an den Unis´, titelte das Handelsblatt.“ (s. Anm. 5)

2009 veröffentlichen Lehrende der Universität Köln voller Empörung eine Erklärung »Zum Selbstverständnis der Universität«, die von über 1300 Hochschulangehörigen und Studierenden unterzeichnet wurde.  Sie sehen darin „die Idee und den gesellschaftlichen Auftrag der Hochschule in hohem Maße bedroht“ und erinnern an das ursprüngliche Selbstverständnis der Universität: „Sie gründet auf den Prinzipien der Universalität, Autonomie sowie einem unbestechlichen Willen zur Wahrheit. … Erschütternd ist, dass die Universität heute scheinbar dazu bereit ist, diesen Anspruch widerstandslos preiszugeben und sogar dienstfertig dessen Demontage voranzutreiben.“

Sie fordern ein Ende der durch den Bologna-Prozess betriebenen Säuberung der Hochschule von den erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Voraussetzungen des Wissens zugunsten eines nur funktional-operativen, also anwendungsbezogenen Wissens. „Der Studienaufbau folgt derzeit der Logik von Berufsorientierung und Kompetenzerwerb, während Fachsystematik und Forschungsorientierung in den Hintergrund rücken oder bereits ganz abgelöst sind. … Der Anspruch einer universalen und im Wortsinne universitären Bildung darf nicht aufgegeben werden.“ (Kölner Erklärung)

Der neue Imperialismus

Inzwischen war sogar der derzeitige Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz Horst Hippler nachdenklich geworden: „Eine Universität muss mehr leisten als Ausbildung, nämlich Bildung. Das tut sie mit dem Bachelor nicht.“[6] Und das sagt er, obwohl die Rektorenkonferenz die Reform selbst massiv mit vorangetrieben hatte.

In bemerkenswerter Weise kommt der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm auf den zentralen Punkt:

„Wir haben es mit einer Wirtschaft zu tun, die sich anschickt, totalitär zu werden, weil sie alles unter den Befehl einer ökonomischen Ratio zu zwingen sucht. (…) Aus Marktwirtschaft soll Marktgesellschaft werden. Das ist der neue Imperialismus. Er erobert nicht mehr Gebiete, sondern macht sich auf, Hirn und Herz der Menschen einzunehmen. Sein Besatzungsregime verzichtet auf körperliche Gewalt und besetzt die Zentralen der inneren Steuerung des Menschen.“ (Norbert Blüm: Gerechtigkeit; Eine Kritik des Homo oeconomicus. Freiburg 2006, S. 81)

Dieser neue Imperialismus kann sich nur über die alten hierarchischen Machtstrukturen des Einheitsstaates festsetzen. Der Protest der meisten Lehrenden bleibt folgenlos, weil andere die skrupellose Macht über die Strukturen besitzen, in denen sie eingebunden sind. Eine grundlegende Wandlung kann nur erwartet werden, wenn sich das Bildungs- und Kulturleben völlig aus der staatlichen Verfasstheit löst und sich mit einer eigenen Verwaltung davon unabhängig macht.

 

[1] http://hsdbs.hof.uni-halle.de/documents/t1722.pdf S. 19 f.

[2] a.a.O. S. 21 f.)

[3] http://www.eu-bildungspolitik.de/offene_methode_der_koordinierung_66.html

[4] Vgl.: https://bildung-wissen.eu/autoren/h-k/krautz-jochen-professor-dr/page/2%29

[5] http://bildung-wissen.eu/autoren/h-k/krautz-jochen-professor-dr%29

[6] http://www.his.de/presse/hs_news/ganze_pm?pm_nr=1094

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Über Herbert Ludwig

Herbert Ludwig war viele Jahre Lehrer an einer Freien Waldorfschule. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit den inneren und äußeren Bedingungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit und mit den Hintergründen der „europäischen Integrationsbewegung“, woraus seine Schrift „EU oder Europa?“ und Artikel auf seiner Webseite hervorgegangen sind Kontakt: Webseite | Weitere Artikel

16 Kommentare zu Unis als Sklaven der Wirtschaft

  1. hubi Stendahl // 13. Juli 2017 um 10:07 //

    „Die nachwachsende Generation (Anm.: der Lehrenden) trat kaum mit Kritik hervor, wollte man sich doch Aussichten auf Karriere nicht verderben.“

    und weiter:

    „Der Protest der meisten Lehrenden bleibt folgenlos, weil andere die skrupellose Macht über die Strukturen besitzen, in denen sie eingebunden sind.“

    Es sind leider nicht die meisten Lehrenden, sondern eine Minderheit, die ihren Bildungsauftrag im Sinne von Bildung noch ernst nehmen. Am Ende steht der persönliche wirtschaftliche Status auch hier im Vordergrund. Der „Homo Oeconomicus“, der vorgeblich bekämpft werden soll, macht auch vor der aktuellen Generation der Lehrenden nicht halt.

    Bildung ist kein separierter Lebensraum, der nicht durch ein soziologisches Umfeld beeinflusst wird. Bildung ist im Gegenteil Werkzeug einer hierarchischen Ordnung (Macht), in der der Wille zur Anpassung existenziellen Charakter besitzt. Ob Professor oder Student, wer den Rahmen verletzt hat nichts zu lachen.

    Erst eine gesamtgesellschaftliche Neuorientierung könnte an den Fehlallokationen im Bildungssystem etwas ändern. Dazu lässt sich m.E. nicht wie im Bericht erwähnt, das Bildungssystem einfach aus „der staatlichen Verfasstheit“ lösen; wie soll das gehen, wenn diejenigen die die Macht haben, sie abgeben sollen?, sondern die staatliche Verfasstheit selbst, müsste einer umfassenden Neuorientierung unterworfen werden. Auf diesen Silberstreifen, massive Proteste der in Dekadenz eingeschlafenen Bevölkerung aller Bildungsschichten, dürfen wir wohl noch lange warten.

    • Benjamin // 13. Juli 2017 um 21:38 //

      Ich habe eine Bitte an Sie. Lese mich gerade in Ihren mehrteiligen Text über Manipulation und Matrix ein. Leider gibt der Link zum dritten Teil (http://www.geolitico.de/2016/08/27/schuld-ist-unsere-schwerste-hypothek/) nur ein 404 raus. Ist das ein Fehler? Gibt es eine andere Möglichkeit den 3. Teil lesen zu können? Würde mich sehr freuen. Danke.

      • hubi Stendahl // 14. Juli 2017 um 08:37 //

        Hallo @Benjamin

        Wenn Sie einmal etwas nicht finden können wovon Sie sicher sind, dass es existieren muss, dann ist die Cache-Suche in der jeweiligen Suchmaschine oft hilfreich.

        Die Seitenbetreiber verschieben meist unbewusst ihre Datenbestände im Rahmen der Pflege der Datenbanken und die ursprünglichen Verlinkungen funktionieren dann nicht mehr. Hier der Teil aus dem Google-Cache. Vielen Dank für das Interesse:

        http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:DYc5MaUNUtwJ:www.geolitico.de/2016/08/27/schuld-ist-unsere-schwerste-hypothek/+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=opera

  2. Karl Bernhard Möllmann // 13. Juli 2017 um 12:10 //

    . . .
    Mit glänzender Intuition hat Herbert Ludwig wieder einmal geschafft – die „Sklaverei“ unserer hoch gebildeten Doktoren zu analysieren und die KRIMINELLEN ZIELE der schönen neuen Bildung frei zu legen!
    .
    Das aus meiner Sicht beste, weil aktuelle Beispiel, um diesen teuflischen WAHNSINN auch für weniger hoch Studierte begreiflich zu machen – ist eine Betrachtung des Lebens-Werkes von Dr. med. Ryke Geerd Hamer, des Entdeckers der „GERMANISCHEN HEILKUNDE“ – der am 2. Juli 2017 in Sandefjord in Norwegen verstarb, und am 14. Juli 2017 in Erlangen zu Grabe getragen werden wird.
    .
    http://www.f-rehklau.de/Hintergrund/GH/hamer.html
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    Hamer’s 5 biologische Natur-GESETZE sind auch von medizinischen Laien anhand von Erinnerungen an erlebte & beobachtete Geschehnisse, recht schnell zu überprüfen – und Fachleute begreifen schnell die Dimension dieser ersten echten Gesetze in der Hokus Pokus-Welt der angeblich „modernen“ Schulmedizin – der in Wahrheit weit mehr Krankheiten aus dem Ruder laufen, als sie stümperhaft zu heilen vermag . . .
    .
    Diese in den Universitäten in’s Hirn gepresste „Medizin“, die fast täglich neue Krankheiten erfindet – BEKÄMPFTE Hamer’s Entdeckung des Jahrhunderts bis auf’s Blut – und weigert sich zum Beispiel bis Heute, die Entdeckung Hamer’s öffentlich & transparent zu testen.
    .
    Denn das medizinische Establishment WEISS ganz genau, daß Hamer RECHT hat – und die Trillionen an Dollars durch unnötige OP’s und Interferon und all‘ die anderen sündteuren „Medikamente“ – ab einer echten & fairen Überprüfung der Neuen Medizin von Hamer NICHT mehr fließen werden, und außerdem etliche Herrschaften in weißen Kitteln dann in den Knast für VORSÄTZLICHEN Mord wandern werden.
    .
    Also führt die Medizin einen ZWEI-Fronten-Krieg sowohl gegen die eigenen Patienten, als auch gegen echte, unbestechliche Forscher wie Hamer, der als erster Mediziner die echte URSACHE für Krankheiten im übergeordneten GEIST des Menschen entdeckte, NACHDEM bereits L. Ron Hubbard die wissenschaftlichen Grundlagen für diese Entdeckungen in den 50’er Jahren des letzten Jahrhunderts der Menschheit schenkte . . .
    Universitäten sind jedenfalls seither zu käuflichen HUREN DER MACHT verkommen – und echtes WISSEN gibt es dort schon lange nicht mehr zu studieren – denn sie sind zu penibel kontrollierten & zensierten Kader-Schmieden der korrupten Macht der Globalisten-Sekte verkommen!

  3. waltomax // 13. Juli 2017 um 15:18 //

    Institut für geistige Inzucht?

    Immer wieder neige ich dazu, bei allen Kritiken die hierarchische Grundordnung als ineffizient und affenmäßig anzugreifen.

    König Arthurs Tafelrunde, in welcher er als Primus inter pares den Vorsitz führte, erscheint als das beste Beispiel, kurz zu erklären, was eine Heterarchie ist und wie diese in der Lage ist, auch Hierarchien so einzubinden, dass sie für neue Impulse (Energie und Information) offen bleiben.

    König Arthur wird gut daran getan haben, in seiner Tafelrunde Spezialisten versammelt zu haben, um einzelne Projekte durchzuführen. Wollte er z.B. eine Schanze bauen, wird er einen Ritter den Vorsitz in der Runde überlassen haben, der sich am besten darauf versteht. Eine anderer mag begabt darin gewesen sein, ein Heer effizient und schnell aufstellen zu können. Das nennt man rotierender Vorsitz. Sicher wird der Schanzenbauer seine Arbeiter hierarchisch geführt haben. Wenn er klug war, offen für Vorschläge des Vorarbeiters. Also als flache Hierarchie.

    Heterarchien bilden also am besten Netzwerke für flache Hierarchien und meiden als solche feste Chefpositionen. Denn solche implizieren, der Chef sei allkompetent und könne mehr oder weniger alles. Solch einem Anspruch kann keiner genügen und er behauptet, es zu können, ist ein Aufschneider. Ein solcher kann sich nur „autoritär“ auf der Basis von Anmaßung und Selbstüberschätzung im Sattel halten. Wer dagegen „Autorität“ besitzt, wie König Arthur, der setzt auf Offenheit, Kreativität und möglichst viel selbstverantwortliche Tätigkeit.

    Es fällt leicht, auch einen Universitätsbetrieb in schärfsten Kontrast zu obigem Allgemeinplatz zu setzen. Der Professor betreibt geistige Inzucht, indem er meist Assistenten bevorzugt, die seine Lehrmeinung vertreten. Wer in Prüfungeb etwa die Stirn hätte, einen anderen Professor zu zitieren, ist so gut wie durchgefallen.

    Die „geistige Inzucht“ folgt auch hier dem Charakter der Hierarchie, den Laden möglichst geschlossen gegen Einflüsse von außen zu halten. Und damit die Struktur möglichst starr und unveränderlich. Genies, die völlig neue Impulse setzen könnten, haben auch an der Uni keine Chance.

  4. waltomax // 13. Juli 2017 um 15:44 //

    Genie bricht immer Regeln oder „der Geist weht, wo er will“.

    Seit 30 Jahren ist man hinter der Kernfusion her. In den Ringreaktoren, in welchem man ein Plasma dazu bringen will, aus Wassestoff Helium werden zu lassen, windet sich dabei und sucht seine Oberfläche zu erhöhen. Doch die Lehrmeinung ist, dass eine Fusion nur bei höchsten Drücken und höchsten Temperaturen im Kernschlauch des Torus zustande komme. Tatsächlich?

    Was wäre, wenn einer der Assistenten behauptete, die Fusion zu einer komplexeren Struktur (in diesem Falle Helium) würde an der Peripherie zünden und dort an Stellen, wo die Energiedichte lokal hoch genug wäre. Der Assistent würde rausfliegen und seine Karriere wäre beendet. Die Folge?

    Wir werden die Kernfusion „in 30 Jahren“ haben. Denn die „30-Jahre Prognose“ ist konstant. Bis dahin haben ganze Stäbe von Wissenschaftlern Brot und Arbeit, alles finanziert vom Steuerzahler.

    Was ist mit dem Genie? Der hält sein Maul und hält sich an die Regeln.

    Auf diese Weise könnte eine ganze Zivilisation in die Sackgasse rennen und sich eines Tages mit der Konsequenz konfroniert sehen, auf ganzer Linie zu stagnieren. Der Grund: Geistige Unzucht (Hierarchie) verhindert epochale Entdeckungen und Erfindungen.

    Man kann sich sicher sein, dass der Genius, welcher z. B. die Kernfusion zum Durchbruch brächte, im Humboldt’schen Sinne erzogen wurde.

    Ist es da besser, z. B. beim optimierten und ausgelutschten DIESEL die Daten zu fälschen, nur weil einem nichts besseres mehr einfällt?

    Fazit: Einer, der über den Tellerrand kucken kann, weil er Durch- und Überblick besitzt, hat selten eine Chance. Das kann -in Summe- zur Suspendierung einer ganzen Zivilisation führen, wenn sich diese nicht „aus sich selber“ erneuern kann.

    …“Der Geist weht, wo er will“ und nie da, wo er dazu gezwungen werden soll.

  5. 25 Jahre habe ich damit verbracht, Schülern Mathematik und Physik beizubringen, logisches Denken und geistige Redlichkeit bei der Erforschung ihrer Umwelt. Die Schüler haben es mir allemal gedankt, die Schulbehörde, die Schulleitung, ein Großteil des Kollegiums – das schon damals weitgehand gehirngewaschen und gleichgeschaltet war – hat mich bekämpft in Hamburg (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Sie haben gewonnen.

    Ergebnis: Die größte Hamburger Gesamtschule (Julius-Leber-Schule) wurde systematisch von Innen heraus geschliffen. Was ist übriggeblieben? Anstelle von qualitativem Unterricht in den Naturwissenschaften maximal ein Rumpfwissen – subsummiert in Fächerkathegorien, die die ehemaligen Inhalte nur noch erahnen lassen.

    Natürlich war ich nicht so dumm, das Spiel nicht rechtzeitig durchschaut zu haben, denn ich kenne die Unesco Papiere, „Outcome Orientated…“, „Workforce…“ und den ganzen Rest zur Genüge. Sie haben parallel an den Universitäten jeden ehemals in zarten Blüten nur existierenden Versuch einer praxisorientierten und fachorientierten Didaktik systematisch! (überall) zerstört. Damals mußte ein Pädagogik-Professor das I. Staatsexamen haben und 5 Jahre Berufserfahrung an Schulen, bevor er sich für Höheres bewerben konnte. Ich bitte Sie, sich die heutige Situation anzuschauen: Nichts, nur Quasselqualifikation vom feinsten und alles in ihrer Hand – überall.

    Das ganze kennt schlicht kein Ende und ich will hiermit nur einen kleinen Erfahrungsbericht meinerseits zu diesem guten Übersichtsartikel geben. Wenn – wie gerade in der Wirtschaftswoche geschehen – 130 Lehrer einen Brandbrief schreiben, was die nun katatrophalen Nichtfähigkeiten in Mathe betrifft (ist nur ein Fach von vielen, aber ein wichtiges), so muß ich mit Erstaunen feststellen, daß ihr Protest schon viel früher hätte stattfinden müssen.

    New York sucht z.B. seit Jahren händeringend Fachkräfte, denn das U-Bahn-System ist dabei, zu vermodern. Die Bürger sind genervt, immer mehr leider auch verletzt durch Entgleisungen, frisch renovierte Schienen, die gleich wieder in Kurven auseinandergehen usw. (die meisten Arbeiter sind billige, meist schwarze und Latinos ohne entsprechende Qualifikation, wie man weiß ist das natürlich rassistisch). Wir werden all dies noch erleben und erlben es bereits, von Krankenhäusern und der Medizinausbildung heute schweige ich aus Höflichkeit.

    Gute Nacht, das Erwachen wird fürchterlich sein.

    • hubi Stendahl // 14. Juli 2017 um 08:23 //

      @Detlef Reimers

      Vielen Dank für den Bericht aus der Praxis. Er deckt sich mit meinen Erfahrungen aus täglichen Kundengesprächen, die die fortlaufende „Entbildung“ aufzeigt.

      Auch heute noch bin ich zu oft erstaunt, wenn ich eine Visitenkarte mit Berufsbezeichnung und Titel eines Gesprächsteilnehmers entgegennehme. In vorangegangenen Gesprächen hat man bemerkt, dass einfachste Mathematik Anwendungen und grundlegendes grammatisches Wissen nicht vorhanden sind; auf der Visitenkarte aber ein Doktortitel fett aufgedruckt ist.

    • Karl Bernhard Möllmann // 15. Juli 2017 um 11:34 //

      . . .
      DANKE an Detlef Reimers für den erschreckend authentischen Bericht von der Front an Deutschland’s Schulen . . .
      .
      Mathematik gilt ja als die „Mutter der Wissenschaft“ – und in Physik war Deutschland früher auch mal Weltklasse . . .
      .
      Gut – daß Sie sich dennoch öffentlich EMPÖREN können – und auch die perverseste GEHIRN-Wäsche lässt sich wieder reparieren !
      .
      BITTE bleiben Sie am Ball !

  6. Die berüchtigte Bologna-Reform hatte mich veranlaßt meinen Plan, Professor zu werden, endgültig aufzugeben. Aber einige Bachelor-Studierende kannte ich noch. Eine wesentliche derer Erfahrungen ist, daß die Prüfungsleistungen deutscher Bachelor-Studierender in den anderen Bologna-Ländern weiterhin NICHT anerkannt wurden. Also Pustekuchen mit europaweiter Kompatibilität. Ausländische Prüfungsleistungen wurden größtenteils schon vorher an deutschen Universitäten anerkannt. Zumindest jene aus dem angelsächsischem System und auch sonst bemühte man sich darum, ausländischen Studierenden das Leben nicht noch schwerer als nötig zu machen. Im Sinne internationaler Zusammenarbeit hat die Bologna-Reform also einfach nur garnichts bewirkt.

    Dafür wurde Bildung nichtmal nur durch Ausbildung, sondern vielmehr durch bloße Beschulung ersetzt. Studierende der Informatik sind die einzigen, die heutzutage Arbeitsverträge noch vor ihrem Abschluß bekommen können. Mit einem Bachelor-Abschluß wären sie vielleicht noch früher in einem Unternehmen. Ein Informatikstudent, der einen Personalchef zum Bachelor befragte, bekam die Antwort: »Ich stelle doch keinen geplanten Studienabbrecher ein.« Einen Vorteil sieht die Wirtschaft, für die man die Reform doch angeblich machte, also nicht darin.

    Die meisten Bachelor-Studierenden, die ich kannte, hatten bereits nicht mehr die Möglichkeit statt dem Bachelor einen Studiengang älteren Modells zu wählen. Sie versuchten darauf zu wechseln, sofern es noch ging. Je exotischer das Fach, desto eher waren solche Sonderwünsche noch möglich, aber schließlich mußten alle Fächer mit der Reform nachziehen. Das führte auch zu einer höheren Abbrecherzahl. Bei der Zahl der Studienabbrecher muß man jedoch berücksichtigen, daß in der deutschen Statistik auch Studienfachwechsler und Studienortwechsler unter die Studienabbrecher gezählt werden, weil keinen interessiert, wo ein scheinbarer Abbrecher hingeht. Die wirklichen Verhältnisse sind in dem Fall also lange nicht so horrend wie uns weisgemacht werden soll.

    Für sämtliche behaupteten Ziele war die Bologna-Reform also nicht gut. Wofür dann? Offensichtlich untergräbt die Zentralisierung sowohl die Hochschulautonomie (in den südlichen Bundesländern sowieso unterentwickelt) als auch die Zuständigkeit der Bundesländer. Das dürfte dann bereits das gesamte Ziel gewesen sein.

    Gegen das Zusammenwachsen Europas ist eigentlich nichts einzuwenden, außer daß das nicht auf Kosten unseres Bildungssystems gehen müßte und ohne Zentralisierung sogar viel besser ginge. Deutschland ist selbst eine Föderation aus Bundesländern, deren Bevölkerungen kulturell ziemlich unterschiedlich sind. Das funktioniert deshalb einigermaßen reibungslos, weil Deutschland KEIN Zentralstaat ist. Es gibt hier nichts, das vergleichbar wäre mit den Spannungen beispielsweise zwischen Barcelona und Madrid. Zentralisierung ist katastrophal, Föderalismus mit Subsidiaritätsprinzip (Kompetenzen dürfen nicht auf höhere Verwaltungsebenen gezogen werden) ein Erfolgsrezept. Eigentlich ist das kein Geheimnis, also ist die nächste Frage, warum Europa trotzdem ein Zentralstaat werden soll. Man könnte meinen, daß das Scheitern Europas bereits geplant ist. Bei der Bologna-Erklärung waren auffallend viele nicht EU-Mitglieder dabei bis hin zu Russland. Wahrscheinlich wünschten sich viele von denen das Scheitern der EU. Die Einflußreichsten könnten dann die Reste aufsammeln.

    War es für den Plan wesentlich, die Bildung aus dem Bildungssystem zu nehmen? Eher noch machte das die Reform von Anfang an verdächtig unlautere Ziele zu verfolgen. Es ist nur so, daß es den Begriff Bildung in anderen Sprachen nicht gibt. Andere Völker verstehen das Konzept nicht. Das trifft leider sogar auf andere europäische Völker zu, die uns DESHALB kulturell und technologisch immer hinterherhinkten. An privaten Elite-Universitäten versteht man andere Sprachen und Kulturen, an denen der USA sind ein großer Teil der Studierenden Nachfahren von deutschen Auswanderern, also kann man dort sehr wohl Bildung vermitteln. Sonst aber kaum. Man hätte den anderen Europäern erstmal erklären müssen, was Bildung ist. Dazu müßte man jedoch auch ganz ehrlich zugeben, daß Bildung vielmehr Symptom und Folge von Wohlstand als dessen Ursache ist. Erst anschließend ermöglicht sie, den Wohlstand beizubehalten.

    Jetzt nach der Bologna-Reform ist es umso wichtiger, dem staatlichen Bildungssystem zu mißtrauen. Alternativen sind jetzt umso wichtiger. Solange man sich dabei am staatlichen Vorbild orientiert oder solange es nichts kosten darf oder solange sich der Wähler weigert Druck auf die Parteien zu machen, um Regeln zu ändern und Alternativen staatlich zu fördern und sogar zu finanzieren, wird daraus nichts werden. Genießt also das System, gegen das ihr euch den demokratischen Möglichkeiten zum Trotz nicht wehrt!
    Ranma

    • Karl Bernhard Möllmann // 15. Juli 2017 um 11:50 //

      . . .
      ZITAT @ Ranma:
      .
      „Gegen das Zusammenwachsen Europas ist eigentlich nichts einzuwenden, außer daß das nicht auf Kosten unseres Bildungssystems gehen müßte und ohne Zentralisierung sogar viel besser ginge.“
      .
      DAS sollten Sie mal LAUT sagen !
      .
      Und weiter mit ZITAT @ Ranma:
      .
      „Deutschland ist selbst eine Föderation aus Bundesländern, deren Bevölkerungen kulturell ziemlich unterschiedlich sind. Das funktioniert deshalb einigermaßen reibungslos, weil Deutschland KEIN Zentralstaat ist. Es gibt hier nichts, das vergleichbar wäre mit den Spannungen beispielsweise zwischen Barcelona und Madrid.“
      .
      Oder mit den Spannungen zwischen Paris und der Provence & der Côte d’Azur !
      .
      Oder die Spannungen zwischen Süd-Tirol & Italien – oder England & Schottland . . .
      .
      Zentralismus führt zu PLAN-Wirtschaft mit Gewalt, Sabotage, Korruption & ALLEN anderen Krankheiten – die Zentralismus durch plumpe UNTERDRÜCKUNG der Eigen-Initiative der Menschen „vor Ort“ zwangsläufig verursacht – alles aus dem FALSCHEN Glauben heraus, daß Menschen Idioten sind, und nur der Führer ein Gott . . .
      .
      Unser Führer hat die Welt in Schutt & Asche gelegt – wohl deshalb durften wir LERNEN – daß ZENTRALISMUS eine Krankheit ist, die echtem Psychopathen-Wahn entspringt . . .

  7. waltomax // 14. Juli 2017 um 09:49 //

    „Zentralisierung ist katastrophal, Föderalismus mit Subsidiaritätsprinzip (Kompetenzen dürfen nicht auf höhere Verwaltungsebenen gezogen werden) ein Erfolgsrezept. Eigentlich ist das kein Geheimnis, also ist die nächste Frage, warum Europa trotzdem ein Zentralstaat werden soll.“

    Das sagen Sie, werter Ranma. Die meisten, die ich kenne, lassen nur Hierarchie und Zentralismus gelten. Gemäß Hirnwäsche auf der einen Seite. Und Machtgeilheit auf der anderen.

    • Einfach mal vergleichen:

      Sowjetunion: stark zentralisiert, existierte nur wenig mehr als siebzig Jahre.
      USA: Staatenbund existiert schon seit über zweihundert Jahren.

      Frankreich und England: zentralisierte Staaten, wirtschaftlich schwächer als Deutschland; sogar zu Zeiten des British Empire bevorzugten britische Konsumenten Produkte aus deutscher Produktion; ohne Eingreifen der USA hätten weder England noch Frankreich die beiden Weltkriege überstanden.
      Deutschland: Obwohl Frankreich und England zusammen auf mehr Leute, größere Wirtschaftskraft und eine durch technisch überlegene Waffensysteme mächtigere Armee kamen, konnte Deutschland in beiden Weltkriegen nur durch Eingreifen der USA aufgehalten werden.

      Je mehr Konkurrenzsituationen zwischen Föderationen und Zentralstaaten man findet, desto mehr Belege für die Überlegenheit der Föderationen findet man dabei.
      Ranma

  8. Karl Bernhard Möllmann // 15. Juli 2017 um 12:05 //

    . . .
    Wenn „ZENTRALISMUS“ & „PLAN-WIRTSCHAFT“ also den Weg & die Methoden der Psychopathen beschreiben – DANN brauchen wir auch klare Worte & Begriffe für den rechten Weg zu Frieden & Wohlstand.
    .
    Manche nennen es „SUBSIDIARITÄT“, waltomax nennt es „HETERARCHIE“, Ranma nennt es „FÖDERATION“ – mein Vorschlag wäre es – diese haushoch ALLEN SKLAVEN & Ihren SKLAVEN-HALTERN überlegene, freie SELBST-Verwaltung der unterschiedlichsten Regionen mit den Begriffen „FREIER MARKT“ & „FREIHEIT“ ein einfaches und vor allem für ALLE Bürger verständliches Denkmal zu setzen.
    .
    Vergleiche einfach einen Ferrari mit einem Trabbi – DANN hört sogar der blindeste Blinde den Unterschied – und riechen kann man die Unterschiede von Unterdrückung & Freiheit auch, falls man wirklich NICHT mit eigenen Augen sehen kann . . .

  9. R.Sawitzky // 19. September 2017 um 20:48 //

    Ob das ggw. Hochschulsystem wirklich der WIRTSCHAFT dient, ist so eine Frage. Oder zumindest: WELCHER Wirtschaft dient es? Die angelsächsischen Hochschulen sind zwar teuer, aber nach allem, was ich gehört habe, den unsrigen qualitativ weit überlegen; um an eine Hochschule der chinesisch-koreanischen Art zugelassen zu werden, muss man bis zum Umfallen Lexikoninhalte pauken, hat dort jedoch seinen persönlichen Mentor und „Lehrer“ während des ganzen Studiums. Und hier? Soll jeder kucken, wie er alleine klarkommt.
    Es geht so weiter, wie es in der Schule schon war. Eintrichtern von Lexikoninhalten unter Verkümmerung der menschlichen Persönlichkeit. Welcher Wirtschaft soll sowas dienen? Zum Einen der englisch-amerikanisch-ostasiatischen, weil die Festlandeuropäer nicht länger eine ernsthafte Konkurrenz darstellen. Zum Anderen all jene, die sich in post-preußischer Manier Arbeitssklaven und Fachidioten heranzüchten möchten, die keine Fragen stellen, sich alles gefallen lassen und zu unbelehrbaren Besserwissern degenerieren.
    Zur Zeit der II. industr. Revolution (ab dem 19. Jhd.) brauchte man einen Haufen von Leuten, die in den Fabriken einfache Handgriffe beherrschten, und die zu dieser Arbeit nur tauglich waren, weil sie UNgebildet waren. Heute stellt das Wirtschaftsleben andere Anfordungen, aber auch für diese braucht man eine Herde von Arbeitsrobotern. Eine Armee von einförmigen, uniformen Handlangern.
    Alle eintrichternden Ausbildungssysteme verderben den Menschen; er wird dadurch blöd und berechenbar, und GENAU DAS ist das Ziel der Bemühungen; über die Welt verteilt in verschiedenen Schattierungen, aber insgesamt überall dasselbe. Der Mensch soll nachplappern und tun, was man ihm sagt, bei allem weiteren hat man Angst, dass es „von übel“ wäre. Das Un-Bildungs-System ist ein Angriff auf den Menschen, seine Freiheit, sein Denken, seine Entfaltung und seine Würde.
    Also, WAS FÜR EINE Wirtschaft ist es, welche Interessen sind es, denen SOLCHE seelisch-geistigen Krüppel zugute kommen?

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