Unser Geldsystem will nicht sparen
Unser Geldsystem will nicht sparen

Unser Geldsystem will nicht sparen

Euro-Scheine © Karin Lachmann Euro-Scheine © Karin Lachmann
Ein Kreditgeldsystem ist kein Spargeldsystem. Die Menschen müssen umdenken. Mit ihren althergebrachten Vorstellungen zum Geld werden sie künftig scheitern. Ein Gastbeitrag von DragaoNordestino.

Wer sich schon mal ein wenig mit dem Geldsystem beschäftigt hat, der hat zwei Dinge gelernt: 1. In einem Kreditgeldsystem (kurz:  KGS) kommen durch Kredite geschöpfte Geldeinheiten (Giral) nicht von der  Zentralbank. 2. Die Annahme, dass Banken das Geld der Sparer benötigen, um Kredite vergeben zu können, mit denen Unternehmen dann investieren, ist falsch.

Zu diesen Missverständnissen falschen Annahmen trägt bei, dass vieles längst sprachlich veraltet ist und einem modernen KGS nicht gerecht wird. So ist zum Beispiel  das Wort  Sichteinlagen eben nur verwirrend. Besser wäre es, sie richtig zu benennen. Für Kontoinhaber  handelt es sich um Sichtforderungen und für die Geschäftsbank (kurz: GB) um Sichtverbindlichkeiten.

In einem modernen KGS steuert nicht die Zentralbank (kurz: ZB) die die Geldmenge  und somit die Menge an Geld, die für Konsum und Investitionen zur Verfügung steht, sondern das nachgefragte Kreditvolumen. Natürlich können ZB’s nach Belieben Geld drucken und bis hin zu Helikoptergeld die Geldmenge künstlich aufblähen.

Nur: Haben wir dann noch ein KGS? Meiner Meinung nach nicht. Wir haben, wenn dies geschieht, ein planwirtschaftliches staatsmonopolistisches Geldsystem, jedoch kein KGS mehr.

Doch lassen wir das. Auch zum Interbankenmarkt und Clearing möchte ich hier nichts weiter sagen. Es geht in diesem Artikel lediglich um die Frage, warum das KGS zunehmend funktionsuntüchtig wird.

Verbrecherischer Unfug

Werfen wir einen Blick auf den Spekulationsmarkt, das sogenannte Finanzkasino, das zunehmend für Unruhe sorgt. Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beziffert das Volumen dieses Marktes auf über 500 Billionen Dollar. Ganz sicher ist dieser Markt einer der Gründe dafür, warum das KGS zu stottern beginnt. Das spekulative Finanzkasino frisst sich wie ein Geschwür immer tiefer in das KGS-System hinein.

Es ist eine Zumutung, was dieses de facto vom Staat autorisierte Spekulationsgesindel mit dem Kreditgeld treibt. Meine Forderung dazu ist deshalb eindeutig: Ein KGS ist kein System der Spekulation, es ist kein Spekulationsgeldsytem. Und deshalb gehören solche Praktiken sofort abgeschafft bzw. verboten.

Unter Spekulationsgeschäften verstehe ich zum Beispiel, dass aus ursprünglich kleinen Risiken (Ausfall eines individuellen Kredits) durch den Spekulationszirkus  konzentrierte Risikobomben gebastelt werden können (strukturierte Finanzprodukte). Diese werden so lange weiterverschoben, bis sie letztlich beim schwächsten Glied in der Kette landen, und dort mit großer Sprengkraft explodieren.

Oder nehmen wir die Kreditausfallversicherung. Jeder, der Lust und Laune hat, kann sich per Kreditausfallversicherung in  x-beliebige  Kredite einhängen. Das ist nicht nur Unsinn, sondern ein Verbrechen der besonderen Art, welches nur in staatsmonopolistischen Gebilden auftauchen kann, weil es dort quasi legal funktioniert.

Aus ursprünglich 300 Milliarden Euro wird durch diesen verbrecherischen Unfug auf einmal das Hundertfache ja Tausendfache. Und natürlich wird von diesen Spekulanten auch alles unternommen, damit die Kredite auch wirklich ausfallen. Nur so können sie abkassieren.

Einige Leute sind der Meinung, dass der Zins und Zinseszins für die auflaufenden Schuldenberge verantwortlich sind und begründen dies, indem Sie darzustellen versuchen, dass der Zins bei der Kreditgeldschöpfung nicht mitgeschöpft wird.

Ich werde dies an einem kleinen Beispiel darstellen: Wenn GB‘s von der ZB im Offenmarktgeschäft 100 Euro Zentralbankgeld zu einem Zinssatz von 10 % pro Jahr erhalten, dann müssen sie der Zentralbank bei Fälligkeit der Schuld (z.B.) nach einem Vierteljahr nicht nur 100 Euro Zentralbankgeld, sondern 102,5 Euro zurückzahlen. Die GB müssten sich bei der ZB also zusätzlich verschulden, um die 2,5 Euro bezahlen zu können.

Das scheint einzuleuchten, ist aber schlicht falsch.  Der Fehler in dieser Beschreibung liegt darin, dass sie nicht berücksichtigt, was die ZB mit den Zinseinnahmen anstellt. Die Zinseinnahmen der ZB stellen unter Abzug der Kosten  Gewinne dar, die  an den Staat ausgeschüttet werden. Der Staat verwendet Gewinne im Normalfall, zum Kauf von Gütern und Dienstleistungen oder zur Zahlung von Zinsen und Tilgungen auf staatlichen Kredit. Dadurch fliesst den Privaten genau diejenige Menge an Zentralbankgeld zu, die die GB’s als Teil der Privaten benötigen, um den Zins an die Zentralbank zahlen zu können. Alles geschieht ohne jede zusätzliche Verschuldung der Privaten gegenüber der ZB oder gegenüber dem Staat.

Das Gleiche findet im Normalfall bei allen Zinszahlungen auf Kredite statt. Ein Problem entsteht nur dann, wenn Zinsen gehortet werden.

Und was lässt die Schuldenberge ins Unermessliche wachsen?

Ein Märchen

Ich möchte dieses Thema mit einem kleinen Märchen beschreiben, welches mir ein befreundeter Blogger freundlicherweise zum Abdruck freigestellt hat, und das ich hier in leicht gekürzter Form wiedergebe.

“Stellen wir uns ein sehr vereinfachtes Beispiel vor, welches den tatsächlichen Systemfehler für ein Kreditgeldsystem aufzeigt. Dazu verwende ich die beiden genossenschaftlich organisierten Großverteiler  Migros und Coop in der Schweiz.
Gehen wir nun aber in unserem Beispiel davon aus, dass die Migros einen Eigentümer hat: Herrn Zapfenstreich. Nehmen wir nun des weiteren an, alle Menschen hätten 100 Franken erhalten; wir nehmen nun an, dass es kein weiteres Geld gibt. Jeder braucht zu essen. Also gehen alle in die Migros und kaufen für diese 100 Franken Lebensmittel ein. Die Migros hat nun also 800 Millionen Franken eingenommen. Sie zahlt Löhne und Lieferanten, zahlt ihnen aber nur 600 Millionen insgesamt. Herr Zapfenstreich spart also 200 Millionen, so unsere Annahme. Somit hat jeder wieder – wenn wir davon ausgehen, dass alle entweder in der Migros arbeiten oder sie beliefern – 75 Franken im Sack; nur Herr Zapfenstreich ist reich und hat 200 Millionen.
Herr Zapfenstreich geht nun hin und baut für 200 Millionen Coop auf.Cclever wie er ist, rechnet er sich aus, noch mehr Geld zu verdienen! Natürlich sind die 200 Millionen auch wieder in den Taschen der Menschen, denn sie haben ja Coop gebaut. Somit hat wieder jeder 100 Franken im Sack. Die Menschen gehen nun mit 50 Franken in die Migros und mit den anderen 50 in den Coop, denn zu essen brauchen sie ja. Somit haben Migros und Coop je 400 Millionen eingenommen. Beide zahlen wieder die Löhne und Lieferanten, insgesamt je 300 Millionen. Jetzt hat jeder nur noch 75 Franken in der Tasche, Herr Zapfenstreich aber hat wieder die 200 Millionen. Jetzt merkt er, dass Coop eigentlich überflüssig ist, hat er ja genau gleich viel verdient. Aber Coop steht nun einmal, also lässt er in stehen und arbeitet weiter mit diesen beiden Firmen.
Die Leute gehen hin mit ihren 75 Franken und kaufen je für 37.50 Franken ein. Migros und Coop nehmen je 300 Millionen ein. Da Herr Zapfenstreich ziemlich geizig ist, stellt er sich vor, dass ihm nun nichts anderes übrig bleibt, als die Löhne zu kürzen, hat er doch je 100 Millionen weniger umgesetzt. Na sowas! Er zahlt den Angestellten und Lieferanten jetzt halt insgesamt nur noch je 250 Millionen aus. Jetzt hat jeder Schweizer noch 62.50 Franken im Sack. Alle gehen wieder in Migros und Coop. Essen müssen sie ja schliesslich. Sie kaufen nun halt, wohl oder übel, für nur noch je 31.25 Franken ein…
Die Bürger finden, “jetzt ist aber genug!” Sie gehen auf den Bundesplatz und protestieren lauthals, der Staat solle etwas machen. Der Bundesrat, Herr Grossmaul, fühlt sich geehrt, dass die Bürger ihm so vertrauen, dass er die Dinge wieder ins Lot bringt. Er verspricht den Menschen, dass er da Abhilfe schaffen wolle. So sagt er: “Wohlan, der Staat ist vertrauenswürdig, denn schliesslich steckt ja da die ganze Volkswirtschaft dahinter. Also kann sich der Staat ja auch verschulden.” Er füllt einen Zettel aus, worauf steht: „Dies ist ein Schuldschein der Schweizerischen Eidgenossenschaft – Wert: 300 Millionen Schweizer Franken – gezeichnet: Grossmaul“.
Herr Zapfenstreich findet das eine gute Idee und kauft den Schuldschein selbstverständlich sofort auf, denn schliesslich hat er ja die 300 Millionen im Sack. Herr Grossmaul verteilt die 300 Millionen an die Bürger, sodass jeder 37.50 Franken erhält. Das Volk ist glücklich und bejubelt die Grosszügigkeit von Herrn Grossmaul und wählt ihn zum Bundespräsidenten, welcher sich natürlich geehrt fühlt. Jetzt haben sie alle wieder Geld und sind glücklich.
Zwei Monate später hat, wie könnte es denn anders sein, jeder statt der 100 Franken wiederum nur 62.50 zur Verfügung. Sie protestieren wieder auf dem Bundesplatz… Den Rest der Geschichte können Sie sich selber ausmalen. War ja nur ein Märchen.
„[1]

Ursache und Wirkung

War da der böse Zins schuld? Welcher Zins? War da das Schuldgeld schuld? Welches Schuldgeld? Sind die Banken böse? Welche Banken? Ist Herr Grossmaul böse? Aber den haben sie ja zum Präsidenten gewählt! War Herr Zapfenstreich böse? War Herr Zapfenstreich denn nicht der Spiegel unseres Selbst? Was kann man Herrn Zapfenstreich denn vorwerfen? Dass er gespart hat? Dass er den Menschen ihre Lebensmittel geliefert hat? Dass er für sein Alter vorgesorgt hat?

Hätte Herr Grossmaul nicht interveniert, hätten Herrn Zapfenstreichs Firmen bald Konkurs anmelden müssen, weil die Leute kein Geld mehr gehabt hätten. Und Herr Zapfenstreich hätte auch keines mehr gehabt. Nur noch seine Firmengebäude, die nun langsam verfallen würden. Aber die Leute wären verhungert…

Hätte sich beim Schwundgeld etwas verändert.? Nein, Herr Zapfenstreich hätte sein Geld genau gleich gemacht. Hätte denn eine Zentralbank genützt, wo nur sie Geld ausgeben kann.?  Hätte Vollgeld genützt? Hätte denn angeblich zinsloses Geld, also zinsloser Kredit etwas bewirkt.? Auch da: Fehlanzeige! Herr Zapfenstreich hätte das Geld genau gleich vereinnahmt, denn alle müssen essen, alle gehen in seine Firmen. Aber es sind keine bösen Firmen, denn die Firmen, das sind wir, die wir dort arbeiten. Also doch Herr Zapfenstreich! Bringen wir ihn einfach um? Herr Zapfenstreich hat sich nichts zuschulden kommen lassen im Rahmen der Gesetze! Wie können wir ihn denn verurteilen? Wenn wir in den  Spiegel schauen, heissen wir dann nicht alle  Zapfenstreich! [1]

Wir sehen, so einfach ist das nicht! Jetzt machen wir einfach ein neues System. Jedoch ist noch nicht alles verloren , denn im Grunde ist es ganz einfach – das heißt, wenn man den politischen Willen dazu aufbringen würde. Das wird allerdings immer schwieriger, je weiter der neoliberale staatsmonopolistische Kapitalismus an Gelände gewinnt.

Ein modernes und effizientes Kreditgeldsystem ist kein Spargeldsystem! Wirtschaftsteilnehmer, die einen Kredit aufnehmen, geben dieses Geld in der Wirtschaft aus. Zum Beispiel kaufen sie Rohstoffe, um daraus dann ein Produkt zu erzeugen, dass sie weiterverkaufen können. Das erzeugte Kreditgeld befindet sich so nun im Tauschmittelkreislauf und das Geld tauscht andauernd weiter. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wie dieses Geld den Tauschmittelkreislauf verlassen kann.

Entweder das Tauschmittel wird durch Ablösung des Kredits wieder vernichtet (Das Geld hat in der Zeit seiner Existenz als Tauschmittel funktioniert und hat im besten Fall der Allgemeinheit durch Schaffung von Mehrwert gedient) oder aber es wird gespart. Unter gespart verstehe ich in diesem Artikel jede Art von geparktem Kreditgeld.

Gespartes Geld kauft aber nicht mehr in der Wirtschaft ein…wird also de facto dem Tauschmittelkreislauf entzogen. Durch das Sparen wird in einem modernen KGS dem Tauschmittelkreislauf Tauschmittel entzogen und es kommt zu einer Reduzierung der Wirtschaftsleistung.

Wir müssen umdenken

Die Folge: Kreditnehmer gehen pleite, es sei denn, durch einen neuen Kreditnehmer wird wieder neues Geld erzeugt, welches das Geld ersetzt, das durch das Sparen dem Geldsystem entzogen wurde – oder aber, die ZB’s werfen wie heute quasi Helikoptergeld ab oder monetarisieren Staatsschulden was bedeutet, dass Schuldtitel der Regierungen von der ZB, mit frei aus der Luft geschöpftem Geld aufgekauft werden.

Man muss eben immer berücksichtigen, dass des einen Guthaben, in einem KGS, des andern Kredite (Schulden) sind. Der wahre Schuldige an der Ganzen Schuldenmisere ist also nicht  das Zins- und Zinseszins Problem, sondern vielmehr das Parken von unglaublich hohen Summen, welche dann eben dem KGS entzogen,  nicht mehr dem ursprünglichen Zweck dienen.

Die Menschen müssen umdenken. Mit ihrem althergebrachten Verständnis vom Geldsystem kommen wir in einem KGS nicht weiter. Die Menschen müssen sich andere Sparmöglichkeiten suchen. Kreditgeldeinheiten des KGS sind dazu nicht geeignet und auch nicht dazu da. Dieses Horten von Kreditgeldeinheiten wird das heute laufende KGS unweigerlich an die Wand fahren.

Die Nachricht, die Thomas Castorp kürzlich gebloggt hat (“Deutsche bunkern Geld im Tresor”) ist folglich eine ausgesprochen schlechte Nachricht. Die Menschen reagieren falsch. Durch das Bunkern von Kreditgeldeinheiten werden die Schuldenberge nur noch schneller wachsen.

 

Anmerkung

[1] https://sites.google.com/site/geldsysteminfo/home