Der Irrglaube ans Gold
Der Irrglaube ans Gold

Der Irrglaube ans Gold

Gold Nuggets / Wikipedia: This work has been released into the public domain by its author, Aramgutang at English Wikipedia. This applies worldwide.https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Native_gold_nuggets.jpg Gold Nuggets / Wikipedia: This work has been released into the public domain by its author, Aramgutang at English Wikipedia. This applies worldwide.https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Native_gold_nuggets.jpg
Gold ist eine Anlage mit erheblichen Risiken. Durch die Finanzkrisen der jüngsten Zeit wird diese Anlageform verklärt. Warum es gute Gründe gibt Gold zu meiden, erläutert Bernd Murawski.

Nachdem der Goldpreis im letzten Dezember auf den tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren gefallen war, erlebte er innerhalb von sieben Monaten einen fulminanten Anstieg von 30 Prozent.

Das Vertrauen der Anlegermärkte ist offenbar zurückgekehrt, manche Spekulanten erwarten sogar eine neue Rally. Dabei gibt es berechtigte Gründe, das Edelmetall zu meiden.

Der Finanzguru Marc Faber hielt Ende Juli sogar einen Portfolioanteil von 25 Prozent für gerechtfertigt, zumal die Kluft zu den früheren Höchstwerten pro Feinunze noch fast 600 $ beträgt. Er begründete seine Sichtweise damit, dass Gold „Schutz vor einer gefährlichen Kombination aus enormer Staatsverschuldung und massiven Anleihekäufen durch Zentralbanken weltweit“ biete.[1] Offenbar sieht er das Schreckgespenst Inflation im Hintergrund lauern. Da sich aber in den letzten zwei Monaten bei den Gold-Notierungen nicht allzu viel bewegt hat, ist Ernüchterung eingetreten. So halten sich Optimisten und Pessimisten gegenwärtig in etwa die Waage.

Als Grund für den sinkenden Goldpreis nach dessen Höchststand vor fast genau fünf Jahren werden neben einem Korrekturbedarf die niedrigen Inflationswerte genannt. Tatsächlich haben sich die Verbraucherpreise trotz weit geöffneter Geldschleusen der Notenbanken nur minimal erhöht, was dem geringen Kaufkraftzuwachs der Konsumentenhaushalte geschuldet ist. Wenn die Inflation zeitweilig stärker zunahm, dann beruhte dies auf Spekulationen bei Lebensmitteln und anderen Grundstoffen, die jedoch nur vorübergehend Wirkung zeigten. Indessen hat die Verbilligung des Rohöls während der letzten zwei Jahre zu einem deflationären Schub geführt. Gleichzeitig mit dem Rückgang des Goldpreises stiegen die globalen Aktienindizes. Offensichtlich fanden Umschichtungen in solche Anlagetitel statt, die relativ stabile Gewinne erzielen konnten.

Gold als Gut mit ideellem Wert

Gold gilt als Stabilitätsanker, dessen Attraktivität in einem inflationären Umfeld steigt. Allerdings ist sein Wert letztlich ideeller Natur, im Gegensatz etwa zu Aktien, Anleihen und Immobilien, die regelmäßige Erträge in Gestalt von Dividenden, Zinsen und Mieten abwerfen. Darüber hinaus unterscheidet sich Gold von anderen Edelmetallen dadurch, dass es nur in geringem Umfang bei produktiven Tätigkeiten eingesetzt wird. Solche sind die Elektronik, die Optik und die Medizin. Die Hauptverwendungszwecke der Gesamtmenge von 155 000 t sind nach Schätzungen folgende[2]:

  • 28 600 t als Wertreserven bei Zentralbanken und anderen Institutionen
  • 79 000 t zu Schmuck verarbeitet
  • 18 000 t in Kunstgegenständen enthalten
  • 25 000 t im Privatbesitz als Barren und Münzen.

Ungefähr 30 Prozent des Goldes wurde allein seit  Mitte der 90er Jahre gefördert[3].

Andere Anlageobjekte mit ideellem Wert wie Antiquitäten und Kunstartikel besitzen im Vergleich zu Gold gewisse Vorteile. So ist der Bestand an antiken Gegenständen und an Werken verstorbener Meister dauerhaft begrenzt. Deren Wertschätzung beruht zudem auf menschlichen Neigungen wie Wissensdrang und ästhetischen Empfindungen. Dagegen wird dem Gold allein auf Grund historischer Überlieferungen ein Wert zugeschrieben. Wie lange währt aber dieser Glaube?

John Maynard Keynes verstimmte seinerzeit Anhänger aus dem linken Spektrum mit dem Einwurf, ein Bau von Schlössern und Pyramiden würde die Wirtschaft ankurbeln. Daran zeigte augenscheinlich niemand Interesse, weil schon damals Symbole von Reichtum passé waren, die zuvor Jahrtausende Bestand hatten. Der Wertewandel hat sich seitdem erkennbar beschleunigt. Modeströmungen wechseln heute schneller, wobei immer jüngere Jahrgänge auf trendgerechten Konsum getrimmt sind. Gleichzeitig haben Besitztitel an Reiz verloren, zumal wenn sie Engagement verlangen, Verpflichtungen implizieren oder keinem klaren Zweck dienen. Im westlichen Kulturkreis, zunehmend aber auch anderswo, wird die Orientierung an traditionellen Werten durch Nützlichkeitserwägungen verdrängt.

Ein Werteumbruch ist besonders bei Sammeltätigkeiten zu erkennen. Wer beispielsweise Medaillen und Gedenkmünzen erbt, wird feststellen, dass deren Verkauf vielfach nur einen Bruchteil jenes Geldbetrags einbringt, der bei der Anschaffung bezahlt wurde. Immer schwerer fällt es kommerziellen Anbietern von Münzen, Kunden von deren vermeintlichem Wertzuwachs zu überzeugen. Unter einem vergleichbaren Preisverfall leiden auch andere Sammelobjekte, da das Interesse an Sammelaktivitäten mit sinkendem Alter rapide nachlässt.

Ein Gedankenspiel zum Gold

Dem Verständnis für die Labilität des Goldwertes soll ein Gedankenspiel dienen. Angesichts der chinesischen Goldzukäufe wird vielerorts geunkt[4], dass der Goldbestand der Zentralbank Chinas weitaus höher sei als offiziell angegeben. Angenommen, dies wäre tatsächlich der Fall, und dahinter stünde die Absicht, den gesamten Besitz an US-Staatsanleihen im Wert von ca. 1,2 Billionen $ sukzessive in Gold umzutauschen. Bei dem gegenwärtigen Unzenpreis würden rein rechnerisch 28 200 t Gold aus westlichen Beständen in die Tresore der chinesischen Zentralbank gelangen. Was wären aber die Konsequenzen, wenn die globalen Leitmedien daraufhin eine massive Kampagne in Gang setzten, die den Besitz von Gold diskreditieren würde?

Erst einmal wären Anleger verunsichert, sodass sie ihre Goldbestände reduzieren würden. Bereits ein geringer Angebotsüberhang dürfte einen signifikanten Preisverfall verursachen, der durch computergesteuerte Verkaufsorder noch beschleunigt würde. Immer mehr Investoren würden sich von ihrem Goldbesitz trennen wollen, bevor die Preise ganz im Keller sind. Gold könnte schließlich seinen „Glanz“ auf Dauer verlieren, was nicht nur Anleger betreffen würde. Ebenso wäre ja das Tragen von Goldschmuck verpönt, wie auch Pelzmäntel betagter Damen in Kleiderschränken unbenutzt verstauben, weil diese fürchten, indirekter Beihilfe zur Tierquälerei bezichtigt zu werden. Und für die chinesische Regierung wäre es angesichts hoher Lagerungskosten vielleicht billiger, das Zentralbankgold im Meer zu versenken.

Dieses fiktive Szenarium illustriert, auf welch wackeliger Grundlage sich die Wertschätzung von Gold bewegt. Dennoch bestehen keine akuten Gefahren. Solange Goldgegenstände in den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern Süd- und Ostasiens ein begehrtes Gut sind, wird die Nachfrage hoch bleiben. Es sei jedoch daran erinnert, dass auch der Wert von Sammelobjekten noch vor einiger Zeit beständig zunahm, als leidenschaftliche Sammler der heutigen Rentnergeneration steigende Geldbeträge für ihr Hobby einsetzten.

 

Anmerkungen

[1] http://www.goldseiten.de/artikel/295033–Marc-Faber-raet-aktuell-zu-25Prozent-Gold-im-Portfolio.htmlhttp:/www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/74343-beihilfe-zur-billionen-steuerentziehung

[2] http://www.chemie.de/lexikon/Gold.html#Verwendung

[3] http://www.goldseiten.de/artikel/169388–Weltweite-Goldproduktion-2013-2012.html

[4] http://www.welt.de/wirtschaft/article124791784/China-bunkert-heimlich-Goldreserven.html

5 Kommentare zu Der Irrglaube ans Gold

  1. Ihr Artikel ist sehr erheiternd,Herr Bernd Murawski.Ich lachte echte Tränen… Mein Großvater hat an die Reichsmark geglaubt wie heute die Masse ebenso mit dem €uro verblödet wird ! 120 000 RM haben sich nach 1945 in Luft aufgelöst ! Hätte er Gold zu dem Wert gehabt , nix wäre verloren gewesen ! Meine Mutter hats als kleines Mädl mit erlebt….und ist genauso stur…was soll schon passieren!Also nix mit Ideellem Wert ,sondern Werte Erhalt !!!

  2. Haben Sie schon mal was von Hyperinflation oder Währungsreform gehört, Herr Murawski ????? Wir stehen kurz davor. Was labern Sie da ständig von Schmuck oder ideellen Wert ?? Abgesehen von der Absicherung für das eigene Vermögen , schauen Sie sich mal die Entwicklung des Goldes seit 2000 an. Wir reden ausserdem von Boullionmünzen oder Barren.

    Wie kann man nur so einen Artikel schreiben. Waren Sie früher mal Redakteur bei der Bäckerblume ?????

  3. Bernd Murawski // 22. September 2016 um 23:12 // Antworten

    Was einmal war, hat nicht notwendig einen ewigen Bestand. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Warum soll dies nicht auch für Werteigenschaften gelten, die Gold zugeschrieben werden?
    Ich verstehe ja, dass jemand anderer Meinung ist. Dann erwarte ich aber, dass er sich mit den von mir vorgebrachten Argumenten auseinandersetzt.
    Ein Verweis auf persönliche Erfahrungen oder historische Fakten reichen verständlicherweise nicht, zumal da hier kein Dissens besteht. Vielmehr erwähne ich selbst die hohe Wertschätzung, die Gold in einigen aufstrebenden asiatischen Ländern (noch) entgegengebracht wird.

    • Möchte Ihnen hiermit nur schreiben, daß Ihr Argument von den hohen Lagerungskosten nicht relevant ist, weil ein Staat wie china sicher genug Ressourcen zur Verfügung haben wird, Gold einzulagern.
      Sonst könnten Sie auch gleich argumentieren, daß das viele Papier für das Bargeld der Zentralbanken hohe Lagerungskosten mit sich bringt.
      Ist ungefähr dasselbe Argument wie wenn man behauptet, man könne Gold nicht essen, kann man vielleicht Immobilien essen ???
      Zu Ihrem Argument bezugnehmend auf Immobilien:

      Das Problem bei diesen Werten ist, daß ca. 80 Prozent aller in Deutschland gekauften Immos auf Kredit gekauft sind und daher im falle einer Zinserhöhung mindestens ebenso crashen wie andere Papierschulden.

      Neuerdings geht in Europa das Gespenst der Immobilienmanie um, eine wahre Spekulations-Hysterie, sich hoch zu verschulden, um dann in Wien oder Berlin sich völlig überteuerte Betonbuden zuzulegen und einen Trottel zu finden, dem man als Vermieter den Kredit aufokktroyieren kann.

      Mag ja trendy sein, funktioniert aber nicht lange, weil die Löhne bekanntlich erstens in Papier gezahlt werden und zweitens fast nicht steigen, wer soll also all diese völlig überteuerten Immobilien mieten, oder meinen Sie vielleicht, der Mieter solle sich ebenso einen Kredit aufnehmen, um die Miete zahlen zu können ???

      Nun, was ihr Argument angeht im Allgemeinen, das Sie Gold nicht mögen oder es nicht als die beste Anlage ansehen, so werde ich nicht wiedersprechen, weil ich das auch so sehe.
      Aber es ist allemal beweglich, universell eintauchsbar, anonym, und es hat kein Ablaufdatum, kein Counterpart-Risk, kein Steuerrisiko und auch kann es schwer nachgedruckt werden, und wenn es gefördert werden muß, dann lasten darauf die Förderkosten.

      Was aber sein kann ist, daß Händler die Spreads ausweiten, es sich schwer verkaufen lassen könnte, wenn niemand freie Kohle hat, wenn alles nurnoch Kredit ist, da gebe ich Ihnen schon recht.

      Nur ist es dann immer noch besser als die fremdfinanzierte Immobilie, die je m2 mehr kostet als man in 2 Monaten brutto verdient im Durchschnitt und in mittlerer Lage (Facharbeitergehalt mit Überstunden).
      Vergessen Sie dann aber auch nicht die Erhaltungskosten, Steuern, Betriebskosten, Versicherung, Zinsen, usw.

      Wer wirklich heutzutage noch Geld verdienen möchte muß sowieso folgende
      Voraussetzungen mitbringen:

      Erstens, er muß nach Spezialsituationen suchen, egal wo, und diese nützen.
      Zweitens, er muß mobil sein, also jederzeit flüßig und außerhalb des Bankensystems.
      Drittens, niedirge Fixkosten haben, also eventuell kann man dazu die günstige Einzimmerwohnung heranziehen, falls noch vor Jahren gekauft als es noch billig war, dann auch die Eigentumswohnung,
      (Heutzutage aber sind Wohnungen schon im totalen Hype und in einer Blase, es kann schwer dargestellt werden, was daran noch ein Schnäppchen sein soll.)
      Viertens, er darf nicht an einen Ort gebunden sein sondern muß jederzeit weltweit einschreiten können.

      Wer also schon 1 Million hat, der soll sich halt eine immobilie kaufen.
      Wer Beamter ist und 4,000 Euro netto unkündbar verdient, der kann sich gerne verschulden (tun sowieso die meisten).
      Wer aber etwas erwirtschaften möchte, der soll alles in Erwägung ziehen und dazu
      gehören auch Gold und Silber.

      PS: Solange der Dollar steigt, werden Edelmetalle leiden. Ich persönlich sehe im Moment eher am Währungsmarkt Chancen, zum Beispiel in Afrika.

  4. Jemand, der sich zu solchen (Finanz-)Themen öffentlich äußert, sollte wenigstens ein rudimentäres Verständnis davon haben. Statt dessen spekuliert der Autor unbedarft fröhlich vor sich hin.
    Nur Gold ist wirkliches Geld, Herr Murawski, und das seit etwa 5000 bis 6000 Jahren! Sein Widerpart, der Papier-Dollar, ist hingegen nur ein Versprechen, wenn auch eines, hinter dem eine ungeheure Militärmaschinerie steht.
    Nicht der Goldpreis schwankt deshalb (das erscheint nur Unbedarften so), sondern der Wert der Währungen gegen Gold – wobei der seit mindestens 5 Jahren manipulativ hoch gehalten wird.
    Aber wie heißt es so schön: Am Ende (eines entsprechenden Zyklus) kehren (via Hyperinflation) alle Papierwährungen wieder zu ihrem wahren Wert zurück: Null.

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