Armut ist kein Naturgesetz
Armut ist kein Naturgesetz

Armut ist kein Naturgesetz

Karl Marx (1875; Fotografie von John Mayall jun.) / John Jabez Edwin Mayall [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AKarl_Marx_001.jpg Karl Marx (1875; Fotografie von John Mayall jun.) / John Jabez Edwin Mayall [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AKarl_Marx_001.jpg
Seit geraumer Zeit debattieren wir heftig über die wachsenden Einkommens- und Vermögensunterschiede. Erweisen sich dabei gängige Erklärungsansätze als Irrwege?

Ist es die Aneignung von Mehrwert durch den Kapitalisten, oder sind es die Zinsforderungen der Geldelite, die Einkommensdivergenzen ursächlich bewirken? Beide Sichtweisen finden viel Zuspruch, ja es kommt zuweilen zu heißen Disputen.[1]

Dennoch gibt es in beiden Konzepten Unzulänglichkeiten, die sie daran hindern, zu den zentralen Ursachen der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich vorzudringen. Die Aussagekraft der Marxschen Werttheorie wird dadurch relativiert, dass sie allein unter Bedingungen allgemeiner Konkurrenz gültig ist. Die Theorien von Silvio Gesell und John Maynard Keynes fußen auf der Annahme, dass Geld gezielt gehortet wird. Neben diesen Einschränkungen sticht die mangelnde Berücksichtigung politischer Faktoren hervor.

Positiv ist zu werten, dass ein Verständnis für die Existenz von Interessenkonstellationen und Mechanismen geweckt wird, die das Verhalten der Wirtschaftssubjekte lenken. So werden Erklärungsmodelle abgelehnt, die wachsende Einkommensunterschiede als ein Werk elitärer Zirkel betrachten, denen es um einen Erhalt und Ausbau von Macht zur Umsetzung der eigenen Agenda geht.

Einkommen nicht aus dem Kapitalverhältnis ableitbar

Nach der Werttheorie von Karl Marx bekommen Lohnarbeiter nur einen Teil ihrer Tätigkeit vergütet, während der Rest des Warenwerts in den Besitz des Produktionsmitteleigentümers übergeht. Diese Fremdaneignung von Mehrwert ermöglicht eine Bereicherung der Kapitalisten bei gleichzeitiger relativer Verelendung der Arbeiterklasse. Sie sei somit der Schlüssel für die wachsende Ungleichheit.[2]

Die Höhe der Löhne wird durch den Kostenaufwand erklärt, der minimal für die Reproduktion der Arbeitskraft notwendig ist. Der Profit des Kapitalisten ermittelt sich aus der Differenz von Verkaufserlös und Produktionskosten inklusive Abschreibungen. Zwar speist er sich aus dem Mehrwert, der dem Lohnarbeiter abgepresst wird, dennoch lässt sich schwerlich eine kausale Beziehung zwischen der Stellung im Produktionsprozess und der Höhe der Einkommen herstellen. Tatsächlich finden sich empirische Belege für üppige Lohnzuwächse wie für spärliche Profitmargen, die zu bestimmten Zeiten und in manchen Bereichen aufgetreten sind.

Da die Arbeitskraft im Kapitalismus eine Ware ist, orientiert sich ihr Preis an der Relation von Angebot und Nachfrage. Auch wenn sich beide durch das Wirken des Wertgesetzes tendenziell angleichen, gibt es immer wieder Ausreißer, die Lohnabhängige begünstigen. Bessere Gehälter werden etwa in Wachstumsbranchen gezahlt, wenn ein Mangel an fachkundigem Personal herrscht. Ein hohes Lohnniveau hat meist für längere Zeit Bestand, sei es aus tarifrechtlichen Gründen, sei es aus Furcht vor einer Belastung der Arbeitsatmosphäre. Weil die Reproduktionskosten der Arbeitskraft eine absolute Untergrenze bilden, muss also der Durchschnittslohn merklich darüber liegen.

Die Arbeiterschaft der entwickelten kapitalistischen Länder konnte ihre materielle Lage durch gewerkschaftliches und politisches Engagement schrittweise verbessern. Bedeutende Lohnsteigerungen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt, als die europäische Wirtschaftselite geschwächt und ein Zustand relativer Vollbeschäftigung erreicht war. Durch die neue Konstellation am Arbeitsmarkt sah sich die Kapitalseite in den darauffolgenden Jahrzehnten veranlasst, die Interessen der Beschäftigten stärker zu berücksichtigen.

Für ein Unternehmen empfiehlt es sich, Spitzenkräfte besser zu entlohnen, damit sie nicht zur Konkurrenz abwandern. Daneben wird durch Zugeständnisse an die Belegschaft einer ungewollten Fluktuation vorgebeugt. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass Branchen durch ein höheres Lohnniveau unterschiedlich betroffen sind. Als Henry Ford die Gehälter seiner Beschäftigten verdoppelte[3] und dadurch andere Arbeitgeber unter Zugzwang setzte, geschah dies mit dem Kalkül, von der neu geschaffenen Kaufkraft überproportional profitieren zu können. Die Anhebung des Wohlstandsniveaus nach dem Zweiten Weltkrieg diente wiederum dem Zweck, den Systemwettbewerb zugunsten der westlichen Gemeinschaft zu entscheiden.

Trotz Aneignung des Mehrwerts müssen Kapitalisten nicht unbedingt über hohe Geldeinkünfte verfügen. Wo Betriebe unter niedriger Produktivität und harter Konkurrenz leiden, werden nicht nur Investitionen erschwert, sondern verbleiben meist auch weniger Mittel für den persönlichen Bedarf. Darüber hinaus bestehen erhebliche Unterschiede zwischen Wirtschaftssektoren und Regionen. Ein Facharbeiter auf einer Ölplattform verdient vermutlich mehr als mancher Eigentümer eines mittelständischen Unternehmens. Und nur wenige griechische Restaurantbesitzer erreichen das Einkommensniveau schwedischer Techniker.

Gutverdienende Lohnempfänger sind in der Lage, einen Teil ihrer Einkommen gewinnbringend anzulegen und dadurch selbst Kapitaleigner zu werden. Eine Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand wird seit den 60er Jahren in Deutschland sogar staatlich gefördert.[4] Dagegen sind nicht wenige Unternehmer fortwährend von Konkurs bedroht. Viele leben recht bescheiden, sei es aus Stolz, sei es aus Mangel an Verdienstalternativen. Zudem erscheint eine Teilung der Bürger in Lohnarbeiter und Kapitalisten angesichts der Vielfalt an Eigentumsstrukturen und Beschäftigungsformen wie auch der Streuung von Kapitalanlagen nicht mehr zeitgemäß.

Zweifel am Erpressungspotential der Geldelite

Nach Karl Marx schafft Geldkapital keinen Mehrwert. Dennoch betrachtet er Banken als für die Realwirtschaft unverzichtbar, da Unternehmen häufig Geldmittel benötigen, um die Kosten für die Beschaffung von Produktionsmitteln und die Auszahlung von Löhnen vorschießen zu können. Allerdings müssen die Zinsen für die Kredite mit hereingewirtschaftet werden. Die Höhe des Zinsbetrags hat somit einen Einfluss auf Investitionsentscheidungen.

Gemäß dem Sayschen Gesetz bestimmt sich der Zinssatz aus der Relation von Kreditangebot und -nachfrage. Er müsste demnach sinken, wenn Finanzmittel im Überfluss vorhanden sind. Geldbesitzer können jedoch nicht zu einer Kreditvergabe gezwungen werden. Mittels Hortung von Geld hätten sie die Möglichkeit, das Angebot zu verknappen und von Kreditnehmern höhere Zinsen zu erpressen. Die Finanzelite würde sich nicht nur zu Lasten anderer Wirtschaftsakteure bereichern, sondern könnte eine bedeutende Macht über sie erlangen.

Der Verhinderung eines solchen Szenariums dient die von Silvio Gesell begründete Freiwirtschaftslehre. Deren erklärtes Ziel[5] ist es, Geld bei Strafe von Verlusten in den Wirtschaftskreislauf zu zwingen. So könnten Kreditbelastungen der Unternehmen minimiert und Investitionen beflügelt werden. Zugleich ließe sich die Macht des Geldadels brechen, da die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu dessen Vorteil beendet wäre. Durch die Umsetzung von Freigeldkonzepten, die auf dem Prinzip der Alterung von Geld beruhen, würde sich folglich die Kluft zwischen Arm und Reich verringern.

Zwar wurde die Freiwirtschaftslehre nirgendwo auf staatlicher Ebene praktiziert, jedoch dürften Niedrigzinspolitik und Quantitative Easing der Notenbanken gleichermaßen eine Hortung von Geld unattraktiv machen. Nun wird mancherorts der Finanzbranche vorgeworfen[6], sie würde die niedrigen Notenbankzinsen nicht an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen. Doch haben Banken ein verständliches Interesse an einer Minimierung von Risiken. Daher gab es auch früher keine billigen Kredite für waghalsige Geschäfte und bei schlechten Bonitäten, obwohl zu jenen Zeiten deutlich höhere Wachstumserwartungen bestanden.

Eine Zurückhaltung von Geld zum Zweck der Erpressung höherer Zinsen würde indes den Spekulanten selbst schaden. Deshalb wäre bei einem Bekanntwerden neuer lukrativer Investitionsobjekte zu erwarten, dass eine „Boykottfront“ der Geldbesitzer schnell bröckeln würde. Ebenso wenig erscheint die differenziertere Betrachtung von John Maynard Keynes plausibel, dass sich die Liquiditätspräferenz bei sinkenden Kapitalerträgen erhöhen würde. Während angelegte Vermögen eine regelmäßige Rendite erwirtschaften oder wegen Knappheit einen Wertzuwachs erzielen, verliert gehortetes Geld durch Inflation. Darüber hinaus ist die Gefahr von Währungsschnitten keineswegs gebannt.

Demgegenüber ist das Verlustrisiko bei Aktien und Anleihen großer Kapitalgesellschaften gegenwärtig als gering anzusehen. Nicht einmal das Argument einer Suche nach profitablen Anlagen im spekulativen Bereich überzeugt. Da es sich hierbei letztlich um Nullsummenspiele handelt, werden im gleichen Umfang Gewinne und Verluste realisiert.

Kein Geldentzug durch Zinsgewinne

Ausgehend von den Grundüberlegungen der Freiwirtschaftslehre hat sich unter Ökonomen eine Sichtweise etabliert, die Zinsforderungen der Banken für den zunehmenden Verschuldungsgrad einer Volkswirtschaft verantwortlich macht. So wird konstatiert, dass der Gesamtwert der gekauften Waren und Dienstleistungen gerade der Geldmenge multipliziert mit deren Umlaufgeschwindigkeit entspricht. Folglich besitzt die Kreditvergabe als Mittel der Geldschöpfung eine zentrale Funktion. Weil es als wünschenswert gilt[7], dass sich die Geldmenge im Gleichschritt mit der Wirtschaftsleistung vermehrt, sollte die Gesamtverschuldung in entsprechendem Umfang zunehmen.

Die Zinsforderungen würden nun aber einen Strich durch diese Rechnung machen. Da die Zinsbeträge der umlaufenden Geldmenge entnommen werden müssten, würde diese sich zwangsläufig vermindern. Dies hätte dann negative Auswirkungen auf das volkswirtschaftliche Gesamtprodukt. Zur Kompensation müsste neues Giralgeld geschaffen werden, was jedoch nur durch Kreditvergabe möglich sei. Wegen des Zinseszinsmechanismus würde sich die Schuldensumme fortlaufend erhöhen. Die wachsenden Zinserlöse würden in das Eigentum der Geldbesitzer übergehen, wohingegen die Allgemeinheit durch steigende Verbindlichkeiten belastet wäre. Dadurch würde sich die Kluft zwischen Arm und Reich vertiefen.

Wird der für Zinsen aufzubringende Geldbetrag aber tatsächlich der Wirtschaft entzogen? Neben Zinseinnahmen verfügen Banken über Einkünfte aus Gebühren und Leistungsvergütungen. Die Ausgaben beim Bankgeschäft betreffen Mieten, Abschreibungen, Büro- und anderes Material, externe Dienstleistungen, Löhne, Dividenden und Steuern. Ferner müssen an Sparkonteninhaber Zinsen gezahlt und Ausfälle durch zahlungsunfähige Kreditnehmer geschultert werden. Hierdurch gelangt aber das Gros der Zinsbeträge mit zeitlicher Verzögerung in den Wirtschaftskreislauf zurück, während ein Teil der Zinsforderungen im Zuge von Verlustabschreibungen verschwindet.

Die Zweckmäßigkeit von Zinsen lässt sich kaum bestreiten. Privathaushalte erhalten als Gegenleistung für Zinszahlungen den Vorteil, ihren Konsum zeitlich vorzuverlegen. Dabei erscheint es angemessen, dass Vergabe und Bedingungen eines Kredits von der Bonität abhängig gemacht werden. Der Bank fällt bei Strafe eigener Verluste diese Aufgabe zu. Was bei Privathaushalten der Konsum ist, sind für Staaten und Kommunen gesellschaftlich relevante Leistungen und für Unternehmen die Möglichkeit, Gewinne zu erwirtschaften. So leistet das Zinssystem einen wichtigen Beitrag zur optimalen Allokation von Finanzmitteln.

Die Tätigkeit von Banken ist mit der von Versicherungen oder Wettbüros vergleichbar. Zinsen sind somit nichts anderes als Entgelte für Finanzdienstleistungen unter Berücksichtigung abzudeckender Risiken. Zwar bereichern sich die Aktionäre der Banken sowie die Inhaber von Anleihen und Spareinlagen zu Lasten der Kreditnehmer. Jedoch besteht hinsichtlich der Auswirkungen auf die Einkommens- und Vermögensunterschiede kein prinzipieller Unterschied zu Kapitalerträgen in anderen Bereichen. Weder die meisten Banken noch die Besitzer von Anleihen bekleiden herausragende Positionen in der globalen Machtpyramide.

Steigende Einkommen durch Vermögenszuwachs

Unbestreitbar verfügen Kapitalisten wie auch Geldbesitzer über eine Einnahmequelle, zu der normale Lohnarbeiter keinen Zugang haben. Gleichwohl gibt es andere Wege, um überdurchschnittliche Einkommen zu generieren. Mit höherer Qualifikation steigen allgemein die Löhne. Bei besonderem Talent und Wissen winken Spitzengehälter. Als vorteilhaft erweisen sich ferner soziale Kompetenz, Referenzen, Kontakte zu einflussreichen Personen und besonderes Engagement. Die Höhe der Geldbezüge wird zudem durch diskriminierende Faktoren beeinflusst wie Alter, Geschlecht, Staatsbürgerschaft und Kulturhintergrund.

Offenbar ist für die Erklärung der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich weniger relevant, worauf Einkommen im Einzelnen beruhen, als vielmehr deren Umfang. Im Folgenden werden drei Mechanismen thematisiert, die Bezieher hoher Geldeinkünfte zwingend begünstigen und dabei eine Eigendynamik entfalten. Die Kluft zu einkommensschwachen Haushalten vertieft sich sowohl relativ mittels größerer prozentualer Zuwächse als auch absolut durch Umverteilung.

Der erste Mechanismus erklärt sich aus der Verwendung von Finanzmitteln durch Privathaushalte. Bei diesen handelt es sich um regelmäßige Einkünfte wie auch um Vermögen aus Rücklagen und einmaligen Zuwendungen etwa durch Erbschaften oder Glückspielgewinne. Ihre Größe hat einen wesentlichen Einfluss darauf, zu welchen Anteilen Geld einerseits für konsumtive Zwecke ausgegeben und andererseits gespart wird.

Trotz erheblicher Unterschiede[8] zwischen Ländern und Kulturräumen kann generell angenommen werden, dass die Spartätigkeit zumindest innerhalb einer Volkswirtschaft mit der Höhe der Geldeinkünfte zunimmt. Gespart wird für künftige Anschaffungen, aber auch ohne konkreten Verwendungszweck. So bleiben zwangsläufig Finanzmittel übrig, wenn ein Privathaushalt seine Konsumbedürfnisse maximal befriedigen kann. Diese werden für gewöhnlich gewinnbringend angelegt.

Dadurch entsteht nun ein Potential für zusätzliche Einkommen in Gestalt von Kapitalerträgen. Je höher sich jemand in der Einkommenspyramide befindet, desto größere Vermögen kann er anhäufen und sich durch Anlagetätigkeit dauerhaft bereichern. Aufgrund dieser zusätzlichen Geldquelle vertieft sich die relative Kluft zwischen Arm und Reich auch dann, wenn alle bisherigen Einkommen prozentual gleich wachsen.

Vergleichbare Möglichkeiten, nicht verbrauchte Geldeinkünfte gewinnbringend anzulegen, bieten sich Gemeinschaften jeder Art und insbesondere öffentlichen Haushalten. Verfügen Staaten oder Kommunen über reichliche Steuereinnahmen und Kapitalerträge, dann verbleiben meistens Mittel für zusätzliche Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung. So können sie ihren Vorsprung sichern und ausbauen, woraufhin das Gefälle zu schwächeren Regionen weiter wächst.

Bereicherung durch Veränderung der Marktlage

Ein weiterer Mechanismus beruht auf den unterschiedlichen Wettbewerbskonstellationen, unter denen Wirtschaftssubjekte agieren. Verständlicherweise ist jeder Marktteilnehmer daran interessiert, beim Verkauf auf möglichst wenig Konkurrenz zu stoßen, während ihm auf der Einkaufsseite ein harter Wettbewerb der Anbieter entgegenkommt. Je umfangreicher die Machtinstrumente eines Akteurs sind und je effektiver er sie einsetzen kann, desto erfolgreicher wird er die Wettbewerbsbedingungen zu seinem Vorteil verändern können.

Wirtschaftssubjekte, die eine günstige Marktposition anstreben, sind Individuen, Gemeinschaften, Unternehmen und staatliche Akteure. Als dienlich erweisen sich ein dickes finanzielles Polster und eine exklusive Stellung, etwa aufgrund besonderer Fähigkeiten und Kenntnisse. Von Vorteil sind ebenso eine Verfügungsgewalt über geologische und biologische Ressourcen, eine gute geografische Lage und ein großer Markt. Schließlich hilft ein „Gespür“ für künftige technologische Durchbrüche wie auch bei der Auswahl der richtigen Partner.

Befindet sich ein Wirtschaftsakteur bereits in einer günstigen Wettbewerbssituation, so ist er meist imstande, diese weiter auszubauen. Einmal bestehende Konstellationen neigen offenbar dazu, sich zu reproduzieren und zu verstärken. Dennoch ereignen sich angesichts der Vielzahl von Einflussfaktoren und deren schwieriger Kalkulierbarkeit zuweilen unerwartete Verschiebungen.

Vorteilhafte Wettbewerbsbedingungen werden in der Wirtschaft mit dem Begriff Marktmacht umschrieben. Diese bekommen sowohl Käufer als auch Lieferanten zu spüren. Als Käufer sind etwa Konsumenten betroffen, die hohe Preise zahlen müssen, weil große Einzelhandelsketten den Markt beherrschen. Unternehmen werden häufig unverhältnismäßig geschröpft, wenn sie beim Erwerb von Produktionsgütern und Ausgangsstoffen auf einige wenige Anbieter angewiesen sind.

Aus Lieferantensicht besteht eine ungünstige Wettbewerbslage, wenn harte Konkurrenz zu Preisnachlässen zwingt. Indem es der Wirtschaftselite gelungen ist, ein riesiges globales Arbeitskräftepotential zu erschließen, sind abhängig Beschäftigte unter verstärkten Druck geraten. Die nachteiligen Wettbewerbsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt manifestieren sich in der Bereitschaft, Lohneinbußen hinzunehmen, höhere Leistungen zu erbringen und schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren.

Immer mehr Branchen werden durch oligopolistische Strukturen bestimmt. Während Extraprofite in der Marxschen Werttheorie nur vorübergehend existieren, sind sie bei Kapitalgesellschaften mit beträchtlicher Marktmacht zur Regel geworden. Soweit diese global agieren, können sie Staaten unter Druck setzen, zumal das Angebot an Produktionsstandorten die Nachfrage bei weitem übertrifft. Um Investoren zu gewinnen, sehen sich Regierungen gezwungen, Vorleistungen und Steuerermäßigungen zu gewähren. Werden Großunternehmen als volkswirtschaftlich relevant betrachtet, dann sind politische Entscheidungsträger oft bereit[9], Grundprinzipien wie die Gewährleistung fairer Wettbewerbsbedingungen für alle Wirtschaftsakteure aufzugeben.

Umverteilung durch Kostenminimierung

Der dritte bedeutsame Mechanismus, der wachsende Einkommensunterschiede bewirkt, ist in der Investitionstätigkeit von Unternehmen begründet. Steigen die in Kapitalanlagen strebenden Einkommen schneller als die Nachfrage nach Konsumgütern, dann wird es immer schwieriger, für die verfügbaren Geldmittel lukrative Einsatzmöglichkeiten im produktiven Bereich zu finden. Zwar müssen weiterhin Ersatzinvestitionen getätigt werden. Kapitalanlagen zum Zweck einer Erhöhung des Produktionswertes sind indessen immer weniger rentabel, weil es an Kaufkraft mangelt. Auch stoßen Versuche, der Konkurrenz Marktanteile abzujagen oder das Verbraucherverhalten zu eigenen Gunsten zu beeinflussen, bald auf Schranken.

Um dennoch über einen produktiven Kapitaleinsatz höhere Gewinne erzielen zu können, verbleibt die Alternative von Kosteneinsparungen. Diese Möglichkeit bestand bereits, bevor wachsende Einkommensunterschiede eine Nachfrageschwäche verursachten. Der Kostenaspekt blieb jedoch im Hintergrund, solange sich genügend lukrative Investitionstätigkeiten durch Produktionsausweitung und Produktveredelung anboten. Zudem waren zu jener Zeit Finanzmittel nur beschränkt verfügbar, während gegenwärtig Anlagenotstand herrscht.

Einsparungen können sowohl durch eine effektivere Nutzung von Produktionskapazitäten und eine Rationalisierung von Arbeitsabläufen als auch durch einen Einsatz neuer Technologien erzielt werden. Darüber hinaus wird eine Kostenminimierung bei Ausgangsmaterialien und Löhnen angestrebt. Sparpotentiale lassen sich insbesondere über ein Einwirken auf die externen Wettbewerbsbedingungen erschließen. Geschieht dies im Verbund mit politischen Akteuren[10], dann erhöhen sich die Erfolgschancen. Erreichbar wären optimalere Standortbedingungen, neue Möglichkeiten des Outsourcing von Fertigungsschritten und Dienstleistungen, bessere Konditionen beim Einkauf sowie geringere Lohnkosten.

Während Kosteneinsparungen die Gewinne der Aktionäre erhöhen, sinken die Lohneinkünfte der Belegschaften wie auch die Einnahmen der Zulieferer. Unter ihnen befinden sich zwar ebenso Kapitaleigner. Da diese aber meist dem mittelständischen Bereich oder der globalen Peripherie angehören, sind sie kaum am oberen Ende der Einkommenspyramide zu finden.

Mit der Veränderung der Anteile am Verkaufserlös, die den Beteiligten jeweils zukommen, wachsen die Einkommensunterschiede. Der Umverteilungseffekt wäre geringer, wenn ein Hersteller die Produkte billiger anbieten müsste. Dann würde nämlich die Konsumentenseite zu Lasten der Aktionäre profitieren. Je größer jedoch die Marktmacht einer Kapitalgesellschaft ist, desto wahrscheinlicher wird sie die anvisierten Preise realisieren können.

Barrieren durch Fixierung auf Systemkritik

Das Wachstum der Einkommensunterschiede vollzieht sich im Rahmen des kapitalistischen Systems. Lässt sich daraus nun schließen, dass die drei beschriebenen Mechanismen ebenfalls systemgebunden sind? Zur Beantwortung dieser Frage sollen im Folgenden die zentralen Bedingungen betrachtet werden, ohne die sie schwerlich ihre Wirkung entfalten können.

Ein Erwerb von Vermögen, mit dem zusätzliche Einkommen generiert werden, setzt die Möglichkeit eines individuellen oder gemeinschaftlichen Besitzes von Anlageobjekten voraus. Eine günstige Wettbewerbskonstellation ist nur vorteilhaft, wenn die Preisgestaltung auf Märkten nicht durch Restriktionen behindert wird. Und damit sich Investitionen auf Bereiche der Kostenminimierung verlagern, bedarf es nicht nur einer stockenden Nachfrage und eines Kapitalüberflusses, sondern Unternehmen müssen gleichermaßen über ihre Investitionen frei entscheiden dürfen.

Bei den Konditionen Eigentum an Anlagevermögen, freie Preisgestaltung und Investitionsfreiheit handelt es sich offenbar um Säulen aller bisherigen Ökonomien, beginnend mit den ersten Hochkulturen des Orients. Historische Bestrebungen, diese partiell außer Kraft zu setzen, waren nur begrenzt erfolgreich und sind allesamt gescheitert. Dies betrifft feudalistische Verhältnisse wie auch staatsgelenkte Systeme von den alten chinesischen Reichen bis zum „realen Sozialismus“ der Neuzeit. Vielfach wurde eine wirtschaftliche Stagnation nur dank der Existenz paralleler Strukturen wie etwa der Handwerkszünfte oder des Merkantilismus verhindert.

Wachsende Einkommensunterschiede gründen sich also weder auf das Kapitalverhältnis noch auf eine vermeintliche Dominanz der Finanzelite. Nun gibt es alternative Wirtschaftsmodelle, die es dennoch für notwendig halten, Lohnarbeit durch genossenschaftliche und gemeinnützige Organisationsformen[11] zu ersetzen oder Geldströme mittels einer Monitativen[12] zu kontrollieren. Soweit sie Machtverschiebungen zugunsten schwächerer Wirtschaftakteure implizieren, würde ihre Realisierung den Trend zunehmender Ungleichheit tatsächlich abschwächen. Um ihn aber stoppen und umkehren zu können, bedarf es zusätzlicher Maßnahmen, welche die zentralen Mechanismen der Bereicherung und Umverteilung eindämmen.

Die betrachteten Alternativentwürfe erheben den Anspruch, die Marktwirtschaft von verzerrenden Einflüssen des Neoliberalismus zu „säubern“. Im Gegensatz zu planwirtschaftlichen Vorstellungen wollen sie nicht das Eigentum an Anlagevermögen, die freie Preisgestaltung oder die Investitionsfreiheit einschränken. Es wird wohl begriffen, dass es sich um allgemeine Grundlagen des Wirtschaftens handelt, die besser nicht angetastet werden. Ohne auf die Funktionalität der Konzepte im Einzelnen einzugehen, kann konstatiert werden, dass sich in ihnen ein hohes Maß an Realitätsferne offenbart. Dies ist wohl der Grund, warum Probleme des Übergangs wie auch Widerstände, die angesichts der bestehenden Interessen- und Machtkonstellation zu erwarten sind, kaum thematisiert werden.

Neokeynesianische Modelle erweisen sich als praktikabler. Sie stützen einkommensschwache Haushalte über Beschäftigungsprogramme, die durch öffentliche Verschuldung finanziert werden. Zugleich wachsen die Vermögen der Kapitalseite mittels öffentlicher Aufträge und durch Geldanlagen in Staatsanleihen. Aus dieser Alimentation der Wirtschaftsakteure resultiert unweigerlich eine angespannte Finanzlage von Staaten und Kommunen. Endet der Geldfluss, dann schwinden die konjunkturellen Effekte meist recht bald. Dies – und nicht der mangelnde Wille der Politiker – ist der Hauptgrund dafür, dass Staatsschulden nirgendwo signifikant abgebaut worden sind.

Rückbesinnung auf staatliche Steuerungsmaßnahmen

Eine Strategie zur Verminderung der Schere zwischen Arm und Reich kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie den Mechanismen entgegenwirkt, die sie verursachen. Bei dieser Aufgabe reicht augenscheinlich eine Einflussnahme über Gesetze, Verordnungen und Lenkungsinstrumente. Es bedarf keiner tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, wie sie von manchen Kritikern des Neoliberalismus verlangt werden.

Mittel zur Eindämmung wachsender Einkommensunterschiede wurden vielerorts und über längere Zeiträume erprobt und perfektioniert. Manche werden noch heute angewandt, besonders in Staaten, die über ein relativ entwickeltes Sozialsystem verfügen. Im Gegensatz zu neokeynesianischen Konzepten sollte allerdings eine übermäßige Verschuldung der öffentlichen Hand vermieden werden, damit der politische Handlungsspielraum gewahrt bleibt. Um welche praktikablen und zugleich nachhaltigen Instrumente handelt es sich?

Einkommensquellen in Gestalt von Kapitalanlagen, die auf nicht konsumierten Geldeinkünften beruhen, können durch eine Besteuerung der Vermögen gestutzt werden. Über eine Steuerprogression lassen sich große Einkommensunterschiede nivellieren. Kartellgesetze und Verbraucherschutz dienen dem Zweck, faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und ein Ausnutzen von Monopolstellungen zu verhindern. Dabei bedarf es internationaler Regelungen, um global agierenden Wirtschaftsakteuren Schranken zu setzen. Mittels öffentlicher Aufträge und spezieller Förderung können Investitionen in Bereiche gelenkt werden, wo sie anstelle von Einsparungen einer Erhöhung des Produktionswerts dienen.

Die politische Umsetzung dieser Maßnahmen wird nun durch veränderte Machtkonstellationen erschwert. Diese manifestieren sich vor allem im wachsenden Druck transnationaler Konzerne. Daraufhin hat sich die Interessenlage der Staaten selbst gewandelt. So erweist sich eine Begünstigung der eigenen Wirtschaftselite, oftmals auch auf Kosten anderer heimischer Wirtschaftsakteure, als volkswirtschaftlich vorteilhaft. Zudem sind die Regierungen bedeutender Finanzplätze daran interessiert[13], dass die Belastungen für große Kapitalgesellschaften und vermögende Haushalte eher reduziert werden, um noch mehr Geldmittel anlocken zu können.

So lassen sich einerseits Mechanismen, die wachsende Einkommensunterschiede hervorrufen, nur durch politische Eingriffe entschärfen. Andererseits wird die Interessenlage der Staaten durch dieselben Mechanismen dahingehend beeinflusst, dass Regierungen gerade gegenteilig handeln. Hier sollten reformbereite Volkswirtschaftler als anerkannte Experten ihren Einfluss durch eine klare Positionierung geltend machen. Dies verlangt, dass sie in ihren Expertisen die Hauptursachen für die wachsende Schere zwischen Arm und Reich gebührend berücksichtigen.

 

Anmerkungen

[1] https://kenfm.de/positionen-5/

[2] http://www.jungewelt.de/2016/10-11/002.php?sstr=piketty

[3] https://www.welt.de/geschichte/article123583223/Der-Kapitalist-den-sogar-Stalin-bewunderte.html

[4] http://www.google.de/url?url=http://archiv.wirtschaftsdienst.eu/downloads/getfile.php%3Fid%3D267&rct=j&frm=1&q=&esrc=s&sa=U&ved=0ahUKEwiNpJrUpKDPAhXCkywKHX2bBi44HhAWCDEwBg&usg=AFQjCNEBOD0PhoxCQlAzAi56Ucr052yD6Q

[5] http://www.heise.de/tp/artikel/45/45720/1.html

[6] http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/wirtschaft/frankfurt-kredite-sind-schwerer-zu-bekommen-1939228.html

[7] http://www.vollgeld.de/plaedoyer-fuer-vollgeld/

[8] http://www.fuw.ch/article/ungleichgewicht-der-sparquoten/

[9] https://books.google.de/books?id=LcfTBgAAQBAJ&pg=PA4&lpg=PA4&dq=%22bevorzugung+von+konzernen%22&source=bl&ots=ymQEwnJJ0o&sig=_KE-PDa0irNarpU3QSiCh4BqEbw&hl=fi&sa=X&ved=0ahUKEwiCwNGorqzPAhWGNJoKHS8ABM0Q6AEIFzAC#v=onepage&q=%22bevorzugung%20von%20konzernen%22&f=false

[10] https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2013/juni/kolonialismus-auf-samtpfoten

[11] http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/gesellschaft-wirtschaft/wirtschaft/reichtum_ohne_gier-10240.html

[12] www.youtube.com/watch?v=nRNz3ASu-44

[13] https://www.heise.de/tp/features/Demokratiegefaehrdung-aus-den-eigenen-Reihen-3289899.html?seite=5

44 Kommentare zu Armut ist kein Naturgesetz

  1. Was auch immer in dem langen Artikel steht, noch nicht gelesen, eines fällt sofort auf, er ist viel zu lang und es geht garantiert kürzer.

    1. Seit 1919 / 1945 findet ein gewaltiger Abfluß an Vermögen / Vermögenswerten aus Deutschland statt, der sich auf eine zweistellige Billionensumme an heutigen Euros summiert. Reparationen, Demontagen, Patentraub, Umverteilung per „Europa“, Umverteilung per Euro, … .

    2. Wer lauter Irrsinn finanzieren muß, per Polizeipistole erpreßte Steuergelder, der ist natürlich ärmer. Gender, Homo, A-Sozialsystem, Umvolkung, Islam, Schuldkult, … .

    3. Schwundgeldsysteme unterliegen Zyklen, nach 70 bis 80 Jahren erfolgt ein Zusammenbruch, weil die echte Wirtschaft nicht mit den Forderungen aus dem Zinseszins mithalten kann.

    4. Also was auch immer in dem langen Artikel steht, sofern diese Sachen nicht berücksichtigt sind als wesentliche Gründe für die Lage in der BRD, dann müßte er überarbeitet werden.

    • Karl Bernhard Möllmann // 5. November 2016 um 17:17 // Antworten

      . . .
      ZITAT @ Marcus Junge:
      „Was auch immer in dem langen Artikel steht, noch nicht gelesen, eines fällt sofort auf, er ist viel zu lang und es geht garantiert kürzer.“
      .
      Zum Beispiel so:
      .
      „Was … im … Artikel steht … ist … zu lang … es geht … kürzer.“
      .
      ALLE Theoretiker & ihre klugen Theorien um das Geld scheitern bisher daran – daß sie auf Treibsand gebaut sind – und auf KEIN echtes Fundament gebaut sind.
      .
      WENN die Menschen sich an die Theorien halten würden – dann würden wahrscheinlich auch ALLE Theorien mehr oder weniger gut funktionieren, und akzeptable Ergebnisse liefern . . .
      .
      DAS Fundament, von dem ich spreche – ist die immer noch ignorierte REALITÄT, daß der Planet Erde von ZWEI Arten von Menschen bevölkert wird – die wir auf ALLEN Kontinenten, in allen Rassen & Religionen, in allen Nationen, in allen Gruppen & in allen politischen und/oder wirtschaftlichen Konstellationen vorfinden.
      .
      Die überwältigende Mehrheit hält sich an die SPIELREGELN.
      .
      Ein paar Prozent BRICHT ALLE REGELN.
      .
      WEIL wir zwar Schritt für Schritt den Klein-Kriminellen auf der Spur sind – aber den ganz großen Kriminellen, die wir auch „PSYCHOPATHEN“ nennen, mit unseren bisherigen Methoden NICHT das Handwerk legen können und/oder wollen – „passiert“ es der Menschheit immer wieder, daß Groß-Kriminelle, wie zum Beispiel der US-Präsident George W. Bush, bis in die höchsten Ämter einer Regierung aufsteigen können.
      .
      DAS sehen wir auch gerade wieder in der Türkei, aber auch in den USA und in Israel. Die Saudis & Quatar rüsten und beliefern die ISIS, die wir gleichzeitig angeblich bekämpfen . . . ?
      .
      „Normale“ Mörder überführen wir und sperren sie ein.
      .
      MASSEN-MÖRDER als Präsidenten – gelten aber als unsere politischen „Freunde“ – welch perfide Verirrung unserer Führer . . .
      .
      Solange wir dieses geistige FUNDAMENT nicht bauen, daß MÖRDER und speziell MASSEN-MÖRDER nicht an die Spitze einer Regierung gehören, sondern in den Knast – solange dürfen wir uns NICHT wundern – daß ALLE Theorien versagen!
      .
      Denn KRIMINELLEN gehen ALLE Spielregeln jeder menschlichen Gesellschaft grundsätzlich & immer am Arsch vorbei – es ist also Erbsenzählerei über „VOLLGELD“, über Keynes, über Frei-Geld, Schwund-Geld, fließendes Geld oder Zinsen und andere Spielereien des Kapitalismus und des Kommunismus zu diskutieren – solange PSYCHOPATHEN frei & unerkannt herumlaufen und jederzeit & überall nach Belieben KRIEGE anzetteln dürfen, ganze Länder in’s CHAOS bomben dürfen, und JEDE Regel und JEDES Gesetz brechen dürfen, wie auch immer es ihnen gerade gefällt . . .
      .
      Also ZUERST dieses Bordell – genannt „Erde“ – anständig aufräumen!
      .
      Danach mit EHRLICHEN Managern & vollkommen transparent & öffentlich den besten Weg suchen, finden & gemeinsam beschreiten!

      • Die Unterteilung in Psychopathen und Nicht-Psychopathen bzw. Regelbrechern und Regelbefolgern geht doch an der Realität vorbei. Ist es nicht vielmehr so, wie es im Sprichwort heißt, dass erst die „Gelegenheit Diebe schafft“? Keiner ist von Geburt aus gut oder schlecht, es sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die die moralischen Einstellungen der Individuen prägen.

        Natürlich ist es oftmals so, dass skrupellose Menschen eher in der Hierarchie aufsteigen. Sind sie aber in eine verantwortliche Position gelangt, dann müssen sie zumindest ihre Mitmenschen täuschen, aber auch Nachgiebigkeit zeigen. Je klüger und engagierter eine Bevölkerung ist, desto eher kann sie ihre Elite zu Zugeständnissen zwingen, zumindest in einem demokratisch verfassten Staat. Wer seine Machtposition halten will, kann den Volkswillen nicht auf Dauer ignorieren.

        Ja, und wie sollen Menschen in die Lage versetzt werden, ihren Führern auf die Finger zu schauen? Dies gelingt doch wohl nur durch Argumentieren, durch Überzeugungsarbeit. Dies ist eingestandenermaßen ein beschwerlicher Weg und es gibt zuweilen arge Rückschläge, aber gibt es einen anderen? Wo würden wir heute stehen, wenn sich nicht über Jahrhunderte aufgeweckte Personen darum bemüht hätten, den Blick für Realitäten zu schärfen und für eigene Interessen zu kämpfen?

      • Karl Bernhard Möllmann // 6. November 2016 um 11:06 //

        . . .
        ZITAT @ benu13:
        „Die Unterteilung in Psychopathen und Nicht-Psychopathen bzw. Regelbrechern und Regelbefolgern geht doch an der Realität vorbei.“
        .
        JA, das ist leider so.
        .
        Aber um genau diese FALSCHE Realität zu ändern – schreibe ich immer wieder über diese FUNDAMENTAL wichtige Erkenntnis – wenn wir als Menschheit denn jemals aus diesem uralten Teufelskreis entkommen wollen . . . ?
        .
        „DER MENSCH IST IM GRUNDE GUT!“
        .
        Diese so in etwa ALLES bisherige „Fach-Wissen“ der angeblichen „Experten“ über den Haufen werfende These – hat L. Ron Hubbard bereits vor rund 70 Jahren entdeckt – und inzwischen überall & immer wieder millionenfach wissenschaftlich präzise BEWIESEN.
        .
        DIESE SIMPLE ERKENNTNIS – ist der Motor, der seit 70 Jahren erfolgreich Kriminelle rehabilitiert – und Menschen ausnahmslos aus ihrem geistigen Gefängnis befreit.
        .
        Die BEWEISE sind erdrückend!
        .
        DARUM geht kein einziger der kriminellen Kritiker der Dianetik und/oder der Scientology jemals auf dieses FUNDAMENT der erfolgreichen Therapie ein.
        .
        Denn wenn der Mensch „IM GRUNDE GUT IST“ – dann bedeutet diese ENTDECKUNG langfristig gesehen – das ENDE der Gefängnisse, das Ende der Todesstrafe, das Ende aller Gewalt in der Erziehung, das Ende aller Gewalt in der Politik, das Ende aller Gewalt in der Justiz, und das Ende aller Gewalt in der Psychiatrie.
        .
        Die boomenden Geschäfte der Drogen-Händler und von big Pharma wären ebenso auf lange Sicht zu Ende & vorbei für immer!
        .
        Tausende von Berufen auf diesem Planeten verdienen Trillionen an Dollars mit der (falschen) aber von ALLEN Kirchtürmen UND Minaretten gepredigten REALITÄT – dass erst die „Gelegenheit Diebe schafft“, wie Sie schreiben – und dass es angeblich „die gesellschaftlichen Verhältnisse, (sind) die die moralischen Einstellungen der Individuen prägen.“
        .
        Diese einfache ENTDECKUNG macht alle kriminellen Scharlatane auf dem Gebiet der geistigen Heilung schlagartig arbeitslos.
        .
        DAS VERURSACHT PANIK BEI DEN AMTLICHEN VERSAGERN.
        .
        Denn ein JEDER, der es ehrlich versucht – kann sich mit der Dianetik sehr leicht aus dieser (falschen) REALITÄT selbst befreien – und zu seinem eigenen ICH finden.
        .
        Dazu muß man nichts weiter tun als diese (falsche) REALTITÄT genauestens unter die Lupe nehmen – und den jeweiligen Ursprung extrem präzise bis zur QUELLE verfolgen – und dann sieht man WER, WANN, WO & WIE die wahre Ursache der damaligen Entscheidung zur LÜGE & zur Kriminalität war.
        .
        Nur wer dem Irrglauben unterliegt – LÜGEN zum Überleben zu benötigen – der wird an seinen eigenen LÜGEN festhalten wollen – und daran regelmäßig krank werden, zerbrechen & scheitern.
        .
        WER diesen DIREKTEN Zusammenhang von LÜGE & LEID erst einmal kapiert hat – der ist nicht nur „im Grunde gut“ – der sorgt aus eigener Kraft für sein eigenes würdiges Leben auf einer jederzeit ethischen Grundlage, die KEINE LÜGE benötigt, und kein LEID erzeugt!
        .
        DAS ist dann so etwas echte Intelligenz, bis hin zur Weisheit.
        .
        DAS ist der Paradigmen-Wechsel – der endlich aus dem globalen Wahnsinn heraus führt – zu einem Leben OHNE Wahnsinn, OHNE Krieg, OHNE Drogen und OHNE die schrecklichen Begleitumstände dieser größten globalen Dummheit unserer kriminellen Führer.

      • Karl Bernhard Möllmann // 6. November 2016 um 11:27 //

        . . .
        ZITAT @ benu13:
        „Ja, und wie sollen Menschen in die Lage versetzt werden, ihren Führern auf die Finger zu schauen?“
        .
        1.) KEINEN Respekt vor LÜGNERN & REGEL-BRECHERN im Amt!
        .
        2.) GLEICHES RECHT FÜR ALLE!
        .
        3.) ALLE Bürger in allen Berufen & Ämtern müssen die Augen & Ohren offen halten – und ihren Führern genauso auf die Finger schauen – wie sie den Fremden auf die Finger schauen, wenn die verdächtig um ihre Häuser schleichen . . . !
        .
        Und dann bekommen wir auch genau diejenigen Führer – die wir haben wollen – und nicht die GEHEIMEN Strohmänner & Strohfrauen – die uns die kriminelle Globalisten-Sekte in GEHEIMER Absicht & mit kriminellen Plänen vor die Nase setzt.

  2. hubi stendahl // 5. November 2016 um 18:31 // Antworten

    test

  3. hubi stendahl // 5. November 2016 um 18:33 // Antworten

    Zitat / Artikel
    „Da die Zinsbeträge der umlaufenden Geldmenge entnommen werden müssten, würde diese sich zwangsläufig vermindern. Dies hätte dann negative Auswirkungen auf das volkswirtschaftliche Gesamtprodukt.“

    Voll daneben, abgesehen von den Fehlern im Rest des Artikels. In der Idee der Freiwirtschaft tendieren systembedingt die Zinsen stets gegen Null. Insofern vermindert sich der Geldkreislauf nicht.Im Gegenteil. Orientiert am BIP Wachstum wird dem Geldkreislauf planmäßig neue Liquidität hinzugefügt (Stichwort konstruktive Umlaufsicherung). Da hier eine freie und keine Monopolwirtschaft wie heute vorausgesetzt wird und eine Bodenreform leistungslose Einkommen verhindert, wäre eine Verklumpung von Kapital, wie heute im Monopolkapitalismus, weitestgehend unmöglich. Die heutigen Zinsen von 40 – 55 % innerhalb aller Mobilien und Immobilien gehörten der Vergangenheit an (Bitte informieren Sie sich über die Definition von „Zins“). Andere Probleme gibt es aber hier dennoch, die nicht thematisiert sind. Z.B. das Problem des Wachstums, das angesichts der Tatsache, dass wir durch den technologischen Fortschritt keine Wachstums- sondern eine neue Verteilungsstrategie global brauchen. Auch das Patentrecht ist hier nicht geklärt.

    Zitat:
    „Eine Strategie zur Verminderung der Schere zwischen Arm und Reich kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie den Mechanismen entgegenwirkt, die sie verursachen. Bei dieser Aufgabe reicht augenscheinlich eine Einflussnahme über Gesetze, Verordnungen und Lenkungsinstrumente. Es bedarf keiner tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, wie sie von manchen Kritikern des Neoliberalismus verlangt werden.“

    Typisch für Sozialisten. Ich würde mich zunächst mit den tatsächlichen Ursachen beschäftigen, um dann zur Erleuchtung zu kommen.

    Seit tausenden von Jahren wird in einem a priori fehlerhaften System versucht, die Geld- und Bodenordnung so gestalten, dass leistungslose Kapitaleinkommen sich „schmerzfrei“ in der Art rückverteilen lassen, dass die Arbeitsbienen unter Druck und Angst gerade ihre Existenz sichern konnten und können. Da gab es noch keinen „Neoliberalismus“. Hierfür ist eindeutig der Urzins verantwortlich:

    Dr. Ernst Winkler, Die natürliche Wirtschaftsordnung (1952):
    „Der geschilderten, innerlich so verlogenen Moral mit all ihren, hier nur
    kurz angedeuteten schädlichen Auswirkungen stellen wir nun die natürliche
    und sinnvolle Ordnung entgegen, welche die Natürliche Wirtschaftsordnung
    nicht nur für die wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander
    darstellt, sondern auch für den Aufbau der Gesellschaft und darüber hinaus
    jeder menschlichen Gemeinschaft nahe legt. Die Grundlage jeder menschlichen
    Beziehung, also auch jeder menschlichen Gemeinschaft, ist der Leistungsaustausch im weitesten Sinn des Wortes. Jeder Mensch ist mit seinen wirtschaftlichen und kulturellen, mit seinen körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnissen auf die Hilfe und Ergänzung durch die Mitmenschen angewiesen und erhält sie auch als Gegenleistung für die Hilfe und Ergänzung, die er selbst den anderen gewährt. Der Leistungsaustausch geschieht ganz allgemein ebenso wie im Sonderfall des wirtschaftlichen Warentausches auf der Grundlage des freien Wettbewerbes nach dem Gesetz von
    Angebot und Nachfrage und ist stets für beide Teilnehmer vorteilhaft……“

    In einer Zivilisation mit Arbeitsteilung, die die Benutzung von Geld als Zwischentauschmittel voraussetzt, wurde bisher der Geldkreislauf aufrechterhalten, indem man über Religion (verlogene Moral) und eine im 18th Jhd. eingeführten links-rechts Dogmatik den Geist getötet und das Volk verblendet hat. Im Atomzeitalter sollten wir es schaffen, den Unsinn der sozialistischen Umverteilung endlich ad acta zu legen, um den systemischen Fehler des umverteilenden Urzins von arm zu reich nicht mehr im Gegeneinander (Sozialismus vs. Liberalismus) lösen zu wollen, sondern nach Dr. Ernst Winkler erkennen, dass der Staat nichts anderes als eine Einrichtung der Mächtigen ist, um als Clearingstelle für die Zinsgewinner stets bis zum unvermeidlichen Zusammenbruch, der uns bald bevorsteht, zu fungieren:

    Es gibt nur eine Lösung für einen gerechten Leistungsaustausch und das ist die Abschaffung des Urzins, der mit mathematischer Genauigkeit über den Zinseszinseffekt in den nächsten Krieg führt. Der ideale Staat ist horizontal organisiert, nicht vertikal.

    Das mag ihrem Chef wenig gefallen. Schließlich hat er über eine Erbschaft bereits leistungslos soviel wirtschaftlichen Vorteil in die Wiege bekommen, dass er es sich leisten kann, als Salonsozialist mehr Staat zu fordern, der dann von jenen kontrolliert wird, die ausreichend Kapital mitbringen. Rufen wir uns Dr. Winkler in Erinnerung, der genial formuliert, dass der Mensch aus mehr als einem wirtschaftlichen Akt besteht, der allerdings in Form des lebensnotwendigen Leistungsaustauschs zu den wichtigsten zählt:

    1) Ein Leistungsaustausch kann nur dann beidseitig friedlich und gewinnbringend sein, wenn kein drittes Element zugunsten einer Seite eingreift. Ein Naturgesetz, liebe Sozialisten. Der umverteilende Zins und der Staat sind somit Fremdkörper.

    2) Im Sinne eines seelischen und geistig-kulturellen Leistungsaustauschs hat der Staat sich dezentral zu organisieren, sodass die Lebensumstände von den Menschen und nicht von einer Nomenklatura, gleich welcher Ideologie, bestimmt wird.

    Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel und ich kann nur hoffen, dass sich die Ideologen, die sich auf einer nebulösen „linken“ Seite positionieren, sich nicht mit ihrer Menschen verachtenden Ideologien, die bereits weite Teile der Gesellschaft verseucht und die Menschen zu Mumien transformiert hat, durchsetzen.

    • MutigeAngstfrau // 5. November 2016 um 21:57 // Antworten

      Für heute freue ich mich schon mal, dass Sie sich nicht zur Mumie transformiert haben, sondern endlich wieder hier schreiben, @ hubi Stendahl…

    • Bernd Murawski // 6. November 2016 um 00:37 // Antworten

      „In der Idee der Freiwirtschaft tendieren systembedingt die Zinsen stets gegen Null. Insofern vermindert sich der Geldkreislauf nicht“.

      Also, irgendwie habe ich das Gefühl, dass übersehen wurde, dass ich den Satz, auf den sich diese Stellungnahme bezieht, im Konjunktiv formuliert habe. D.h. nicht ich behaupte, dass sich die Geldmenge infolge von Zinszahlungen vermindern würde, sondern viele Anhänger der Freiwirtschaftslehre. Dagegen vertrete ich die Auffassung, dass sich die Geldmenge trotz Zinszahlungen nicht vermindert. So besteht wohl auch kein Dissens darüber, dass dies insbesondere für Zinsen gilt, die „stets gegen Null“ tendieren.

      Worin ich dem Kommentator zustimme, und dies ist ja auch eine der wesentlichen Kernaussagen des Artikels, ist die Erkenntnis, dass nicht der Kapitalismus geschweige denn der Neoliberalismus der „Sündenfall“ ist, der ursächlich für die großen Einkommensunterschiede verantwortlich ist. Nun hätte ich gewünscht, dass zu den von mir thematisierten Mechanismen der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich Stellung bezogen würde, anstatt wohlklingende Worte eines Gurus wiederzugeben.
      Wenn schon die Behauptung aufgestellt wird, dass ein „Urzins“ der Grund allen Übels sei, dann hätte ich gerne erfahren, was an meinen Bemerkungen zum Zins konkret auszusetzen ist. Darüber hinaus interessiert, weshalb sich Gewinne aus Zinseinnahmen von Gewinnen aus anderen Quellen vor dem Hintergrund wachsender Einkommensunterschiede unterscheiden.

    • Karl Bernhard Möllmann // 6. November 2016 um 07:21 // Antworten

      . . .
      „Die Grundlage jeder menschlichen Beziehung, also auch jeder menschlichen Gemeinschaft, ist der Leistungsaustausch…“
      .
      GEILER SATZ !
      .
      Wellcome back Hubi!

  4. „Eine Strategie zur Verminderung der Schere zwischen Arm und Reich kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie den Mechanismen entgegenwirkt, die sie verursachen. Bei dieser Aufgabe reicht augenscheinlich eine Einflussnahme über Gesetze, Verordnungen und Lenkungsinstrumente. Es bedarf keiner tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, wie sie von manchen Kritikern des Neoliberalismus verlangt werden.“

    Das sehe ich auch so. So mancher radikaler Geldsystemkritiker hat wohl ganz andere und dunklere Ziele, als ein gerechtes, der Allgemeinheit dienenden Geldsystems.

    Es ist richtig, dass mit nur wenigen Regelungen unser Kreditgeldsystem (KGS) erfolgreich stablisiert werden könnte… das heisst wenn es denn politsch erwünscht wäre. Darunter gehören meines Erachtens folgende MAssnahmen:

    Forderung an die Politik

    1.

    Der Spekulationszirkus ist unverzüglich einzustellen. In anderen Worten, in einem der Wirtschaft dienenden Kreditgeldsystem gehört dies verboten. Eventuell kann man darüber nachdenken, für den Markt der Finanzprodukte ein eigenes Banksystem auf zu ziehen…. welches jedoch strikt getrennt vom KGS zu unterhalten ist und die Konvertierung von Spekulationsgeldeinheiten zu Kreditgeldeinheiten bis aufs Detail genau geregelt ist… auf alle Fälle so, das es dem KGS nicht Schaden zugügt.

    2.

    Ein KGS verträgt kein horten. Denn durch das Horten werden dem KGS Kreditgeldeinheiten entzogen, welche anderen Kretitgeldteilnehmern die erfüllungen ihrer Kreditverträge erschwert bis unmögich macht. Dies macht es notwenig, neben dem KGS ein eigenständiges und strikt vom KGS getrenntes Spargeldsystem zu entwickeln. Auch hier wieder: die Konvertierung von Spargeldeinheiten zu Kreditgeldeinheiten müssen bis aufs Detail genau geregelt sein… auf alle Fälle so, das es dem KGS nicht Schaden zugügt.

    3.

    Eine Kapitalisierung von Zins auf Guthaben, gehören sofort verboten und zwar ohne Ausnahme. Zinserträge sind vom Ursprungsbetrag getrennt zu verbuchen (zum Beispiel Zinskonto zu XXX) und dürfen nicht weiter verzinst werden. Dies würde ein sofortiger Stop des Zinseszins bedeuten.

    4.

    Erbschaften gehören gedeckelt…. Was jedoch nicht heisen soll, das Guthaben resozialisiert werden. Alle Guthaben aus Erbschaften die zum Beispiel die Deckelungshöhe von 5 Millionen Kreditgeldeinheiten übersteigen, und keinen realen Mehrwert für die Gesellschaften bringen, werden vernichtet.

    Das hätte neben dem Gerechtigkeit, gleiche Chancen für alle, auch noch den Vorteil, dass in der Höhe der vernichteten Guthaben, auch die gleiche Höhe an Schulden vernichtet würde… In anderen Worten, die Staatsschuldenkrise würde effektiv bekämpft und nicht sozialisiert wie heute. In Wahrheit gibt es ja gar keine Staatsschuldenkrise, sondern wir haben eine Guthabenkrise.

    Denn: des einen Geldberge sind des anderen Schuldenberge

    http://www.dragaonordestino.net/Drachenwut_Blog_DragaoNordestino/Freies-Konsensforum/Kreditgeldsystem_ist_kein_Spargeldsystem.php

    • Bernd Murawski // 6. November 2016 um 09:13 // Antworten

      Der „Spekulationszirkus“ nahm erst seinen Lauf, als die Konturen zwischen Geschäfts- und Investmentbanken durch die Aufgabe des Glass-Steagall Acts verwischt wurden.

      Solange nämlich Privatanleger innerhalb ihrer eigenen Kreise spekulieren, findet – wie im Casino – nur eine Umverteilung ihrer Vermögen statt, die die Außenwelt nicht tangiert. Probleme entstehen, wenn Spekulationen durch Geschäftsbanken kreditiert werden oder sich Staaten und Kommunen an der Spekulation beteiligen, wie im Vorfeld der letzten großen Krise geschehen.

      Natürlich stellt sich überhaupt die Frage, weshalb derart riesige Bargeldbestände im Anlagesektor vagabundieren. Alle kennen den „Trickle down“-Effekt. Parallel dazu existiert ein „Rise up“-Effekt, d.h. das durch Kreditierung geschaffene Geld gerät auf verschlungenen Wegen, oftmals sogar direkt in die Hände von Privatanlegern.

      Wie ich im Artikel schreibe, ist aus meiner Sicht nicht die Hortung von Geld das Hauptproblem, sondern der Mangel an gewinnbringenden Anlageobjekten.
      Daher sollten Finanzmittel, die weder konsumiert noch produktiv eingesetzt werden, durch eine Steuer abgeschöpft werden. Eine nachhaltige Wirtschaftspolitik sollte meines Erachtens dafür Sorge tragen, dass sich die Einkommen von Konsumenten und potentiellen Anlegern in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander befinden, d.h. dass es für jeden nicht konsumierten Euro rentable Investitionsobjekte im produktiven Sektor gibt. Dann löst sich das Spekulationsproblem großenteils von selbst.

      • @ Bernd Murawski

        Solange nämlich Privatanleger innerhalb ihrer eigenen Kreise spekulieren, findet – wie im Casino – nur eine Umverteilung ihrer Vermögen statt, die die Außenwelt nicht tangiert.

        So einfach ist dies nicht. Wenn aus ursprünglich kleinen Risiken (Ausfall eines individuellen Kredits) durch den Spekulationszirkus konzentrierte Risikobomben gebastelt werden können (strukturierte Finanzprodukte), und diese so lange weiterverschoben werden , bis sie letztlich beim schwächsten Glied in der Kette landen, und dort mit grosser Sprengkraft explodieren, kann man ja kaum von „innerhalb der eigenen Kreise sprechen“.

        Das gleiche bei der Kreditausfallversicherung. Jeder, der Lust und Laune hat, kann sich per Kreditausfallversicherung in x-beliebige Kredite einhängen. Das ist nicht nur Unsinn, sondern ein Verbrechen der besonderen Art, welches nur in staatsmonopolistischen Gebilden auftauchen kann, weil es dort quasi legal funktioniert.

        Aus ursprünglich 300 Milliarden Euro wird durch diesen verbrecherischen Unfug auf einmal das Hundertfache ja Tausendfache. Und natürlich wird von diesen Spekulanten auch alles unternommen, damit die Kredite auch wirklich ausfallen. Nur so können sie abkassieren.

        Ein KGS ist kein Spekulationsgeldsystem… somit gehören solcherlei Praktiken verboten.

        Daher sollten Finanzmittel, die weder konsumiert noch produktiv eingesetzt werden, durch eine Steuer abgeschöpft werden.

        Dieser Meinung bin ich nicht. Ein KGS ist kein Spargeldsystem. Durch Steuern wird nur weiter umverteilt. Unproduktive Kreditgeldeinheiten gehören vernichtet.

      • hubi stendahl // 6. November 2016 um 13:18 //

        Hallo Herr Murawski,

        gehen wir es mal rückwärts an. Ihr Artikel hat m.E. den Fehler, dass er sich der wichtigsten Pflicht eines Journalisten nicht unterwirft:
        Geolitico Fußleiste: „„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“ (Hanns Joachim Friedrichs)“

        Übersetzt bedeutet dies, dass man sich nicht an einer „self-fulfilling prophecy“ orientieren sollte. Es hilft auch bei der eigenen geistigen Entwicklung nicht weiter.

        Hier aber ist nichts anderes passiert. Vor ihrem geistigen Auge hatten Sie als Journalist offenbar bereits die „Endlösung“, „mehr Staat“ im Kopf und dann nach entsprechenden Argumenten gesucht:

        Zitat:
        „Rückbesinnung auf staatliche Steuerungsmechanismen“

        „Eine Strategie zur Verminderung der Schere zwischen Arm und Reich kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie den Mechanismen entgegenwirkt, die sie verursachen. Bei dieser Aufgabe reicht augenscheinlich eine Einflussnahme über Gesetze, Verordnungen und Lenkungsinstrumente.“

        Typisch für Sozialisten, die seit des historischen Erscheinens nichts anderes versuchten, als innerhalb eines a priori fehlerhaften Systems, leidliche Umverteilungen zu realisieren und mit diesem Versuch der Gleichmacherei nichts anderes produzierten, als eine Reduzierung der Besten auf das Maß einer dumpfen verblendeten Masse, was im Endstadium zu Extremen neigt, sodass an Unis ein „Profxxx“ mittlerweile auf „Student*Innen“ trifft, deren Geschlecht bei der Geburt von den „Elter“ vorläufig bestimmt wird, damit sie sich nach dem ersten Kita Jahr aus 100 Geschlechtern ein für sie passendes aussuchen können und diese im Verlauf des Lebens, wie durch ein Wunder, ständig wechseln können.

        Worauf will ich hinaus?

        Auf die Tatsache, dass sie versuchen mit ein paar mechanischen Beschreibungen die Sache ihrem Weltbild anzupassen. Dabei unterschlagen Sie die wichtigsten Komponenten menschlicher Existenz; nämlich die Auswirkungen des derzeitigen Systems auf die seelischen und geistigen Befindlichkeiten eines Menschen hat. Insofern sind ihre „3 Argumente“ ohne fairen Vergleich der Gegenargumente gar nicht diskutierbar.

        Trotzdem versuchen wir es einmal anhand der Behauptung, dass das „Gros der Zinsbeträge mit zeitlicher Verzögerung in den Wirtschaftskreislauf zurückgelangt, während ein Teil der Zinsforderungen im Zuge von Verlustabschreibungen verschwindet.“

        „Kein Geldentzug durch Zinsgewinne“. Das ich nicht lache:

        Zunächst zum Zins. Der Zins wird von Keynes verkürzt als Liquiditätsprämie bezeichnet und von ihm in Langzeitbetrachtung als notwendig mit 4-5 % angenommen. Die Wortwurzel von Zins ist census, was mit dem altdeutschen „wachsen“ verbunden ist. Bis Martin Luther wurde in der Bibel diesbzgl. stets mit Ertrag, Frucht, Gewinn übersetzt. Moralisch akzeptiert ist der Zins erst seit dieser Zeit. Zins ist nicht nur eine Prämie für den Verzicht auf Liquidität, sondern auch eine Gebühr für die Nutzung von Eigentumsrechten. Denken wir in diesem Zusammenhang an die Nutzung von Patenten (Lizenzgebühr), an die Überlassung von Immobilien (Mietzins), an Gewinnanteile an Unternehmen (Dividende), last not least an Texte und Kompositionen, die vergütet werden (Honoraren) usw. usw. Erkenntnis: Nicht nur Banken nehmen am Zinssystem teil.

        Wie wirkt nun dieser Zins?

        Beschränken wir uns, wie Sie, auf die Banken. In Ihrer korrekten Beschreibung haben Sie vergessen deutlich zu machen, dass die Banken den für die Zinsliquidität erforderlichen Kreditkontrakt aus dem NICHTS zaubern (Geldschöpfungsakt). Die von Dritten mit Wachstum zu generierenden Zinseinkünfte verwenden die Banken größtenteils für ihr eigenes Spekulationsgeschäft und generieren wieder Zinseinkünfte. Der Zins wirkt sich also sowohl auf Wirtschaftswachstum, als auch auf die Inflation aus. Die Hauptwirkung unterstellt die Annahme, dass mit diesem „Steuerungselement“ die Liquidität an den Märkten gesteuert werden kann. Dass das nur leidlich funktioniert, erleben wir gerade live.

        ES GIBT ABER NOCH EINE ZWEITE WIRKUNG::::NÄMLICH DIE TATSACHE, DASS NICHT NUR AUS DEN FÄLLIGEN TILGUNGSLEISTUNGEN, SONDERN AUCH DIE DARAUF ENTFALLENEN ZINSEN NUR DURCH NEUVERSCHULDUNG GENERIERT WERDEN KÖNNEN. Gelingt dies, bleibt die Volkswirtschaft im Gleichgewicht (abgesehen vom Umverteilungseffekt), gelingt dies nicht, marschiert die Volkswirtschaft in eine Depression. Was Keynes mit der Liquiditätsfalle beschrieb und derzeit durch die Banken und Staaten versucht wird zu verhindern. Keynes glaubte, dass der Staat die zunehmende Umverteilung (wie Sie?) in den Griff bekommen müsste und daher die Konjunkturschwankungen mit Programmen abfedern kann. Auf die Frage, was bei Überschuldung der Staaten passiert antwortete er:
        Am Ende sind wir alle tot. Dieser Zusammenhang wird von der derzeitigen Nomenklatura der Kurpfuscher in der VWL negiert. Wird Geld gegen Zins bei einer Bank angelegt, wird es dem Kreislauf entzogen. Soll die Gesamtliquidität erhalten bleiben, muss also weiterer Kredit/Zins her. Die darauf entfallenen Zinsen wirken bei der Bank als Kosten. Die geparkte Anlage des Sparers aber wird größtenteils für Eigengeschäfte verwendet, um daraus Zinsgewinne zu generieren ( Derivate, Devisen und Warentermingeschäfte). Aus den Zinsgewinnen möge ein kleiner Anteil durch Eigenanschaffungen in den Kreislauf zurück gelangen, der Bärenanteil findet sich aber bei den Dividenden (auch Zinsen) und anderen leistungslosen Einkommen wieder.

        Diese nachgeordnete Zinswirkung ist mathematisch kaum beschreibbar. Die Spieletheorie beschäftigt sich derzeit damit. Die wichtigsten Akteure, Staat, Unternehmen der Real-/ und Finanzwirtschaft, Private mit netto Zinseinkünften und Zinslasten (System Verlierer/Gewinner) lassen sich nicht in eine Formel packen. Es geht unaufhaltsam zum Armageddon, in die Liquiditätsfalle.

        Der Beweis?

        Seit 36 Monaten befindet sich die EU in der Kreditkontraktion, die man mit Mühe über Nullzinsen und Ankauf von Schrottpapieren über Wasser hält. Nach Ihrer Pipi- Langstrumpf Definition dürfte es gar keine Kreditkontraktion geben, da ja alles im Gleichgewicht ist. Wenn der Zins, wie sie behaupten, nicht gehortet wird, dann müsste sich nach einer Zeit ein maximaler Schuldenstand entwickeln, der kein weiteres Wachstum erfordert.Alle Tilgungsleistungen würden dann durch Neuverschuldung in gleicher Höhe kompensiert, alle Zinszahlungen flössen den Schuldnern aus „Einkäufen“ der Gläubiger wieder zu. Die Realität sind anders aus.

        Hier noch die soziologisch-psychologischen Auswirkungen des aktuellen Geldsystems z.B. stringent erklärt durch Dr. Winkler:

        http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/natuerliche-wirtschaftsordnung-moralische-auswirkungen

      • @hbi stendahl

        In Ihrer korrekten Beschreibung haben Sie vergessen deutlich zu machen, dass die Banken den für die Zinsliquidität erforderlichen Kreditkontrakt aus dem NICHTS zaubern (Geldschöpfungsakt).

        Mann o Mann, wieso ist es eigentlich so schwierig, endlich einmal diesen Unfug, von der Kreditgeldschöpfung aus dem Nichts, aus der Gehirnschublade zu werfen.?

        Die Sache sieht doch bei genauer und unpolemischer Sicht etwas anders aus.

        Für Gb’s ist das geschaffene (geschöpfte) Kreditgeld eine Schuld, und nicht wie gerne dargestellt wird ein Aktivum (Guthaben). Eine Schuldverpflichtung allerdings schafft (schöpft) man nicht, sondern man geht sie ein. Eine Gb erzeugt Kreditgeld (Giralgeld), in dem Sie eine Forderung gegen einen Kreditnehmer, zu einer höher besicherten Forderung gegen sich selbst macht.

        Auch der Ausdruck „Geldschöpfung aus dem Nichts“ ist aus dem Nichts frei erfunden. Wenn die Propagandisten der Kreditgeldschöpfungs-Mythen und Zinskritik nun ihren Slogan „Geldschöpfung aus dem Nichts“ korrekt ändern würden in „Schuldanerkennungsschöpfung aus dem Nichts“, begännen vermutlich viele an deren Thesen zu zweifeln.

        Zum Rest erpare ich mir einen Kommentar

      • hubi stendahl // 6. November 2016 um 20:10 //

        @dragao
        „Die Sache sieht doch bei genauer und unpolemischer Sicht etwas anders aus.“

        Warum erklären Sie dann in der Folge den tatsächlichen Buchungsweg nicht, statt anderen Polemik zu unterstellen.

        Vor Monaten habe ich Ihnen den Buchungsweg zur Geldschöpfung schon einmal erklärt.

        Die Geschäftsbank schöpft als Erfüllungsgehilfe der Zentralbanken das Geld aus dem NICHTS. Ungeachtet der Tatsache, dass die Geschäftsbank Konten, Computer sowie BGA und Immobilie für den Sachbearbeiter bereithält, handelt es sich um eine Leistungsstörung, denn die Bank erbringt keine VERHÄLTNISMÄßIGE Leistung. Sie bucht nur Geld durch, dass sie als Darlehen von der ZB erhalten hat. Als Gegenleistung dafür erhält sie aufgrund eines Kreditkontrakts vom Darlehensnehmer einen vorher vereinbarten Zins (und Zinseszins) für eine Leistung, die die Zentralbank mit der Schöpfung des Geldes aus dem NICHTS erbracht hat.

        Ein Risiko geht die Geschäftsbank auch nur in überschaubaren Maß ein, da sie durch Sicherheiten (z.B.Hypotheken) stets komfortabel abgesichert ist.

        Eben eine Schöpfung aus dem NICHTS, weil die ZB mit der Erfindung des Geldes in diesem System damit den Geldkreislauf aufrecht erhält. Nach Ablauf des Darlehens lösen sich die Verbindlichkeit bei der Geschäftsbank und die Forderung bei der ZB auf. Was anderes als eine Erfindung aus dem NICHTS ist das? Dabei ist völlig wurscht, ob die Vereinigten Papierwerke gesetzlich autorisiert wurden oder die Klötzenbank in Kleinkleckersdorf.

        Erbsenzählerei oder persönliche Aversion oder keine Ahnung! Sie werden es wissen.

      • @hubi stendahl

        Eben eine Schöpfung aus dem NICHTS, weil die ZB mit der Erfindung des Geldes in diesem System damit den Geldkreislauf aufrecht erhält. Nach Ablauf des Darlehens lösen sich die Verbindlichkeit bei der Geschäftsbank und die Forderung bei der ZB auf. Was anderes als eine Erfindung aus dem NICHTS ist das?

        Nun so ist dies eben… wie ein Kreditgeldsystem funktioniert Geld ensteht bei Kreditnachfrage und bei Tilgung aller Verbindlichkeiten verschwindet es wieder…. Haben Sie Schwierigkeiten, die Funktionsweise eines Kreditgeldsystems zu verstehen.?

        Alles was diesen Normalgang eines Kreditgeldsystems behindert, ist als krimminelle Manipulation ein zu ordnen… und gehört dem entsprechend abgestraft… dazu bräuchte es nur ein wenig politischen Willen.

      • Bernd Murawski // 7. November 2016 um 09:26 //

        Hallo Hubi Stendahl,

        danke für Ihre ausführliche Stellungnahme, auf die ich mich im folgenden beziehen möchte.

        „Vor ihrem geistigen Auge hatten Sie als Journalist offenbar bereits die „Endlösung“, „mehr Staat“ im Kopf und dann nach entsprechenden Argumenten gesucht:“

        -> Danke für die nette Unterstellung. Auch wenn ich schwören würde, dass dies nicht meine Absicht war, werden Sie es mir wohl nicht abnehmen.

        „Typisch für Sozialisten, die seit des historischen Erscheinens nichts anderes versuchten, als innerhalb eines a priori fehlerhaften Systems, leidliche Umverteilungen zu realisieren …“

        -> Ok, es gab Zeiten, die Jahrzehnte zurückliegen, als ich an einen Sozialismus glaubte. Heute bin ich relativ ernüchtert, und so machen mich Heilsbotschaften und vermeintlich vollkommene alternative Wirtschaftsmodelle heute eher stutzig. Was tatsächlich funktionierte und nachweislich Einkommensunterschiede verminderte, war der Keynsianismus der 50er und 60er Jahre, der nur den Makel zunehmender öffentlicher Verschuldung in sich trug. Warum dies heute nicht mehr klappt, liegt aus meiner Sicht vor allem daran, dass die Politik zunehmend unter Druck geraten ist, weil sie weiterhin national betrieben wird, während die großen Kapitalgesellschaften global agieren.

        „Dabei unterschlagen Sie die wichtigsten Komponenten menschlicher Existenz; nämlich die Auswirkungen des derzeitigen Systems auf die seelischen und geistigen Befindlichkeiten eines Menschen hat.“

        -> Naja, so denken Menschen, denen es materiell gut geht. Dennoch will ich keineswegs die Bedeutung seelischer und geistlicher Befindlichkeiten unter den Tisch kehren. Aber in so einen Artikel kann ja nicht alles reingepackt werden, schon jetzt beschwerten sich Kommentatoren über dessen Länge.

        „Zins ist nicht nur eine Prämie für den Verzicht auf Liquidität, sondern auch eine Gebühr für die Nutzung von Eigentumsrechten. Denken wir in diesem Zusammenhang an die Nutzung von Patenten (Lizenzgebühr), an die Überlassung von Immobilien (Mietzins), an Gewinnanteile an Unternehmen (Dividende), last not least an Texte und Kompositionen, die vergütet werden (Honoraren) usw. usw. Erkenntnis: Nicht nur Banken nehmen am Zinssystem teil.“

        -> Zins ist weder das eine noch das andere. Die Bezeichnung „Verzicht auf Liquidität“ bei Keynes erklärt sich aus dem Kontext, sie ist keine Definition. Noch merkwürdiger sind die weiteren Ausführungen. Ist Ihnen klar, dass Sie Zins mit Profit gleichsetzen? Wollen sie behaupten, dass es das Geld und nicht die Arbeit ist, die produktive Leistungen und damit auch den Profit der Produktionsmittelbesitzer hervorbringt? Oder sind bei Ihnen nur die Begriffe durcheinander geraten?
        Ich verwende lieber die Definition von Wikipedia: „Zins (lat. census ‚Vermögensschätzung‘) ist das Entgelt, das der Schuldner dem Gläubiger für vorübergehend überlassenes Kapital zahlt.“

        „In Ihrer korrekten Beschreibung haben Sie vergessen deutlich zu machen, dass die Banken den für die Zinsliquidität erforderlichen Kreditkontrakt aus dem NICHTS zaubern (Geldschöpfungsakt). Die von Dritten mit Wachstum zu generierenden Zinseinkünfte verwenden die Banken größtenteils für ihr eigenes Spekulationsgeschäft und generieren wieder Zinseinkünfte.“

        -> Ich weiß sehr wohl, dass Kredite durch den Geldschöpfungsakt der Banken entstehen. Dass einige Banken, die sich gleichzeitig als Investmentbanken verstehen, damit spekulieren, ist ebenso bekannt. Es sind aber, wie gesagt, einige und nicht d i e Banken.

        „ES GIBT ABER NOCH EINE ZWEITE WIRKUNG::::NÄMLICH DIE TATSACHE, DASS NICHT NUR AUS DEN FÄLLIGEN TILGUNGSLEISTUNGEN, SONDERN AUCH DIE DARAUF ENTFALLENEN ZINSEN NUR DURCH NEUVERSCHULDUNG GENERIERT WERDEN KÖNNEN.“

        -> Der Satz wird auch nicht richtiger dadurch, dass er in Großbuchstaben geschrieben wird. Vorübergehend müssen die entfallenden Zinsen natürlich der Geldmenge entnommen werden. Wenn aber die Bank daraufhin mit den erhaltenen Zinsbeträgen Löhne auszahlt und andere Ausgaben tätigt, dann gelangt der größte Teil des Geldes doch in die Wirtschaft zurück. Wozu ist dann eine Neuverschuldung nötig?
        Das Problem, worauf sie wohl hinauswollen, ist die Tatsache, dass ein Teil der Zinserträge in die Hand von Kapitaleignern gelangt, d.h. Bankaktionäre und Besitzer von Anleihen, die das Geld weder konsumieren noch investieren. So gelangt es natürlich nicht in den Wirtschaftskreislauf. Aber betrifft dies nicht Kapitaleinkünfte aller Art? Auf diesen Aspekt versuche ich hinzuweisen. Tatsächlich gibt es mehrere Wege, hohe Einkommen zu generieren, und viel entscheidender als deren Herkunft ist doch, was mit ihnen geschieht.

        „Was Keynes mit der Liquiditätsfalle beschrieb und derzeit durch die Banken und Staaten versucht wird zu verhindern. Keynes glaubte, dass der Staat die zunehmende Umverteilung (wie Sie?) in den Griff bekommen müsste und daher die Konjunkturschwankungen mit Programmen abfedern kann.“

        -> Aus meiner Sicht lag Keynes mit der Annahme einer Liquiditätspräferenz falsch. Dies versuche ich im Text zu begründen. Keynes wollte auch nicht umverteilen, sondern die Konjunktur damit anfeuern, dass fehlende private Endnachfrage durch öffentliche mittels Kreditaufnahme ersetzt wird. Bekannt ist das Beispiel mit dem Auto, das angeschoben werden muss, damit der Motor anspringt. Bleiben wir bei diesem Beispiel, so würde ich ihm entgegenhalten, dass seine Methode leider dann nicht mehr hilft, wenn kein Sprit im Motor ist. Der Garant für das Gelingen einer keynesianischen Politik ist die Stärkung von Massenkaufkraft, die jedoch nur bei Vollbeschäftigung und starker Interessenvertretung der Lohnabhängigen gelingt.

        „Aus den Zinsgewinnen möge ein kleiner Anteil durch Eigenanschaffungen in den Kreislauf zurück gelangen, der Bärenanteil findet sich aber bei den Dividenden (auch Zinsen) und anderen leistungslosen Einkommen wieder.“

        -> Hier kommen Sie mir entgegen. Die Löhne für die Mitarbeiter haben Sie vergessen, und das mit dem Bärenanteil hätte ich gerne schwarz auf weiß. Dennoch kommen wir uns näher, da Sie implizit auf den Aspekt zu sprechen kommen, den ich in meinem Beitrag thematisiere: Was geschieht mit den Geldeinnahmen? Und damit wären wir bei dem ersten Mechanismus für die wachsende Schere zwischen Arm und Reich, den ich beschrieben habe.

      • hubi stendahl // 7. November 2016 um 18:13 //

        @Dragao

        Zitat:
        „Nun so ist dies eben… wie ein Kreditgeldsystem funktioniert Geld ensteht bei Kreditnachfrage und bei Tilgung aller Verbindlichkeiten verschwindet es wieder…. Haben Sie Schwierigkeiten, die Funktionsweise eines Kreditgeldsystems zu verstehen.?“

        Genauso ist es eben nicht. Das Ursprungsdarlehen verschwindet zwar wieder. Die nicht geschöpften Zinsen veschwinden aber nicht. Dafür muss sich zur Aufrechterhaltung des Geldkreislaufs ein neuer Kreditnehmer verschulden. Wachstum bis zum bitteren Ende.

      • hubi stendahl // 7. November 2016 um 22:18 //

        @Bernd Murawski

        Zitat:
        „Ok, es gab Zeiten, die Jahrzehnte zurückliegen, als ich an einen Sozialismus glaubte. Heute bin ich relativ ernüchtert, und so machen mich Heilsbotschaften und vermeintlich vollkommene alternative Wirtschaftsmodelle heute eher stutzig.“

        Da stehen Sie nicht alleine. Wir machen wohl alle Metamorphosen durch an deren Anfang meist sozialistisches Gedankengut steht, Stichwort „Wählt Willy“.

        eigenes Zitat:
        „Nach Ihrer Pipi- Langstrumpf Definition dürfte es gar keine Kreditkontraktion geben, da ja alles im Gleichgewicht ist. Wenn der Zins, wie sie behaupten, nicht gehortet wird, dann müsste sich nach einer Zeit ein maximaler Schuldenstand entwickeln, der kein weiteres Wachstum erfordert.“

        In Ihrer Antwort haben Sie hier elegant umschifft. Die würde mich interessieren, denn wenn der Zins keinen Einfluss auf die Geldmenge ausübt, dann müsste es für meine Einwendung eine gute Antwort geben.

        Zitat:
        „……schon jetzt beschwerten sich Kommentatoren über dessen Länge.“

        Wem sagen Sie das. Generation Smartphone ( ohne das schnurlose Telefon zu diskreditieren ). Da bleibt nicht mehr viel Zeit für ein Buch.

        Zitat:
        „Was tatsächlich funktionierte und nachweislich Einkommensunterschiede verminderte, war der Keynsianismus der 50er und 60er Jahre, der nur den Makel zunehmender öffentlicher Verschuldung in sich trug.“

        Das ist richtig. Ist aber nicht einem funktionierenden Geldsystem egal welcher Provinienz geschuldet, sondern systeminhärent den ersten großen Zyklen nach einer Währungsreform.

        Zitat:
        „Keynes wollte auch nicht umverteilen, sondern die Konjunktur damit anfeuern, dass fehlende private Endnachfrage durch öffentliche mittels Kreditaufnahme ersetzt wird“

        Ich habe auch nicht behauptet, dass er umverteilen wollte. Er kannte aber den Effekt und brauchte für seine Theorie den Staat als Wogenglätter. Ist der Staat am Ende, fiel ihm dazu nichts mehr ein. Deshalb der historische Spruch. Am Ende sind wir alle tot. Gegen Ende seines Wirkens hat er sich weiter mit den verschiedenen Theorien beschäftigt, u.a. auch mit Gesell. Sein Urteil: “ Die Zukunft wird mehr vom geistige Gesells beseelt sein, als von der aktuellen Sichtweise. Irving Fisher, ebenfalls Starökonom zu Zeiten Keynes wollte eine Variante sogar in der 30iger Rezession in den USA als Parallelwährung einsetzen.

        Dass es Leistungsstörungen gibt ist ja eine Erkenntnis, die uns zunächst alle zusammenführt. Welten trennen uns in der Ansicht, welche Funktion ein Staat haben sollte. Sie glauben, dass es mit Gesetzen getan ist, ich gehe davon aus, dass die Historie zeigt, dass das Problem viel tiefer liegt und nicht durch einen Almosen verteilenden Staat gelöst werden kann.

        Zitat:
        „Der Garant für das Gelingen einer keynesianischen Politik ist die Stärkung von Massenkaufkraft, die jedoch nur bei Vollbeschäftigung und starker Interessenvertretung der Lohnabhängigen gelingt.“

        Ein Widerspruch in sich. Die Massenkaufkraft muss durch die Umverteilungsfunktion zwangsläufig geringer werden, da diejenigen die nichts mehr brauchen diejenigen sind, die das leistungslose Geld auf sich vereinen und es nicht mehr vollständig in den Kreislauf bringen.
        Hier kommt die Zeitvariante ins Spiel, die die aktuelle VWL völlig negiert. Je weiter Geld gehortet wird, desto stärker wird der Staat involviert, der am Beispiel der BRD heute 50 % des BIP ausmacht. Was hat das mit Keynsianismus zu tun. Merger führen zu Monopolbildungen, die Unternehmen müssen ihr erhöhtes Zinsaufkommen auf die Löhne abwälzen, es kommt zu Massenarbeitslosigkeit. Das Gegeneinander statt Miteinander verstärkt sich. Die Zentralbanken stehen vor dem Problem von überschuldeten Staaten, die als Ersatz der nun fehlenden Nachfrage beginnen die Zinsen zu senken, später Staatsanleihen, um am Ende Schrottanleihen zu kaufen. Anfängliches Miteinander wurde vom Gegeneinander abgelöst. Die Zunahme staatlicher Interventionen führt zu Zwangsmaßnahmen auch in der Bevölkerung inkl. Überwachung. Deflatorische Tendenzen bestimmen die weitere Vorgehensweise. Am bitteren Ende steht im günstigsten Fall die Hyperinflation, im wahrscheinlicheren, die nächste umfassende Sachkapitalzerstörung.

        Vor 2000 Jahren sagte einmal ein kluger Mann (vielleicht war es auch ein Gruppe): Denjenigen die bereits haben wird gegeben, aber denjenigen die wenig haben, wird auch das Wenige genommen.

        Recht hatte er und den Grund dieser Leistungsstörung kennen wir. Wenn wir den Fehler abstellen, dann wird alles gut. Wenn wir aber Gegeneinander ständig versuchen jenen, die bereits haben, durch zwangsweise staatliche Rückverteilung, was vorher gar nicht hätte dorthin gelangen dürfen, wieder teilweise abzujagen, dann wird das ewige Gegeneinander nie aufhören.

      • Bernd Murawski // 7. November 2016 um 23:43 //

        Hallo Hubi,
        ich versuche Ihre Frage zu beantworten und hoffe, dass ich mir diesmal nicht den Vorwurf einhandle, ich würde sie umschiffen.

        Die Frage lautete:
        „Wenn der Zins, wie sie behaupten, nicht gehortet wird, dann müsste sich nach einer Zeit ein maximaler Schuldenstand entwickeln, der kein weiteres Wachstum erfordert.
        In Ihrer Antwort haben Sie hier elegant umschifft. Die würde mich interessieren, denn wenn der Zins keinen Einfluss auf die Geldmenge ausübt, dann müsste es für meine Einwendung eine gute Antwort geben.“

        Hier meine Antwort:
        Für Gesell war Zweck der Hortung von Geld, höhere Zinsen zu erpressen. Dies beruht auf Erfahrungen seinerzeit in Argentinien, und darauf baut seine Theorie auf. Auch heute finden sich enorme Geldbestände bei vermögenden Haushalten, den Grund sehe ich aber vor allem im Mangel an rentablen Anlagemöglichkeiten im produktiven Sektor.
        Nun sind private und vor allem öffentliche Haushalte in argen Finanzierungsschwierigkeiten, auf die Gründe wurde zur Genüge eingegangen, sie brauchen nicht mehr wiederholt zu werden. So entsteht eine scheinbare Win-Win-Situation dadurch, dass über Kreditgeschäfte die Haushalte ihren privaten/öffentlichen Konsum weiter finanzieren können und anlagesuchendes Geld die Möglichkeiten erhält, eine Rendite zu erzielen. Durch den Zins findet aber faktisch eine Umverteilung von Endverbrauchern zu Geldbesitzern statt. Nun können diese ihren Konsum nicht mehr steigern, und ebenso sind die Möglichkeiten für produktive Investitionen begrenzt. Wohin also mit dem Geld? Der bereits zuvor bestehende Anlagenotstand verschärft sich zusehends.

        Würden private und öffentliche Haushalte keine weiteren Schulden anhäufen, so wäre die Folge ein Brachliegen von Geldmitteln (im Umfang der nicht in die Wirtschaft zurückfließenden Zinsbeträge). Da aber Geld keinen Ertrag bringt, würde der Drang in Anlageobjekte zunehmen. Die Nachfrage nach Anlageobjekten würde das Angebot übersteigen, sodass Kurse und Werte in die Höhe schießen würden. Dies geschieht ja gegenwärtig, wenn auch gegenwärtig in moderater Form. Bei einem angenommenen Boykott potentieller Kreditnehmer würde sich dieser Trend aber zweifellos beschleunigen.
        Tatsächlich ist die Kreditwürdigkeit von Privathaushalten mittlerweile weitgehend ausgereizt. Bei Staaten scheint es keine obere Grenze zu geben, siehe Japan – auch wenn sich ein klassisches Ponzi-Schema offenbart.

        Vor diesem Hintergrund dürfte unmittelbar einsichtig sein, dass ein Abschöpfen in Privatbesitz befindlicher großer Geldbestände durch Besteuerung positive Effekte hätte, und zwar doppelt: Öffentliche Haushalte müssten sich nicht verschulden und könnten sogar ihre Nachfrage steigern (bzw. durch Steuerermäßigung an Privathaushalte weitergeben), und Geldbesitzer würden nicht von einem Anlagenotstand „geplagt“ werden. Ein wünschenswerter Zustand wäre, dass sich lukrative Investitionsmöglichkeiten im produktiven Bereich gerade in dem Umfang anbieten würden, wie es anlagesuchende Geldmittel gibt.

        Dies ist aber nur ein Aspekt. Ein anderer, auf den ich mehrmals verwiesen habe, ist die Tatsache, dass Zinseinkünfte nur einen Teil der Einkünfte vermögender Haushalte ausmachen. So fließen Dividenden, Spitzenlöhne, Erbschaften und andere üppige Einkommen ebenso wenig in den Konsum oder in produktive Investitionen wie Zinseinnahmen. Deshalb betone ich ja, dass nicht die Herkunft der Einkommen, sondern deren Verwendung ausschlaggebend ist. So hat bereits Keynes – sehr zum Ärgernis seiner linken Anhänger – darauf verwiesen, dass viele Probleme gelöst wären, würden sich die Reichen Schlösser und Pyramiden bauen.

      • MutigeAngstfrau // 8. November 2016 um 07:24 //

        Zitat Bernd Murawski „Durch den Zins findet aber faktisch eine Umverteilung von Endverbrauchern zu Geldbesitzern statt. Nun können diese ihren Konsum nicht mehr steigern, und ebenso sind die Möglichkeiten für produktive Investitionen begrenzt. Wohin also mit dem Geld? Der bereits zuvor bestehende Anlagenotstand verschärft sich zusehends.“

        Die ethische Komponente dieser Angelegenheit springt hier besonders ins Auge, weil vielen nicht verborgen bleibt, zu welchen Pervertierungen neuzeitliches Konsumverhalten bereits geführt hat und sämtliche dekadent schlechten Eigenschaften der menschlichen Spezies zum Blühen bringt.
        Mit Brillanten besetzte Champagnerflaschen, vielleicht noch nebenbei auf Wohltätigkeitsbällen geordert, mögen als Beispiel hier genügen.
        Der Ausweg des Schlosspyramidenbaus zur Ankurbelung des Kreislaufs führt dann nur noch mehr jegliche mentale Entwicklung des Menschen in Richtung Bewusstseinserweiterung ad absurdum.
        Ja, wir stehen am Abgrund, und die Debatte über das Fiat-Money-System spielt im Titanic-Orchester des gerade live abgehenden Endspiels sicherlich die Pauke.

      • Bernd Murawski // 8. November 2016 um 07:59 //

        Liebe mutige, aber ängstliche Frau,

        ich kann Ihnen nur voll zustimmen. Anstatt den Konsum weiter zu erhöhen sollte die Arbeitszeit verkürzt werden; dies wäre auch ein Beitrag gegen die wachsende Arbeitslosigkeit besonders unter jungen Menschen. Wenn schon investiert wird, dann um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen und den Lebensstandard in den armen Regionen der Welt anzuheben.
        Dies ist auch gerade der Grund, weshalb der Vorschlag von Keynes (Schlösser und Pyramiden zu bauen) bei der Linken nicht besonders gut ankam.

      • hubi stendahl // 8. November 2016 um 17:48 //

        HaLLo Herr Murawski

        „…..den Grund sehe ich aber vor allem im Mangel an rentablen Anlagemöglichkeiten im produktiven Sektor.,……“

        weil die Welt endlich ist und Wachstumssteuerung in diesem System unmöglich ist. Der Zinsgeldkreislauf würde zusammen brechen. In der Endphase der Zyklen, trat und tritt dieses Problem immer auf.

        Ich denke wir sind jetzt an eine Punkt gekommen, wo unsere unterschiedlichen Ansätze einen Schnittpunkt erreicht haben. Ich habe aus Ihrem Kommentar nur den obigen Teil herauskopiert, weil der Thread zu lang wird.

        Die folgenden mechanischen Beschreibungen findet im Großen und Ganzen durchaus meine Zustimmung. Es sind aber nur Beschreibungen von Wirkungen, deren Milderung innerhalb eines fehlerhaften Systems nicht zur Heilung und nicht zur Ursache führen, sondern immer wieder zu neuen Problemen. Wenn in einem System, wie Sie nun selbst konstatieren, der Zins auch eine Umverteilungsfunktion hat, muss man dann nicht die Frage stellen, ob dieser Störfaktor eines Leistungsaustauschs möglicherweise wegfallen kann, statt diese systemische Störung ständig mit allen Verwerfungen korrigieren zu wollen?

        In diesem System wird als mathematische Konstante angenommen, der Mensch handele stets selbstsüchtig (maximaler Gewinn). In einer Wirtschaft habe Altruismus nichts zu suchen und man müsse deshalb für jemanden, der auf Liquidität verzichtet, eine Prämie bereithalten. Das ist aber auch wissenschaftlich falsch. Der Mensch handelt eigennützig, nicht selbstsüchtig, was die Frage aufwirft, ob wir einen zivilisatorischen Schritt wagen können und den Eigennutz in der Art in ein gänzlich neuartiges, sozioökonomisches System implementieren und den seit tausenden von Jahren wütenden Zins endlich aufs Altenteil schicken können.

        Seit 15 Jahren beschäftige ich mich mit den unterschiedlichen Theorien. Ob Abstinenztheorie (N.W.Senio), Agiotheorie (E.v.Böhm-Werk), Gesells Freiwirtschaftstheorie, die Ausbeutungstheorie (Karl Marx), in Wahrheit Zinsentschuldungstheorie), nicht zu vergessen die selbst studierte Liquiditätstheorie von Keynes und die dynamische Zinstheorie von Schumpeter oder die ganzen Klassiker. Überall finden Sie interessante Ansätze meist mathematischer Natur, nirgendwo finden Sie eine Theorie, in der der Mensch und dessen Eigenschaften zum Ausgangspunkt des Denkens wird. Die Folge sind interessante Ansätze, viele Wirkungsbeschreibungen, keine echten Lösungen, die die Jahrtausende alten Probleme mit Lösungsansätzen unterlegen. Erst einige Jahre später in den 90igern stolperte ich über die Erkenntnisse der Eigentumstheorie von Heinsohn und Otto Steiger. In Folge auf ein sehr empfehlenswertes Buch von Paul C. Martin, der das aktuelle System mit dem Begriff „Debitismus“ beschreibt. Er sagt, widerspruchsfrei den Zusammenbruch voraus.

        Er hält den radikalen Abbau des Staats auf seine Grundaufgaben für einen Lösungsansatz. Er beschreibt absolut widerspruchsfrei die Zinsfunktion und unterlegt dies u.a. mit Beispielen, die ich aus meiner Banktätigkeit Vorstands nah in einer Frankfurter Großbank bestätigen kann.

        Was er nicht macht. Er sieht den Menschen nicht.

        Das ist der Grund, warum ich die letzten Jahre damit verbracht habe, mir die Historie seit Einführung des Geldes (ungefähr 700 v.Chr.) und die geschichtlichen Verläufe anzusehen. Nur Blinde übersehen dabei, dass der Zins eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Dass dies damals bereits erkannt wurde, lässt sich an den damaligen Religionen und Philosophen und deren Vorschriften am besten erkennen. Darüber habe ich einen Artikel verfasst und den Zusammenhang, dass wir die seinerzeitigen tatsächlichen Gründe für Verwerfungen und Kriege aus dem Bewusstsein genommen haben. Die Funktion des Zinses unter dem Aspekt menschlicher Eigenschaften hat, so weit ich das eruieren konnte, niemand untersucht. Offenbar war die Religion und die damit verbundene Gehirnwäsche so stark, dass es nur noch wenige Menschen gibt die wissen, dass Geld nur als Mediator für einen fairen und einfachen Leistungsaustausch in einer arbeitsteiligen Wirtschaft entwickelt wurde.

        Im Atomzeitalter ist das alles kein Spaß mehr. Wenn wir nicht rechtzeitig erkennen, dass wir die anstehenden globalen Probleme nur lösen können, wenn wir den Spaltpilz Zins vom Hals kriegen und uns darauf besinnen, dass der Mensch ein zweigeteiltes Wesen ist, das einerseits hasst, gierig und neidig ist, andererseits voll Altruismus und Liebe steckt, dann werden wir uns im günstigsten Fall einmal in der folgenden Steinzeit persönlich kennen lernen. Das vorliegende System jedenfalls lehrt uns die dunkle Seite in uns zu bevorzugen, weil das Schneeball-System ohne Gegeneinander gar nicht existieren kann. Eigennutz hat mit Selbstsucht nichts zu tun, sondern ist Teil unseres Lebens. Es gilt also zu erkennen, wie man den Selbstsüchtigen, auch Narzissten und Egozentriker in einem neuen System ausschließt und den Eigennutz gemeinnützig integriert. In den nächsten Tagen kommt wahrscheinlich ein Artikel hierzu, um die Historie zu beschreiben, um danach einen Vorschlag zu unterbreiten, wie man umsteigen könnte in eine dezentralisierte Lebensform, mit einem System, dass die menschlichen Eigenschaften in den Mittelpunkt stellt.

      • Bernd Murawski // 9. November 2016 um 12:19 //

        „Eigennutz hat mit Selbstsucht nichts zu tun, sondern ist Teil unseres Lebens. Es gilt also zu erkennen, wie man den Selbstsüchtigen, auch Narzissten und Egozentriker in einem neuen System ausschließt und den Eigennutz gemeinnützig integriert.“

        Da bin ich ganz Ihrer Meinung, und dafür setze ich mich privat, beruflich und in meiner politischen Tätigkeit ein. Der Mensch ist vor allem ein soziales Wesen, und soziale Anerkennung erhält nur der, der die Interessen anderer begreift und berücksichtigt. Eine besondere Erscheinungsform der Selbstsucht ist Opportunismus, meist in Gestalt der Unterordnung unter vermeintliche Sachzwänge. Viele scheint es nicht zu stören, dass dabei die Moral auf der Strecke bleibt.

        Was uns vielleicht unterscheidet, ist ein gewisser Realismus, den ich mir mit der Zeit angeeignet habe. Ich bin nicht sehr hoffnungsvoll, dass Egozentriker freiwillig abtreten. Auch wenn sie dazu gezwungen werden, treten an ihre Stelle meist ähnliche, manchmal noch skrupellosere Kräfte, siehe die Wahl von Trump zum US-Präsidenten. Was allein hilft ist Überzeugungsarbeit, damit die Bürger ihrer Interessen begreifen und sich politisch richtig positionieren und möglichst auch aktivieren.

        Natürlich gibt es viele Aspekte der Kritik am gegenwärtigen System wie etwa den von Ihnen thematisierten Zinsmechanismus, womit sich politisches Bewusstsein erzeugen lässt. Es gibt aber auch verschiedene andere Faktoren, die für eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich sind und die Armen unter Druck setzen. Mit meinem Beitrag versuche ich, hier allgemein wirkende Mechanismen zu identifizieren, aber auch Minimalforderungen abzuleiten, hinter die sich die Mehrheit veränderungswilliger Bürger stellen kann.

        Ich habe einige Schwierigkeiten mit „Nice to have“-Konzepten, nicht etwa dass ich etwas gegen sie hätte, sondern weil sie oft trennen anstatt zusammenzuführen und angesichts ihrer Realitätsferne Frustration und Resignation bewirken. Daher halte ich mich lieber an „bewährte“ Instrumente wie eine Besteuerung großer Einkommen und Vermögen. Zwar ist auch diese Forderung nicht gerade realistisch, vor allem wenn globale Lösungen als unabdingbar erachtet werden. Dennoch lässt sich hier eher Verständnis und breite Zustimmung erreichen als etwa bei Forderungen nach tiefen Eingriffen in die Wirtschaftsstruktur.

      • @ Bernd Murawski

        Daher halte ich mich lieber an „bewährte“ Instrumente wie eine Besteuerung großer Einkommen und Vermögen.

        Dass ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Grosse Einkommen und Vermögen gehören gedeckelt.. da sind wir uns wahrscheinlich einig.

        Jedoch nicht über Besteuerung. Dies wäre nur eine weitere Umverteilung und somit nicht zielführend. Gedeckelte Geldberge sollten vernichtet werden. Dies würde dazu führen, dass auch entsprechende Schulden vernichtet würden.

        Entsprechend der Funktionsweise eines KGS: des einen Guthaben, sind des anderen Schulden

    • Bernd Murawski // 6. November 2016 um 10:44 // Antworten

      Ich glaube, hinsichtlich der Spekulationstätigkeiten widersprechen wir uns nicht.
      Wie beim Casino gibt es bei der Spekulation sowohl Gewinner und Verlierer. Solange keine anderen Wirtschaftsakteure hineingezogen werden, betrifft es nur den internen Kreis der Spekulanten.

      Leider gibt es aber ahnungslose Anleger (Kleinanleger, Kommunen, Staaten, Regionalbanken usw.), die sich toxische Papiere andrehen lassen, wie auch Kreditinstitute, die Gelder für spekulative Zwecke verleihen. Dazu treten natürlich die Kreditausfallversicherungen, die ich in meiner Aufzählung vergessen habe.

      Zum vorgeschlagenen Kreditgeldsystem habe ich mich bereits im Artikel implizit geäußert. Es verlangt Eingriffe, die in dieser Größenordnung gar nicht notwendig sind. Andererseits dürften sie kaum ausreichen, die Schere zwischen Arm und Reich nachhaltig zu schließen. Ich habe dazu Argumente geliefert, indem ich Mechanismen herausgearbeitet habe, die auch nach einer Neustrukturierung des Kreditsystems weiter wirksam wären.

  5. …es ist doch ganz einfach: wenn das schuldgeld den banken gehört und nicht ausschließlich dem volke, dann ist armut programmiert.
    jedes geldsystem und dessen vertreter, welches unbegrenzte kummulation zulässt, wird armut produzieren.solange geld durch geld und substanzloses gelddrucken entsteht, wird armut produziert.

    • Teutoburgs Wälder // 6. November 2016 um 11:42 // Antworten

      „Leider gibt es aber ahnungslose Anleger (Kleinanleger, Kommunen, Staaten, Regionalbanken usw.), die sich toxische Papiere andrehen lassen, “

      es gibt, zu Ihrer Information, ca 20 Millionen Menschen alleine im vermeintlich „reichen“ Deutschland, die niemals in der Vergangenheit und auch niemals in ihrer Zukunft über so viel Geld verfügen werden, dass sie irgendwas davon anlegen können.
      Vielleicht sollten Sie zuerst dies mal zur Kenntnis nehmen.

  6. Lotar Fleischer // 6. November 2016 um 04:23 // Antworten

    Zitat von Luckyhans aus einem Beitrag – der Kommentar von Querulant:

    Denn gesagt ist nicht immer gemeint,
    gehört ist nicht immer verstanden,
    auch verstanden ist nicht immer akzeptiert,
    und sogar akzeptiert ist noch lange nicht umgesetzt…
    Zitat-ende

    Die erste dieser Thesen dürfte für ein bestimmtes Buch nicht provokanter sein, denn in diesem ist (n.m.M.) immer gesagt, was gemeint ist. Das macht gerade die Glaubwürdigkeit des Inhalts aus.

    Die Richtigkeit der zweiten These belegen die gelegtlichen „Feedbacks“, die ich hin und wieder wahrnehmen kann.

    Die dritte These wird für dieses Buch von denen die es lasen (also gelesen und verstanden haben) ausnahmslos akzeptiert, vermutlich damit die Ausnahme von der Regel?

    und die vierte These?

    Da überwiegt wohl die ganze Bandbreite von „Trägheit“ über „Angst“ bis hin zu „Vergeßlichkeit“.

    und von welchem Buch rede ich?
    „Geheimsache: Privatisierung“ von Lars Freitag

  7. Karl Bernhard Möllmann // 6. November 2016 um 07:45 // Antworten

    . . .
    Hallo Lotar,
    .
    das angebliche „Zitat von Luckyhans“ – ist eine dieser typischen DESINFORMATIONEN & FALSCHEN DATEN – die derzeit mit der wahren Schöpfungs-Geschichte konkurrieren . . .
    .
    Das copyright für das ORIGINAL-Zitat gebührt dem Nobelpreisträger Konrad Lorenz – und es geht so:
    .
    Gedacht heißt nicht immer gesagt,
    gesagt heißt nicht immer richtig gehört,
    gehört heißt nicht immer richtig verstanden,
    verstanden heißt nicht immer einverstanden,
    einverstanden heißt nicht immer angewendet,
    angewendet heißt noch lange nicht beibehalten.
    .
    Es ist die messerscharfe Beobachtung von Konrad Lorenz, die uns die Erklärung dafür liefert – WARUM es so schwierig ist, echte & ehrliche AUFKLÄRUNG mit echten BEWEISEN zu betreiben – wenn gleichzeitig kriminelle Kreise mit viel TamTam und „gekauften Journalisten“ (copyright Dr. Udo Ulfkotte) & korrupten Polit-Bankstern uns mit professionellen LÜGEN für dumm verkaufen wollen.
    .
    Es tobt der Kampf um die Erde.
    .
    Wer diesen Kampf überleben will – der sollte sich Präzision zum Standard machen – denn es sind die persönlichen Schwächen, die GEHEIM-Dienste und andere MAFIOSI gnadenlos ausspionieren und zu Deinem Schaden ausnutzen . . . !
    .
    Und selbst ehrliche Aufklärer – werden von unseren Polit-Bankstern an’s Kreuz genagelt – wie uns JESUS von NAZARETH eindrücklich vor Augen geführt hat.
    .
    DAS hat sich bis heute nicht geändert.

  8. Wir haben bisher noch keinen gerechten Ausgleich zwischen der Idee, der Finanzierung und der Umsetzung eines Projektes gefunden.

    In Wirklichkeit sind nicht also nicht nur Kapital und Arbeit (planvolles Handeln) im Spiel, sondern auch Kreativität.

    Am Arbeitsertrag sollten also diejenigen, welche diese Komponenten tragen und einbringen, eine entsprechende Beteiligung erhalten.

    Wie stark die Gewichtung ausfallen sollte, kann man diskutieren. Auf keinen Fall jedoch sollte das seiner Natur nach symbiotische Verhältnis aller an einer Wertschöpfung Beteiligten so parasitär entarten, wie momentan zugunsten des Kapitals. Vor allem dann, wenn letzteres nicht gedeckt ist.

  9. Der Artikel ist unvollständig und damit eine Desinformation.

    Grund: Er spart die Existenz von ca 20 Millionen Menschen alleine im vermeintlich „reichen“ Deutschland aus, die niemals in der Vergangenheit und auch niemals in ihrer Zukunft über so viel Geld verfügen werden, dass sie auch nur irgend etwas davon gewinnbringend anlegen können. Diese Menschen bleiben also arm und werden durch die Verteuerung auch immer ärmer.
    Das ist der Hauptgrund für die sogenannte „zunehmende Schere zwischen Reich und Arm“ im Kapitalismus/Neoliberalismus.

    Vielleicht sollten Sie dies mal zur Kenntnis nehmen. Sie reden hier über Armut und Sie wissen gar nicht, was das ist. Ein Fünftel der Bevölkerung wird bewusst und absichtlich – ja ich unterstelle diesbezüglich Absicht, denn man braucht diese Armen als Abschreckung für die Malocher – arm gehalten.

    Ist schon klar dass man da nicht so gerne drüber redet, geschweige denn, dass diese Tatsache in vermeitlich gelehrte Aufsätze passt.

    Zur Aussage: Der Mensch ist von Grund auf gut, sage ich: Der Mensch ist nur solange gut, bis sich ihm eine Möglichkeit bietet, raffgierig zu werden – natürlich auf Kosten der Anderen. Dies wird natürlich dann vom Menschen ausgeblendet, sonst würde das eigene Gewissen, welches manche ja noch zu haben scheinen, zu sehr stören. Aber mit der Größe des Bankkontos bzw. der „Kapitalmittel“ wird auch das Gewissen immer kleiner, wie praktisch.

    • hubi stendahl // 6. November 2016 um 21:15 // Antworten

      @Teutoburgs Wälder

      Zitat:
      „Vielleicht sollten Sie dies mal zur Kenntnis nehmen. Sie reden hier über Armut und Sie wissen gar nicht, was das ist. Ein Fünftel der Bevölkerung wird bewusst und absichtlich – ja ich unterstelle diesbezüglich Absicht, denn man braucht diese Armen als Abschreckung für die Malocher – arm gehalten.“

      Ja man kann, man sollte sogar sich dieses Themas auch sozioökonomisch annähern, denn der Mensch ist ein soziales Wesen, dessen Bedürfnisse weit über den wirtschaftlichen Leistungsaustausch hinausgehen. Dabei ist der Überlebensinstinkt trotzdem der wichtigste und insofern haben Sie mit Ihrem o.e. Absatz voll ins Schwarze getroffen:

      John Meynard Keynes hat sich bereits in den Dreißigern Gedanken darüber gemacht, wird aber heute von den Neos einfach als trojanisches Pferd benutzt:
      „Diese notwendige gerechte „Verteilung des Reichtums“ ist aber nur bei Zins- und Renditesätzen möglich, die im Gleichschritt mit den Sättigungen in der Wirtschaft gegen Null heruntergehen! Um diese marktgerechte Absenkung der Zinssätze zu erreichen, bedarf es jedoch einer Umlaufsicherung des Geldes durch Kosten auf die Liquidität, wie sie von Silvio Gesell schon Anfang des letzten Jahrhunderts und 1936 auch von John Maynard Keynes in der „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“, vorgeschlagen wurde. Bezogen auf die Wirkung der von Keynes als „carrying costs“, (Durchhaltekosten) bezeichneten Umlaufsicherung, führte er darin u. a. aus, dass…..

      „…dies der vernünftigste Weg sein (würde), um allmählich die verschiedenen anstößigen Formen des Kapitalismus loszuwerden. Denn ein wenig Überlegung wird zeigen, was für gewaltige gesellschaftliche Veränderungen sich aus einem allmählichen Verschwinden eines Verdienstsatzes auf angehäuftem Reichtum ergeben. Es würde einem Menschen immer noch freistehen, sein verdientes Einkommen anzuhäufen, mit der Absicht es zu einem späteren Zeitpunkt auszugeben. Aber seine Anhäufung würde nicht mehr wachsen.“

      Heute ist der Staat, die Politik also nichts anderes als der Kampf zwischen den Zinsbeziehern, den Nutznießern des Geld- und Bodenmonopols, einerseits und den Werktätigen, die den Zins bezahlen müssen, andererseits.
      (Otto Valentin, Warum alle bisherige Politik versagen musste)

      Die Generation „doof“ und die mittlerweile geistig ergraute Generation „Gender und Globalisierung“ wird es wohl nicht begreifen. Denn das Gegenteil von „gut ist nicht etwa böse, sondern saudoof.

      • Ich wollte auf den Punkt aufmerksam machen, dass immerhin 20 Millionen in Deutschland nichts sparen/anhäufen können.

        Hier in dem Artikel werden diese Menschen aber einfach so außen vor gelassen.

        Ich frage mich, welche Leute solche Artikel schreiben, die immerhin ein Fünftel der Bevölkerung eines Landes einfach so „vergessen“. Und dann diesen Artikel noch „Armut ist kein Naturgesetz“ nennen, wenn sie nicht verstanden haben, was Armut ist. Denn sie erwähnen die wirklich Armen in dem Artikel ja gar nicht.
        Was man nicht erwähnt, wo man nicht drüber spricht, dessen Existenz leugnet man. Das ist schlimmer, als tot sein.
        Geben Sie es einfach zu: für Sie existieren keine Arme.

  10. wenn menschliches handeln ein naturgesetz ist, dann ist armut es auch!!!!!!!! dieses geldsystem und die unendliche gier des menschen, sind ein machtinstrument um andere zu beherrschen. die beherrschten werden ausgebeutet, unterjocht etc. usw. die reichen können nur reich werden, wenn es arme gibt, die es zulassen (gewollt, oder ungewollt). weil der mensch zu einer gleichverteilung der resourcen nicht willens und offenbar nicht fähig ist. der zins, vielmehr der zinseszins, sowie all die wirtschaftlichen und steuerlichen rahmengesetze dienen den reichen und dem großkapital um ein vielfaches mehr, als den armen und der masse. die gesellschaft wird immer davon abhängen, ob die eliten und regierenden es gut meinen mit seinen volke. wenn nicht, dann gibt es eine immer stärker werdende fehlentwicklung, welche meist in einer revolution, oder krieg enden. dann, zumindest bisher, beginnt das böse spiel von vorne. leider!
    es mangelt dabei nicht um kenntnisse, wie vieles anders/besser gemacht werden sollte. es mangelt an den guten willen, derer die die möglichkeiten dazu haben!

    • hubi stendahl // 8. November 2016 um 18:35 // Antworten

      @foxxy

      Zitat:
      „wenn menschliches Handeln ein Naturgesetz ist, dann ist Armut es auch!!!!!!!! “

      Nö. Oder bestehlen Sie täglich ihre Mutter, um sich die schönen materiellen Dinge des Lebens leisten zu können?

      Der Mensch handelt eigennützig. Das ist was ganz anderes. Zwischen Ihnen und Ihrer Mutter kommt zeitlebens ein Leistungsaustausch zustande. Als Baby erhielten Sie Ihre Milch und bedankten sich mit einem Lächeln. Als Schulkind bekamen Sie ein Brot mit in die Schule und bedankten sich damit, dass Sie an der verhassten Schule nicht vorbeigingen.

      Im täglichen Kampf ums Überleben kaufen Sie ein Brot, in dem 40 % Zinsen enthalten sind, die nötig wurden, weil einige, die Sie nicht persönlich kennen, Eigenschaften besaßen, um leistungslos für ihr geparktes Kapital die „Ware“ Geld mit Ihrem Brotpreis zu vermehren.

      Hass Gier und Neid kamen erst in heutiger Form in die Welt, als wir in der Arbeitsteilung einen Mediator (Geld) einsetzten, dessen Wirkung bis heute nicht verstanden wird. Da in einem solchen System, Jeder gegen Jeden spielen muss, damit er nicht untergeht und der maximal Hinterhältigste die größte Aussicht darauf hat, Macht über seine Mitmenschen zu erhalten, bekamen Hass, Neid und Gier die Oberhand.

      In einem System, in dem wir begriffen haben, dass der größte Nutzen des Einzelnen darin besteht, den Nutzen der Gesamtheit zu fördern, gibt es nur pathologische Fälle, für die die Ärzte verantwortlich sind. Jene pathologischen Fälle sind aber in einem solchen System erst gar nicht an der Spitze einer Gesellschaft, um sie auszuplündern, weil man sie bereits anhand des Verhaltens aussondert, wo man sie heute bewundert.

      Wo heute Geldsäcke die Geschicke und Kriege bestimmen, werden morgen Philosophen, Naturwissenschaftler und Künstler die Bühne beherrschen. Sofern uns die Psychopathen am Verfalltag des Systems nicht wieder Bomben auf die Köpfe werfen.

  11. natürlich ist es sehr müsig darüber zu philosophieren, warum es immer wieder armut gibt und neu entsteht. vielmehr sollten die menschen, welche die zusammenhänge zur entstehung von armut erkennen, an lösungen ohne eigennutz arbeiten und gegengewichte bilden zu den finanziellen egoisten und ausbeutern.
    die betroffenen armen menschen haben so gut wie keine möglichkeit sich wirkungsvoll gegen diese entwicklung zu stellen, – bis es eben gesellschaftlich ganz kippt. sie brauchen hilfe von denen die was von der sache verstehen. und ändern wird sich nur was, wenn die masse endlich begreift und ihre peiniger zum teufel jagen.

    • Solange „nur“ ca 20 Prozent arm sind, wird sich nichts ändern. Genau so viel kann eine Gesellschaft verkraften und diese Armen haben eine wichtige Funktion für die (ich nenne die jetzt mal so) „Nicht-Armen“.
      Die „Nicht-Armen“ kann man erfolgreich mittels Teile und Herrsche gegen die Armen aufhetzen („die sind ja selbst schuld, hätten sie halt arbeiten sollen“ und ähnlichen Mist) und zweitens macht Armut Angst, keiner will arm sein, oder kaum jemand, und deshalb laufen alle Schlafschafe schön brav weiter im System mit.
      So arm sind die Menschen dieser Gesellschaft geistig und emotional dran. Sie können sich ein Leben in Armut nicht vorstellen, dh. sie sind ABHÄNGIG von Geld, und wenn möglich, viel Geld, mehr Geld, noch mehr Geld, und so entsteht die Gier.
      Man macht den Menschen Angst vor Armut und installiert auch diese Armut, um sie öffentlich gesellschaftlich vorzuführen als abschreckendes Beispiel, zur Angstmache für die, die das System am Laufen erhalten.

      An uneigennützig für das Gesamtwohl arbeitende Menschen glaube ich persönlich NICHT mehr. Diese gibt es einfach in diesem System nicht mehr, weil sich das keiner mehr „erlauben“ kann. Das System ist so aufgestellt, dass die Armen den paar Kröten, die sie zum ÜBERleben brauchen, hinterher jagen müssen (das ist eine Überlebensfrage für Arme!), und dass die, die mehr haben, permanent Angst haben, weniger zu haben und eben – oh Schreck – arm zu werden mit all den scheinbaren Nachteilen.
      Na ja und die paar wirklich Reichen, geschätzt 10 Prozent der Bevölkerung, die durch Anlangen, Eigentum und so weiter immer reicher werden, die lasse ich mal bei diesen Betrachtungen außen vor. Denn diese Leute sind wirklich Jenseits von Gut und Böse. Die haben wirklich mit Geld nichts mehr zu tun, die sind so abgehoben, die nehmen Armut gar nicht mehr wahr, auch wenn sie drüber stolpern würden.

  12. Hier haben viele schlaue Leute, viele schlaue Bücher gelesen.
    Das veranlasst sie viele, lange, schlaue Kommentare zu schreiben.
    Das wiederholt sich seit Jahrhunderten.

    Wir wissen, dass wir Wachstum begrenzen müssen, bevor es schädlich wird.
    Es gibt Grenzwerte für alles, nur nicht für Lohn oder Vermögen.
    Warum nicht? Warum denkt das keiner?
    Ich mache mir seit geraumer Zeit Gedanken dazu und denke ich habe eine Lösung gefunden.
    Kapitalismus – Kommunismus, ist was für Theoretiker.
    Wir müssen was „tun“.

    Gruß,
    calushy.

  13. ja, der mensch ist schlimmer wie die tiere. denn diese haben eine natürliche begrenzung: wenn sie satt sind, dann jagen sie nicht weiter.
    diese begrenzung fehlt wohl dem menschen, obwohl es rational zwingend erforderlich wäre; – und dies auch bekannt ist. einkommen und vermögen brauchen dringend einer begrenzung. niemad braucht mehr wie zb 200 000€ im jahr. niemand kann 3 häuser gleichzeitig bewohnen. gleichwohl muss es einen wettbewerb geben um selbst diese begrenzungen zu erreichen.
    wir haben nicht ein ressourcenproblem, wir haben ein verteilungsproblem aller güter, diesnstleistungen, der macht und des wohlstandes, weil sich wenige menschen höherwertig fühlen und über die anderen stehen wollen.
    erst, wenn die menschen das verteilungsproblem überwinden, dann kommen sie in eine höhere bewustseinstufe. erst dann haben sie sich wirklich weiterentwickelt.foxxly

  14. ……….. nö, oder bestehlen sie täglich ihre mutter……….
    dies ist ein völlig unzulänglicher und daher ein falscher vergleich: denn die familie ist in aller regel die einzige zelle, wo gemeinschaft funktioniert. in unserer gesellschaft macht man die familie immer mehr kaputt, – aus wirtschaftlich, kapitalistischen gründen, weil der raubtierkapitalisums heute noch mehr braucht als gestern.
    der „leistungstausch“ ist mit diesen schuldgeldsystem dauerhaft und von anfang an gestört. das kapieren viele menschen nicht! wenn runde 60 personen das halbe weltvermögen besitzen (und übermorgen, dreiviertel davon); – wo ist hier den ein vernünfiger realer, oder fairer leistungstausch. vielleicht ist mit dem leistungstausch auch gemeint, dass die masse menschen arbeiten dürfen/nüssen und die anderen kassieren. dann habe ich den leistungstausch falsch verstanden.

    • Richtig, foxxly
      Bei diesem ausbeuterischen Geldsystem noch von Leistungsaustausch zu sprechen, ist Infamie.
      Entweder man hat Geld und lässt arbeiten oder man arbeitet. Für die anderen. Dazwischen gibt es nichts.

  15. Bernd Murawski // 9. November 2016 um 16:19 // Antworten

    Ich hatte mich selbst an der Debatte beteiligt, und empfinde es als befriedigend, dass dabei Missverständnisse ausgeräumt und gemeinsame Sichtweisen gefunden wurden. Einige Kommentare, auf die ich nicht eingegangen bin, betreffen den Armutsbegriff. Möglicherweise wurden andere Erwartungen durch den Titel ausgelöst, der allerdings von der Geolitico-Redaktion verändert wurde. Die Erstveröffentlichung erfolgte auf Telepolis unter dem Titel „Die Ursachen wachsender Ungleichheit“.

    Bei den Kommentaren ging es um Themen, die im Text selbst mehr Randaspekte darstellten. Auf die zentralen Thesen, die ich zur Diskussion stellte, wurde faktisch nicht eingegangen. Daher sollen sie im Folgenden nochmals zusammengefasst werden:

    Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich wird im Wesentlichen bewirkt durch
    1. die Verwendung von Einkommen
    2. eine Einflussnahme auf die Marktbedingungen
    3. veränderte Investitionszwecke infolge unzureichender Endnachfrage.

    Dabei erfolgt eine Bereicherung zu Lasten jeweils ärmerer Wirtschaftsakteure durch
    1. eine höhere Sparquote, die Kapitalanlagen ermöglicht
    2. eine bessere Wettbewerbsposition als anbietender und nachfragender Marktteilnehmer
    3. Investitionen zur Kostenminimierung.

    Damit die jeweiligen Mechanismen ihre Wirkung entfalten können, bedürfen sie
    1. individuellen oder gemeinschaftlichen Eigentums an Anlageobjekten
    2. freier Preisgestaltung
    3. freier Investitionsentscheidungen.

    Diese Bedingungen bestanden bereits in vorkapitalistischen Ökonomien, sie sind daher nicht systemabhängig. Restriktionen vermochten zwar die Kluft zwischen Arm und Reich vermindern, dies geschah aber zu Lasten wirtschaftlicher Dynamik. Negative Begleiterscheinungen lassen sich bei einem Einsatz politischer Steuerungsinstrumente vermeiden, die
    1. Einkommen im erforderlichen Umfang umverteilen
    2. faire Wettbewerbsbedingungen gewährleisten
    3. Investitionen in Bereiche lenken, die den Produktionswert erhöhen.

    Wenn politische Entscheidungsträger gegenwärtig Widerstand leisten, so ist dies in der Interessenlage der Volkswirtschaften begründet, die sich angesichts des Drucks globaler Kapitalgesellschaften verändert hat.

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