Sicherheit nicht nur auf Schnee
Sicherheit nicht nur auf Schnee

Sicherheit nicht nur auf Schnee

Wichtig: Der richtige Reifen bei Eis und Schnee. Wichtig: Der richtige Reifen bei Eis und Schnee.
Die Temperaturen sind teilweise bereits deutlich unter 10 Grad gesunken. Ist es besser, nun bald Winterreifen aufzuziehen, oder sind Allwetterreifen genaus gut?

Jedes Jahr im Herbst holt man die Winterreifen aus dem Keller oder dem Lager, um rechtzeitig zur schlechten Herbstwitterung auf die ungünstigen Fahrverhältnisse vorbereitet zu sein. Denn seit dem 4. Dezember 2010 müssen alle Autos bei Schneeglätte, Schneematsch, Eis- und Reifglätte mit Winterreifen ausgestattet sein. Diese situative Winterreifenpflicht nimmt darauf Rücksicht, dass gefährliche Situationen auf der Straße nicht nur bei aktuellem Schneefall zu erwarten sind, sondern auch in zahlreichen anderen Witterungslagen auftreten können.

Allwetterreifen – Pro und Contra

Bei vielen Autofahrern stellt sich die berechtigte Frage, ob sich nicht die Investition in Ganzjahresreifen lohnen würde. Der Aufwand des Reifenwechsels im Frühjahr und Herbst würde entfallen und man müsste nur einen einzigen Reifensatz anschaffen, wodurch sich nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die Lagerungskosten und der damit verbundene Platzbedarf reduzieren würden.

Grundsätzlich sind Allwetterreifen für den Einsatz im Sommer und Winter gleichermaßen geeignet. Sie sind heute vor allem in Regionen mit geringen Temperaturunterschieden, wie beispielsweise in England häufig anzutreffen. Die Besonderheit der Ganzjahresreifen liegt in der kombinierten Anordnung der Längsrillen und Profilblock-Verzahnungen, die sowohl bei Nässe als auch bei Glätte für optimalen Halt sorgen sollen.

In der Praxis jedoch muss man mit diesen Allroundern immer einen Kompromiss eingehen: Im Sommer sind die Haftungseigenschaften auf nassem Asphalt und vor allem bei etwaig auftretendem Aquaplanning weitaus schlechter, als jene von gewöhnlichen Sommerreifen. Auch der höhere Abrieb und Verschleiß der Ganzjahresreifen im Sommer, der durch die weichere Gummimischung bedingt ist, muss in Kauf genommen werden. Im Winter ist man auch mit den Winterreifen weitaus sicherer unterwegs – die Gefahr auf Schnee und Eis ins Schleudern zu kommen sinkt mit den passenden Reifen, genauso wie auf einer matschigen Fahrbahn, mit der man oft während der häufigen Tauperioden in Deutschland zu kämpfen hat.

Was unterscheidet Winterreifen von anderen Reifenarten?

Grundsätzlich müssen Reifen eine optimale Verbindung und Kraftübertragung zwischen dem Fahrzeug und der Straße gewährleisten, was durch die Reifen verwirklicht wird. Leider wurde bis heute kein Material entwickelt, das bei sämtlichen Temperatur- und Witterungsbedingungen seine Eigenschaften bewahrt. Gewöhnliche Sommerreifen beginnen bereits ab 10°C ihre elastischen Eigenschaften zu verlieren und stellen durch die gravierende Verhärtung ab ca. 3°C bereits eine Gefährdung dar. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e.V. hat den Winterbeginn und damit die Empfehlung von Sommer- auf Winterreifen umzusatteln bei 7°C festgemacht.

Winterreifen werden aus einer besonderen Gummimischung gefertigt, einer sogenannten Silica-Mischung. Sie enthält einen hohen Anteil an Naturkautschuk, der die Elastizität des Gummis auch bei niedrigen Temperaturen bewahrt und dem Verhärtungseffekt von normalem Gummi vorbeugt. Bei Hitze werden Winterreifen jedoch so weich, dass sich der Bremsweg unweigerlich verlängert und die Grenzen der zulässigen Normen überschreitet.

Auch das Profil der normalerweise mit M+S (Mud and Snow) markierten Winterreifen unterscheidet sich von jenem der Sommer- oder Allwetterreifen. Die größeren Profilrillen und Stollen, die durch größere Zwischenräume voneinander getrennt sind, garantieren eine bessere Grifffestigkeit auf Matsch, frischem und schmelzendem Schnee. Auch kann man im Profil von Winterreifen, das zumindest 1,6 mm hoch sein sollte, Lamellen entdecken. Diese zusätzlichen Greifkanten sichern eine stabilere Verzahnung mit der unregelmäßigen Fahrbahn und helfen dabei, gefährlichen Aquaplanning-Situationen zu entgehen. Eine vorgegebene Laufrichtung an den Winterreifen ist an den v-förmigen Elementen des Profils abzulesen, die für eine schnellere und optimierte Ableitung von Matsch und Wasser nach außen sorgen.

Die Vorteile von Winterreifen

Das Einsatzgebiet von Winterreifen ist speziell auf die widrigen Fahrverhältnisse ausgelegt, die im Winter vorherrschen. Egal ob es sich dabei um Nieselregen oder starke Regenschauer handelt oder ob die Fahrbahn mit einem Eisfilm oder einer dichten Schneeschicht bedeckt ist, diese Reifenart ist insbesondere dafür konzipiert, diese hervorragend zu meistern.

Durch die Gummimischung der Winterreifen ist eine ideale Haftung des Fahrzeugs auch bei Temperaturen unter 7°C garantiert, wodurch die Kräfte besser auf die Fahrbahn übertragen werden können. Der Bremsweg von Winterreifen ist auf einer winterlichen Fahrbahn um bis zu 65% kürzer, als jener von Sommerreifen. Dadurch ist eine erhöhte Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet, die die mögliche Unfallgefahr verringert. Die spezielle Struktur der Reifen für den Winter sorgt auch umgekehrt für eine bessere Beschleunigung auf einer unebenen oder lockeren Fahrbahn. Tests ergaben hierbei sogar ein Beschleunigungsdefizit von bis zu 80% bei falscher Bereifung des Autos.

Das tief ausgeprägte Profil, das auf den Winterreifen zu finden ist, sorgt für eine Verzahnungswirkung mit der oft losen Schnee- oder Matschoberfläche. Dadurch erhält das Fahrzeug mehr Grip auf der Fahrbahn, was dieses selbst bei Rutschgefahr sicher in der Spur hält. Als optimal ist dabei eine Profiltiefe von 4 mm anzusehen, die selbst bei großen, frisch gefallenen Schneemengen gute Haftung auf der Straße garantiert.

Die Montage von Winterreifen

Da die Eigenschaften nur dann zur Geltung kommen, wenn das gesamte Fahrzeug gleich bereift ist, ist es notwendig, die Winterreifen an allen vier Rädern anzubringen. Dies beugt zudem einer Schleudergefahr vor, die anderweitig bereits bei einem mäßigen Bremsvorgang auftreten würde. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass die Reifen von Jahr zu Jahr achsenweise ausgetauscht werden, um einen gleichmäßigen Verschleiß der Winterreifen zu ermöglichen.

4 Kommentare zu Sicherheit nicht nur auf Schnee

  1. Karl Bernhard Möllmann // 14. Oktober 2016 um 09:46 // Antworten

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    Ein Artikel vom Theoretiker für Theoretiker.
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    Derartige Betrachtungen finden Sie alle Jahre wieder – mehr oder weniger gleichlautend – in der Motorwelt des ADAC, in der BILD & in allen anderen Postillen, die sich mit dem Auto beschäftigen.
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    Profis – die tatsächlich im deutschen Winter unterwegs sind – kämen auf andere Ideen.
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    Die Lobeshymne auf M & S Reifen wäre viel angebrachter – wenn man statt der Reifen, die gravierenden Sicherheits-Vorteile eines QUATTRO-Antriebes im Winter ansprechen würde – die unter 4×4, 4-Matic oder Allrad-Antrieb, vermarktet werden.
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    Doch Allrad-Antriebe werden als angeblich zu „teuer“ – von der Reifen-Lobby verteufelt – obwohl die japanische Firma SUBARU seit Jahrzehnten nur Autos mit Allrad-Antrieben ausliefert.
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    Die klugen Schweizer – die in ihren Bergen teilweise ganzjährig Winter haben – sind hier die klugen Vorreiter . . .
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    Wer also auch im echten Winter auf sein Auto nicht verzichten will – der kommt an einem ALLRAD-Antrieb nicht vorbei – und erst an zweiter Stelle kommen dann die richtigen Winter-Reifen – und um komplett gerüstet zu sein im Winter, sollten Schnee-Ketten der richtigen Größe stets griffbereit bereit liegen, und das Montieren sollte bereits im Sommer geübt worden sein!
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    Auf echtem Eis gehen nur Spikes – die sind aber von Bürokraten & Theoretikern ebenfalls verboten, weil hier die große Sicherheit ebenfalls als „zu teuer“ verteufelt wird – denn der Asphalt hat einen erhöhten Abrieb, wenn man mit Spikes aber OHNE Schnee- oder Eis-Decke unterwegs ist . . .
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    Völlig ignoriert von den Theoretikern wird die Tatsache – daß in Deutschland ein sehr effizienter Schnee-Räum-Dienst arbeitet – und die Straßen fast durchgängig frei von Schnee und Eis sind !
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    Ich fahre zum Beispiel an Weihnachten häufig mit dem Auto von der Côte d’Azur über die Alpen nach München.
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    Das geht am besten mit dem Quattro und Sommerreifen.
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    Natürlich habe ich Schneeketten für eine echte Überraschung dabei.
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    Aber die habe ich noch nie gebraucht . . .
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    Ich persönlich fahre also auch im Winter lieber mit ALLRAD & Sommerreifen – als mit einem Heck- oder Front-Antrieb und Winter-Reifen – solange also die Vorteile des Allrad-Antriebes unter den Teppich gekehrt werden, ist das eine reine Gespenster-Diskussion zur Verkaufsförderung von Winterreifen . . .
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    Aber ich fahre im Winter auch lieber um’s schöne Mittelmeer, als durch braunen Salz-Matsch in grau verhangenen Städten . . .

    • Daniel Düsentrieb // 15. Oktober 2016 um 20:50 // Antworten

      Richtig Herr Möllmann,jedes Jahr in der Vorwinterzeit werden Ganzjahresreifen verteufelt und Winterreifen propagiert.Ein Schelm wer schlechtes denkt!Ich fahre seit fast 10 Jahren einen Subaru Forester mit 4WD und Ganzjahresreifen.Ich habe bis dato in keinem Winter Probleme gehabt!Ich ärgere mich heute noch über die bei früheren Autos extra auf Felge gekauften Winterreifen,die ich bei jedem Fahrzeugwechsel für einen Appel und ein Ei weggeben durfte,da bei dem Nachfolgefahrzeug wieder mal andere Reifen/Felgengrößen vorhanden waren.Was ich da im laufe der Jahre an Geld sinnlos verbrannt habe geht auf keine Kuhhaut! Hätte ich doch meinen Forester schon einige Jahre früher kennen gelernt,mir wären sinnlose Ausgaben und einiges an Ärger erspart geblieben.

  2. Autoreifen sind in erster Linie ein profitables Geschäft für Hersteller, Händler und Montagebetriebe. Auch Versicherungen profitieren durch Leistungsfreiheit, wenn sie nachweisen können, dass ein Klient mit den falschen Pneus unterwegs war.

    Der sichere Bodenkontakt eines Fahrzeugs in verschiedenen Situationen hängt in erster Linie vom Können und der Umsicht des Fahrers, dem Fahrzeugtyp, dem jeweiligen Fahrwerks- und Antriebskonzept, der Fahrbahnbeschaffenheit und erst dann vom Reifen ab. Genau in dieser Reihenfolge!
    Schnee ist nicht gleich Schnee, Eis nicht gleich Reif, Laub nicht gleich Schlick und eine nasse Fahrbahn kann von griffig bis extrem rutschig sein. Hartgefrorener Schnee kann mühelos auch mit Sommerreifen bewältigt werden, während feuchter oder gesalzter Schnee den besten Winterreifen ausbremst. Wer schon mal in südlichen Ländern nach langer Trockenheit in einen Platzregen geraten ist, wird schnell gemerkt haben, dass auch der beste Sommerreifen auf diesem Gemisch von Wasser, Staub, Gummiabrieb und Betriebsmitteln nichts taugt, eine vom Dauerregen gespülte Fahrbahn hingegen auch mit älteren Reifen sehr sicher zu befahren ist.
    Die diversen Reifentests sind keine Messlatte für bessere oder schlechtere Produkte, denn sonst müssten sich die Tester eigentlich einig sein, was aber so nicht zutrifft. Die geplante Obsoleszenz macht auch hier nicht halt, einige Hersteller verringern stetig die Profiltiefe, andere setzen auf weichere Mischungen, um das Geschäft zu beleben. Bedenklich ist auch der Umstand, dass manche Gummis in der ersten Saison gute Eigenschaften aufweisen, diese dann aber so schnell abbauen, so dass man gezwungen ist schon vorzeitig neue kaufen zu müssen. Es gibt zwar vereinzelt noch wirklich gute Reifen, deren Hersteller lassen sich diese aber auch schwer bezahlen und kaum einer will dieses Geld auch ausgeben.
    Die berühmte Wollmilchsau gibt es nicht und die Frage nach Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen erübrigt sich eigentlich. Gesetzliche Reglementierungen dienen nur dem Markt und den Versicherungen, nicht aber den tatsächlichen Umständen.
    Unbestritten ist allerdings, dass die Standhaftigkeit der Pneus stark zugenommen hat, das ist aber wohl eher ein Resultat der Umstände, dass moderne Vehikel immer schwerer und schneller wurden und ein Reifenplatzer nicht wirklich umsatzfördernd ist.

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