Kanadas 500-Milliarden-Problem
Kanadas 500-Milliarden-Problem

Kanadas 500-Milliarden-Problem

Kanadische Flagge: By Created by E Pluribus Anthony / User:Mzajac (See below) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFlag_of_Canada.svg Kanadische Flagge: By Created by E Pluribus Anthony / User:Mzajac (See below) [Public domain], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFlag_of_Canada.svg
Der Streit um Ceta sollte den Blick für Kanadas Wirtschafts-Probleme weiten: Steigende Jugendarbeitslosigkeit, steigende Schulden und ein drohender Finanzcrash.

Vorerst scheint das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen Ceta vom Tisch – der Wallonen sei Dank! Zumindest haben sie ein weithin sichtbares und laut vernehmbares Zeichen des Widerstandes und der Souveränität gesetzt. Leider nur suchen die restlichen Europäer und die Kanadier bereits eifrig nach Mitteln und Wegen, wie sie das Abkommen dennoch umsetzen können. Darum erscheint es mehr denn je an der Zeit, mal ein paar Worte über die kanadische Wirtschaft zu verlieren.

Steigende Jugendarbeitslosigkeit

Immerwährende Zyklen in der Natur und zyklische Konjunktur-Phasen haben etwas gemeinsam, beide lassen sich nicht aufhalten! Noch vor wenigen Jahren lobte Angela Merkel Kanada über den grünen Klee: Weniger Schulden, mehr Wachstum – so wie Kanada müsse es auch Europa machen, befand die Kanzlerin 2012 bei einem Staatsbesuch. Vor allem solle sich Europa an der kanadischen Haushaltsdisziplin ein Beispiel nehmen.

Heute sieht es im Merkel’schen Vorbild-Land des Maple Leaf, der ins Bärenmaul hüpfenden Lachse und des immer gerne genommenen Loonie (kanad. Dollar) schon anders aus. Nicht nur wegen der in den großen Zentren oft in Abrede gestellten Immobilienblase knackt es im ökonomischen Gebälk.

So stieg die Arbeitslosigkeit der 15 bis 24-Jährigen deutlich. Waren im Jahr 2008 etwa elf Prozent der jungen Leute ohne Arbeit, waren es vier Jahre später bereits 14,1 Prozent. Allein die Jugendarbeitslosigkeit belastet den Staats-Haushalt mit rund 23,1 Milliarden Dollar. Jetzt droht dem Land neues Unbill.

Sorge um Banken

Zunächst wuchsen die Immobilienkredite kanadischer Institute und mit ihnen die Privatverschuldung rasant an. Im 3.Quartal 2012 erreichte sie bereits eine Quote von 165 Prozent des verfügbaren Einkommens. Diese Entwicklung führte bei den Moody’s-Analysten allenfalls zu gelegentlichem Stirnrunzeln. Inzwischen aber sind daraus ernstzunehmende Sorgenfalten entstanden, die sich nunmehr in Abwertungen (downgrades) sechs kanadischer Banken widerspiegeln[1]. Bislang blieb Kanada’s größte Bank, die Royal Bank of Canada, von einer blamablen Neubewertung verschont.

Finanz-Minister Jim Flaherty versuchte diese Klatsche schönzureden:

„Fünf Jahre lang hat das World Economic Forum Kanadas Bankensystem als das stabilste   der Welt eingestuft. Auch heute noch zählen Kanadas Banken zu den von Moodys am besten bewerteten Banken der Welt.“

Flaherty vergaß leider zu erwähnen, dass etwaige Folge-Kosten eines Finanzcrash’s durch platzende Immobilienblasen bereits pro-aktiv sozialisiert sind. Aha! Und wie geht das, werden manche fragen?

Aschfahle Gesichter

Ganz einfach! Kanadische Banken dürfen nur dann Immobilienfinanzierungen vornehmen, wenn der Käufer mindestens 20% des Kaufpreises aufbringt. Zusätzlicher Kreditbedarf muss bei der staatlichen Canada Mortgage and Housing Corp. versichert werden.[2]

Die Folge: Platzt die Blase, was keinesfalls auszuschließen ist, da Vancouver gilt im Bereich Wohnhäuser als zweit-teuerster Immobilienstandort der Welt (!) gilt, hat die kanadische Regierung ein 500-Milliarden-Dollar-Problem an der Backe! Denn so groß ist das Volumen der versicherten Kredite.

Ähnlich des herbst- und winterlichen Farbwechsels eines Ahornblattes, wären bei einem solchen Szenario aschfahle Polit-Gesichter an der Tagesordnung .. mit einer neuen Blasenbildung … für Maskenbildner/Innen!

 

Anmerkungen

[1] http://www.cbc.ca/news/business/story/2013/01/28/business-moodys-downgrades-banks.html

[2] gesetzliche Rahmenbedingungen: http://www.rebgv.org/new-rules-mortgage-finance-canada

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12 Kommentare zu Kanadas 500-Milliarden-Problem

  1. Karl Bernhard Möllmann // 25. Oktober 2016 um 08:33 // Antworten

    . . .
    „CETA“ – also der GEHEIME EU-Vertrag mit Kanada ist ja nur deswegen so wichtig geworden – weil mit „TTIP“ der GEHEIME EU-Vertrag mit den USA, völlig zu Recht, massiv in die Kritik geraten ist.
    .
    Da die Amerikaner unter Bill Clinton bereits „NAFTA“ unterzeichnet haben (North American Free Trade Agreement) und Freihandel mit Mexiko und Kanda bereits die REALITÄT ist – hat CETA in Wahrheit die GLEICHE Funktion wie TTIP – bereits CETA öffnet die Schleusen für US-Ramsch, amerikanisches GEN-food und andere Gesundheits-gefährdende Sauereien made in USA.
    .
    Donald Trump – der ja seine Milliarden im Gegensatz zu Hillary Clinton, die von obskuren Spenden aus der globalisierten Wirtschaft „gekauft“ ist – mit eigenen Immobilien-Projekten verdient hat, nennt „NAFTA“ den SCHLECHTESTEN Vertrag, den die USA jemals abgeschlossen haben . . .
    .
    NAFTA, CETA & TTIP sind also Projekte der Globalisten-Sekte – die mit FREIHEIT so viel zu tun haben – wie Drogen mit Glück . . .

    • NAFTA – als ich zur Schule ging, Gymnasium 11. bis 13. Klasse, vor über 20 Jahren, war dies schon Thema und wurde so richtig verherrlicht. Aber zum Thema.

      „nennt „NAFTA“ den SCHLECHTESTEN Vertrag, den die USA jemals abgeschlossen haben“

      Richtig, aber er greift noch zu kurz. Es ist genauso fürchterlich für Mexiko und Kanada, denn beide leiden ebenso unter NAFTA, sind also nicht die Gewinner dieses Abkommens, werden aber von den gleichen Banken regiert, wie die USA.

  2. Kanada ist zwar flächenmäßig groß, aber einwohnermäßig?
    Kanada hat nur 36 Millionen Einwohner(!) (Stand 30.9.16, Wikipedia), und wir sollen uns von diesen paar Leuten auf der Nase herumtanzen lassen, weil dahinter die USA mit Vertragsgeflechten stehen?
    Unsre Regierung sollte sich vielmehr mit dem restriktiven kanadischen Einwanderungsgesetz beschäftigen, wobei auch dieses hinkt, weil Kanada eine viiiel größere Fläche hat! Folglich dürfte Deutschland nur 0,00 Einwanderer pro Jahr aufnehmen, eher Invasoren abschieben!

    • Allein das „klein“geschimpfte Belgien hat mit 11 Millionen Einwohnern (Stand 1.1.16, Wikipedia) fast 1/3 soviel Einwohner wie das mit CETA aufgebauschte Kanada!

    • Wo ich nun schon mal bei Statistiken bin:
      Kanada hat 36 Millionen Einwohner
      Die EU hat 510(!) Millionen Einwohner
      Ist nun die EU interessiert, Kanada mit CETA zu übernehmen (ist Kanada interessiert, sich übernehmen zu lassen?), oder doch nicht eher Kanada, mit den USA im Huckepack, von der EU durch die Vertragsgestaltung zu profitieren? Als schamhafte Vorbereitung für TTIP? CETA und TTIP schaffen keine Arbeitsplätze, sie schaffen nur Verdrängung Verdrängung zum Vorteil der Großen, der rechtsextremen globalistischen Kapitalisten!

  3. David gegen Goliath. Dank an die Wallonen.
    Ein hörenswerter Vortrag:
    Egon Flaig: Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen

  4. „Immerwährende Zyklen in der Natur und zyklische Konjunktur-Phasen haben etwas gemeinsam, beide lassen sich nicht aufhalten!“

    Zumindest die in der Wirtschaft kann man aufhalten, sofern man kein Schwundgeld und / oder Zinseszins hat.

    „hat die kanadische Regierung ein 500-Milliarden-Dollar-Problem an der Backe“

    In meiner beschränkten Weltsicht gibt es dieses Problem nicht, ich würde einfach die staatliche Canada Mortgage and Housing Corp. einfach platzen lassen. Die Allgemeinheit haften lassen, damit Banken, Verbrecher und Idioten im Immobilienmarkt spielen können, bei schlecht versteckter Staatshaftung – ja sicher. Die Gläubigerbanken bekommen daher nicht einen Pfennig, Ansprüche dürfen mit kanadischen Armee auf dem Schlachtfeld ausgefochten werden, Richter die Aufmucken dürfen Eisbären zählen gehen, ohne Gewehr.

    Aber dafür bräuchte es andere Politiker, die nicht von den Banken bezahlt werden. Weshalb die Kanadier bekommen werden, was auch sie verläßlich alle 4 bis 6 Jahre wählen gehen und damit reiflich verdient haben. Der „mündige Bürger“ sieht nämlich anders aus, als dieses Trauerspiel der glücklichen Sklaven im Westen, die ständig mehr Sklaverei wählen.

  5. Hier ist noch ein aschfahles Gesicht, das von Netanjahu bei der denkwürdigen Darbietung von Schrägsänger Steven Harper, Trudeaus Vorgänger, zu seinen Ehren.

    https://youtu.be/ltAfEXce7Jk

  6. Wer spricht von TISA???? Auf diesem Feld kein Wallone weit und breit!

    • @ Wolf Köbele

      Wer spricht von TISA???? Auf diesem Feld kein Wallone weit und breit!

      Wie wahr.. irgendwie haben die staatsmonopolistischen Machthaber es geschafft, das sich das Dienstleistungsabkommen TISA völlig unter dem Radar de Menschen verwirklicht.

      Dabei ist es wahrscheinlich TISA das am meissten die Freiheit bedroht und den Konzernen völlige Macht verleihen wird.

      https://netzpolitik.org/2016/tisa-abkommen-mehr-einfluss-fuer-industrielobbyisten-und-weniger-datenschutz/

      siehe dazu auch; ist empfehlenswert: Bei Tisa geht es noch um viel mehr als bei Ceta und TTIP

      http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/handel-mit-dienstleistungen-bei-tisa-geht-es-noch-um-viel-mehr-als-bei-ceta-und-ttip-1.3163157

      • Karl Bernhard Möllmann // 26. Oktober 2016 um 09:21 //

        . . .
        https://wikileaks.org/tisa/
        .
        WAS sich heute großspurig „HR“ nennt, oder „Human Resources“, DAS nannten wir früher „Sklaverei“ – oder schlicht: „MENSCHEN-HANDEL“
        .
        „TISA“ ist der GEHEIME Vertrag der Globalisten-Sekte der diesen globalen MENSCHEN-HANDEL im Sinne der Globalisten-Sekte regeln soll.

  7. Wallonische und Kanadische Positionsbestimmungen und die Haltung der ‚Münchhausen-Kommission‘

    einschl. folow-up:

    Einigung bei der CETA-Hängepartie ! – Unterschrieben ist jedoch noch nichts

    https://oconomicus.wordpress.com/2016/10/27/wallonische-und-kanadische-positionsbestimmungen-und-die-haltung-der-muenchhausen-kommission/

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